Das Deutsche Reich schlägt zurück

28. Juli 2015 / Aufrufe: 9.829

Die „Auferstehung“ der deutschen Überlegenheit

Ich beziehe mich absichtlich auf Deutschland und nicht die Europäische Union als den Verhandlungspartner Griechenlands. Es ist seit geraumer Zeit sichtbar, dass die Deutschen die Körperschaft sind, welche die Europäische Union unter Kontrolle hat. Diesmal verbargen sie es nicht einmal. Und sie verbargen auch nicht ihre Grobheit. Praktisch hissten sie die Flagge der deutschen Überlegenheit, des deutschen nationalen Interesses und des deutschen Willens, den Widersacher zu zermalmen. Die deutsche Position stellten unter anderem Franzosen und Italiener in Zweifel. Zum Schluss war es ohne Bedeutung. Die deutschen konferierten mit diesen anderen Regierungen, die Verhandlungsposition beschloss jedoch Berlin, weil durch die französische und italienische Zurückhaltung letztendlich Deutschland am meisten bloßgestellt worden wäre. Diese Verhandlung erfolgte im Rahmen der Europäischen Union, war jedoch eine deutsche Verhandlung.

Und damit taten die Deutschen etwas, was sie niemals tun wollten: erneut relativ unmissverständlich aufzuzeigen, dass Deutschland der Souverän und der vorherrschende Staat / die vorherrschende Nation in Europa ist und die Macht und den Willen hat, seinen Willen einem anderen Staat einseitig aufzuzwingen. Natürlich wurde das „Feingefühl“ für die Stimme der Finanzminister und der Premierminister gewahrt, jedoch waren es die Deutschen, welche die wirklichen Verhandlungen führten und den Griechen ihren Willen aufzwangen.

Die historische Position Deutschlands war, eine Nation der vielen der Europäischen Union zu sein. Eins der anfänglichen Ziele der europäischen Vereinigung war, dass Deutschland in eine multinationale europäische Körperschaft integriert wird, damit es sich wirtschaftlich entwickelt, aber auch nicht die Rolle spielt, die es zwischen 1871 und 1945 in Europa spielte. Der Schlüssel war, sicherzustellen, dass Deutschland und Frankreich sich völlig in Übereinstimmung bringen. Die Angst war, dass das deutsche wirtschaftliche Wachstum eine einseitige deutsche politische Macht schaffen würde, und die Annahme war, dass ein vielseitiger Organismus, in dem Frankreich und Deutschland eng verbunden waren, das deutsche Wachstum gestatten würde, ohne in Gefahr zu laufen, dass Deutschland zu einer einseitigen Macht wird.

Niemand wollte mehr als die Deutschen, dass diese Lösung effizient ist, und viele der Züge Deutschlands erfolgten, damit die vielseitige Körperschaft gerettet wird. Indem es diese Züge tat, überschritt Deutschland jedoch zwei „Linien“. Die weniger bedeutsame war, dass Frankreich und Deutschland sich in der Bewältigung des griechischen Themas nicht gleichschalteten, auch wenn sie nicht so weit voneinander entfernt waren, um sich jemals einem Bruch zu nähern.

Die zweite und ernsthaftere Linie war, dass die finale Verhandlung eine Demonstration einseitiger deutscher Macht war. Etliche Staaten unterstützten die deutsche Position von Anfang an – spezieller die Länder Osteuropas, die abgesehen von ihren Einwänden, Griechenland europäische Gelder zu geben, der Beziehung Griechenlands zu Russland nicht trauen. Deutschland hatte Verbündete. Jedoch hatte es ebenfalls auch große Mächte zu Gegnern, und die wurden an die Seite gedrängt.

