Kapitalflucht und rote Kredite in Griechenland

21. Juni 2015 / Aktualisiert: 05. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.544

In ihrem aktuellen Bericht veröffentlicht die Griechische Bank Angaben über Kapitalflucht, leistungsgestörte Kredite, Engagements und Kapitaldeckung der Banken in Griechenland.

Laut in dem am 16 Juni 2015 veröffentlichten Bericht über die Währungspolitik publizierten Angaben der Griechischen Bank (TtE) wurden zwischen Dezember 2014 und April 2015 Abflüsse von Guthaben verzeichnet, die 30 Mrd. Euro tangieren.

Spezieller werden gemäß einem in dem Bericht der TtE erfolgenden speziellen Report über die Guthaben in der gesamten Periode Oktober 2009 – April 2015 drei Phasen bei der Entwicklung des Flusses der Guthaben der inländischen nicht auf dem Finanzsektor tätigen Unternehmen und privaten Haushalte von und zu den Kreditinstituten in Griechenland beobachtet.

Phasen und Charakteristika der Kapitalflucht aus Griechenland

In der ersten und am längsten dauernden Phase (Oktober 2009 – Juni 2012) wurden Netto-Abflüsse in Höhe von insgesamt 88,9 Mrd. Euro verzeichnet (-38% des Stands der Guthaben im September 2009). Es folgte eine Phase, in der die Guthaben anfänglich zurückkehrten und sich im weiteren Verlauf stabilisierten (Juli 2012 – November 2014), wobei Zuflüsse in Höhe von 12,1 Mrd. Euro von den (nicht auf dem Finanzsektor tätigen) einheimischen Unternehmen und Haushalten verzeichnet wurden (+8% des Stands der Guthaben im Juni 2012). In der dritten und aktuellen dauernden Phase (Dezember 2014 – April 2015) wurden erneut hohe monatliche Abflüsse in Höhe von insgesamt 29,4 Mrd. Euro verzeichnet (-19% des Stands der Guthaben im November 2014).

Ende April 2015 belief sich der Stand dieser Guthaben im inländischen Banksystem auf 128 Mrd. Euro, gegenüber 232,8 Mrd. Euro im September 2009. Während der letzten fünf Monate erreichten die von nicht auf dem Finanzmarkt tätigen Unternehmen abgezogenen Guthaben 7,2 Mrd. Euro (Rückgang der Guthaben um 35% im Verhältnis zu November 2014). Die Abflüsse von Konten der privaten Haushalte erreichten 22,3 Mrd. Euro (Rückgang der Guthaben um 16% im Verhältnis zu November 2014). Hinsichtlich der prozentualen Änderung wird beobachtet, dass während der ersten Phase der Abflüsse der prozentuale Kapitalabzug durch die Unternehmen erheblich höher war. Der durchschnittliche monatliche Abfluss in der gegenwärtigen Phase ist jedoch erheblich höher als in der Vergangenheit, da die Verluste (Abflüsse) im Januar und Februar 2015 zu den höchsten zählten, die seit Beginn der Krise verzeichnet worden sind.

Wie die TtE anführt, ist ein weiteres signifikantes Charakteristikum der laufen Periode die Tatsache, dass die Abflüsse durch die privaten Haushalte fast in ihrer Gesamtheit aus Festgeldern herrühren, was ein Anzeichen hauptsächlich der Ungewissheit ist. Während der vorherigen Phase der großen Kapitalabflüsse wurde der Abfluss aus Festgeldern wegen der tiefen Rezession, welche die griechische Wirtschaft durchmachte, auch von einem signifikanten Rückgang der Sichteinlagen (auf Spar- und Girokonten) begleitet. Außerdem setzte der Rückgang der Sichteinlagen der Haushalte sich während der Phase der Rückkehr und Stabilisierung der Guthaben (Juli 2012 – November 2014) fort und deutete auf den Rückgang des verfügbaren Einkommens der Haushalte hin.

Auf die selbe Weise bezog sich im Fall des nicht auf dem Finanzsektor tätigen Unternehmen der bedeutendste Teil des Rückgangs der Guthaben während der Abflussperiode auf Festgelder. Während der Periode der Rückkehr und Stabilisierung der Guthaben bezog der Anstieg sich jedoch hauptsächlich auf Sichteinlagen, die mit der Deckung der Bedürfnisse nach Betriebskapital der Unternehmen in Zusammenhang stehen. Diese Entwicklung reflektiert möglicherweise eine Stärkung des Volumens der Transaktionen in der Wirtschaft während dieser Periode. Wie in dem Bericht der TtE angeführt wird, ist der Umstand logisch, dass der größte Teil der Zuflüsse aus Festgeldern herrührt, da die Sichteinlagen zu einem großen Grad als Zahlungsmittel für Geschäftsvorgänge unter Vermittlung der Banken geführt werden und folglich die Möglichkeiten zu ihrer Substituierung selbst unter Verhältnissen einer Krise beschränkt sind.

