Medien-Intrigen gegen Griechenland

17. Mai 2015 / Aktualisiert: 07. Februar 2020 / Aufrufe: 2.885

Intrigen gegen Griechenland mittels Nachrichten – ein von den Deutschen kontrolliertes Mediensystem mit gut geschmierten Zahnrädern hat seinen Sitz in Brüssel.

Wer in den Informationsnetzen die Fäden hält, hat die größere Macht„, sagen die Kenner der politischen Kommunikation, deren Werkzeuge sich nicht in Wahlkampfperioden erschöpfen. Ganz im Gegenteil. In der Europäischen Union stützt sich die Macht in den Entscheidungszentren nicht nur auf die Größe einer Wirtschaft, sondern auch auf die Weise, auf die sie die großen internationalen Massenmedien handhabt.

In Brüssel ist es außerdem ein offenes Geheimnis, dass es in den letzten Jahren – spezieller ab 2008, also dem Jahr, in dem die weltweite Wirtschaftskrise ausbrach – mit einem Mediensystem mit gut „geschmierten“ Zahnrädern agiert, welche die Information sofort übertragen und innerhalb weniger Stunden an alle Informationsmedien des Kontinents zu verteilen vermögen. Dieser Mechanismus stützt sich auf die Vertraulichkeit der Quellen der Journalisten, ein unverletzlicher Grundsatz für die journalistische Ethik. Hier wird er jedoch umgekehrt genutzt und schützt den im Hintergrund bleibenden Mechanismus: Kein Journalist in der belgischen Hauptstadt ist bereit, seinen Job zu „riskieren“. Und so wird die „Omertà“ aufrecht erhalten.

Der „harte Block“

Das erste Wort im konkreten Mechanismus hat der „harte Block“ der Eurozone, also die deutsche Vertretung in Brüssel, assistiert von Stäben anderer kleinerer Länder, hauptsächlich politischer und wirtschaftlicher „Satelliten“ Deutschlands, wie Spanien, Portugal, Slowenien und die Länder des Baltikums, von denen eins – Lettland – die Ratspräsidentschaft der EU inne hat. Über einen klar geringeren Zugang verfügen Frankreich und Italien.

Champion“ in der Sammlung und Verbreitung von Nachrichten sind drei große Informationsmedien mit paneuropäischen Widerhall: Die Agenturen Reuters und Bloomberg und die Zeitung „Financial Times„. Es handelt sich um die Flaggschiffe, die sich alle Medien in Europa zu reproduzieren sputen, indem sie – gewollt oder nicht – deren Informationen und Reportagen verbreiten.

Die Verbreitung der schließlich reproduzierten Informationen bewegt sich auf drei Ebenen: durch Bedienstete in der europäischen Bürokratie, welche die kritischen Konferenzen verfolgen (Dolmetscher und Verwaltungsbeamte), durch die selbigen politischen Beteiligten oder ihre engen Mitarbeiter und durch hochrangige Bedienstete der EU. Diese drei Ebenen dienen zur Befriedigung des „Bedarfs“ nach schneller und exklusiver Übermittlung einer „Nachricht“, die Journalisten bei der Erlangung von Informationen darüber, was dort während der Dauer kritischer Sitzungen diskutiert wird, sehr konkurrenzfähig macht.

Für die Übermittlung werden hauptsächlich Textnachrichten per Mobiltelefon (SMS) genutzt, während es für die detaillierteren „Duchsickerungen“ seit Monaten eine formlose Informationskonferenz (sprich inoffizielle Pressekonferenz) gibt, an der Journalisten der vorstehend angeführten und anderer, hauptsächlich deutscher und britischer Medien teilnehmen. Bei diesen Konferenzen übernimmt die Informierung sehr häufig der selbe – deutschstämmige – Bedienstete der Pressestelle der Kommission, der die „europäischen“ Benimmregeln, aber auch die neutrale Rolle, die er zu spielen schuldet, „vergisst“.

Der charakteristischste Fall, in dem der konkrete Mechanismus effizient funktionierte, war bei der neulich erfolgten Konferenz der Eurogruppe in Riga. Am Donnerstag, dem 23 April 2015, nahm der griechische Finanzminister an einem Dinner mit seinen Kollegen in der Hauptstadt Lettlands teil – praktisch eine Vorbereitung dessen, was am kommenden Tag erörtert werden würde. Alles schien wie üblich zu verlaufen. Der 24 April jedoch war der Tag, an dem die extrem aggressive Rhetorik gegen den griechischen Finanzminister „ausgebreitet“ wurde.

Yanis Varoufakis – der Alien

Wenige Minuten nach Beendigung der Eurogruppe lud der höhere Bedienstete der Europäischen Kommission acht Journalisten zu der „etablierten“ formlosen Informierung ein. „Sie war außerordentlich aggressiv gegenüber der griechischen Delegation„, äußert gegenüber der „Zeitung der Redakteure“ (Ef.Syn.) ein in Brüssel ansässiger Journalist, der jedoch seine Anonymität zu wahren wünscht. Weiter merkte er an, „als wir fragten, was Varoufakis bei der Konferenz vertreten habe, antwortete der Beamte ‚der Mensch lebt in einer anderen Welt‘ und machte abwertende Gesten. Etwas derartiges sind wir von Beamten der europäischen Bürokratie nicht gewöhnt, auch nicht von dem konkreten.