Diese starken Gegner wurden spezieller in zwei Themen verdrängt. Das eine ist die wie auch immer geartete Bereitstellung von Liquidität an die griechischen Banken. Das andere war die – auf eine radikalere Art als je zuvor gestellte – deutsche Forderung, dass die Griechen fundamentale Souveränität über ihre nationale Wirtschaft und praktisch über selbiges Griechenland abtreten. Deutschland forderte, dass Griechenland der Aufsicht einer europäischen Beaufsichtigungsmacht unterstellt wird, die – wie Deutschland in diesen Verhandlungen zeigte – sich praktisch unter deutscher Kontrolle befinden wird. Die Deutschen wollten dies nicht tun, es sind jedoch zwei verschiedene Themen, was ein Staat tun möchte und was er wirklich tut. Das, was Deutschland wollte, war eine griechische Unterwerfung unter größere Austerität als Gegenleistung für die Stützung seines Bankensystems. Es war nicht die Position der griechischen Regierung, die Deutschland mehr zu denken gab, sondern das griechische Referendum. Wenn Deutschland die griechische Regierung zwingen würde, zu kapitulieren, währe es eine konventionelle internationale Verhandlung. Wenn es die griechische Regierung zwingen würde, nach dem Auftrag des griechischen Volkes zu kapitulieren, wäre dies auf vielerlei Weisen ein Angriff auf die Souveränität, der eine Regulierung nicht gegen die Regierung, sondern in direktem Gegensatz zu dem Wahlkörper erzwang. Die Deutschen konnten die Abstimmung nicht akzeptieren. Sie mussten antworten, indem sie Abtretungen bezüglich der griechischen Souveränität verlangten.

Das ist natürlich nicht zu Ende. Nun liegt es in der Hand der griechischen Regierung, ihre Vereinbarungen umzusetzen, und dies tut sie nach dem griechischen Referendum. Die Lage in Griechenland ist wegen der Situation des Bankensystems hoffnungslos. Und dies war der Druckpunkt, den die deutschen nutzten, um Griechenland zu Kapitulation zu zwingen. Griechenland ist jedoch nun nicht nur mit der Austerität, sondern auch mit der ausländischen Regierungsführung konfrontiert. Die Position der Deutschen ist, dass sie den Griechen nicht vertrauen. Sie meinen jetzt nicht die Regierung, sondern den griechischen Wahlkörper. Daher wollen sie Beaufsichtigung und Kontrollen. Aus der Sicht der Deutschen ist dies logisch, für die Griechen wird es jedoch explosiv sein.

Die Wahrscheinlichkeit europäischer Unruhe

Im 2. Weltkrieg besetzten die Deutschen Griechenland. Jedoch befindet sich auch im größten Teil des übrigen Europas die Erinnerung an diese Besatzung nun in der DNA des Landes. Dies wird als Rückkehr der deutschen Besatzung betrachtet und die Widersacher der Vereinbarung werden dieses Argument sicher verwenden. Die Art, auf welche die Vereinbarung erfolgte und von den Deutschen ausgeweitet wurde, auf dass eine ausländische Kontrolle gewährt wird, wird historische Erinnerungen an die deutsche Besatzung aufleben lassen. Es hat bereits begonnen. Die aggressive Sturheit der Deutschen kann als ein Verhalten verstanden werden, das die deutschen Ängste als Motiv hat, jedoch war Deutschland immer ein ängstliches Land, dass mit „Muskelspielen“ und Selbstüberzeugung reagierte.

Der grundsätzliche Punkt des Themas ist nicht „weg“, und zwar nicht nur, weil die Reaktion der Griechen unvorhersehbar ist: Armut gegen Herrschaft ist ein signifikantes Thema, speziell ab dem Moment, wo die Griechen sowohl arm bleiben als auch einen Teil ihrer nationalen Souveränität verlieren. Die Deutschen nutzten Zypern und nun Griechenland, um Exempel zu statuieren. Die Führungsmacht Europas wird nicht zum Paten unter Insolvenz stehender Kreditnehmer werden. Sie wird für jede von ihr gebotene Hilfe politische Unterwerfung fordern. Dies ist keine Botschaft, die in Europa umsonst sein wird, welches immer auch das antihellenische Gefühl in diesem Augenblick sein mag.

