Das Spiel der Multis mit dem Warenkorb der Hausfrau

24. August 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 974

Die weltweite Spekulation mit Nahrungsmitteln beschert den Big Players nicht nur Milliardengewinne, sondern auch politische und geopolitische Macht.

Ein Rundgang durch die Gänge der Supermärkte wird auch den Misstrauischsten überzeugen. Die Vorherrschaft der Multis in den Regalen der Supermärkte weitet sich von Tag zu Tag aus.

In der Realität wird der Inhalt des „Warenkorbs der Hausfrau“ jeden Tag immer anfälliger für die Pläne nicht nur der Lebensmittel-Multis, sondern auch der Marktspekulanten, die in Form von Derivaten auf die Preise der Lebensmittel, aber auch der anderen Rohstoffe der Industrie für Lebensmittel und andere Verbrauchsprodukte wetten.

Finanzielle und geopolitische Gewinne

In einer vor zwei Jahren veröffentlichten Untersuchung monierte die Nicht-Regierungsorganisation (NRO) Oxfam, dass große Finanzkonzerne wie die Deutsche Bank oder Versicherungs-Kolosse wie die Allianz in einem unlauteren Spiel der Schwankungen der Lebensmittelpreise mitwirken. Banken, Investitionsorganisationen, aber auch viele der sogenannten Hedge Fonds beteiligen sich an einer Art von Wettspiel in Zusammenhang mit der Entwicklung der Höhe der Preise konkreter Nahrungsmittel. Dabei handelt sich um ein undurchsichtiges Verfahren, das Milliarden Dollar in ihre Kassen fließen lässt. Gemäß den Angaben der Oxfam werden jedes Jahr ungefähr 11 Milliarden Euro in Wetten in Zusammenhang mit den Preisen der Lebensmittel auf dem deutschen Markt investiert.

In der Realität ist der Kampf um Nahrungsmittelvorräte von den Erzeugern – Landwirten und den Händlern in die Hände von Staaten, multinationalen Gesellschaften, Finanzträgern übergegangen, die zu ihrem Vorteil die Ernährungsbedürfnisse ausnutzen und zu einem großen Anteil die geopolitischen Gleichgewichte unseres Planeten gestalten. Der Lebensmittelmarkt kann vielleicht als typischer Fall der Verstrickung betrachtet werden, die umfasst: Finanzinstitute, Hedge Fond, Multis, NRO, internationale Organisationen, Milliardärs-Stiftungen, autoritäre, oligarchische, faschistische, aber auch demokratisch gewählte Regierungen. All dies ist verwickelt auf eine Art gegenseitiger Abhängigkeit, Durchsetzung und Unterdrückung, mit Ziel nicht nur die finanziellen, sondern auch geopolitischen Gewinne.

Die … Revolution

Die signifikanteste von der globalisierten Wirtschaft initiierte Änderung ist, dass sie die landwirtschaftliche Produktion von dem Acker an die internationalen Börsen und Finanzmärkte verlegte. In diesem Rahmen wurden die Verträge zwischen Erzeugern und Händlern in Derivate landwirtschaftlicher Produkte umgewandelt, und diese wiederum boten die Möglichkeit zu einer finanziellen Zockerei mit Trophäe nicht nur Gewinne, sondern auch menschliche Leben, die unmittelbar mit der politischen Macht verknüpft sind.

Vielleicht ist es der typischste Fall des Entstehens einer Blase, die schließlich manche mit Verelendung, andere mit Hunger, andere mit Armut und andere … mit Gewinnen bezahlen werden. Die Zahlen sind gleichermaßen erschütternd wie überzeugend: Der Kapitaltransfer von dem Finanzsektor auf den Sektor der Lebensmittel präsentierte im Verhältnis zu 2009 und analog zu dem Produkt einen Anstieg der Größenordnung von 40% – 80%. Die Verträge mit den Erzeugern werden zu Börsentiteln und beeinflussen die Gestaltung des allgemeinen Niveaus der Preise der Agrarprodukte.

Die größten Investoren an den Börsen für Agrarprodukte, in der Vertrags-Landwirtschaft und auf dem Markt für Biotreibstoffe kommen aus dem Finanz- und Versicherungsraum (Deutsche Bank, Barclays, ABP, Allianz, BNP Paribas, Generali, HSBC, Lloyd’s, Unicredit, AXA, Credit Agricole), dem Raum der Erzeugung genetisch modifizierter Organismen (Monsanto, Syngenta), von Gesellschaften, die im Vertrieb von Rohstoffen und Nahrungsmitteln tätig sind (Cargill, ADM, Con-Agra, Bunge, Charoen, Noble Group, Sinochem), aus den Lebensmittelvertriebsketten (Tesco, Carrefour, Wal-Mart) und den Firmen für Pflanzenschutzprodukte wie DuPont, Chevron u.a.

Rekordgewinne

Als alles andere als ein Zufall ist der Umstand zu bewerten, dass die Jahre einer Ernährungskrise gleichzeitig auch die Jahre sind, in denen Nahrungsmittelfirmen Rekordgewinne verzeichnen. Und natürlich können an dieser großen Börse des Reichtums und geopolitischer Macht die Starken den Schwachen mit der Waffe des Hungers ihren Willen aufzwingen. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, aber auch kleinere Staaten wie Holland (innerhalb der EU) und die Schweiz (außerhalb der EU) haben wegen ihrer dynamischen Präsenz auf dem Sektor der Kontrolle der Nahrungsquellen besonderes geopolitisches Gewicht erworben.

Der Einfluss, den diese Staaten auf die Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den von diesen abhängigen Ländern auszuüben vermögen, ist entscheidend. Mittels ihrer privaten oder auch staatlichen Gesellschaften die Nahrungsquellen zahlenmäßig großer Bevölkerungen kontrollierend, gestalten sie einen neuen und außerordentlich strangulierenden Rahmen internationaler Beziehungen zu den abhängigen Ländern.

(Quelle: Imerisia)

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