Griechenlands Sparer bringen ihr Geld in Deutschland in Sicherheit

10. Juni 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.428

Die aus Griechenland herrührenden Guthaben bei Banken in Deutschland haben mit insgesamt 3,8 Milliarden Euro einen neuen Höchststand seit 2012 erreicht.

Wie „Die Welt“ schreibt, haben die griechischen Guthaben bei den deutschen Banken ihren höchsten Stand seit 2012 erreicht. Laut dem Artikel der deutschen Zeitung bluten die griechischen Finanzinstitute 2015 unaufhörlich aus, da die Bedrohung eines Grexit die Griechen dazu treibt, ihre Gelder aus dem griechischen Banksystem abzuziehen.

Allein im April 2015 gingen in Griechenland die Guthaben der Haushalte und Unternehmen um 5 Mrd. Euro zurück, welche Tendenz eine Fortsetzung des ersten Quartals 2015 darstellte, in dem die Abflüsse 22 Mrd. Euro erreichten – ein Betrag, der ungefähr 15% der Summe der griechischen Sparguthaben darstellt.

Griechenlands Banken werden von der EZB liquide gehalten

Die in Rede stehenden Gelder fließen überall da hin, wo die Griechen glauben, dass sie dort sicherer sind. Es ist einfach: sie eröffnen ein Konto im Ausland und tätigen danach beliebige Überweisungen. Auf diese Weise sind Milliarden in die Schweiz geflossen. Aber auch Deutschland ist ein besonders populäres Ziel. Dies belegen die Angaben der EZB: die griechischen Guthaben bei deutschen Banken stiegen von Januar bis März 2015 um 600 Mio. Euro und erreichten damit insgesamt 3,8 Mrd. Euro – den höchsten Betrag seit 2012.

Um die Verluste auszugleichen, benötigen die griechischen Banken immer höhere Liquiditätsnothilfen (Emergency Liquidity Assistance / ELA) von der Europäischen Zentralbank (EZB). Und letztere darf diese nur genehmigen, solange die Kreditinstitute kreditwürdig sind. Dies gilt nach wie vor – wenn man der Leiterin der Aufsichtsbehörde in Europa, Danièle Nouy, in ihren Erklärungen gegenüber der „Welt am Sonntag“ Glauben schenkt. Je mehr Liquiditätsnothilfe jedoch in das griechische Bankwesen fließt, desto mehr steigt auch das Misstrauen ihm gegenüber. Deswegen verlangt Hans-Werner Sinn, Leiter des ifo Instituts in München, dass es umgehend Kontrollen bei den Kapitalbewegungen gibt.

Der Ökonom Kenneth Rogoff ist ebenfalls der Ansicht, Griechenland brauche fünf bis zehn Jahre lang Einschränkungen bei den Kapitalbewegungen, um seine Wirtschaft zu sanieren. Auch Hans-Peter Grüner von der Universität Mannheim glaubt, dass die Verhängung von Kapitalkontrollen spätestens dann unvermeidlich ist, sobald Griechenland aus dem Euro ausscheidet. Weil im Fall eines solchen Geschehens auch die außerordentlichen (Liquiditäts-) Zuflüsse von der EZB aufhören werden.

Kapitalkontrollen dürfen nur die allerletzte Option sein

Der Preis wird jedoch hoch sein: „Bereits der Gedanke an die Verhängung von Kontrollen beim Kapitalverkehr verstärkt die Geldabflüsse ins Ausland„, meint Ansgar Belke von der Universität Duisburg. Falls es tatsächlich Beschränkungen gibt, wird dies viele Nebenwirkungen haben. „Die Investoren aus dem Ausland werden das Land meiden, weil sie dort ihre Gelder nicht frei bewegen können werden. Die einheimischen Sparer und Investoren wiederum werden ihre Vermögen weiterhin außer Landes schaffen – eben einfach innerhalb des festgelegten Rahmens.“ Die Banken werden somit weiterhin ausbluten, eben nur langsamer, meint Ansgar Belke und fügte an: „Die Gelder, die nicht ins Ausland gebracht werden können, werden dagegen in Immobilien investiert werden und damit sogar auch neue Blasen schaffen.

Im Fall Zyperns führten die Kapitalkontrollen auch zu einem drastischen Rückgang der Kredite von Seite der Banken. Laut Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, müssen die Kontrollen bei den Kapitalbewegungen die absolut letzte Option sein, damit sie einen weiteren Kapitalabfluss abwenden und der Zusammenbruch des Bankensystems gestoppt wird. „Für eine Wirtschaft haben Kapitalkontrollen riesige Kosten, da sie das noch vorhandene Vertrauen zerstören und in der Praxis eine Beschlagnahme der Sparguthaben darstellen. Deswegen wären diese Kontrollen in Griechenland auch nur zu verhängen, wenn die Verhandlungen scheitern und es keine andere Alternative gibt„, führte er an.

(Quelle: Imerisia)

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