Die Krise ließ das Bild des „verhassten Deutschen“ wiederaufleben

31. Juli 2015 / Aktualisiert: 12. Oktober 2018 / Aufrufe: 3.395

Die Krise ließ nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen Ländern das Bild des verhassten Deutschen wiederaufleben.

Die Zuspitzung der griechischen Schuldenkrise und die jüngsten harten Verhandlungen auf politischer Gipfelebene zwischen den Mitgliedstaaten der Eurozone über die Suche nach Wegen zur Lösung des griechischen Themas strapazierten den Zusammenhalt Europas.

Speziell in Griechenland – jedoch nicht nur dort – kam anlässlich der harten Linie Deutschlands auf der Ebene der Wirtschaftspolitik in der Eurozone und mit jüngstem Beispiel die gegenüber Griechenland beibehaltene unerschütterliche Haltung wieder das Bild des „verhassten Deutschen“ an die Oberfläche.

Vorurteile und Stereotype nahmen eine toxische Dimension an

Entspricht jedoch dieses in letzter Zeit umrissene negative stereotype Bild von den Deutschen der Realität? Wie Jürgen Kaube, Herausgeber der Zeitung Frankfurter Allgemeine, in einer Sendung des deutschen Radiosenders Deutschlandfunk einschätzte, „nein, in Wirklichkeit handelt es sich um eine maßlose Übertreibung. Früher, als englische Zeitungen alle Nase lang deutsche Fußballspieler mit Helme tragenden Soldaten verglichen, hätte man sagen können, es handele sich um Satire. Nun nimmt das Thema jedoch auf eine gewisse Weise toxische Dimensionen an, es wird ein gewissermaßen vergiftetes Klima geschaffen„.

Der deutsche Verleger bemerkt jedenfalls, Stereotype und Vorurteile werden nicht nur gegen, sondern auch aus Deutschland in Umlauf gebracht. Wie er anmerkte, „gibt es natürlich viele Vorurteile auch in die Gegenrichtung. Was ist derweilen nicht alles in Zusammenhang mit den Griechen gesagt oder geschrieben worden. In Wirklichkeit entbehrt jedoch all dies eines Inhalts.

Jürgen Kaube meint, das Bild von den Deutschen zeige Schwankungen. Einerseits erscheinen sie in britischen und amerikanischen Meinungsumfragen als vorbildliche Europäer, und parallel lasten ihnen – wie er unterstreicht – manche an, die Gründung eines „Vierten Reichs in Europa“ anzustreben. Wie er bemerkte, „schwanken sogar auch selbige Deutsche, was ihre Situation betrifft. Und dies geschieht seit sehr langer Zeit. Bereits im 19. Jahrhundert galten die Deutschen einerseits als romantische Träumer und andererseits als praktische Handwerker. Einerseits als Menschen mit einem starken Willen und andererseits als ewige Zaghafte (…) Vielleicht stellt der Umstand ein Charakteristikum dar, dass diese Nation und Kultur etwas unklar ist.

Schließlich differenzierte Jürgen Kaube zwischen – wie er charakteristisch sagte – „harmlosen“ Vorurteilen und solchen, die als Mittel der Ausübung einer Politik genutzt werden. Wie er erklärte, „denke ich, dass in dem Moment, wo die Situation wirklich aggressiv wird, beispielsweise wenn Politiker solche Positionen adoptieren, die Rückkehr zu einer Art nüchterner Kommunikation dringend notwendig ist.

(Quellen: Büchse der Pandora, Deutsche Welle)

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  1. windjob
    31. Juli 2015, 04:58 | #1

    Das Problem ist, dass viel zu viele über andere Völker reden ohne diese überhaupt zu kennen. Ich habe dies selbst erlebt als ein naher Verwandter uns besuchte und nach zwei Tagen seines ersten Griechenlandbesuches ankam und behauptete die Griechen sind faul. Was wissen Griechenlandbesucher von Land und Leuten. Sie machen 14 Tage Urlaub all inclusive und glauben das Land und die Leute zu kennen obwohl sie kaum engeren Kontakt zur Bevölkerung hatten. Mitschuld hat hier wieder mal die unselige Presse vorne dran Bild. Wenn ich e-mails bekomme ob ich noch genügend Bargeld oder genug zu essen habe. Wenn Freunde mir erzählen Ihre Bekannte könnten nicht verstehen, dass sie in das ach so deutschunfreundliche Griechenland reisen könnte ich ko…. Diese Vorurteile erlebe ich bei den Griechen gegenüber den Deutschen nicht. Aber Sträuble ist gerade dabei dies alles zunichte zu machen.

  2. asisi1
    31. Juli 2015, 08:50 | #2

    es sollte wohl besser heißen, die Griechen, so auch wir mögen unsere Politiker nicht. in der presse wird diese Meinung immer wieder verzerrt wiedergegeben.

