Nicht nur Griechenland will an Matratzengeld

30. August 2015 / Aufrufe: 2.094

Nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa werden Bemühungen unternommen, sogenanntes Matratzengeld in das Banksystem zurück zu führen.

Die Bemühung um die Rückführung abgezogener Guthaben zu den Banken ist nicht nur eine griechische, sondern paneuropäische Angelegenheit, da die Ungewissheit auf den Märkten die Sparer beunruhigt und sie dazu bringt, mehr ihrer „Matratze“ als den Banken zu vertrauen.

In die Richtung der Stärkung des Vertrauens der Sparer bewegt sich auch die Gründung eines europäischen Einlagensicherungsfonds für die Gesamtheit der systemischen Banken der Eurozone, die im September 2015 in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und der EZB in Angriff genommen werden soll. Der Fonds wird die Guthaben bis zu 100.000 Euro für jede Bank garantieren, die in ein Unvermögen zur Absicherung ihrer Einlagen gerät, und wird für den jeweiligen nationalen Einlagensicherungsfonds unterstützend wirken. Höheres Ziel seiner Gründung ist, das Vertrauen der Sparer in die Banken zu vertiefen und die „Flucht“ der Einlagen mit Ziel die „Matratze“ einzuschränken.

Griechenlands Banken hoffen auf die Rückkehr von 30 Mrd. Euro

Die griechischen Banken hegen das ehrgeizige Ziel, bis Juni 2016 einen Betrag von rund 30 Mrd. Euro in ihre Kassen zurückzuführen, davon 10 Mrd. Euro aus Geldern, die sich unter der „Matratze“ befinden, und 20 Mrd. Euro aus den Schließfächern.

Die in Griechenland außerhalb des Banksystems in Umlauf befindliche Geldmenge betrug vor der Verhängung der Kapitalverkehrskontrollen 50,5 Mrd. Euro und sank im Juli auf 50,1 Mrd. Euro, da Bedürfnisse der Haushalte und Unternehmen gedeckt wurden, die innerhalb der Grenzen beim Kapitalverkehr nicht gedeckt werden konnten. Es handelt sich um einen in physischem Geld in Umlauf befindlichen Betrag, der auf dem Höchststand vieler Jahre verbleibt und dessen Wert zu den höchsten in der Eurozone zählt, da er ungefähr 27,8% des BIP entspricht, wogegen der Durchschnittswert in den übrigen Ländern bei 6% – 8% liegt.

Man könnte sagen, einer der Gründe für die große in Umlauf befindliche Bargeldmenge ist, dass die Geschäftsvorgänge in Griechenland im Gegensatz zu der übrigen Eurozone nicht hauptsächlich elektronisch (bzw. bargeldlos) abgewickelt sind und der Rückgang des in Umlauf befindlichen physischen Geldes mit der immer mehr zunehmenden Verwendung der Debit- und Kreditkarten eintreten wird.

Sprunghafter Anstieg der Nachfrage nach Banknoten seit 2008

In der Praxis befinden wir uns jedoch vor einem Phänomen, Bargeld zu Hause (oder an anderen als sicher betrachteten Orten) zu horten, dessen Anstieg auch im übrigen Europa beobachtet wird. Bankiers zufolge handelt es sich um eine Tendenz, die eine Folge der weltweiten Rezession ist, wobei die Krise das Bargeld als zu 100% zuverlässig aufzeigt und das Finanzsystem zwingt, seine Stabilität und seinen Wert zu beweisen.

Die Turbulenzen in Griechenland und die Szenarien bezüglich einer Rückkehr zur Drachme führte europaweit zu einer Welle der Nachfrage nach Bargeld. Es ist allerdings anzumerken, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bereits nach dem Zusammenbruch der Lehman Brothers im Jahr 2008 sprunghafte Anstiege bei der Nachfrage nach Banknoten zu verzeichnen begann. Der größte Teil der steigenden Nachfrage bezog sich auf Banknoten höheren Wertes, wie 200- und 500-Euroscheine, was als klares Zeichen für die Sorge der Sparer gewertet wird, Bargeld zu horten.