Eine identische „Informierung“ wurde auch von zwei weiteren Bediensteten wiederholt, einer von der Eurogruppe und einer von der diplomatischen Delegation eines Landes des europäischen Südens. „Sie waren genau so aggressiv und versuchten Varoufakis als einen ‚Alien‘ zu präsentieren„, sagt uns der Journalist, der den Diskussion beiwohnte und fügt an: „Als wir in die Essenz der Themen über die Lage der griechischen Wirtschaft gingen, wollten die ‚Quellen‘ nicht mehr sagen. Sie beschuldigten nur Varoufakis.“ Danach folgten harte Erklärungen von Ministern, welche die Optik der deutschen Regierung teilen.

Die konkreten Informationen wurden bei den weiter oben angeführten drei großen Informationsmedien eingestellt, wobei sie ein extrem „kriegerisches“ Klima übermittelten und die Regel brachen, welche die Wahrung von Abständen zu harten Formulierungen auferlegt. Die griechische Delegation beschloss daraufhin, dass Yanis Varoufakis nicht an dem Dinner teilnimmt und damit sein Missfallen über die Art zeigt, auf die seine Kollegen ihn selbst und Griechenland behandelten.

Die Aggressivität von Ministern, Amtsträgern und Medien klang jedoch nicht ab. Ganz im Gegenteil, Reuters präsentierte Yanis Varoufakis als „isoliert“, ging nicht auf die Ansicht der griechischen Seite ein, warum er nicht am Dinner teilnahm, und kommentierte bis hin zu der Tatsache, dass er der einzige Minister ist, der … keine Krawatte trägt. Das „Signal“ zu der neuen Demontage-Aktion wurde sogar mit einer SMS von einem deutschen Amtsträger an einen Reporter eines der drei vorstehend angeführten Medien gegeben. Der konkrete Reporter rief sogar seine Quellen in Athen an, um sie zu warnen …

Die mediale Mauer um Griechenland

Die sich um sie herum auftürmende unüberwindliche Kommunikationsmauer wahrnehmend versuchte die griechische Regierung, ihr während der Dauer der aufeinanderfolgenden Konferenzen der Eurogruppe im vergangenen Februar „Risse“ zuzufügen. „Der Umstand, dass von der griechischen Delegation der Entwurf eines Beschlusses Jeroen Dijsselbloems durchsickerte, was alle Diskussion umstürzte, machte nicht Wenige in Brüssel wütend„, sagt uns der Journalist und fügt an: „Damals begannen der Krieg und die wiederholten ‚Durchsickerungen‘ griechischer Positionen an Peter Spiegel der ‚Financial Times‘.

Die Frage, die der Journalist in Brüssel erhebt, ist jedenfalls charakteristisch: „Wird Varoufakis dem Druck standhalten?“ „Zumindest Tsipras vertraut ihm immer noch„, antworten wir. „Dann sagt denen in Athen, der Regierung und den Leuten, noch mehr Terror-Szenarien zu erwarten„, erwidert er.

(Quelle: Zeitung der Redakteure (Ef.Syn.), Autor: Nikos Sverkos)

Relevante Beiträge:

  1. Omnipraesent
    17. Mai 2015, 10:02 | #1

    Dass hier und jetzt eine Medienkampagne gegen griechische Minister ablaeuft hat wohl schon jeder bemerkt, aber, dass diese derart hinterfotzig von den Deutschen gesteuert wird ist schon ein harter Brocken den es hier zu Schlucken gilt. Andererseits, wenn man weiss, dass im Bruesseler Machtgefuege die meisten Schaltstellen von Deutschen wie z.B. Schultz oder Brock, ein Kriegshetzer in Diesten der Ukraine, bekleidet sind, kann man erkennen wie / wo / wen die Schnuere der Marionetten gezogen werden.
    Leider ist der normal denkende Buerger ueberfordert, die Hintergruende zu erkennen, wie er manipuliert wird, was auch so von den Machern bezweckt wurde, man muss schon sehr penibel im Internet recherieren um die Wahrheit derartiger Vorgaenge zu finden. Diese Art der Mediensuggestion der Masse zeigt laengst Wirkung, und mancher wuenscht sich den Rattenfaenger von Hameln zurueck, denn da war der Zweck noch Vorhersehbar.

  2. Rolf
    17. Mai 2015, 15:00 | #2

    Welche Forderungen werden denn überhaupt an Griechenland gestellt? Dieses wäre einmal interessant zu erfahren. Aber das ist wohl nicht gewollt, sonst würden alle sehen wie undemokratisch und Menschenverachtend diese Forderungen sind. Die größte German Angst ist, das Griechenland Erfolg hat und andere Europäische Staaten dem Beispiel folgen. Sowie weitere eurokritische Parteien in Europa gwählt werden. Dieses läßt unsere Amerikanische Kanzlerin nicht zu. Es wäre auch interessant zu Wissen, inwieweit der BND mit der NSA Griechenland ausspioniert hat.

