Welche Maßnahmen die Bürger in Griechenland nicht wollen

11. Mai 2015 / Aufrufe: 2.349

Eine große Mehrheit der Bürger in Griechenland würde einen Vergleich mit den Gläubigern unter gegenseitigen Zugeständnissen akzeptieren, damit das Land im Euro bleibt.

In einer von „realnews“ veröffentlichten Demoskopie der MRB hat die SYRIZA gegenüber der Nea Dimokratia (ND) mit 15,2% weiterhin einen signifikant hohen Vorsprung.

Laut den Ergebnissen der Umfrage würden im Fall von Wahlen die SYRIZA 36,1%, ND 20,9%, Potami 5,8%, Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) 5,5%, Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) 5,1%, Unabhängige Hellenen (ANEL) 4,1%, PASOK 3% der stimmen auf sich vereinigen, während 5,9% der Befragten erklären, eine andere Partei wählen zu werden.

85,5% sprechen sich für Griechenlands Verbleib im Euro aus

71,9% der Befragten sprechen sich dafür aus, dass die Regierung eine Vereinbarung unter gegenseitigen Zugeständnissen akzeptiert, damit das Land im Euro bleibt, während gerade einmal 21,3% eine Einigung nur dann wollen, sofern sie die Vorwahl-Positionen enthält, auch wenn dies einen Bruch und das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro impliziert. 74,1% schätzen ein, die Europäer werden versuchen, zu einem „ehrbaren“ Vergleich mit der griechischen Regierung zu gelangen, während 20,6% annehmen, sie werden zu einem völligen Bruch kommen.

55,8% der Befragten möchten im Fall eines sogenannten ehrbaren Vergleichs mit den Gläubigern eine Ratifizierung der Vereinbarung durch das Parlament, 28,8% eine Volksabstimmung und 5,8% Neuwahlen. In dem Szenarium jedoch, wo die Vereinbarung die Ergreifung aller der von den „Partnern“ verlangten Maßnahmen vorsieht, wollen 42,6% eine Volksabstimmung, 37% die Ratifizierung der Vereinbarung im Parlament und 11,3% vorgezogene Wahlen. Im Fall einer Vereinbarung wiederum, die keine vor den Wahlen geleisteten Zusagen vorsieht, wollen 45,5% die Ratifizierung der Vereinbarung im Parlament, 28% eine Volksabstimmung und 17,8% vorgezogene Neuwahlen. Im übrigen sprechen sich 88,5% für den Verbleib Griechenlands im Euro aus und 12,2% dagegen.

Klares Nein zu MwSt.-Erhöhung bei Basisgütern und Lohnkürzungen

Maßnahmen, welche die Bürger in Griechenland nicht akzeptieren, sind die Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Basisgütern (91,7%), Kürzung der Löhne (89,4%), Reduzierung der Sozialen Solidaritätszulage für Rentner (EKAS) und der Empfangsberechtigten (75,2%), Verbleib des Basis- / Mindestlohns auf den heutigen Niveaus (69,4%).

Gegenüber der Möglichkeit der Verlängerung der sogenannten Einheitlichen Immobilien- Besitzsteuer“ (ENFIA) zeigen die Bürger sich gespalten, wobei 50,8% dies nicht akzeptieren und 47,1% kein Problem haben.

Die Bürger würden eine Einschränkung der vorzeitigen Verrentungen unter 62 Jahren (59,7%), die Erhebung einer Sonderabgabe für alle mit Jahreseinkommen von über 30.000 – 50.000 Euro (61,6%), Entstaatlichungen und Privatisierungen von Immobilien (58,6%), die Anhebung der Mehrwertsteuer an populären Reisezielen oder Erhebung einer sogenannten Übernachtungsabgabe (63,8%) und die Streichung von Zulagen bei konkreten Trägern des öffentlichen Sektors (74,1%) akzeptieren.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

Yanis Varoufakis genießt noch größeres Vertrauen als Alexis Tsipras

Ein ähnliches Bild gibt eine Demoskopie der RASS wieder, die in der Zeitung „To Paron“ veröffentlicht wurde und für SYRIZA einen Vorsprung von 18 Prozentpunkten gegenüber der Nea Dimokratia (ND) ausweist. Laut den Ergebnissen der Umfrage der RASS vereinigt bei der Frage nach der Wahlabsicht die SYRIZA 38,3% auf sich, gefolgt von ND 20,4%, Potami 6,3%, Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) 5,1%, Unabhängige Hellenen (ANEL) 4,5%, Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) 4,4%, PASOK 3,5%.

