Wie Griechenland 2015 den Zahlungsstopp vermeiden könnte

4. April 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.811

Laut Bloomberg könnte Griechenland 2015 einen Zahlungsstopp vermeiden, muss sich jedoch um seine Finanzierungsbedürfnisse für 2016 sorgen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlicht eine Analyse in Zusammenhang mit der Weise, auf die Griechenland einen „Kreditvorfall“ vermeiden und den kritischen 09 April 2015 überwinden sowie sich das gesamte Jahr 2015 über in ruhigen Gewässern bewegen könnte.

Es wird angeführt, dass Griechenland am 09 April 2015 ungefähr 462 Mio. Euro für die Rate an den IWF zu entrichten hat und die SYRIZA-Regierung vor diesem Datum zu einer Einigung mit seinen Gläubigern gelangen muss. Zusätzlich muss Griechenland weitere ungefähr 17 Milliarden Euro auftreiben um seinen Zahlungsverpflichtungen bis Ende des Jahres 2015 zu entsprechen: 3 Mrd. Euro beziehen sich auf Zinszahlungen und weitere 13 Mrd. Euro auf Bedienung / „Rollover“ der Verschuldung.

Die Zeit wird knapp und die Gefahr eines „Grexits“ steigt …

Wie es lautet, könnte Griechenland im letzten Augenblick zu einer Einigung mit den Partnern gelangen. Je enger jedoch die Zeitpläne werden, um so mehr steigt die Gefahr, dass die Europäer ihre Geduld verlieren und ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro verursachen.

Bloomberg betont, Griechenland müsse zusammen mit der Rate für den IWF für das restliche Jahr 17 Mrd. Euro finden. Diese Gelder könnte es auf folgende Weisen auftreiben:

  1. Aus dem Primärüberschuss, von dem damit gerechnet wird, 2 Mrd. Euro zu bieten.
  2. 1,9 Mrd. Euro aus den Buchgewinnen von der EZB gehaltener Anleihen, welcher Betrag jedoch nur freigegeben werden kann, wenn es eine Einigung gibt.
    Mit diesen beiden Posten reduzieren sich die externen Finanzierungsbedürfnisse des Landes auf 13 Mrd. Euro.
  3. Der IWF könnte die mit der 6. Bewertung in Zusammenhang stehende Tranche von 3,5 Mrd. Euro freigeben, jedoch wieder nur, wenn es eine Einigung geben wird. Der IWF könnte auch die Tranchen der 7. und 8. Bewertung freigeben. Es war geplant, dass die Bewertung bis zum 31 August 2014 vollendet worden wäre, jedoch ist sie immer noch nicht abgeschlossen worden.
  4. Freigabe von 1,8 Mrd. Euro von der EFSF, wieder sofern es eine Einigung gibt.
  5. Was verbleibt, könnte durch die Anhebung der Grenze für Schatzbriefe durch die EZB, aber auch die Aufnahme in einen präventiven Hilfsmechanismus gedeckt werden.

Die EZB würde schwierig Wege finden, dem Banksystem Griechenland Liquidität zu gewähren, wenn das Land offiziell das Etikett trüge, bankrott zu sein. Würde sie den Liquiditätsahn zudrehen, würde der Banksektor in die Knie gezwungen werden. Das Resultat des Scheiterns würde Griechenland zwingen, eine neue Währung zu drucken. Diese Regelung würde Griechenland höchstwahrscheinlich gestatten, langfristig wieder auf seine Beine zu kommen, könnte jedoch kurzfristig größere Schäden verursachen. „Griechenland hat sich jedoch Sorgen zu machen, wie es die Rechnungen des nächsten Jahres bezahlen wird„, führt Bloomberg an. Dies bedeutet, dass es nach Auslaufen der viermonatigen Verlängerung über ein drittes Rettungspaket zu verhandeln haben wird.

Das politische Risiko

Bloomberg bezieht sich auch auf die politischen Auswirkungen dieser Züge. „Die politische Ungewissheit infolge möglicher Uneinigkeiten innerhalb der Regierungsallianz SYRIZA – ANEL wird von Oppositionsführer Antonis Samaras gemäßigt, der den Wunsch zum Ausdruck gebracht hat, sich an einer ‚Regierung Nationaler Einheit‘ zu beteiligen um Griechenland innerhalb der Eurozone zu halten.

Wie es lautet „besteht mittel- und langfristig die Gefahr, dass parlamentarische Funktionäre infolge des Unvermögens der SYRIZA reagieren werden, ihre Wahlversprechen in die Praxis umzusetzen und die in den letzten Jahren erfolgten Kürzungen aufzuheben.

Etwas solches würde zu weiterer politischer Instabilität und – in einem extremen Szenarium – dazu führen, dass eine politische Partei oder Fraktion an die Macht gelangt, in deren Absichten das Ausscheiden aus der Währungsunion liegt. Die Demoskopien zeigen, dass die griechischen Wähler derzeit wollen, dass das Land in der Eurozone bleibt, jedoch könnte die öffentliche Meinung umschlagen, wenn sie einschätzt, die Kosten des Verbleibens seien größer als die SYRIZA vor den Wahlen versprochen hatte„, endet Bloomberg.

(Quelle: Imerisia)

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