Grexit hat immer noch die meisten Chancen

21. Juli 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 2.954

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone scheint immer noch die meisten Chancen zu haben und wird möglicherweise sogar infolge einer Revolte geschehen.

Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras hätte niemals Yanis Varoufakis zu seinem Finanzminister machen dürfen. Oder er hätte auf ihn hören und ihn behalten müssen. Stattdessen wählte der griechische Premierminister die schlimmste Alternative von allen.

Er befolgte den Rat des Herrn Varoufakis bezüglich der Ablehnung des Vorschlags der Gläubiger – bis zu vergangenen Woche. Während Herr Tsipras dies tat, machte er jedoch einen wahrscheinlich kritischen Fehler, indem er den Plan B des Herrn Varoufakis für den Moment zurückwies, in dem die Banken des Landes schlossen: umgehende Einführung einer parallelen Währung – von IOUs, ausgegeben von dem griechischen Staat, jedoch auf Euro lautend.

Tsipras verpasste den Zeitpunkt für die Einführung einer Parallelwährung

Eine Parallelwährung hätte den Griechen gestattet, ihre alltäglichen Geschäftsvorgänge abzudecken, als die Barabhebungen auf 60 Euro pro Tag eingeschränkt wurden. Ein vollständiger wirtschaftlicher Zusammenbruch wäre abgewendet worden. Herr Tsipras schritt damit nicht voran, und auch nicht mit irgend einem anderen Plan B. Stattdessen kapitulierte er. An diesem Punkt war er nicht mehr in der Lage, den Grexit – ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozonen zu wählen.

Die wirtschaftliche Voraussetzung für ein taktisches Ausscheiden wäre ein primärer Haushaltsüberschuss und ein entsprechender Überschuss auf dem privaten Sektor gewesen. Griechenland hat keine Devisenreserven. Hätten die Griechen gewählt, die Drachme wieder einzuführen, hätten sie für alle ihre Importe mit den Devisenverdiensten zahlen müssen, die ihre Exporte einbringen. Diese minimalen Voraussetzungen existierten im März 2015, jedoch nicht (mehr) im Juli 2015.

Somit gelangte Herr Tsipras – wie auch seine Vorgänger – bei einer weiteren schlechten Rettungsvereinbarung an. Und diese weist die selben grundsätzlichen Nachteile wie auch die vorherigen auf. Und dies führt zu der Schlussfolgerung, dass der Grexit letztendlich der wahrscheinlichste Ausgang bleibt.

Szenarium A: Die Vereinbarung bleibt unvollendet

Es gibt drei grundsätzliche Wege, die geschehen zu lassen. Der erste ist, dass ganz einfach die Vereinbarung nicht vollendet wird. Das einzige, was in der vergangenen Woche vereinbart wurde, war die Aufnahme von Verhandlungen nebst einer gewissen Zwischenfinanzierung. Die Vereinbarung wird möglicherweise nicht erzielt werden können, da die Hauptbeteiligten misstrauisch sind. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, den Vorschlag für den Grexit für den Fall in der Schublade zu behalten, dass die Verhandlungen scheitern. Herr Tsipras wies die Vereinbarung in der vergangenen Woche in etlichen Fällen (Punkten) zurück. Und der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt, die Zahlen gehen nicht auf und er werde nicht unterschreiben, wenn die europäischen Gläubiger nicht einer Erleichterung der griechischen Verschuldung zustimmen.

Die Deutschen weigern sich, irgend eine Diskussion über dieses Thema zu führen, und berufen sich auf diverse intrigante Regeln, gemäß denen die Länder der Eurozone nicht bankrott gehen dürfen. Das ist juristischer Unfug, der Zweck ist jedoch wahrscheinlich, neue rote Linien in den Verhandlungen zu definieren.

Das wahrscheinlichste ist, dass sie schließlich zu einer Vereinbarung gelangen, diese jedoch – wie es immer geschieht – mit großen Kollateralschäden kommt: geringere Entlastung der Entschuldung, als nötig ist, und mehr Austerität, als Griechenland zu ertragen vermag.

Szenarium B: Das Programm schlägt fehl

Ein wahrscheinlicheres Grexit-Szenarium ist, dass irgend ein Programm vereinbart wird und im weiteren Verlauf fehlschlägt. Die Regierung in Athen mag alle von den Gläubigern geforderten Maßnahmen umsetzen, die Wirtschaft wird jedoch nicht schaffen, sich zu erholen, und die Ziele bezüglich der Verschuldung werden unerreichbar bleiben.

