Krugman zu Griechenland: Das ist ein Putsch!

14. Juli 2015 / Aufrufe: 3.478

Nobelpreisträger Paul Krugman spricht von einem unverhohlenen Putsch gegen die Regierung in Griechenland.

In einem am 13 Juli 2015 in der Zeitung „New York Times“ publizierten Artikel übt Paul Krugman heftige Kritik an all dem aus, was am Sonntag (12 Juli 2015) bei dem Gipfeltreffen in Brüssel stattfand, und betont, „die Liste der Forderungen der Eurogruppe ist ein Irrwitz„.

Sich auch auf den einschlägigen Hashtag bei Twitter beziehend, betont Paul Krugman, „das ist ein Putsch„.

Wer vermag erneut den Vorsätzen Deutschlands zu vertrauen?

Lassen wir uns annehmen, Sie halten Tsipras für unfähig. Lassen wir uns annehmen, dass Sie die SYRIZA die Macht verlieren sehen wollen. Lassen wir uns auch annehmen, dass Sie eine Entwicklung wie die des Ausschlusses der lästigen Griechen aus dem Euro begrüßen. Selbst wenn all dieses zutrifft, ist diese Liste der Eurogruppe ein WAHNSINN. Der Hashtag „ThisIsACoup“ (dies ist ein Putsch) ist korrekt. Dies überschreitet die Grenzen der Strenge und es wird die Rachsucht, die vollständige Vernichtung der nationalen Souveränität und mit keinerlei Hoffnung auf eine Linderung klar.

Wird irgend etwas Europa von dem Rand des Abgrunds zurückziehen können? Verlautbarungen zufolge ruft Mario Draghi zur Vernunft auf und Hollande widersetzt sich endlich dem moralistischen wirtschaftlichen Spiel Deutschlands, was er in der Vergangenheit nicht fertigbrachte. Wer vermag erneut den guten Vorsätzen Deutschlands zu vertrauen?

Auf eine gewisse Weise ist die Wirtschaft fast sekundär geworden. Jedoch selbst so haben wir klar zu sein: Was wir in den beiden letzten Wochen erfuhren, ist, dass die Mitgliedschaft in der Eurozone bedeutet, dass die Gläubiger Deine Wirtschaft zerstören können, wenn Du nicht exakt ihrer Linie folgst.

All das hat nichts mit den bestehenden Umständen der Austerität zu tun. Es erscheint mehr denn je als wahr, dass die strenge Austerität ohne Reduzierung der Verschuldung eine zum Scheitern verurteilte Politik ist – unabhängig davon, wie sehr ein Land bereit ist, sie zu ertragen. Und das bedeutet wiederum, dass selbst eine vollständige griechische Kapitulation eine Sackgasse wäre.

Könnte Griechenland eine erfolgreiches Ausscheiden praktizieren? Wird Deutschland versuchen, den Aufschwung zu verhindern? (Sorry, aber Fragen dieser Art haben wir uns nun zu stellen.) Die europäische Unternehmung – eine Unternehmung, die ich immer hervorhob und unterstützte – hat einen hässlichen, vielleicht tödlichen Schlag erhalten. Und was auch immer Sie über die SYRIZA oder Griechenland denken mögen, sind nicht die Griechen daran schuld.

(Quelle: tvxs.gr)

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  1. Wolfgang Potratz
    14. Juli 2015, 08:44 | #1

    Seit nunmehr 70 Jahren, also seit 1945, befinden sich Deutschland und Griechenland im Krieg, aber seit gestern, 13. Juli 2015, wurde weiter aufgerüstet. Ohne FRIEDENSVERTRAG ist das für Merkel und Schäuble ein „Kinderspiel“, aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Für ganz EUROPA. Es wird Zeit für einen Putsch gegen diese Kriegstreiber.

  2. hugo
    14. Juli 2015, 11:27 | #2

    ich hoffe, dass ein oxi im Parlament zustande kommt !

  3. Sylvia Majocchi
    14. Juli 2015, 12:09 | #3

    Die EZB hat den griechischen Banken den Geldhahn bewusst ein Stück weit zugedreht und versucht damit, die griechische Regierung zu erpressen und sie zur Fortsetzung der Austeritätspolitik zu zwingen, ohne dass dies in der breiten europäischen Öffentlichkeit überhaupt angemessen wahrgenommen wurde und wird. Mainstream-Medien gefallen sich weiterhin darin, die Stereotype „Verträge muss man einhalten“ und „Die Griechen haben über ihre Verhältnisse gelebt“ unermüdlich zu wiederholen. Dabei wäre es die Pflicht der EZB, für die griechischen Banken weiterhin als lender of last resort zu fungieren. Stattdessen droht sie unverhohlen damit, im Falle eines Staatsbankrotts die griechischen Banken ganz von der Refinanzierung abzuschneiden und so Griechenland aus der Eurozone hinauszuwerfen, obwohl es dafür keine rechtliche Grundlage gibt. Die vermeintlich politisch neutrale Geldpolitik der EZB wird so zur zentralen Waffe der Herrschenden im Kampf gegen eine Regierung, die dabei ist, eine Alternative zum Neoliberalismus praktisch durchzusetzen (s. Martin Konecny).

