Griechenland und die absolute Erniedrigung

5. Juli 2015 / Aufrufe: 4.438

Die europäischen Führer sind erzürnt, weil die Regierung eines kleinen und überschuldeten Landes wie Griechenland die Unverschämtheit besaß, ihr Hoheitsrecht auszuüben.

Sogar auch wenn bei dem Referendum in Griechenland am 05 Juli 2015 das „Ja“ vorherrschen wird, sogar auch wenn die Folge dieses Entschlusses des griechischen Volkes der Rücktritt des Premierministers Alexis Tsipras und die Einsetzung einer anderen Regierung sein wird, welche die Vereinbarung handhaben wird, können wir gewisse Rückschlüsse über die Qualität des politischen Personals des Landes, die Haltung der Medien-Elite und die Rolle der europäischen Nomenklatur ziehen.

Establishment will um jeden Preis die SYRIZA-Regierung loswerden

Erste Erniedrigung: Die europäischen Führer sind erzürnt, weil die Regierung eines kleinen und überschuldeten Landes die Unverschämtheit besaß, ihr Hoheitsrecht auszuüben und sich an das griechische Volk zu wenden, damit dieses seine Meinung darüber äußert, wie es leben möchte. Da sie das Referendum nicht zu verhindern schafften, definierten sie willkürlich seinen Inhalt: „Ja“ bedeutet Euro, „Nein bedeutet Drachme.

Wir verstanden, dass Demokratie und Souveränität des Volkes gemeint sind. Wir hoffen, dass es auch die europäischen Bürger verstehen. Wir erkennen ebenfalls ihren grundsätzlichen Plan: Sie wollen um jedes Opfer und mit jedem Mittel diese Regierung loswerden. Sie wahren nicht einmal den Schein. Martin Schulz sagte es grob: dass das „Ja“ gewinnen, Tsipras zurücktreten und bis zur Durchführung von Neuwahlen eine Technokraten-Regierung eingesetzt werden muss, damit wir die Verhandlungen weiterführen. Solch eine Dreistigkeit. In der Epoche der Kolonialherrschaft waren die Regierungen der Metropolen mit den ergebenen Verwaltungen der Peripherien diskreter.

Zweite Erniedrigung: Die Parteien der Opposition sputeten sich, den von Merkel, Schäuble und Dijsselbloem vorgegebenen Inhalt des Referendums zu adoptieren und so jedwedes Ergebnis zu legitimieren, also auch das „Nein“, das ihrer Ansicht nach das Land aus der Eurozone hinausführen wird. Unkenntnis der Gefahr oder völlige und freiwillige Unterwerfung gegenüber den Befehlen der Gläubiger?

Dritte Erniedrigung: Die absolute und koordinierte Identifizierung der großen Informationsnetze mit dem „Ja“ und die Dämonisierung des „Nein“ ist außer antidemokratisch auch unmoralisch und unästhetisch. Den „Anstich eines solchen Fasses“ haben unsere Äuglein seit der Periode des Regimewechsels nicht mehr gesehen. Persönlich erinnere ich mich nicht an eine dermaßen erstickende und einseitige Propaganda. Der YENED (Anmerkung: gemeint ist der „Informationsdienst der Streitkräfte“, sprich der historische zweite öffentliche TV-Sender in Griechenland) war vor ihnen ein Paradies des Pluralismus.

Natürlich ist es das Recht eines jeden Mediums, Position zu beziehen, jedoch schuldet es, auch der anderen Ansicht Raum zu geben. Aus einer provisorischen Statistik geht hervor, dass (in den Sendungen) das Vorherrschen des „Ja“ gegenüber dem „Nein“ überwältigend ist. Es tangiert 90%. Nicht einmal Ceausescu hatte solche Ergebnisse!

Die Medien schulden, keine Panik zu verbreiten, nicht zu terrorisieren, nicht zu verfälschen und vor allem keine „Tatsachen“ zu konstruieren. Sie schulden ebenfalls, nicht zu vergessen, dass sie in Betrieb sind, weil ihnen gestattet wurde, öffentliche Frequenzen inne zu haben ohne dafür zu zahlen, und sie weil unter der Vermittlung „ihrer Spezies“ bei den verschiedenen Mächten ohne Sicherheiten Kredite von den Banken erhielten, die – um es nicht zu vergessen – der Staat gerettet hat, indem er die Last in Form der Verschuldung den griechischen Bürgern aufbürdete.