  3. Zahlmichel
    31. Juli 2015, 09:55 | #3

    Leider ist es tatsächlich so, das Merkel und Schäuble, Griechenland mit der Nase in den Staub der Insolvenz drücken wollen. Sie ergötzen sich an der Erniedrigung der verhassten Griechischen Regierung. Sie allein haben es an nur einem Wochenende geschafft den hässlichen Deutschen wieder auferstehen zu lassen. Jahrzehnte der Bemühungen zur Annäherung an Europa zerstört.

  4. Bella
    31. Juli 2015, 10:45 | #4

    Wenn man sich in Deutschland als Griechenversteher oder gar als Griechin outet, muß man mit Anfeindungen rechnen. Der brave und sehr selbstgerechte deutsche Michel glaubt wirklich, er müsse mit seinen Steuern GR alimentieren. Was die Leute nicht wahrhaben wollen ist, das Dtl. Bürgschaft geleistet hat, die fällig werden könnten. Bisher ist aber noch kein deutscher Euro nach GR geflossen. Die Griechen sind ein sehr gastfreundliches Volk und können zwischen der deutschen Regierung und den deutschen Normalbürger unterscheiden. Ich wünschte die Deutschen könnten dies auch.

  5. mike
    31. Juli 2015, 13:06 | #5

    Es geht dabei um diese neoliberale Politik. Deutschland wird von vielen Europäern als Hauptakteur gesehen, diese unmenschliche Politik den anderen Ländern aufzuzwingen. Auch ttip braucht kein Mensch außer Konzerne. Auch hier ist Merkel der größte Befürworter. Der Euro. Eine Schwachsinnswährung bis zum geht nicht mehr. Der Kaufkraftverlust alleine durch ihn ist enorm. Auch hier wird Deutschland von vielen als schuldiger gesehen am Euro unbedingt festzuhalten.

  6. Werner Jäger
    31. Juli 2015, 14:28 | #6

    Dass Deutsche wieder verhasst sind wundert mich nicht. Alle Parteien in Deutschland sind von der Wirtschaft gesteuert. In allen Kriegen der Welt sind die Deutschen (vom Amiland befohlen) wieder verwickelt. Von Deutschland aus (SPD hats vorgemacht) werden Arbeiter ausgenutzt.

  7. Anton
    31. Juli 2015, 14:46 | #7

    Das Hauptproblem sind nicht DIE Deutschen, sondern die deutsche Regierung. Dies eben auch für Teile der deutschen Bevölkerung. Allerdings verweist das Flüchtlingsproblem (nicht nur) in Deutschland auf eine Zunahme von nationalistischen und rassistischen Stereotypen. In diesem Zusammenhang muss wohl auch die mediale Behandlung DER Griechen gesehen werden. Der Riss geht nicht zwischen den Nationen, sondern innerhalb der Nationen zwischen Kapital und Arbeit.

  8. Götterbote
    31. Juli 2015, 15:33 | #8

    Anstatt Weisheiten von sich zu geben, sollte der nette Herr Kaube mal lieber in den Spiegel schauen. Sein Blatt gehört doch zu den größten Hetzblättern, wenn es um Griechenland geht. Aber das betrifft nicht nur ihn. Fast in allen großen Medien kann man Kommentare der Redakteure lesen, in denen sie von der unfairen Berichterstattung schreiben und zeitgleich lassen sie Artikel in den Umlauf bringen, die nichts anderes tun, als Unwahrheiten zu verbreiten und gegen die Griechen zu hetzen. Wenn ich könnte, wie ich wollte … wäre das nicht gut für dieses Gesindel.

  9. stelios
    6. August 2015, 05:33 | #9

    aus eigener erfahrung weiss ich, dass es einige touristen hier in griechenland gibt die glauben, dass nur weil sie uns kredite geben, wir uns auch alles gefallen lassen muessen. ein bsp.: eine gruppe franzosen wollte bei einem museumsbesuch keinen eintritt bezahlen ,aufgrund der gewaehrten kredite.
    wie waere es wenn ein grieche in denn louvre geht und keinen eintritt bezahlen will, weil die ausgestellten kunststuecke (niki von samothrakie,afrodite von milos u.s.w.) von seinen urahnen erschaffen und von denn franzosen geklaut wurden.
    aber leider muss ich sagen das aufgrund meiner arbeitsstelle in einem hotel es immer schlimmer wird. ein paar deutscher touristen hat 5 cent trinkgeld gegeben mit dem beispruch “hier bitte das trinkgeld, fuer die kellner koennt ihr euch teilen“ (es waren 7 kellner im resaturant …). aufgrund der hohen arbeitslosigkeit kann man LEIDER nicht antworten.
    also glaube ich nicht mehr, dass das problem nur die politiker sind. es ware schon wenn es nur die politiker waeren.

  10. Eleni
    9. August 2015, 12:32 | #10

    Es gibt keine Probleme zwischen den Menschen, nur zwischen den Politikern. Die Medien tragen mit ihren Propaganda gesteuerten Berichten dazu bei. Und schon entsteht ein „hervorragendes“ Beispiel von Rassismus gegen ganze Völker.

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