Die überwältigende Mehrheit der Bürger fährt darin fort, sowohl der Regierung und dem Premierminister Alexis Tsipras als auch – und sogar in einem höheren Grad – dem Finanzminister Yanis Varoufakis zu vertrauen.  Spezieller sagen 68,9% der Bürger „Ja“ zu Alexis Tsipras und 73,3% vertrauen Yanis Varoufakis, während 57,4% der Bürger glauben, dass die Dinge heute schlimmer sein würden wenn sich bei den Wahlen im Januar die Nea Dimokratia behauptet hätte.

Weiter schätzen 70,8% der Befragten ein, die Gläubiger wollen in Griechenland eine Regime des „Erstickens“ durchsetzen, während 69,8% annehmen, die Regierung versuche, die Wahlzusagen voranzutreiben, schaffe es jedoch nicht wegen des negativen Klimas, das die Gläubiger geschaffen haben.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Rolf
    11. Mai 2015, 13:07 | #1

    Die EU mit USA wird es niemals zulassen das diese Regierung Erfolg hat. Es wird alles versucht diese Regelrecht zu vernichten. Griechenland ist für die EU eine Blaupause für Europa, indem probiert wird wie Leidensfähig ein Volk ist und wie sehr man es Verarmen lassen kann. Es zählt nur der Neoliberale (Marktkonforme Demokratie) Kurs. Wäre die extrem koruppte ND noch an der Macht, ginge es Griechenland heute wesentlich schlechter, da sie willfährig das eigene Volk verhungern ließe. Um eigene Vorteile zu sichern.
    Ich wünsche dieser Regierung das sie es schafft sich durchzusetzen. Die Menschen in Griechenland haben es verdient. Sie haben lange genug gelitten.

  2. Ronald
    11. Mai 2015, 16:47 | #2

    Ich glaube, letztlich werden die Bürger Griechenlands in einem Referendum entscheiden müssen, wie viel Leiden ihnen das Verbleiben im Euro wert ist…

  3. retmarut
    11. Mai 2015, 18:14 | #3

    Die Stimmungsumfragen bzgl. der Verhandlungen zeigen, dass innerhalb der griechischen Bevölkerung noch sehr viele Illusionen bzgl. der Troika und der EU bestehen. Da wird der deutschen Regierung et al. unterstellt, sie würden letztlich doch moralisch handeln müssen und sich ergo auf Griechenland zubewegen müssen. Für viele Griechen scheint es demnach undenkbar, dass die Troika sie am langen Arm verhungern ließe. Solch eine Einstellung macht es der deutschen Seite natürlich wesentlich leichter, die griechische Regierung weiter zu demütigen und am Nasenring durch die Manege zu ziehen.
    Solange diese Illusionen vorherrschen, wird sich eine realistische Einschätzung wie sie die KKE liefert, wahrscheinlich nicht durchsetzen. Offenbar müssen die Leute erst einmal selbst die bittere Erfahrung durchleben, dass nicht Moral, sondern einzig das Recht des Stärkeren Grundgesetz des Kapitalismus ist. Entsprechend wird man gegenüber Deutschland und Co. auch nichts mit guten Worten und Appellen an die humanistischen Werte bewirken. Als würde ein Staat wie die Bundesrepublik Deutschland, der sich mit unverschämter Dreistigkeit weigert, die erpresste Nazi-Zwangsanleihe von der griechischen Zentralbank und erst Recht irgendeine Reparationszahlung für die in Griechenland verübten Massaker zu zahlen, auf berechtigte moralische Anklagen reagieren … Die werden das und die aktuellen Finanzgeschichten einfach aussitzen.

  4. Kleoni
    11. Mai 2015, 23:07 | #4

    in der Antike bis in die Neuzeit kennen wir Belagerungen von Städten, mit dem Ziel die Bevölkerung auszuhungern bis sie bereit ist, kompromisslos zu kapitulieren. Was jeweils danach geschah ist auch bekannt.
    Der Kapitalismus macht das nicht anders – eine linke Regierung muss weg – also akzeptiert man einfach keinen einzigen Vorschlag und wartet ab, bis die vom Volk demokratisch gewählte Regierung zur Kapiutulation gezwungen ist. Herr Varoufakis hat das sehr richtig erkannt und als „waterboarding“ bezeichnet.
    Das Ziel der unsolidarischen europäischen Kapitalisten äh Geldgeber, die sich selber dann auch noch als Helfer bezeichnen, das Tafelsilber zu einem Schrottpreis zu erwerben und aus Griechenland ein Billiglohnland zu ihren Gunsten zu machen, da es sich bald nicht mehr lohnen wird, in Pakistan oder China billig zu produzieren. Das ist die biblische Heuschreckenplage der Neuzeit!

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