(Quelle: Zeitung der Redakteure)

  1. Werner
    5. Juli 2015, 09:28 | #1

    Ich hoffe, dass das griechische Volk mit NEIN stimmt, damit Sie aus der Versklafung kommen und die EU Diktatoren in die Schranken gewiesen werden. Meine Hochachtung vor Tsipras und Varoufakis, die sich der EU Diktatur nicht unterworfen haben. Griechenland war und kann wieder der Geburtsort für Demokratie werden, aber dies nur mit einer Befreiung = NEIN.

  2. Simeon Batts
    5. Juli 2015, 11:37 | #2

    Die Griechen (und die anderen Europäer) haben es mit Deutschen zu tun, die mächtig sind. Diesmal nicht mit Waffen, diesmal mit Geld. Sehr viel Geld. Mächtige Deutsche sind so wie es alle aus der Geschichte kennen: Erbarmungslos. Inzwischen ist völlig klar, Deutschland will und wird Griechenland aus der EU und dem € rauswerfen. Man braucht nur den Stürmer, ähh, die BILD von heute lesen: Ist der Grexit wirklich so schlimm? Die deutsche ‚Bevölkerung wird via BILD darauf vorbereitet. Die Berichterstattung (nicht nur der BILD) hat die Deutschen inzwischen so aufgehetzt, dass zum Beispiel die Popularitätswerte von Schäuble ungeahnte Höhen erreicht haben. Es ist vorbei, egal ob Ja oder Nein!

  3. Sylvia Majocchi
    5. Juli 2015, 12:41 | #3

    Ich schäme mich für Europa!

  4. h.kuebler
    5. Juli 2015, 14:46 | #4

    Ich glaube, hier irrt der Autor. Es wird in beiden Fällen – ja oder nein als Referendums-Ergebnis – auf einen Grexit hinauslaufen. Es ist einfach beiderseits soviel Porzellan zerschlagen, zu viel Vertrauen zerstört. Griechenland hat (leider) in beiden Fällen jetzt eine sehr schwache Verhandlungsposition. Die Kapitalverkehrskontrollen werden mit Sicherheit anhalten, die Bevölkerung hat Angst. Also sitzt die EU am stärkeren Ast und kann abwarten. Und Bedingungen stellen. Entweder Reformanstrengungen oder nix. Das kann aber Syriza nicht durchsetzen, wird es auch nicht wollen. Es bleibt nur der langsame Grexit. Der aber auch Vorteile hat, nur leider erst in ein paar Jahren.

  5. Roland Wolf
    5. Juli 2015, 15:01 | #5

    So unschön der Stand der Dinge auch sein mag-wörüber wird in dem Referendum denn entschieden? Der Wortlaut verweist auf ein Abkommen das es seit dem 30.06 nicht mehr gibt. Wenn jetzt also eine Regierung Tzipras nach dem Referendum mit einem freundlichen „wir wollen die Maßnahmen des Memorandums nicht“ die Verhandlungen mit der Eurozone wieder aufnimmt, was wird dann wohl passieren.
    Freudige Aufnahme dessen und weitreichende Geldgeschenke (und ja, das wäre jede weitere Kreditgewährung angesichts der Tatsache das der Finanzminister einen Schuldenschnitt um 30% und eine Auszahlung ab in 20 Jahren fordert?) Bei ein klein wenig Realismus wird dabei nichts herauskommen, die Raten an die ESFS und die EZB (nicht zu vergessen an die eigenen Banken) werden nicht bedient. EZB stellt fest das die Banken nicht mehr solvent sind und fordert die ELA-Hilfen zurück. Und Bingo – da ist der Grexit.

  6. Kretavirus
    5. Juli 2015, 16:45 | #6

    Ich habe noch nie eine solche standhafte Partei wie SYRIZA gesehen. Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis sind einfach standhaft und unbestechlich. Die beiden holen das absolute für die Griechen herraus. Weiter so, ich hoffe das es zu einer großen Mehrheit des oxi kommt. Und somit ist das ein großer Schritt für einen Neuanfang Griechenlands. Und Griechenland wird auch weiterhin in der Eurozone bleiben.

  7. hannnes
    6. Juli 2015, 23:50 | #7

    Für die EU-Macher etwas ganz Neues – eine EU-Entscheidung wird nicht vollzogen, sondern es wird per Volkentscheid abgestimmt – diese Vorgehensweise fürchten die die Politiker wie der Teufel das Weihwasser …

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