Parallel wird die Beibehaltung von Festgeldanlagen hauptsächlich von dem Motiv der Investition diktiert. Unter Verhältnissen einer Verschärfung der Ungewissheit wurde von dem Publikum erachtet, dass Banknoten oder Bankeinlagen oder sonstige Investitionen im Ausland eine erhöhte Attraktivität boten, die Nachteile wie das Risiko des Diebstahls oder des Verlusts der Banknoten, den für einen Inlandsansässigen vergleichsweise eingeschränkten Grad der Anlagen im Ausland usw. mehr als ausglichen. Schließlich steht die Tatsache, dass die Festgeldanlagen verhältnismäßig mehr zurückgingen, in Konsequenz zu dem Befund vieler traditioneller Studien über die Geldnachfrage, dass das Geld in seiner weiteren Bedeutung eine höhere Einkommensflexibilität zeigt als das Geld in seiner engeren Bedeutung.

Einlagenabflüsse auf allen Ebenen der Guthaben

Was die privaten Haushalte betrifft, gibt es Anzeichen, dass die Abflüsse sich unter den gegenwärtigen Umständen auf alle Guthabenniveaus verteilen. Es zeigt sich sogar, dass die prozentualen Änderungen für Guthaben mit relativ kleinen Guthabenbeträgen größer sind.

Bezüglich der Richtung der Abflüsse wurde gemäß den Daten der Zahlungsbilanz im Dezember 2014 und in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 eine klare Flucht der Guthaben zu Bankeinlagen im Ausland in Höhe von 4,4 Mrd. Euro beobachtet (zu 80% von Unternehmen und zu 20% von privaten Haushalten herrührend, im Gegensatz zu dem ausgewogeneren Bild vergangener Abflussperioden). Zusätzlich bezogen sich – hauptsächlich von den privaten Haushalten herrührende – Flüsse von Mitteln ins Ausland in Höhe von ungefähr 5 Mrd. Euro auf Anlagen in ausländischen (hauptsächlich Vermögensverwaltungs-) Fonds. Im Vergleich zu der vorherigen Periode großer Guthabenabflüsse, als das ins Ausland abfließende Kapital hauptsächlich in Bankeinlagen und weniger in andere Investitionsoptionen gelenkt wurde, wurde eine Differenzierung beobachtet.

Die TtE führt an, dass das Verhältnis der Netto-Gutgabenflucht ins Ausland zu dem Gesamtrückgang der Guthaben bei inländischen Kreditinstituten darauf hinweist, dass ein vergleichsweise größerer Anteil der Abflüsse im Land verbleibt. Diese Entwicklung wird auch durch den Anstieg der in der Periode Dezember 2014 – Mai 2015 im Umlauf befindlichen Banknoten um ungefähr 15 Mrd. Euro gestützt.

Schlussfolgernd betont die TtE:

  • Die Veränderungen bei den Guthaben werden zu einem großen Grad durch die Ungewissheit bezüglich der Perspektiven der griechischen Wirtschaft beeinflusst.
  • Die Unternehmen zeigen eine größere Flexibilität und Schnelligkeit bei dem Abzug von Guthaben. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass die im Vergleich zu den privaten Haushalten einen erheblich kleineren Teil der Guthabenbasis vertreten.
  • Mit der vorherrschenden Rolle der Ungewissheit als gegeben war im Verhältnis zu der herrschenden Ungewissheit der „Elan“ bei der Abziehung (von Einlagen) für die Festgelder intensiver als im Vergleich zu Sichteinlagen, die eher mit der Abwicklung alltäglicher Geschäftsvorgänge durch die Unternehmen und Haushalte in Zusammenhang stehen.
  • In der ersten Periode der Abflüsse scheinen diese hauptsächlich aus Guthaben mit relativ hohen Einlagen hergerührt zu haben. In der jüngsten Periode sind die Abflüsse von einer geringen Intensität gekennzeichnet, während sie sich auf ein größeres Anleger-Spektrum, also sogar auch auf die Kleinsparer ausweiten. Jedoch scheint ein großer Teil der abgezogenen Guthaben im Land zu verbleiben. Dieser – sich in einem signifikanten Anstieg der Menge im Umlauf befindlicher Banknoten reflektierende – Umstand bedeutet, dass eine erhöhte Aussicht auf Rückkehr eines Teils der Guthaben besteht, wenn sich die Vertrauenslage verbessert.

Derzeit wird das Klima des Vertrauens durch die Entwicklung der Verhandlung mit den Gläubigern beeinflusst, von der die wirtschaftlichen Aussichten des Landes abhängen. Wie die TtE einschätzt, werden auf Basis der Erfahrung aus der Vergangenheit die Umkehrung des negativen Klimas und die Verzeichnung einer positiven Bilanz der Publikationen / Erklärungen zur Rückkehr der Einlagen zu den einheimischen Kreditinstituten beitragen.

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  1. Volker
    21. Juni 2015, 12:20 | #1

    Die Griechen sollten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, durch einen Runden Tisch oder Reformkonferenz aller gesellschaftlich tragenden Kraefte (Parteien, Kirche, Oligarchen, Unternehmer), konkrete Massnahmen festlegen (z.B. Besteuerung der Vermoegenden und Bekaempfung Korruption), Vertrauen schaffen, mit guten Beispiel vorangehen, d.h. die Oligarchen investieren im eigenen Land statt in Betongold in London oder Berlin.

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