Griechenland, der deutsche Imperialismus und die Wahrheit

11. Juli 2015 / Aufrufe: 2.903

Abkommen gelten augenscheinlich nicht auf die gleiche Weise für Griechenland und andere Staaten, wenn Deutschland letztere braucht, um seine Strategie durchzusetzen.

Das Verhältnis der imperialistischen Kräfte zu der Wahrheit ist inexistent. Für sie ist Wahrheit, was ihren Interessen dient, auch wenn sie in direktem Widerspruch zur Realität steht, auch wenn sie über die Logik stolpert, selbst wenn sie die international anerkannten Konventionen und Verträge verhöhnt, die auch sie selbst unterschrieben haben.

Es gibt zahlreiche Beispiele aus der Geschichte. Beschränken wir uns auf zwei jüngere, die sich auf das moderne Deutschland beziehen, dessen wirtschaftlicher Imperialismus gleichermaßen brutal und expansiv ist wie der militärische Imperialismus der kolonialherrschaftlichen Länder in der Epoche ihrer Blüte. Er äußert sich einfach nur durch andere Mittel.

Kein europäisches Organ zog Deutschland zur Rechenschaft

Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank, erklärte, „meines Erachtens haben die Zentralbanken – obwohl ihnen die Mittel zur Verfügung stehen – nicht den Auftrag, die Liquidität von Banken und Regierungen zu schützen„. Schön und gut. Jedoch darf bequem das Umgekehrte geschehen, ohne dass es jemanden kümmert.

Was das Umgekehrte ist? Banken und Staaten zu retten und die Kosten in Form von Verschuldung auf die Schultern der Bürger zu laden, die selben Personen in ihren Vorständen zu belassen und ihnen fette Honorare und ungeheure Bonusse zu gewähren, um sie für ihre besonderen Leistungen zu prämieren.

Der Überschuss der Handelsbilanz Deutschlands schlägt im vierten Jahr Rekorde und verletzt dabei die in der Eurozone existierenden Abkommen, die auch Deutschland unterzeichnet hat. Kein europäisches Organ ließ sich einfallen, Deutschland zu bestrafen, und auch nicht, es zur Raison zu rufen. Es gab natürlich verschämte Rügen, jedoch sollten wir es nicht übertreiben.

Quod licet Iovi, non licet bovi …

Hier sei die Position der europäischen Bürokraten in Erinnerung gerufen, dass „der Wille des Volkes einer Nation nicht die Abkommen überwiegen kann„, als die griechische Regierung sich auf den frisch erhaltenen Auftrag des Volkes berief. Es sei ebenfalls der „Skonto“ in Erinnerung gerufen, den die Institutionen und natürlich Deutschland an Frankreich und Italien gewährten, deren Defizite größer als die von den Abkommen erlaubten waren.

In dem heutigen Europa sind jedoch die Abkommen für Griechenland und für Deutschland nicht das Selbe. Manchmal werden sie auch von bestimmten großen Ländern unterlaufen, was Deutschland jedoch nicht verärgert, weil es sie braucht um seine Strategie durchzusetzen.

(Quelle: Zeitung der Redakteure, Autor: Tasos Pappas)

  1. LiFe
    11. Juli 2015, 02:02 | #1

    Ich habe den Eindruck, dass ein gewisser Druck auf Griechenland deshalb so groß ausgeübt wird, weil niemand weiß, wie TTIP, Ceta und Tisa sich auswirken werden! Hier liegt der Hund begraben. Demokratie kommt unter die Räder!

  2. Omorfos
    11. Juli 2015, 04:54 | #2

    Der Autor ist Tasos Pappas und nicht der Staatsminister, Bitte Korrigieren. Ansonsten Lob für eure ganze sehr wichtige Arbeit

  3. Team
    11. Juli 2015, 05:40 | #3

    @ Omorfos
    Danke für den Hinweis, die inkorrekte Autorenangabe wurde umgehend korrigiert.

  4. Traumschau
    11. Juli 2015, 14:37 | #4

    Unsere Eliten wissen ganz genau, was sie anrichten:
    Mit zweierlei Maß gemessen

  5. heiner
    11. Juli 2015, 22:17 | #5

    Ihr hättet heute Abend bei Phoenix um 19:15 sehen müssen. Titel: Der große Euro-Schwindel – wenn jeder jeden täuscht- Absoluter Hammer wie gerade die Deutschen in überheblicher Manier alle
    Kriterien übern Haufen geschmissen haben, als sie den Stabilitätspakt aushebelten. Da haben sich viele Länder beschwert. Hat nichts genützt, weil die Deutschen sich arrogant hingestellt haben. Nach dem Motto: Wir dürfen alles und ihr dürft nichts. Das haben andere Ländern dann so aufgefasst: Was ihr könnt, das können wir schon lange. Gesagt wurde auch das Goldman Sachs 500 Millionen abgestaubt haben, nachdem sie die Zahlen Griechenlands gefälscht haben.

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