Wie man sich vorstellen kann, ist das sehr weit von dem entfernt, was Deutschland wollte. Griechenland vermochte jedoch nicht mit den deutschen Forderungen zu leben und Deutschland vermochte nicht mit den griechischen Forderungen zu leben. Zum Schluss gab die Bankenkrise Deutschland ein unbesiegbares Werkzeug. Nun fordern die Umstände, dass die Griechen die Austerität beibehalten und grundsätzliche Elemente ihrer nationalen Souveränität auf Institutionen transferieren, die von den Deutschen kontrolliert oder beeinflusst werden.

Was hätte Deutschland sonst tun können? Was hätte Griechenland sonst tun können? Die Tragödie der geopolitischen Realität ist, dass das, was geschehen wird, wenig mit dem zu tun hat, was die Politiker tun wollten, als sie begannen.

(Quelle: euro2day.gr, Autor: George Friedman)

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  1. Bella
    28. Juli 2015, 11:45 | #1

    Sehr seltsamer und einseitiger Beitrag zugunsten der deutschen Vorherrschaft. Die Opfer der deutschen Hegemonie sollten Mitleid mit den Tätern haben? Das ist widernatürlich und wird niemals passieren. Wenn man Exportweltmeister ist, hat man auch Verpflchtungen gegenüber den Abnehmern, weil man diese in ein Leistungsbilanzdefizit zwingt. Die Deutschen bestehen einseitig auf ihre Vorteile und drohen den Rest Europas mit gnadenloser Unterwerfung. Das wird für Deutschland unangenehme Folgen haben, denn der Kontinent wird die deutsche Unterwerfungspolitik nicht ein drittes Mal ertragen.

  2. Zoe J.
    28. Juli 2015, 12:56 | #2

    Dem deutschen Volk wurde versprochen der Euro ist so stark wie die DM. Das deutsche Volk wurde nie gefragt ob es die DM aufgeben moechte. Dem deutschen Volk wurde versprochen, keine Transverunion. Deshalb hat der Schaeuble auch sein Volk hinter sich. Der Schaeuble koennte zum Einmarsch nach Griechenland rufen … und die Deutschen wuerden mit Hurra hinterherlaufen. Die Deutschen haben nicht begriffen, es sind die eigenen Politiker die alles zu verantworten haben. Man drischt eben lieber auf den schwachen ein.
    Deutschland hat gewonnen in dieser EU langfristig. Mit HartzIV und Leiharbeit hat es den Weg geebnet. Deutschland hat seine Industrie behalten. Fuer die Voelker in der EU wird es noch viel mehr Armut und Suppenkuechen geben.Zurzeit gibt es nichts was dem entgegentreten koennte. Da alle Politiker in der EU sich vor dem Untergang noch selbst schnell die Taschen fuellen. Tsipras war die letzte Hoffnung in der EU. Und er war der groesste Verraeter. Ein Deutsch- Grieche meinte bei Illner, der Tsipras ist ein Machtmensch, mehr nicht.
    Es liegt jetzt am griechischen Volk selbst. Wir Franzosen werden es wohl auch wieder in die eigene Hand nehmen muessen. Die Bonnet rouge und die Bauern fangen schon mal an.

  3. Maty
    28. Juli 2015, 14:07 | #3

    diesen Artikel könnte man nachvollziehen mit der Annahme Deutschland sei ein souveräner freier Staat. Dem ist leider nicht so! Die Deutschen wurden niemals gefragt, ob sie die DM aufgeben wollen. Wer hat von diesem Wahnsinn profitiert, etwa der einzelne Bürger? In der Sache geht es um Konzerninteressen und um die Ausbeutung einzelner Länder durch die Finanzmafia aus Übersee und der City of London. Die einzelnen Regierungen kann man nur noch als willfährige Handlanger der Finanzpiraten bezeichnen. Nach Aufgabe der DM hat der Euro nach sieben Jahren ca. 50% seines Wertes verloren. Wo sind die Milliarden Exportüberschüsse seit 1970 für Deutschland geblieben? Wo ist das Geld? Gerade löst sich die Altersversorgung einer ganzen Generation auf. Das kriminielle Finanzsystem (mit den dahinter stehenden Menschen) hat vom EUR profitiert und nicht die Länder. Und Deutschland schon gar nicht!

