Die großen Kämpfe vor den kritischsten Wahlen in Griechenland

29. August 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 2.526

Bei den bevorstehenden Parlamentswahlen in Griechenland wird kaum eine Partei eine regierungsfähige Mehrheit erreichen, wobei sich drei Derbys abzeichnen.

Zoi Konstantopoulou, Panagiotis Lafazanis, Thanasis Petrakos u. a. sind die Personen, die in der „Volkseinheit“ führende Rollen spielen. Und es sind die Personen, die in ihren Wahlkreisen die meisten Stimmen erhielten und zu dem Wahltriumph der SYRIZA am 25 Januar beitrugen.

Zusammen mit diesen scheint die verbleibende SYRIZA des Alexis Tsipras 227.460 Stimmen zu verlieren, zusammen mit weiteren 135.368, die allein Yanis Varoufakis auf sich vereint hatte, also die Unterstützer der stärksten Stimmen des gegen das Memorandum gerichteten Raums. (Anmerkung: Seinen bisherigen Erklärungen zufolge beabsichtigt Yanis Varoufakis bei diesen Wahlen nicht zu kandidieren, will jedoch weiter politisch aktiv bleiben.)

Wahlanalytiker vergleichen die Situation mit „Treibsand“

Am 25 Januar 2015 wählten 2.246.202 Menschen die SYRIZA. Sie zeigten diese als erste Partei auf, als letztere ihnen das Ende der Austerität, das Ende des Memorandums versprach. Am 05 Juli 2015 folgten 3.558.864 Menschen der SYRIZA und stimmten mit „Nein“ zu den Maßnahmen der Gläubiger ab. Heute hat Tsipras‘ SYRIZA neue Maßnahmen, neue Austerität, ein neues Memorandum gebracht. Auf der anderen Seite bleiben die „Revolutionäre“ der von Panagiotis Lafazanis neu gegründeten „Volkseinheit“ ihren damaligen Zusagen, dem sogenannten Programm von Thessaloniki und dem „Nein“ treu.

Es scheint unmöglich zu sein, dass Alexis Tsipras es fertig bringt, all diese Wähler der Vorkämpfer des „Nein“ zu überzeugen, ihm bei seiner politischen Kehrtwende zu folgen. Von den 36,3% die im Januar die SYRIZA erreicht hatte, entsprechen diese 5,7%. Ihr Verlust mag keine umstürzende Kraft haben, sicherlich mach er die Lage jedoch flüssig und für die anstehenden Wahlen bleiben alle Möglichkeiten offen.

Die erste Welle der Demoskopien, die sich noch im Gang befindet, da sie Anfang der Woche begann und fieberhaft mit dem Ziel fortgesetzt wird, dass in den unmittelbar kommenden Tagen die ersten Erhebungen über die Stimmung der öffentlichen Meinung zu Beginn der formalen Wahlkampfperiode das Licht der Öffentlichkeit sehen, geben ein ungestaltetes Szenarium mit drei möglichen Derbys wieder – an der Spitze um den Sieg, im Mittelfeld um den dritten Platz und am … „Schwanz“ um die Anzahl der Parteien, welche die Eintrittskarte für den Einzug in das nächste Parlament erhalten werden.

Konvergierende Informationen über die Befunde der drei letzten Tage aus den im Gang befindlichen Erhebungen, die von einer Reihe von Firmen wie Alco, MetronAnalysis, Rass, aber auch der Makedonischen Universität durchgeführt werden, führen als gemeine Resultante die festgestellte große Fragmentierung der Wahlabsicht an, die zu dem einzigen sicheren Rückschluss führt, dass das nächste Parlament höchstwahrscheinlich das Parlament mit den meisten Parteien der Nachkriegszeit und eine Koalitionsregierung auf jeden Fall unvermeidbar sein wird.

Die niedrige Wahlgewissheit, die intensive Tendenz zur Nichtbeteiligung und die zweistellige, sich zwischen 12% und 14% bewegende Quote der Unentschlossenen sind drei Faktoren, welche die Wahlanalytiker dazu führen, in ihren Einschätzungen sparsam zu sein und die sich bei den Wählern gestaltende Situation mit „Treibsand“ vergleichen.

