Arbeitslose in Griechenland finden Zuflucht in Familienunternehmen

29. Mai 2015 / Aufrufe: 1.053

Im Griechenland der Krise wenden junge Leute sich zunehmend der Übernahme und Fortführung von Familienunternahmen zu.

Wegen der wirtschaftlichen Krise und der Arbeitslosigkeit wenden sich in Griechenland die jungen Leute der Erhaltung des Familienunternehmens zu. Dies berichtete der Vorsitzende des Zentralverbands der Kammern und der Industrie- und Handelskammer Athen, Konstantinos Michalos, auf dem ersten Familienunternehmen-Forum der KPMG.

Konkret legte Herr Michalos 14 Vorschläge vor und merkte an: „die Industriekammer Thessaloniki zeigte in einer älteren Untersuchung das Problem der Nachfolge in einem Familienunternehmen nach Pensionierung seines Gründers auf. Jeder zweite Gewerbetreibende vertrat, sein Unternehmen würde keine Nachfolgerschaft haben. Dieser Anteil war in der Branche Kleidung – Schuhwerk größer, da sieben von zehn Gewerbetreibenden der Branche erklärt hatten, wegen der Unwilligkeit der neuen Generation würde es keine Nachfolge geben. Nach der wirtschaftlichen Krise hat die Lage sich jedoch geändert, da die hohe Arbeitslosigkeit hauptsächlich unter den jungen Leuten die jüngere Generation dazu führt, den Betrieb des Familienunternehmens fortzusetzen zu wünschen, da es eine ernsthafte alternative Lösung für das Problem der Beschäftigung darstellt.

Familienunternehmen zeigten Resistenz gegen die Krise

Außer ihrer großen Anzahl – in den meisten westlichen Wirtschaften übersteigen die Familienunternehmen 80% der Gesamtheit aller Unternehmen – tragen sie gemäß den Daten zu dem nationalen Produkt eines jeden Landes bei und beschäftigen eine signifikante Anzahl der Arbeitslosen. Wenn auch die meisten sehr kleine, kleine und mittlere Unternehmen sind, wird eingeschätzt, dass sie mehr als 44% des jeweiligen nationalen Produkts erzeugen und mehr als 35% der Arbeitnehmer beschäftigen. In Griechenland sind diese Anteile natürlich höher. Es ist kein Zufall, dass eine signifikante Anzahl der 20 gewinnbringendsten Unternehmen je Branche Familien gehört oder von Familien kontrolliert wird.

Weiter zeigten gemäß einer jüngeren Untersuchung einer großen internationalen Studiengesellschaft die griechischen Familienbetriebe im vergangenen Jahr eine Resistenz gegen die Krise. In dem Muster der griechischen Untersuchung sind Unternehmen 1., 2., 3. und 4. Generation umfasst, wobei fast die Hälfte der Unternehmen des Musters (47%) von der zweiten Generation der Familie geführt werden. 42% des Muster besteht aus Unternehmen mit 50 – 249 Beschäftigten. Die große Mehrzahl der griechischen Gesellschaften befindet sich außerhalb der Börse. Jede dritte ist bei den Basiskonsumgütern des Grundbedarfs tätig. Es folgen die Industrie, die übrigen Konsumgüter, die Rohstoffe und die Schifffahrt.

Zusätzlich haben die Familienunternehmen in Griechenland eine lange Tradition innovativer Aktivität auf traditionellen Sektoren, wie Lebensmittelverarbeitung und touristischen Dienstleistungen. Dies beruht zu einem hohen Grad auf der Möglichkeit, schnell Entscheidungen zu treffen und von strategischer Flexibilität gekennzeichnet zu sein. Ebenfalls einen signifikanten Vorteil stellt auch die sehr gute Kenntnis des Marktes dar, zumal die persönlichen Beziehungen zu Kunden und Lieferanten ein Basismerkmal dieser Unternehmen ist. Eins der Hauptprobleme der Familienunternehmen in Griechenland bleibt das Thema der Finanzierung, die üblicherweise auf persönlichen oder familiären Bürgschaften basiert.

Herausforderungen und Vorschläge

Im Griechenland der Krise begegnet das Familienunternehmen fünf Top-Herausforderungen, welch die folgenden sind:

  • Rückgang des Umsatzes und des Gewinnverlaufs.
  • Änderungen bei dem regulativen Rahmen der Familienunternehmen.
  • Kampf um die Auffindung von Talenten.
  • Rechtliche und politische Unsicherheit.
  • Anstieg der Steuersätze.

