Anstieg der Inlandsverschuldung des Fiskus in Griechenland

26. Mai 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.488

Infolge des intern Zahlungsstopps in Griechenland ist die Inlandsverschuldung des Fiskus inzwischen wieder auf weit über 4,4 Milliarden Euro gestiegen.

Die Schulden des Fiskus übersteigen 4,4 Mrd. Euro, während parallel ein Zahlungsstopp unter Einfrierung der Steuerrückzahlungen verhängt worden ist, die – wie in einer ausführlichen Reportage der Zeitung „Kathimerini“ berichtet wird – in manchen Fällen bis zu 4 Jahren reicht.

Ab dem Moment, wo hunderte Straßenbau-, Eisenbahn-, Hafen-, Abwassernetz-, Gesundheitsprojekte und unternehmerische Pläne wegen des Zahlungsstopps von Seite des griechischen Fiskus in der ‚Luft‘ hängen, vermag man die bei den Buchhaltungsstellen herrschende Lage zu begreifen. Das selbe Bild wird auch bei den Versicherungskassen beobachtet, da für ihre Verwaltungen die Auffindung von Mitteln einen alltäglichen Kopfschmerz darstellt.

Inlandsverschuldung ist sehr viel höher als offiziell ausgewiesen

In den kommenden Tagen müssen 2,3 Mrd. Euro für die Zahlung der Renten am 29 Mai und 02 Juni sichergestellt worden sein. Es ist jedoch unbekannt, ob das Finanzministerium es schaffen wird, ungefähr 900 Mio. Euro aufzutreiben um sie dem Arbeitsministerium bereitzustellen„, lautet es in dem Artikel. Wie angemerkt wird, werden die restlichen Beträge die Kassen zusammenzutragen schaffen, die sich jedoch gemäß den Angaben der staatlichen Rechnungszentrale wegen des signifikanten Rückgangs ihrer Einnahmen und der staatlichen Bezuschussung im Zusammenbruch befinden.

Bezeichnend ist, dass sie im ersten Quartal des Jahres ein primäres Defizit in Höhe von 349 Mio. Euro aufweisen (gegenüber einem primären Überschuss von 798 Mio. Euro im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2014). In dem selben Zeitraum wird eine Aufblähung der fälligen Verbindlichkeiten des Fiskus beobachtet, die wegen des internen Zahlungsstopps 4,4 Mrd. Euro übersteigen. Die Schulden des Fiskus sind jedoch sehr viel größer. Und dies, weil in den Angaben nicht die Schulden des Fiskus der letzten 90 Tage enthalten sind, in welchem Zeitraum die Lage der Wirtschaft sich verschlimmerte. Konkret gelten jene Verbindlichkeiten an Dritte als fällig, die nach dem Verstreichen von 90 Tagen ab dem Datum der Schuld nicht beglichen wurden.

Unternehmen in Griechenland verlieren rund 10% ihrer Einnahmen

Wie sich aus den offiziellen Angaben des griechischen Finanzministeriums ergibt, schuldet der Staat folgende Beträge an Lieferanten:

  • Direkte Schulden der Ministerien 274 Mio. Euro.
  • Schulden der lokalen Selbstverwaltung 319 Mio. Euro.
  • Schulden der (Versicherungs-) Kassen 2,008 Mrd. Euro, wovon 1,38 Mrd. Euro von dem Nationalen Träger für Gesundheitsleistungen (EOPYY) und 382 Mio. Euro von der Fürsorgekasse öffentlicher Bediensteter geschuldet werden.
  • Schulden der Krankenhäuser 903 Mio. Euro.
  • Schulden juristischer Personen 237 Mio. Euro.
  • Anhängige Steuerrückzahlungen 688 Mio. Euro.

Aus diesen Angaben geht hervor, dass der Markt im ersten Quartal des Jahres 2015 mit zusätzlichen 717 Mio. Euro im Vergleich zu dem Betrag belastet wurde, den der Fiskus gegen Ende 2014 schuldete. Reports zufolge erreicht der Anteil der Unsicherheiten, welche die Firmen in Griechenland jedes Jahr zu abzuschreiben gezwungen sind, inzwischen ungefähr 10% ihrer jährlichen Einnahmen, wogegen im Ausland die entsprechende Quote 3% nicht übersteigt.

Die Erstattungen der Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer

Zu der Nichtbegleichung der von Seite des griechischen Staates an die Unternehmen geschuldeten Beträge kommen auch die ungeheuren Verzögerung bei den Erstattungen der Mehrwertsteuer hinzu, welche die Unternehmen mit dem Resultat „in die Knie“ zwingen, ohne eigene Schuld als Schuldner des Fiskus zu erscheinen und ihre monatlichen Verpflichtungen an die öffentlichen Unternehmen und Träger und für Löhne nicht bedienen zu können.

Wie aus den offiziellen Angaben des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen hervorgeht, erreichen die Verzögerungen der Umsatz- / MwSt.-Erstattungen bis zu vier Jahre. Finanzbeamte berichten, es existiere eine Anweisung der zentralen Dienststelle des Finanzministeriums, die MwSt.-Erstattungen zu stoppen, wobei betont werde, dass die Einnahmen vorrangig in die Zahlungen von Gehältern und Renten zu lenken seien.

Laut den Angaben des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen des Finanzministeriums erreicht bei dem Finanzamt (DOY) Egio die für einen Antrag auf Erstattung der MwSt. benötigte Zeit im Durchschnitt inzwischen 1.420 Tage, während bei dem Prüfzentrum für Großunternehmen die durchschnittliche (Warte-) Zeit für MwSt.-Erstattungen an die größten Unternehmen Griechenlands 1.114 Tage erreicht. 57 Großunternehmen warten also seit über drei Jahren auf ihr Geld!

(Quellen: huffingtonpost.gr, Imerisia)

  1. Ronald
    26. Mai 2015, 08:49 | #1

    Dass man alles versucht um Renten zu zahlen ist ja verständlich, aber Griechenland trocknet die letzten Reste der griechischen Wirtschaft auch aus um den ausufernden Staatsapparat am Leben zu halten. Was soll dieser Staatsapparat in Zukunft noch verwalten, ausser sich selbst?

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