(Quelle: Capital.gr, Autorin: Nena Malliara)

  1. windjob
    30. August 2015, 06:21 | #1

    Mal ehrlich, warum soll ich mein Geld zur Bank bringen? Zinsen gibt es sowieso keine, man muss sogar mit negativ Zinsen rechnen da ist das Geld unter der Matraze doch besser aufgehoben und kostet auch keine Gebühren. Ich kann jederzeit darauf zugreifen. Sowie es wieder vernünftige Zinsen gibt löst sich das Problem von allein.

  2. Hansi
    30. August 2015, 10:45 | #2

    Die Griechen wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie ihr Geld wieder auf griechische Banken bringen würden. Die nächste Finanzkrise in Griechenland kommt bestimmt, das aktuelle Rettungspaket mit 86 (bzw. 91) Milliarden wird nicht mal ein dreiviertel Jahr reichen. Fast das ganze Rettungspaket geht in den Schuldendienst und Rekapitalisierung der Banken. Letzteres klingt erstmal nach einer Verbesserung, ist aber im Wesentlichen nötig geworden, weil Tsipras die Banken Staatsanleihen aufkaufen liess, was illegale Staatsfinanzierung war.

    Es läuft darauf hinaus, daß fast alle Griechen sich ein Bankkonto im Ausland, z.B. Mazedonien oder Zypern besorgen werden. Da besteht keine Gefahr, daß die Konten eingefroren oder weiteren Kapitalverkehrskontrollen unterzogen werden. Jeder Grieche mit Verstand wird einem potentiellen Geschäftspartner sagen, wir machen das Geschäft, aber nur wenn die Abwicklung über ausländische Konten erfolgt.

    Wenn ich Grieche wäre, würde ich mein Konto bei einer griechischen Bank komplett leerräumen, das geht natürlich wegen der Kapitalverkehrskontrollen nur langsam, aber über die nächsten Jahre würde sich meine Einstellung zu griechischen Banken wohl auch nicht ändern.

  3. Taurus
    30. August 2015, 18:18 | #3

    Mit Wechselkursmanipulation, Bankenunion (bedeutet wohl gesündere ausländische Banken haften für Pleitiers aus aller Herren Länder incl. Osteuropa, das garnicht in der Eurozone ist) und diversen Maßnahmen der Südländer gegen Deutschland, inclusive der Lügen über geringe Inflation (Einzelhandelspreise im Vergleich zu Einzelhandelsvolumen) lockt man doch kein Geld zurück auf eine Bank. Schon überhaupt nicht in Griechenland. 6 Regierungen in weniger als 10 Jahren. Das ist auch keine politische Stabilität. Da ist es aberwitzig anzunehmen, dass das Matratzengeld zurückkommt.

  4. Naja
    31. August 2015, 23:56 | #4

    Auf Grund dieses hohen Bargeldverkehrs in Griechenland wäre auch ein weiterer Bankenschluss nicht annähernd so schlimm gewesen, wie von Tsipras und den Medien behauptet. Ein deutliches „Nein“ von Tsipras in Brüssel hätte die weitere Schließung der Banken inkl. einiger Bankenpleiten nach sich gezogen – das wäre es dann gewesen. Große Unternehmen haben ohnehin Konten bei ausländischen Banken, sie wären genausowenig betroffen wie alle Reichen, die mindestens ein Konto bei UBS & Co haben. Der „kleine Mann“ sowie alle Mittelständler arbeiten längst mit Bargeld und sind gut darauf eingestellt. Wenn dem Staat bzw. Syriza dann noch eingefallen wäre, wie Renten und Löhne sowie eine Grundversorgung für Arme ohne die herkömmlichen Banksysteme geleistet werden können, dann hätte es keine größeren Probleme gegeben.

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