  3. Obba
    17. Mai 2015, 17:17 | #3

    Klingt alles sehr schlüssig und passt komplett zum Bild, das sich präsentiert, wenn man sich die Sache mit den Medienberichten etwas näher anschaut. Was auffällt ist, dass in keinem der Berichte, die gegen Varoufakis Dreck schleudern, konkrete Quellen genannt werden. Es sind immer nur Aussagen „gut informierter Kreise“ oder „den Verhandlungen nahe stehenden Personen“. Ich weiß nicht, womit man die Bezeichnung „Journalist“ noch rechtfertigen kann, wenn man dieses Spiel mitmacht und sich so instrumentalisieren lässt.

  4. GR-Block
    17. Mai 2015, 23:39 | #4

    Die „Medienintrigen gegen Griechenland“ haben selbstverständlich den Zweck, seine Verhandlungsposition zu schwächen, denn wer nichts zu verlieren hat, ist eigentlich schwer zu erpressen. Der einzige Druck, der auf die griechischen Regierungen seit der Finanzkrise möglich war, ging über die korrupte EU-Klientel in Athen. Die Karrieren innerhalb der SYRIZA aber sind noch nicht von diesen Netzwerken abhängig. Deshalb die Griffe unter die Gürtellinie. Natürlich kommen die Angriffe aus der Richtung, die aus der Krise den größten Profit macht: deutsche „Investoren“. Sie aktivierten breitbandig ihre Medien von Reuters, FOCUS über SPIEGEL bis Jauch. Nur deshalb ist gerade das deutsche Volk am meisten desorientiert und hält alle außer sich selbst für irrational.
    GR ist eins der ganz wenigen Länder in der EU, das noch einen relativ hohen staatlichen Anteil an der Volkswirtschaft hat (Wasser, Strom, Verkehr, Telekommunikation …). Und der wird für die Stabilität der Privatwirtschaft gebraucht. Der Grund liegt in ihrer Kleinteiligkeit. Immer noch ist jeder 3. Erwerbstätige selbständig. Konzerne sind den Griechen suspekt, weil nicht demokratisch kontrolliert. Die Kleinkapitalisten brauchen einen starke Staatswirtschaft, um in ihrem Fahrwasser frei wirtschaften zu können. Gleichzeitig verlangt der Kleinkapitalist, dass die Verwaltung des Staates klein gehalten wird, damit sein Leben unreglementiert bleibt. Deshalb leistet sich GR die europaweit kleinste öffentliche Verwaltung. Das wiederum hat die große Konkurrenz aus dem „befreundeten“ Ausland ausgenutzt und seit dem EWG-Beitritt ihre Klientelwirtschaft auf die „Süderweiterung“ ausgeweitet.
    Jetzt fordern die Gläubiger, dass der griechische Staat seine Kleinkapitalisten wie in den Memoranden versprochen bekämpft, um den nationalen Markt für „Investoren“ frei zu machen (Stichwort: „Öffnung der geschlossenen Berufe“). Die zweite Forderung, die Staatswirtschaft zurückzufahren, ist schwieriger offen einzufordern. Die Griechen samt ihren Regierungen (von PASOK über ND zu SYRIZA) reagieren empfindlich, wenn sie ihr „Tafelsilber“ veräußern sollen. Sie wissen, ohne Staatskonzerne wäre es das Aus für die kleinkapitalistische Souveränität. Deshalb spricht die Troika vorsichtshalber immer nur allgemein von „Umstrukturierung“ und gibt vor, dass damit die Verwaltung gemeint sei. Die ist aber schon die aller kleinste in der EU. In Wirklichkeit geht es um die Gewinn-sicheren Märkte der öffentlichen Konzerne.
    Die dritte Forderung, den Immobilienmarkt zu „modernisieren“, meint natürlich, den unerwünscht geringen Mietmarkt zu „öffnen“. Nur 20% der Griechen bezahlen Miete. Lediglich 10% mehr entspräche einem Markt von … zig Mrd. jährlich. Ideal für Immobilienkonzerne. So eine „Investition“ wäre im ausgelutschten D (50% Mietezahler) in so kurzer Zeit gar nicht möglich.

  5. happy
    18. Mai 2015, 02:35 | #5

    Nichts fürchten die Eurokraten mehr als die Stunde der Wahrheit. Die mediale Hetzkampagne gegen GR sind die Zuckungen des sterbenden Drachens. Es ist der fehlende Mut der Eurokraten, Probleme sinnvoll und mit Sachverstand zu lösen. Es ist schon interessant, wie in GR lebende Deutsche, die Jahre schon in GR leben, schockiert sind über die Berichterstattung in Deutschland. Das sagt einiges aus

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