Teilzeitarbeit wird zur Hauptbeschäftigungsform in Griechenland

11. August 2015 / Aufrufe: 947

Die Teilzeitbeschäftigung tendiert in Griechenland zur Hauptbeschäftigungsform zu werden und die klassische Vollzeitbeschäftigung zu substituieren.

Eine Schrumpfung der Lohnarbeit in der typischen Form der Vollzeitbeschäftigung um fast 500.000 Arbeitnehmer und eine Verdoppelung der Teilzeitbeschäftigung, die signifikant anstieg und Dimensionen einer Festanstellung annimmt, stellt der Bericht der GSEE über die griechische Wirtschaft fest, der bereits dem Premierminister Alexis Tsipras und den politischen Führern der Parteien überreicht wurde und – wie jedes Jahr – im September während der Dauer der Internationalen Messe in Thessaloniki präsentiert werden wird.

Die Ergebnisse des Berichts des Verbands beziehen sich auf die fünf Jahre 2010 – 2014 und erhalten angesichts der Tatsache besonderen Wert, dass im Rahmen der laufenden Verhandlungen mit den Gläubigern Griechenlands umgehend die Diskussion über neue Eingriffe in den Arbeitsmarkt beginnen wird.

Deregulierung trägt nicht zur Bewältigung der Arbeitslosigkeit bei

Auf den Tisch kommen wieder kollektive Verhandlungen, Massenentlassungen und das Gewerkschaftsgesetz, wobei die griechische Regierung diverse Änderungen anstrebt, welche die bis heute erfolgten Eingriffe in das Beschäftigungswesen verbessern sollen, und die Gläubiger den Beginn eines Dialogs auf Basis der im übrigen Europa geltenden optimalen Praktiken erörtern.

Mittels ihres Berichts zeigt die GSEE jedenfalls, dass die Deregulierung des Arbeitsmarkts nicht Teil der Politik zur Bewältigung der Arbeitslosigkeit sein kann. Sie hebt hervor, dass die Qualität der Arbeitsplätze weiterhin schlechter wird und die formlosen und ungewünschten Beschäftigungsformen mit signifikanten negativen Konsequenzen für das Einkommen der Arbeitnehmer, das Humankapital der Wirtschaft und die Produktivität zunehmen. Die empirischen Befunde des Berichts zeigen ebenfalls, dass eine hohe Wechselbeziehung zwischen den unsicheren Arbeitsplätzen und der Armut besteht, während die Senkung der sozialen Pro-Kopf-Aufwendungen zu der weiteren Abwertung des Lebensniveaus der Arbeitnehmer und Rentner beigetragen hat.

Der Verband betont, dass sowohl für das laufende als auch das Jahr 2016 keine Wachstumsdynamik existiert, da die Einschätzungen bezüglich des Rhythmus des wirtschaftlichen Wachstums für 2015 und 2016 negative Folgen hinsichtlich der Möglichkeit der Wirtschaft sind, aus der aktuellen Krise herauszukommen.

Anstieg der Teilzeitbeschäftigung nur auf dem privaten Sektor

Detaillierter untersucht die GSEE die Entwicklung der Unsicherheit der Beschäftigung während der Dauer der Periode 2010 – 1015 und hebt die Änderungen hervor, die erfolgt sind und in einem signifikanten Grad die Konsistenz und Charakteristika der Lohnarbeit in Griechenland beeinflusst haben. Und sie stellt eine Schrumpfung der Lohnarbeit in dem typischen Arbeitsverhältnis um 492.300 Arbeitnehmer bzw. eine Quote von 21,3% fest, wobei sich fast 2/3 des in Rede stehenden Rückgangs auf Männer beziehen. Die befristete Beschäftigung ging entsprechend um 1/4 bzw. 82.200 Arbeitnehmer zurück, wobei sich 88% (71.800) auf Vollzeit-Arbeitsverhältnisse hauptsächlich von Frauen bezogen.

Auf der Gegenseite dieser Veränderungen wird fast eine Verdoppelung der Beschäftigten mit unbefristeter Teilzeitbeschäftigung (83.2500 Personen bzw. 90%) verzeichnet, wobei die Frauen an dem in Rede stehenden Anstieg mit einer Quote von 57% beteiligt sind. Die Teilzeitbeschäftigung in Form der (unbefristeten) Festanstellung erfuhr folglich während der Dauer der wirtschaftlichen Krise eine signifikante Stärkung und substituierte inzwischen die Beschäftigung temporär eingestellter Arbeitnehmer (also die befristete Beschäftigung).

Die vorstehenden Verschiebungen bei den Arbeitnehmern beeinflussen spezieller den privaten Sektor der Wirtschaft, da der allgemeine öffentliche Sektor verhältnismäßig zu 34% an der Schrumpfung des typischen Arbeitsverhältnisses und zu 27,5% bei dem Rückgang der befristeten Beschäftigung involviert ist. Der Anstieg der unbefristet Teilzeitbeschäftigten betrifft jedoch ausschließlich die Beschäftigten des privaten Sektors der Wirtschaft (82.960 Personen). Die vorstehend angeführten Entwicklungen und hauptsächlich die Rückgänge, welche die Kategorien der Lohnarbeit in der Periode 2010 – 2013 erfuhren, sind sehr viel größer, da im letzten Jahr die Lohnarbeit einen Anstieg um 51.200 Beschäftigte verzeichnete, und zwar hauptsächlich in der Form der befristeten Beschäftigung.

Signifikante Stärkung „flexibler“ Beschäftigungsformen

Während der Periode 2010 – 2013 waren die in Lohnarbeit beschäftigten Frauen in einer Analogie von 40% von dem Rückgang des typischen Arbeitsverhältnisses, mehr als zur Hälfte (52,5%) von dem Rückgang der befristet Beschäftigten und zu 62% von dem Anstieg der unbefristet Teilzeitbeschäftigten betroffen (die entsprechenden summarischen Verschiebungen in der Periode 2010 – 2013 waren 475.900, 119.400 und 52.850). In der selben Periode war der allgemeine öffentliche Sektor mit einer Quote von 26% bei der Schrumpfung des typischen Arbeitsverhältnisses und 22% bei der Reduzierung der befristeten Beschäftigung betroffen. Der Anstieg im letzten Jahr beruht ausschließlich auf dem privaten Sektor der Wirtschaft, da die Beschäftigung auf dem allgemeinen öffentlichen Sektor weiterhin absteigend war.

Der summarische Anstieg der Lohnbeschäftigung auf dem privaten Sektor der Wirtschaft um fast 92.000 Frauen und Männer beruht zu 3/4 auf der Veränderung der Beschäftigungsquote der Frauen mit einem typischen Arbeitsverhältnis. Die Beschäftigung der Männer stieg hauptsächlich in Form der befristeten Beschäftigung an, während die Zunahme der unbefristet Teilzeitbeschäftigten sich gleichermaßen auf beide Geschlechter erstreckte.

Schlussfolgernd scheint die Flexibilität der Beschäftigung in Griechenland während der Dauer der wirtschaftlichen Krise und als Resultat des dramatischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit und des Verlusts der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer, aber auch der institutionellen Interventionen auf der Ebene der Arbeitsverhältnisse signifikant gestärkt worden zu sein.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

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