  4. Anton
    28. Juli 2015, 14:32 | #4

    Der entscheidende Punkt ist wohl, dass Deutschland die EU bezüglich Griechenland in eine Diktatur transformierte, wobei noch dazu wesentliche Bestandteile der EU-Verträge verletzt wurden (bes. das Subsidaritätsprinzip). Tsipras hier als „Verräter“ zu bezeichnen, trifft es jedoch nicht. Er gab nach aus Angst vor einen völligen Bankrott. Den interessanten Gegenpol gegen die neoliberale Ausrichtung, maßgeblich unter Führung Deutschlands, stellt Varoufakis dar. Dies deshalb, weil er die Entwicklung grundsätzlicher betrachtet und deshalb nicht zufällig nach völlig neuen Alternativen sucht, wie den FT-Coins. Der Unterschied zwischen Tsipras und Varoufakis besteht wohl darin, dass der eine eher Keynesianer ist und der andere – trotz aller Kritik – eher Marxist ist. Diesen Eindruck von Varoufakis bestärkt übrigens auch sein neues Buch, worin es ihm eindeutig darum geht, dass der Mensch wirtschaftliche Abläufe bestimmt und nicht mehr die Ökonomie das Verhalten des Mensch.

  5. Mirabeau
    28. Juli 2015, 16:42 | #5

    Worum es hier geht ist, ob Europa letztlich unter deutscher Vorherrschaft stehen soll oder ob es ein Europa freier und gleichberechtigter Völker geben wird. Deutschland hat zweimal Europa verwüstet und barbarische Verbrechen begangen. Trotzdem hat die freie Welt den Deutschen verziehen und ihnen sogar ihre Schulden erlassen. Jetzt hätte Deutschland die Chance, sich zu revanchieren und GR seine Schulden zu erlassen. Aber Deutschland tut das Gegenteil, es demütigt wieder ein Volk. Das kann niemals gut gehen. Muss man wieder dieses Deutschland stoppen? Ich finde, die freie Welt muß sich gegen dieses Deutschland wieder zusammenschließen und ein für allemal gewährleisten, dass am deutschen Wesen die Welt niemals mehr genesen wird.

  6. AmiGoHome
    28. Juli 2015, 16:55 | #6

    Mit oder ohne Euro. Deutschland war mit der D-Mark auch Exportweltmeister.

  7. HJM
    29. Juli 2015, 22:54 | #7

    Deutschland braucht die EU und den Euro. Deutschland braucht Griechenland nicht. Griechenland braucht die EU und den Euro. Deshalb braucht Griechenland Deutschland. Ob das gut oder schlecht ist … pffft. Es ist so. Diese Lage völlig falsch eingeschätzt zu haben, das ist der tragische Fehler der Syriza.

  8. GR-Block
    30. Juli 2015, 15:30 | #8

    „Athen versuchte …. praktisch die Last der griechischen Verschuldung von den Griechen auf die Europäische Union (zu) transferieren, also auf Deutschland.“ – Mattscheibe!
    Die Europäische Union, also Deutschland, hatte erzwungen, dass die griechische Verschuldung auf die Völker der EU transferiert wird und seine letzten drei griechischen EU-Partner (PASOK, ND, SYRIZA) hatten die entsprechenden „Memoranden“ gegen die Interessen der Völker akzeptiert.
    Die Griechen dagegen hatten sich schon vor 5 Jahren außerparlamentarisch dafür ausgesprochen, dass die korrupten Eliten selbst die Kosten der Krise tragen sollten. Sie wussten ja nicht, dass das deutsche Volk jene so konsequent in Schutz nehmen würde. Aber eigentlich war es zu erwarten, sind es doch mehrheitlich deutsche Unternehmer, die seit Maastricht die Korruption in Europa aufrecht erhalten.

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