Lafazanis‘ Volkseinheit könnte drittstärkste Partei werden

Die beiden den ersten Platz anstrebenden politischen Basiskräfte, also SYRIZA und Nea Dimokratia (ND), verzeichnen Ergebnisse, die sich auf relativ niedrigen Niveaus bewegen, während die Differenz zwischen ihnen sich auf eine nicht über zwei Prozentpunkten liegende Bandbreite beschränkt, welcher Umstand etliche Analytiker dazu führt, vorwegzunehmen, dass in den praktisch drei kommenden Wahlkampfwochen der Kampf an der Spitze zu einem Thriller mit kontinuierlichen Wechseln werden kann.

Die SYRIZA hält zwar einen leichten Vorsprung aufrecht, jedoch schafft der fortschreitende Zerfall des Zusammenhalts ihrer Anhänger Umstände einer Umkehr, da er mit dem steilen Rückgang der positiven Ansicht zusammenfällt, die bis vor kurzem ein überwältigend großer Teil der öffentlichen Meinung über Alexis Tsipras hatte, darunter auch Etliche, die im vergangenen Januar nicht die Koalitionsparteien (SYRIZA und ANEL) gewählt hatten.

Außer dem harten Kampf, der allem Anschein zufolge um das Erlangen des ersten Platzes ausgetragen werden wird, wird ein Derby – wie auch bei den unmittelbar vorherigen Wahlgängen – der Kampf darstellen, den drei Parteien um den (wegen der Wahrscheinlichkeit, dass Aufträge zur Regierungsbildung erteilt werden müssen) „privilegierten“ dritten Platz austragen werden, der – in dieser Reihenfolge – von der leicht gestärkt auftretenden Potami-Partei, der wahrscheinlich auf dem selben Niveau bleibenden Chrysi Avgi und der neu gegründeten Volkseinheit des Panagiotis Lafazanis und der Übrigen, welche die SYRIZA verlassen haben, beansprucht wird.

Das Ergebnis der „Volkseinheit“ zeigt Schwankungen, wenn auch im Verlauf der Erhebungen ihre Quoten wohl in einem Grad erstarken, von dem gewisse Analytiker vertreten, dass – wenn sie die steigende Dynamik beibehält – sie letztendlich von dem fünften Platz, den sie sich in dieser Phase mit der ihre Kräfte beibehaltenden KKE teilt, auf den dritten Platz gelangen kann.

Ein harter Kampf wird auch am „Schwanz“ der Rangfolge der Parteien erwartet, da die „Schwelle“ von 3%, um in das nächste Parlament zu gelangen, in dieser Phase die Zentrumsunion des Vasilis Levendis, die auch die demoskopische Überraschung der aktuellen Phase darstellt, und die PASOK-Partei zu überschreiten scheinen, die aus den Diskussionen um ihre anstehende Ausweitung an Dynamik gewinnt. Starken Druck erfahren dagegen wegen der Abflüsse sowohl an die SYRIZA als auch die ND die Unabhängigen Hellenen (ANEL) des Panos Kammenos, die derzeit von dem Ziel entfernt sind, sich auch in der kommenden parlamentarischen Zusammensetzung zu befinden.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. Jan
    29. August 2015, 01:44 | #1

    Ich denke die „Volksunion“ wird sicher knapp 10% bekommen, denn sie sind die einzigen die das „Nein“ des Referendums vertreten. Eigentlich müssten sie 62% erhalten, wenn die Leute nur nicht so eine Angst vor dem Grexit hätten. Aber auch mit 10% werden sie gut mit Syriza koalieren können und Tsipras auf die Finger schauen. Eine Koalition zwischen Potami und Syriza hingegen würde das Projekt Syriza binnen weniger Monate beenden und als ein weiteres Beispiel für linkes Totalversagen in den Geschichtsbüchern festschreiben. Das wird sicherlich aus Tsipras wissen.

  2. Konstantin
    29. August 2015, 11:40 | #2

    Alexis Tsipras sollte keiner mehr wählen. Viel versprochen, nichts gehalten und keine Ansätze die Reichen zu besteuern. Jetzt auch noch NEU-Wahlen, nur mit der Absicht seine eigene nutzlose Position zu stärken. Vermutlich wird Vasilis Levendis viele Stimmen erhalten. Das Volk sucht nach Helfern, Lügner und Versager in der Politik, hatten sie schon zur Genüge.

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