Ermäßigung und Erlass der Immobiliensteuer 2015 in Griechenland

8. September 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.463

Wer und wie 2015 in Griechenland die ENFIA zu zahlen hat und gegebenenfalls eine generöse Ermäßigung oder sogar Befreiung von der Immobiliensteuer erreichen kann.

In Griechenland wird (alles andere als zufällig) erst unmittelbar nach den auf den 20 September 2015 anberaumten vorgezogenen Parlamentswahlen mit der elektronischen Zustellungen der „Briefchen“ des Finanzamts bezüglich der sogenannten „Einheitlichen Immobilien-Besitzsteuer“ (ENFIA) 2015 begonnen werden.

Für dieses Jahr (2015) änderte sich an der Steuer trotz aller vollmundigen Versprechungen jedoch nichts und sie wird sogar nach wie vor auf Basis der ebenfalls seit 8 Jahren nicht mehr angeglichenen und mittlerweile völlig absurden „Einheitspreise“ erhoben werden.

Immobilienbesitzer werden mit 3,2 Mrd. Euro zur Kasse gebeten

Insgesamt sind in diesem Jahr die Eigentümer von (bzw. Inhaber dinglicher Rechte an) wie auch immer gearteter Immobilien in Griechenland erneut aufgefordert, den (nominalen) Betrag von 3,2 Mrd. Euro an den griechischen Fiskus zu entrichten (wovon 2,65 Mrd. Euro als beitreibungsfähig gelten), und zwar in fünf Raten, von denen die erste – unabhängig von dem Ausstellungsdatum des entsprechenden Steuerbescheids!- bis zum 31 Oktober 2015 und die letzte bis Ende Februar 2016 zu entrichten ist.

Die Feststellung der ENFIA wird nach Vollendung der Abrechnung der (diesjährigen) Einkommensteuererklärungen und auf Basis der sogenannten Immobiliendeklaration (E9) erfolgen. Auch für dieses Jahr gilt die Ermäßigung um 20% für leer stehende und nicht elektrifizierte Räumlichkeiten. Die Steuer haben alle Immobilienbesitzer zu entrichten, einige können jedoch der ENFIA zur Hälfte oder sogar auch vollumfänglich entkommen, sofern sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen.

Die Immobilienbesitzer müssen sich (spätestens) gegen Ende Oktober 2015 mit ihren persönlichen Zugangsdaten in das TAXISnet-System einloggen, um die Steuerbescheide auszudrucken und die ihnen entsprechende Steuerschuld unter Angabe der entsprechenden Kennnummer zu begleichen. Gemäß der geltenden Gesetzgebung haben jedoch alle, die die aufgrund eines wirtschaftlichen Unvermögens nicht in der Lage sind, die Steuer zu entrichten, unter konkreten Voraussetzungen einen Anspruch auf Minderung oder völligen Erlass der Steuer.

Voraussetzungen für Ermäßigung oder Erlass der ENFIA

Um eine teilweise oder sogar völlige Befreiung von der ENFIA geltend  machen zu können, müssen fallweise nachstehende Voraussetzungen einhergehen:

  • Eine Ermäßigung der ENFIA um 50% kann erfolgen, wenn für das konkrete Jahr ein wirtschaftliches Unvermögen zur Zahlung festgestellt wird. Dafür müssen jedoch kumulativ die folgenden Voraussetzungen einhergehen:
    1. Das steuerpflichtige Gesamteinkommen (Familieneinkommen) des vergangenen Jahres darf 9.000 Euro nicht übersteigen. Dieser Betrag erhöht sich um jeweils 1.000 Euro für den Ehepartner und jedes finanziell abhängige Familienmitglied.
    2. Die Gesamtfläche aller obigen Personen gehörenden Gebäude(-flächen) darf 150 qm nicht übersteigen.
    3. Der – wie für die Berechnung der Zusatzsteuer bestimmte – Gesamtwert des Immobilienvermögens darf für den Ledigen den Betrag von 80.000 Euro, für den Verheirateten und seinen Ehepartner oder die Familie eines Alleinerziehenden mit einem (1) wirtschaftlich abhängigen Kind den Betrag von 150.000 Euro und für den Verheirateten, seinen Ehepartner und ihre wirtschaftlich abhängigen Kinder oder die Familie eines Alleinerziehenden mit zwei Kindern den Betrag von 200.000 Euro nicht übersteigen.
  • Eine vollständige Befreiung (100%) von der ENFIA kann erfolgen, wenn kumulativ die folgenden Voraussetzungen bestehen:
    1. Das steuerpflichtige Familienkommen des vergangenen Jahres darf 12.000 Euro nicht übersteigen. Dieser Betrag erhöht sich um jeweils 1.000 Euro für den Ehepartner und jedes finanziell abhängige Familienmitglied.
    2. Die Gesamtfläche der allen obigen Personen gehörenden Gebäude(-flächen) darf 150 qm nicht übersteigen.
    3. Die Anzahl der wirtschaftlich abhängigen Kinder hat drei oder mehr zu betragen oder der Steuerpflichtige (Veranlagte) oder sein Ehepartner oder eins der wirtschaftlich abhängigen Kinder der Familie muss zu 80% oder mehr behindert sein.
  • Eine Ermäßigung der ENFIA um 20% für leer stehende und nicht elektrifizierte Immobilien wird gewährt, sofern diese das gesamte Jahr über leer standen und nicht elektrifiziert waren. (Anmerkung: diese Ermäßigung erfolgt „automatisch“ und wird auf den Bescheiden zur ENFIA explizit ausgewiesen – allerdings nur, wenn die in miitels der Formulare E1, E2 und E9 deklarierten Angaben übereinstimmen …!)
    Nachtrag: Diese Ermäßigung wurde ab 2016 völlig gestrichen!

Es sei angemerkt, dass die ENFIA für Gebäude(-flächen) analog zu dem in der jeweiligen Region, in der die Immobilie liegt, geltenden Zonenpreis mit Sätzen von 2 – 13 Euro pro qm veranschlagt wird. Die finale Steuer ergibt sich allerdings auch aus anderen Faktoren, wie Stockwerk, Anzahl der Frontseiten und ob es sich um ein Einfamilienhaus oder einen Rohbau handelt. Für Grundstücke / Landparzellen wiederum wird die ENFIA analog zu dem Zonenpreis der Region veranschlagt, in dem die Immobilie liegt.

((Quelle: Imerisia)

  1. xenya
    8. September 2015, 11:08 | #1

    In Bremen zahlt ein Mehfamilienhaus mit sieben Wohnungen 800 Euro Steuern. Es ist elendig mitanzusehen, dass hier nach qm der Wohnflaeche berechnet wird und in Deutschland nur die Quadratmeter des Gesamtgrundstuecks berechnet werden.Trauriges diktatorisches Griechenland!

  2. LiLo
    23. September 2015, 08:44 | #2

    europakonform wäre: Immobilien / Grundbesitzabgaben gehen an die entsprechende Gemeinde! Einnahmen aus Immobilien werden zu den persönlichen Sätzen versteuert.
    Fazit: ENFIA, von Europa verordnet, ist nicht mit den Gesetzen der meisten europäischen Länder konform, daher auch nicht rechtmässig?!

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