Abgesehen von der nationalen Strategie, die der Staat zu gestalten und zu realisieren hat und schuldet, ist es im Griechenland der Krise nützlich, dass auch die Unternehmen selbst die erforderlichen Schritte für ihren größeren Schutz ausfindig machen„, meinte Herr Michalos und fuhr fort, der nationale strategische Ausgang aus der Krise mit speziellerem Nachdruck auf der Stützung der Familienunternehmen erfordert eine Reihe struktureller Änderungen. In diesem Rahmen schlägt die Industrie- und Handelskammer vierzehn konkrete Aktionen und Initiativen auf den sechs Prioritätsbereichen vor:

  • Gestaltung eines klaren nationalen Konjunkturplans, mit langfristiger Orientierung und klaren Prioritäten.
  • Beschleunigung und Vollendung der strukturellen Änderungen in der Wirtschaft und bei dem Staat.
  • Liquidität, Zugang zur Finanzierung.
  • Einfaches, stabiles und wettbewerbsfähiges Steuersystem.
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Produktion.
  • Mehr Wettbewerb.
  • Weniger Bürokratie. Mit der Schaffung von Service-Zentren für Unternehmen mit der Aufwertung der Dienstleistungen der Kammern. Weitere Vereinfachung des rechtlichen institutionellen Rahmens der verschiedenen Genehmigungserteilungen, Vervollständigung der Flächennutzungs- und Städtebauplanung, Revision des gewerblichen Städtebaus, Ergreifung von Maßnahmen zur Reduzierung der Verwaltungslasten der Unternehmen. Stärkung und Verbesserung der Verfahren des Betriebs des Zentralen Handelsregisters (GEMI).
  • Intelligente Strukturen zur Stützung der mittelständischen Unternehmen. Mit der Schaffung von Strukturen individualisierter Beratung für mittelständische Unternehmen. Strukturen zur Führung junger Unternehmer bei der Aufnahme der unternehmerischen Aktivität. Strukturen zur Stützung strategischer Vernetzungen, kooperativer Schemata und Zusammenarbeiten.
  • Kühnes Programm zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung.
  • Stützung der Exporttätigkeit der griechischen Unternehmen.
  • Beschleunigung der Verwaltungsreform.
  • Innovation mittels der Förderung von Clusters und Verwertung öffentlichen Vermögens zur Schaffung von Unternehmens-Parks, welche die Vernetzung erleichtern.
  • Schulung – Ausbildung mit Nachdruck auf dem von den Kammern realisierten dualen Ausbildungssystems.
  • Elektronische Strukturen. Vorantreibung der elektronischen Fakturierung und Ermutigung der elektronischen Geschäftsabläufe. Elektronische Vernetzung von Unternehmen – speziell touristischer – mit dem Ausland. Vorantreibung zertifizierter elektronischer Zahlungen zwischen Fiskus und Unternehmen. Digitale Unterschrift.

Damit das Familienunternehmen Gegenwart und Zukunft hat, muss die nationale Wirtschaft Gegenwart und Zukunft haben. Es besteht kein Zweifel, dass in einem Umfeld der Rezession und des Erstickens niemand über einen großen Zeitraum überleben kann. Diese Umfeld hat und schuldet sich umgehend zu ändern. Mit Planung, mit Arbeit und nicht mit großen nicht umsetzbaren Versprechungen. Wenn uns allen in den Jahren der Krise etwas zu verstehen helfen muss, ist dies, dass das Modell, das sich auf die Aufnahme von Krediten, den Konsum und die großen Defizite stützte, bankrott gegangen ist. Selbst wenn wir es wiederauferstehen lassen wollten, können wir es nicht. Es gibt keine Kredite mehr. Es ist die Stunde gekommen, die Ärmel hochzukrempeln und ein neues Konjunkturmodell zu schaffen. Das die Investitionen, die Exporte, die Innovation stützt. In diesem Modell vermag das Familienunternehmen eine führende Rolle zu spielen„, endete Herr Michalos.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Götterbote
    29. Mai 2015, 12:51 | #1

    Also ich kann keine „konkreten“ Aktionen erkennen, sondern nur 14 übliche, immer und überall (nicht nur in Griechenland) genannte Floskeln zur, na ja, wie soll man es am besten bezeichnen…vielleicht „Vereinfachung“ (?) des Unternehmertums. Besonders der Hinweis auf die „Aufwertung der Dienstleistungen der Kammern“ treibt mir ein von leichtem Übel begleitetes Lächeln ins Gesicht. Denn entweder ist das ein Punkt, den Herr Michalos als Vorsitzender des Zentralverbandes der Kammern selbst zu verantworten hat, nämlich dann, wenn es tatsächlich um die Erhöhung der Qualität der bereits zur Verfügung stehenden Dienstleistungen geht, oder aber er will damit sagen, dass die Kammern mehr Macht in Form von weiteren, gesetzlich vorgeschriebenen „Dienstleistungen“ erhalten sollen, wie es ähnlich in Deutschland der Fall ist, wo Kammern nur ihrer selbst Willen bestehen und die Zwangsmitglieder diese mit Zwangsabgaben finanzieren und nach deren Regeln funktionieren müssen.

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