Besteuerung versteuerter Einkommen in Griechenland

13. Mai 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 3.326

Zigtausende Steuerpflichtige in Griechenland laufen in Gefahr, erneut Steuern für Einkommen zahlen zu müssen, die bereits regulär versteuert wurden.

In Griechenland wird damit gerechnet, dass nach Juni 2015 hunderttausende Steuerpflichtige sich mit einem bürokratischen Wahn, unerhörten Strapazen, aber auch der Besteuerung für Einkommen konfrontiert sehen, die sie dem Finanzamt niemals verheimlicht, sondern mangels einer solchen Verpflichtung einfach nur nicht explizit gemeldet haben.

Es ist zu erwarten, dass die Schaffung des sogenannten Guthaben- /Kontenregisters, in dem alle Guthaben der Steuerzahler ab dem Jahr 2000 und nachfolgend „ausgewertet“ werden, damit der Zuwachs der Guthaben ermittelt wird, viele Steuerpflichtige als Steuerhinterzieher charakterisieren wird, die sogar nicht einmal die Möglichkeit haben, zu beweisen, dass sie keine … Elefanten sind.

Recherche und Gruppierung aller Bankkonten in Griechenland

Die Maßnahme der Besteuerung der nicht deklarierten Guthaben basiert auf dem Gesetz 3888 aus dem Jahr 2010, das in der Amtszeit des damaligen Finanzministers Giorgos Papakonstantinou ratifiziert worden ist und sich auf die Besteuerung des ungerechtfertigten Vermögenszuwachses bezog.

Praktisch handelte es sich um ein Gesetz, dass auf die Steigerung der Steuereinnahmen abzielte, indem mittels der Öffnung von Bankkonten und unter dem Vorwand der Bekämpfung der „Wäsche“ nicht deklarierter Gelder eine rückwirkende Besteuerung auf die Bankguthaben erhoben wurde. Die Maßnahme der rückwirkenden Kontrolle und Besteuerung der Guthaben ist auch in den einnahmeorientierten Eingriffen des derzeitigen Multi-Gesetzentwurfs umfasst, dessen Inhalt bald finalisiert werden soll.

Wie das funktionieren wird? Das Generalsekretariat für öffentliche Einnahmen hat von dem Verband der griechischen Banken die Daten über die Bewegungen aller Bankkonten der Steuerpflichtigen verlangt. Mittels der Steuer-ID eines jeden Steuerpflichtigen werden gegebenenfalls mehrere geführte Konten gruppiert werden.

Ermittlung gemittelter Geldflüsse

Das Finanzamt wird für jeden Steuerpflichtigen die Netto-Geldeingänge ermitteln, die Transfers zwischen Konten des selben Steuerpflichtigen werden also ausgeklammert werden. Sind die Netto-Geldeingänge auf den Bankkonten eines jeden Steuerpflichtigen für die Periode 2000 – 2014 ermittelt, wird danach auf Basis eines speziellen Algorithmus, der derzeit von den Kontrollbehörden des Finanzministeriums „gestrickt“ wird, ein Abgleich mit den Beträgen erfolgen, die jeder Steuerpflichtige in seinen Steuererklärungen deklariert hat.

Von dem jedes Jahr deklarierten Betrag (Einkommen) werden auf Basis des Algorithmus Aufwendungen abgezogen, die der Steuerpflichtige deklariert hat oder die sich auf Basis sogenannter (fiktiver) Indizien ergeben, damit für jedes Jahr der Betrag ermittelt wird, den der Steuerpflichtige hätte ansparen können. So werden sich zwei Zahlen ergeben, nämlich der Betrag, den er hätte ansparen können, und der Nettobetrag, der bis zum Jahresende auf seine Bankkonten floss. Wenn der angesparte Betrag letztendlich höher als der Betrag war, den er (auf Basis der vom Finanzamt angelegten Kriterien) hätte ansparen können, wird diese Differenz als ein nicht deklariertes Einkommen betrachtet.

Der Bescheid – zahlen oder Steuerprüfung!

Im weiteren Verlauf wird der Steuerpflichtige von dem Finanzministerium benachrichtigt werden, dass aus den bei seinen Guthaben durchgeführten Überprüfungen hervorgeht, dass er unter seinen Guthaben nicht deklarierte Beträge führt und die Möglichkeit haben wird, diese zu legalisieren, indem er auf den nicht deklarierten Betrag einen konkreten Steuersatz – beispielsweise 20% – entrichtet.

Wenn der Steuerpflichtige nicht akzeptiert, die Steuer zu entrichten, ergeht automatisch die Anweisung zu einer Steuerprüfung und er aufgefordert werden, dem Finanzamt alle Unterlagen vorzulegen, aus den hervorgeht, dass er für alle seine Einkommen besteuert worden ist. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass das Finanzministerium bereits die Bankkonten all jener ausgewertet hat, die Kontenbewegungen von über 300.000 Euro haben, und es haben sich ungefähr 30.000 Sparer mit Abweichungen ergeben.

In der Theorie erscheint das, was das Finanzministeriums zu Papier gebracht hat, logisch und richtig. Nur dass zusammen mit der Spreu auch viel Weizen verbrennen wird. Lassen wir uns einige solche Fälle betrachten.