  4. Wildkatze
    14. Juli 2015, 17:55 | #4

    Kein Land sollte mehr einem Bündnis beitreten oder in einem solchen verbleiben, in dem Deutschland Mitglied ist. Deutschland hat aus seiner Geschichte absolut nichts gelernt. Die ganze „Aufarbeitung“ war nichts als Augenwischerei. Ganz Europa hat immer noch Deutschland zu gehorchen, und leider muss ich feststellen, dass auch die Mehrheit der Deutschen weiterhin blinden Gehorsam an den Tag legt. Der neue Führer heißt jetzt Schäuble, und wieder rennen alle hinterher ohne nachzudenken. Das alles hatten wir schon einmal, und niemand in Europa will das wieder. Die Hetzkampagnen in der Deutschen Presse kommen mir leider nur all zu bekannt vor. Wenn jemand die EU verlassen sollte, dann wäre das einzig und allein Deutschland, denn am deutschen Wesen will die Welt nicht nocheinmal genesen. Was das bringt, kennen wir aus der jüngeren Geschichte nur zu gut! Europa kann nur zum Friedensprojekt werden ohne Deutschland. Sonst wird nur Hass und Streit innerhalb der EU gesät.

  5. Orakel
    14. Juli 2015, 22:28 | #5

    Es kam, wie es kommen musste. Von einem Putsch möchte ich nicht sprechen. Tsirpas hat sich die Niederlage selbst zuzugestehen, weil er einen Austritt aus dem Euro und die Einführung der Drachme von vorneherein ausgeschlossen hatte. So machte er es der Nordeuropäern leicht. Er hatte seine Verhandlungsmacht komplett aufgegeben. Tsirpas ist umgefallen und hat die Griechen verkauft. Nicht mehr und nicht weniger. Er bleibt weiter Knecht der EuroEuropäer und muss nun machen was die wollen. Er hatte die Wahl. Hätte er die Drachme gewählt, wäre er und das griechische Volk arm aber frei. Nun bleiben die Griechen auf Dauer arm und nach den Reformen noch ärmer.

  6. hubi stendahl
    15. Juli 2015, 00:32 | #6

    Dieses (Trauer-) Schauspiel dessen wir uns alle nicht entziehen können muss man vieldimensional sehen. Es ist eben doch etwas komplizierter, als es die Bild Zeitung, aber auch viele alternative Medien glauben sehen zu müssen. Griechenland hat eine lange Tradition der Abwertung und auch Pleiten. Das Land ist bereits seit vielen Jahrzehnten unter Oligarchen aufgeteilt, die ihre Erlöse in GR erzielt, diese dann in steueroptimierter Weise um die Welt schickt.
    So wie man den Deutschen den Vorwurf machen muss, dass sie trotz neoliberaler Wirtschaft und den damit verbundenen Plünderungen, immer wieder die gleiche Regierung wählen, so muss man auch den Griechen den Vorwurf machen, dass sie sich mit dem sie betreffenden politischen Geschehen erst wirklich auseinandergesetzt haben, als es zu spät war. In einer Demokratie trägt jeder Einzelne Mitverantwortung die er annehmen muss.

    Nun ist das wichtigste Ziel dieser an der Leine von Wallstreet und CoL geführten Clique in Brüssel, vor dem Untergang der Währung, die Fiskalunion und damit die Entdemokratisierung der Mitglieds-Staaten zu realisieren. Wie sollte eine solche Aufgabe glaubwürdig von Typen wie Hollande oder Renzi transportiert werden? Gar nicht. Diese Staaten sind ebenfalls pleite. Transportieren kann dies nur ein passendes Feinbild und Menschen, die von der persönlichen Anlage abgrundtief psychotisch sind. Merkel und Schäuble sind in diesem Kontext die idealen Figuren und dafür installiert. Ihr werdet sehen, dass alle Inhalte er Verhandlungen nur dem einen Zweck dienen, jetzt den entscheidenden Schritt in die ganz große Krise zu machen, wie es W.Schäuble in einem Interview mit einem freudschen Versprecher bereits 2011 ankündigte.

    Und schon geht es los. Schulz, der verhinderte Buchhändler spricht unverholen von der Notwendigkeit der schnellen Einrichtung eines europ. Finanzministers, Junker legt nach und fordert eine separate Kommission die die Integration schneller vorantreiben soll. Das ist das wahre Ziel. Warten wir also auf en Angriff auf das deutsche GG, um den Ewigkeitsartikel 20 zu kippen. Dafür wird eine Verfassung bzw. Volksabstimmung nötig.

    Wenn jetzt nichts aus den Völkern heraus passiert, wachen wir in Kürze in einer Diktatur auf, in der es arme Griechen und genauso arme Resteuropäer geben wird.

  7. elke
    16. Juli 2015, 03:24 | #7

    Ja und warum wachen die Völker nicht auf? Warum lassen wir uns das gefallen, von diesen Gruppierungen von Leuten „vorgeführt“ zu werden? Immer wieder? Die fiese Rolle, die mittlerweile fast alle Medien in der Griechenlandfrage spielen, ist das das Europa in dem wir leben wollen. Auf den griechischen Versuch, sich nicht wegzuducken, es wenigstens zu versuchen!

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