Griechenlands Premierminister im Kampf mit „Bestien“ … und sich selbst

22. Juni 2015 / Aufrufe: 2.417

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras steht unter großem Druck und hat nicht nur mit Bestien, sondern auch sich selbst zu kämpfen.

Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras zeigt sich gegenüber engen und regelmäßigen Gesprächspartnern zu allem bereit, jedoch im Grunde genommen auch zuversichtlich, dass in letzter Minute eine Lösung auf höchster politischer Ebene gefunden werden wird.

Er persönlich mag sich das negative Szenarium nicht vorstellen – was jedoch nicht bedeutet, dass sein Stab nicht auf alle Szenarien vorbereitet ist. „Wir kämpfen für das bestmögliche Resultat„, meinte Alexis Tsipras und soll in einem Moment der Aufrichtigkeit geäußert haben: „Wir kämpfen mit Bestien.

Putin: Nicht der Schuldner, sondern die Gläubiger haben ein Problem

Die Entscheidung des griechischen Premierministers, dem Internationalen Forum in St. Petersburg beizuwohnen, bei dem Russlands Präsident Wladimir Putin Gastgeber war, mag für das Machtsystem im Megaro Maximou (Anmerkung: gemeint ist die Regierungszentrale) strategisch richtig gewesen sein, für die europäischen Führer, mit denen er sich am Montag (22 Juni 2015) treffen wird, war es jedoch eine negative Botschaft.

Alexis Tsipras schickte aus St. Petersburg viele Signale und zeigte damit, zu empfinden, das Recht auf seiner Seite zu haben, während seine Mitarbeiter der Phrase Putins Nachdruck verliehen, „wenn man Schulden hat, liegt das Problem nicht bei dem Schuldner, sondern bei denen, bei denen man Schulden hat„.

Was dies bedeuten könnte? Möglicherweise eine Nichtentrichtung der Raten an den IWF. Dieses Szenarium ist im Megaro Maximou in Betracht gezogen worden und zuverlässigen Informationen zufolge ist die griechische Seite bereit, den ersten Nebenwirkungen aus dieser Entwicklung zu begegnen.

Die Dinge werden sich in wenigen Stunden klären …

Im Stab des griechischen Premierministers bewegt man sich jedoch nicht auf Basis dieses schlechten Szenariums, sondern möchte glauben, dass ein Kompromiss eintritt. Nur, dass die erneute Aktivierung des Finanzministers Yanis Varoufakis an der Frontlinie und die sowohl von ihm selbst als auch dem Verhandlungsführer Evklidis Tsakalotos an die Gläubiger geschickten Botschaften alles andere als positiv sind.

Alexis Tsipras legt sich nicht nur mit sich selbst und seiner Überzeugung, sondern auch mit selbiger Historie an, weil eine für das Land negative Entwicklung ihn persönlich in den Mittelpunkt rücken und jede … „Verwünschung“ auf Ihn fallen werden wird. In dem sehr tiefreichenden System des Megaro Maximou gibt es Personen, die gesagt haben, Alexis Tsipras dürfe die Historie der Linken nicht verraten und habe ihr bis zum Schluss treu zu bleiben und nicht nachzugeben, und mit dieser Ansicht der Weise, auf die er sich zu bewegen hat, einen messianischen Aspekt verliehen.

Der Druck auf Alexis Tsipras ist sehr groß, und alle, die mit den Hintergründen vertraut sind, meinen, dass dieser (Druck) … sich in vielen Diskussionen und etlichen Momenten des Tagesgeschehens niederschlägt. Jedenfalls wird sich in wenigen Stunden zeigen, ob es das negative Szenarium geben wird, das niemand wünscht, und inwieweit Tsipras einer negativen Entscheidung und den damit einhergehenden Entwicklungen standzuhalten vermag.

(Quelle: newpost.gr, Autor: Ioannis Martellos)

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  1. Jannis
    22. Juni 2015, 18:58 | #1

    „Wir kämpfen mit Bestien“ und hoffen auf einen Kompromiss? Das passt meiner Meinung nach nicht zusammen. Wenn man mit Bestien kämpft, muss man entweder ausreichende Mittel dafür haben, siegen zu können, oder einen „Plan B“ für den Rückzug auf eine Position, von der man Widerstand leisten kann. Da ich nicht zu glauben vermag, dass die EU-„Institutionen“ darauf verzichten werden, ein abschreckendes Exempel an Griechenland zu statuieren, um weitere Aufweichungstendenzen zu unterbinden, wird es durch einen „Kompromiss“ keine auf Dauer tragfähige Lösung geben. Für Griechenland möchte ich hoffen, dass ich Unrecht habe!

  2. Weekend01
    22. Juni 2015, 20:30 | #2

    Wuensche Herrn Tsipras, dass er die richtige Entscheidung fuer Griechenland treffen kann, um die Knebelvertraege zu loesen und sein Volk aus der Tiefe dieses Tal herauszufuehren. Schoen, dass Herr Tsipras versucht Wahlversprechen zu halten – und seine Meinung auf sogenannter hoechster Ebene vertritt. Alles Gute!

  3. louisa luges
    23. Juni 2015, 12:56 | #3

    Das nun vorliegende Paket kann nur als Gegenteil dessen bezeichnet werden, was sinnvoll waere. Denn wenn die Konjunktur zusaetzlich abgewuergt wird, steht Griechenland trotz hoeherer Abgaben am Ende des Tages mit noch weniger Einnahmen da. Die jetzt schon jenseits aller Tragfaehigkeit liegende Verschuldung wird damit nur weiter steigen, ohne dass eine Aussicht auf Verbesserung der Lage bestuende.

    Was besonders schmerzt sind die Belastungen der unteren Einkommensschichten: Mit der kolportierten Anhebung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel und Strom wird die Armut weiter steigen. Bekanntermaßen geben die untersten Einkommensschichten verhaeltnismäßig am meisten für die Grundversorgung aus, weshalb eine Verteuerung in diesem Bereich Niedrigverdiener besonders hart trifft. Wie das ein linker Hoffnungsträger seinen Waehlern erklaeren wird, darauf darf man gespannt sein. Moeglicherweise kann das Syriza-Experiment aber ohnehin bald für beendet erklärt werden. Das Scheitern des Helden würde bestens zum Wesen einer Tragödie passen. Vielleicht aber, werden die Griechen Syriza mit einem Nichtwiedersehen verabschieden, denn er hat sich Kaufen lassen, denn jetzt sind die Griechen mit ihrer Armut auf sich allein gestellt.

  4. buergerhans
    23. Juni 2015, 15:15 | #4

    Das Rennen ist gelaufen. Tsipras beugt sich dem EU- Druck, Merkel macht Druck auf die Nia Demokratia – alles wird gut … bis auf die Empfindungen des Griechischen Volkes, wieder einmal verarscht worden zu sein.

  5. jörg
    24. Juni 2015, 10:45 | #5

    nun ja solange man in Griechenland unter Reformen versteht, die Steuern zu erhöhen , solange wird das dies ein kurzer Aufschub für den Grexit sein. Den Preis dafür wird wie immer : das Volk zahlen.

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