Gemeinschaftskonten und Konto-Mitinhaber

Große Probleme wird es bei Steuerpflichtigen geben, über deren Bankkonten verwandten Personen gehörende Beträge flossen, wie beispielsweise Spareinlagen ihrer Eltern. In vielen Fällen verwalteten sie selbst diese Beträge, werden nun jedoch mit der Überprüfung der Guthaben aufgefordert werden, die Herkunft der Gelder nachzuweisen.

Die Betroffenen (Mitinhaber) werden Unterlagen und Kontoauszüge zusammenzutragen haben und in Gefahr laufen, einzig und allein deswegen Steuern für angebliche Geldschenkungen zahlen zu müssen, weil diese Beträge vorübergehend auf ihren Konten eingingen, ohne ihnen selbst zu gehören.

Ärger mit Börsengewinnen, Zinsen und Dividenden

Hunderttausende Steuerpflichtige tätigten Aktienverkäufe an der Börse, deren Erlöse auf ihre Bankkonten überwiesen wurden. Das selbe geschah auch bei Millionen Steuerpflichtigen, die Zinsen aus Festgeldanlagen und Anleihen des griechischen Fiskus einnahmen. Und das selbe erfolgte auch bei Millionen Steuerpflichtigen, die während der guten Perioden der Börse Dividenden bezogen.

All die obigen Beträge waren sie bis einschließlich 2012 nicht dem Finanzamt zu deklarieren verpflichtet, da sie an der Quelle besteuert worden waren und sich somit auch die steuerliche Verpflichtung der an diesen Beträgen Berechtigten erschöpft hatte. Die Deklarierung der Beträge war rein freiwillig und erfolgte meistens einzig und allein zur Deckung sogenannter „Einkommensindizien“, also Aufwendungen für den Kauf von Vermögenswerten oder fiktiv veranschlagter imaginärer Einkommen (Kopfpauschale, Lebenshaltungsindizien usw.).

Die Frage ist, was ein Steuerpflichtiger zu tun haben wird, von dem sich zeigt, auf seinem Konto aus Aktienverkäufen stammende Guthabenbeträge zu führen, die er nicht zu deklarieren verpflichtet war. Er wird als Steuerhinterzieher charakterisiert und zu Unrecht Steuern zu zahlen aufgefordert werden, um diese Beträge zu „legalisieren“. Um dieser ungerechten Besteuerung zu entgehen, wird er einige Monate lang auf Achse sein um Unterlagen zusammenzutragen (Tabellen usw.), die zeigen, dass er (bzw. das strittige Guthaben) bereits besteuert worden ist. Falls er es natürlich schafft, diese zu sammeln, weil viele Investment-Firmen inzwischen geschlossen haben, bei anderen sind die Archive verloren gegangen, und vielen Steuerpflichtigen wird es nicht möglich sein, die Unterlagen zusammenzubringen.

Falle Immobilienverkauf

In eine außerordentlich missliche Lage werden auch all jene geraten, die zwischen 2000 und 2010, also bevor der Zusammenbruch der Immobilienpreise begann, zum Verkauf einer Immobilie schritten. In jener Periode lagen die realen Verkaufspreise der Immobilien häufig noch bedeutend höher als die Einheitswerte, die in der Regel in den Verträgen angeführt wurden, damit der Käufer Transaktionssteuern einspart.

Der Verkäufer, der einen höheren als im Vertrag benannten Betrag empfing, zahlte diesen auf sein Bankkonto ein. Er hatte natürlich keinerlei Grund, in seiner Steuererklärung den wirklichen Preis zu deklarieren (für den Verkäufer gab es damals keine Besteuerung), und so deklarierte er den sich auf den Einheitswert beziehenden Preis. Er sparte keine Steuern ein, bestahl nicht das Finanzamt. Mit dem Vergleich der Guthaben wird sich nun jedoch zeigen, dass er angeblich ein Einkommen verheimlicht hat, für das er Steuern zu zahlen aufgefordert sein wird. Er wird Verträge vorlegen müssen und dem Finanzamt den Grund zu erklären haben, aus dem er im Vertrag nicht den wirklichen Preis angab und dem Käufer gestatte, eine geringere als die ihm entsprechende (Grunderwerbs-) Steuer zu entrichten.

(Quelle: capital.gr)

  1. LiFe
    13. Mai 2015, 09:59 | #1

    Spare in der Zeit, dann hast du in der Not … . Für die, die gespart haben stand als Sparmotiv Altersvorsorge an erste Stelle oder Kindern und zukünftige Kindeskindern Studium finanzieren zu können. Nach dem Motto: Unsere Kinder sollen es besser haben“. Wer gespart hat kann Summen angehäuft haben und spätestens bei Überprüfungen eingestehen müssen, dass es dumm war gespart zu haben. Wie können Sparer belegen, dass ihr Erspartes auf Verzicht und Entbehrungen beruht hatte? Spare in der Zeit, dann hast du in der Not … . Welch ein Hohn! Diese Sparefrohweisheit kann man angsichts der schmerzhaften Einschnitte zu erwarten sind, sprichwörtlich in die Tonne klopfen, wenn man sich Staatsfinanzen ansieht.

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