Wollte der IWF eine linke Regierung in Griechenland sabotieren?

5. August 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2020 / Aufrufe: 1.321

Der Finanzminister der vorherigen Regierung in Griechenland unter Antonis Samaras bezichtigt den IWF, die heutige Situation aus politischen Gründen herbeigeführt zu haben.

Am selben Tag, an dem bei der bekannten Telekonferenz der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis mit der Präsentation seines berüchtigten Plans B Feuer entzündete, lastete Gikas Chardouvelis, der als damaliger Finanzminister der im Januar 2015 abgewählten Regierung unter Antonis Samaras das Zepter des Finanzministeriums an Yanis Varoufakis übergab, vor den selben Investoren sprechend die Verantwortung für die heutige Situation der … Engstirnigkeit des IWF an.

Obwohl – wie der damalige Finanzminister laut einer Veröffentlichung der Zeitung „Ethnos“ vertritt – im Dezember 2014 die im Rahmen des laufenden Programms anhängige Bewertung grünes Licht von der Kommission erhalten hatte, „sahen“ die übrigen Troika-Mitglieder die SYRIZA kommen und weigerten sich, Gelder freizugeben.

Varoufakis‘ Plan B war nicht die einzige Überraschung

IWF und EZB waren sich damals uneinig. Ich glaube, der IWF handelte politisch, und denke, dass dies ein ernsthafter Fehler von ihrer Seite war. Hätten wir uns damals geeinigt, würden wir jetzt nicht an diesem Punkt angelangt sein„, erklärt Gikas Chardouvelis.

Wie in dem in Rede stehende Artikel der Zeitung „Ethnos“ berichtet wird, umfasste der von dem britischen geschäftsführenden Vorstand des OMIF (Official Monetary and Financial Institutions Forum), David Marsh, am 16 Juli 2015 organisierte Zyklus noch zwei weitere telefonische Interviews mit Plutarchos Sakellaris (u. a. stellvertretender Ehrenvorsitzender der Europäischen Investitionsbank) und Gikas Chardouvelis (u. a. Finanzminister der vorherigen Regierung unter Samaras) und zusätzliche Überraschungen.

Die beiden – sehr gut über das sich in Europa zusammenbrauende Unheil Bescheid wissenden – Ökonomen waren sich einig, dass die „Partner“ (Griechenlands) keinen nominalen Schuldenschnitt akzeptieren werden und es einer mutigen Prolongierung bedürfe. Sie waren sich ebenfalls einig, dass eine Lockerung im fiskalischen Zweig nötig ist und die großen Haushaltsüberschüsse ein Feind der Stabilisierung der Wirtschaft sind.

Griechenland hat mehr als alle anderen Länder getan

Beeindruckend war an diesem Punkt die Stellungnahme des Herrn Chardouvelis, der zu den internationalen Investoren sagte, er habe eine Lösung zur Entlastung der Verschuldung vorgeschlagen, die jedoch nicht diskutiert wurde, weil die (damals anhängige) Bewertung zu Ende gebracht werden musste. Und im weiteren Verlauf enthüllte er, dass die Bewertung bei der Eurogruppe im Dezember 2014 mit der Kommission abgehakt worden war, wobei Pierre Moscovici äußerte, Griechenland habe mehr als für diesen Zweck erforderlich und sogar mehr als alle anderen in einem Programm befindlichen Länder getan.

IWF und EZB waren sich jedoch damals nicht einig. „Ich glaube„, sagt Herr Chardouvelis, „dass der IWF politisch handelte, und denke, dass dies ein ernsthafter Fehler von ihrer Seite war„. Wie er erklärt, sahen sie damals die Meinungsumfragen und begriffen, dass in Kürze die SYRIZA an der Regierung sein werde, und wollten ihr Geld zurückhalten. Sie hätten jedoch – sagt er selbst – die Bewertung abschließen und das Geld schrittweise auszahlen und die (neue SYRIZA-) Regierung zwingen können, früh zu handeln, und endet: „Hätten wir uns damals geeinigt, würden wir jetzt nicht an diesem Punkt angelangt sein.

(Quelle: newmoney.gr)

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