Herr Tsipras vereinbarte bereits in der vergangenen Woche, noch mehr Austerität durchzusetzen, wenn die Lage dies erfordere. Somit wird die Wirtschaft für viele Jahre in einem Teufelskreis gefangen bleiben, außer sie verhält sich in Zukunft sehr viel anders, als sie es in der Vergangenheit tat. An diesem Punkt könnten Herr Tsipras oder sein Nachfolger die Niederlage eingestehen und einen ausgehandelten Grexit als die weniger schmerzhafte Option wählen. Der Grexit könnte ihnen ebenfalls von den Gläubigern aufgezwungen werden.

Szenarium C: Grexit infolge einer Revolte

Unser wahrscheinliches Grexit-Szenarium ist ein noch unterschiedlicheres. Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates, ließ in seinem Interview an die Financial Times in der vergangenen Woche durchklingen, „etwas revolutionäres“ in der Luft zu spüren. Irgend etwas hat ihn argwöhnisch gemacht. Das wahrscheinlichste Szenarium ist das des Grexit mittels einer Revolte. Wenn es einen Spielraum weiterer dreier Jahre geben wird, werden wir nicht überrascht sein, Herrn Tusk und seine Mitarbeiter im Europäischen Rat über noch drastischere Maßnahmen diskutieren müssen zu sehen, um einer Krise zu begegnen.

Griechenland ist noch nicht an diesem Punkt der Erhebung angelangt – trotz der acht Jahre Rezession. Noch zeigen die Meinungsumfragen eine Mehrheit der Leute, welche die Beibehaltung des Euro unterstützt. Im realen Leben wählen die Menschen zwischen einer kleinen Anzahl politischer Alternativen und arrangieren sich mit der, von der sie meinen, sie sei die beste für die Wirtschaft. Sie wählten im Januar 2015 Herrn Tsipras und die SYRIZA, weil es den anderen Parteien misslang, ihre Versprechungen zu realisieren. Wenn auch die SYRIZA scheitert – wovon sicher ist, das es geschehen wird -, werden die Griechen keine weiteren demokratischen Optionen haben.

Vermag Herr Tsipras die Katastrophe noch abzuwenden? Sollten im Herbst 2015 außerordentliche Neuwahlen erfolgen, könnte er sie durchaus gewinnen und im weiteren Verlauf an einem gewissen Punkt die Idee des Herrn Varoufakis bezüglich einer Parallelwährung aufgreifen. Der Zeitpunkt für die Parallelwährung ist jedoch wahrscheinlich zusammen mit ihrem Inspirator verloren gegangen. Das wahrscheinlichste ist, dass Herr Tsipras eine demagogische politische Kampagne führt, mit viel Rhetorik gegen die Gläubiger, und im weiteren Verlauf allem zustimmt, was die Gläubiger fordern, und – seinen dramatischen Gipfel erreichend – das Programm umsetzt.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. Traumschau
    21. Juli 2015, 11:52 | #1

    Warum veröffentlicht ihr meinen Kommentar nicht? Habe ich eine ansteckende Krankheit?

  2. Team
    21. Juli 2015, 12:23 | #2
  3. Ronald
    21. Juli 2015, 20:29 | #3

    Viele träumen von einer Revolte in GR von links. Wenn eine Revolte kommt wird sie von rechts kommen; und dann werden diejenigen, die von der Revolte geträumt haben die ersten Opfer sein.

  4. Os100
    21. Juli 2015, 23:04 | #4

    Die im Artikel beschriebenen Szenarien sind nicht von der Hand zuweisen. Die Auflagen für das Rettungpaket dienen im wesentlichen dazu sicher zu stellen, dass die Gläubiger ihr Geld wieder sehen bzw. nicht als Bürge haften zu müssen. Daher sind auch keine Massnahmen zur Generierung von Wirtschaftswachstum vorgesehen. In drei Jahren ist Griechenland auf dem Stand von heute, nur mit noch mehr Schulden. TSIPRAS wird sich dann in die Rheihe der politischen Versager einreihen. Aber was kommt nach Tsipras?

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