Bürger in Griechenland halten sich mit privaten Krediten über Wasser

5. Juni 2015 / Aufrufe: 1.538

Laut einer Studie der EZB halten sich in Griechenland die Hälfte der finanziellen Schwierigkeiten begegnenden Haushalte mit privaten Krediten über Wasser.

Wie aus einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) über das Sparverhalten der Haushalte in 12 der 19 Mitgliedstaaten der Eurozone hervorgeht, ist die erste Lösung, zu der sich 51% der griechischen Haushalte flüchten, wenn ihre Ausgaben ihren Einkommen übersteigen, ein formloser Kredit von Verwandten und Freunden. Ebenfalls flüchten sie sich zu einem Anteil von 26% zu der letzten Lösung, ihre Rechnungen nicht zu bezahlen.

Diese beiden Prozentsätze sind die höchsten unter den 12 Ländern der Studie und belegen, dass im Fall Griechenlands das familiäre und befreundete Umfeld eine sehr viel bedeutendere Rolle als Zuflucht, spielt, sich im Notfall Geld zu leihen, als im Vergleich zu der übrigen Eurozone, aber auch, dass die Griechen in ihrer verzweifelten Bemühung, Überschreitungen ihrer familiären Aufwendungen zu decken, im Verhältnis zu anderen Europäern leichter Rechnungen unbezahlt lassen.

Liquiditätsproblem ist in den Mittelmeerländern intensiver

Die in Rede stehende Studie wurde vor wenigen Tagen in den „Working Paper Series“ der EZB veröffentlicht und wird von fünf Wirtschaftswissenschaftlern unterschrieben, die von der Deutschen Bundesbank (Julia Le Blanc und Junyi Zhu), der Zentralbank Luxemburgs (Alessandro Porpiglia und Michael Ziegelmayer) und der Zentralbank der Niederlande (Federice Teppa) kommen.

Laut dieser Studie entsprechen die Haushalte mit einem defizitären Familienetat in den 12 Ländern der Studie einem Anteil von 11% der Gesamtheit der Haushalte. Wie die Autoren der Studie anmerken, ist das Problem der Liquidität in den Mittelmeerländern jedoch intensiver als in Kontinentaleuropa, und dies beruht hauptsächlich auf der wirtschaftlichen Krise, die im europäischen Süden ausbrach. Zusätzlich ist speziell für Griechenland sicher, dass die Lage sich im Verhältnis zu dem in der Studie präsentierten Bild verschlimmert hat, da die Daten, auf denen die Studie beruht, in der Periode 2010 – 2011 zusammengetragen wurden.

Die Volkswirte der drei Zentralbanken, welche die Studie unterzeichnen, merken ebenfalls an, dass die Möglichkeiten einer negativen Bilanz zwischen Einkommen und Aufwendungen in einem Haushalt steigen, wenn die Finanzen des Hauses eine Frau, eine Person im Alter von unter 40 Jahren oder ein Geschiedener verwaltet.

Außer Griechenland, wo die Haushalte mit ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten übersteigenden Ausgaben einen Rettungsring hauptsächlich bei Verwandten und Freunden suchen, sowie Zypern, wo sie sich zu einem Anteil von 90% zu Kontoüberziehzungen oder Kreditkarten flüchten, greift in den übrigen 10 Ländern der Studie die große Mehrheit der Familien, die dem konkreten Problem begegnen, vorrangig Ersparnisse vorheriger Jahre an. Diese 10 Länder sind Österreich, Belgien, Deutschland, Spanien, Luxemburg, Malta, Holland, Portugal, Slowenien und die Slowakei.

Ersparnisse sind verflogen und Kreditkarten liefen heiß!

Im Durchschnitt antworteten 55% der Haushalte, die bei der Untersuchung angaben, ihre Ausgaben haben in den letzten 12 Monaten ihre Einnahmen überstiegen, dass sie versuchten, die Differenz hauptsächlich aus dem „finanziellen Polster“ zu decken, das sie in den vorherigen Jahren angespart hatten. 22% wendeten sich Kreditkarten oder Kontoüberziehungen zu und weitere 22% baten Verwandte und Freunde um Hilfe. Es wird klargestellt, dass bei den Verwandten nicht Personen umfasst sind, die im selben Haus wohnen (z. B. Ehepaar, mit den Kindern zusammen lebende Eltern usw.).

Zur Nichtbegleichung von Rechnungen flüchteten sich 13%, während ein leicht geringerer Anteil antwortete, nach einem anderen Kredit gesucht zu haben, und weniger als 10% verkauften Vermögenswerte wie Immobilien. Weiter wird angemerkt, dass diese Prozentangaben 100% übersteigen, weil die Teilnehmer der Studie mehr als eine Weise zur Deckung des „Lochs“ anführten, dem sie in ihrem Familienetat begegneten.

Die griechischen Haushalte, für welche Verwandte und Freunde als inoffizielle Kreditgeber fungieren, sind gemäß der Terminologie der Studie der EZB die mit Abstand meisten unter den 12 Ländern der Untersuchung. Wie bereits angeführt wurde, erreicht in Griechenland dieser Anteil 51%, während er in Portugal und Slowenien, die folgen, knapp über 30% liegt. Die zweitpopulärste Lösung in Griechenland, damit die zusätzlichen Verpflichtungen der Haushalte „gestopft“ werden, ist mit 27,5% die Verwendung älterer Ersparnisse, gefolgt von den folgenden Optionen:

  • Wir lassen bestimmte Rechnungen unbezahlt (26%).
  • Wir schreiten zur Kontoüberziehungen oder Kreditaufnahme mittels Kreditkarte (ungefähr 7%).
  • Wir nehmen Zuflucht zu einem anderen Kredit (ungefähr 6%).
  • Wir suchen nach anderen (nicht weiter definierten) Lösungen (ungefähr 4,4%).
  • WWir verkaufen Vermögenswerte wie Immobilien (1,2%).

Hinweis: Besagte Studie kann über die Internat-Präsenz der EZB aufgerufen werden: Household saving behaviour and credit constraints in the euro area (Englisch, PDF, 760 kB)

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Imandra
    5. Juni 2015, 07:09 | #1

    „… und weniger als 10% verkauften Vermögenswerte wie Immobilien …“ Wie denn auch ? Der Imobilienmarkt liegt doch völlig am Boden – absolut niemand der noch Geld und ein bischen Verstand hat kauft sich in Griechenland eine Imobilie, dafür hat allein schon der Steuerwahnsinn und Gesetzdschungel gesorgt! Man sollte solche Erhebungen mit Vorsicht geniessen, denn ohne die Situation vor Ort zu kennen, entsteht schnell ein falscher Eindruck.

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