Taschengeld-Besteuerung in Griechenland

6. April 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.454

Wer in Griechenland seinem Kind mehr als 5 Euro Taschengeld in der Woche gibt, wird dafür gegebenenfalls mit einem Satz von über 50 Prozent besteuert!

Ein (Steuer-) Schock erwartet Millionen Steuerpflichtige in Griechenland, die aufgefordert sein werden, ihre jährlichen Ausgaben in dem neuen Einkommensteuer-Formular E1 zu deklarieren. Konkret ist unter anderem vorgesehen, dass Schenkungen, elterliche Zuwendungen oder Geldzuwendungen, sofern diese 300 Euro im Jahr übersteigen, als Einkommensindiz gelten!

Von dieser Bestimmung ausgenommen sind Schenkungen an den Fiskus, Kommunen, Hochschulen, Krankenhäuser usw. Was auch immer Eltern ihren Kindern über den Betrag von 300 Euro hinaus an Geld geben, wird als Einkommensindiz gelten und muss gerechtfertigt werden können.

Besteuerung elterlicher Zuwendungen ab dem ersten Euro

Konkret führt die entsprechende Bestimmung an:

Als Aufwendung für den Erwerb von Vermögenswerten wird die Aufwendung für Schenkungen, elterliche Zuwendungen oder Zuwendungen von Geldbeträgen angerechnet, sofern diese jährlich dreihundert (300) Euro übersteigen, außer der Schenkungen an den Fiskus, die Kommunen und Gemeinden des Staates, die Hochschulen, die staatlichen und privaten Therapieeinrichtungen und Krankenhäuser, die juristische Personen des privaten Rechts darstellen und aus dem Staatshaushalt bezuschusst werden, sowie auch die Wohlfahrtseinrichtungen des allgemeinen öffentlichen Sektors (staatliche juristische Personen des öffentlichen Rechts) als auch die Wohlfahrtseinrichtungen privaten Rechts, deren allgemeine Betriebsaufwendungen zu wenigstens siebzig Prozent (70%) durch Zuschüsse aus dem Staatshaushalt gedeckt werden.

Für finanzielle Schenkungen und elterliche Zuwendungen ist auf dem neuen Formular E1 ein neuer Code hinzugefügt worden. Offensichtlich sind hier die elterlichen Zuwendungen anzugeben, die dem Finanzamt gemeldet worden sind. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass finanzielle Zuwendungen der Eltern an ihre Kinder grundsätzlich ab dem ersten Euro zu deklarieren und mit einem (den Bedachten belastenden) Satz von 10% zu versteuern sind.

Praktisch müsste also für jeden Euro, der den Kindern zu- / ins Sparschwein gesteckt wird, das beschenkte Kind bzw. im Fall Minderjähriger deren gesetzlicher Vertreter die „Schenkung“ dem Finanzamt melden und die entsprechende Schenkungssteuer abführen. Dies gilt im übrigen auch für Barzuwendungen von Großeltern an ihre Enkelkinder, wobei der pauschale Steuersatz dann jedoch 20% beträgt. Es versteht sich von selbst, dass sich schon allein in diesem Sinn Millionen Griechen alltäglich der Steuerhinterziehung schuldig machen. Nun wird jedoch der Steuerwahnahn potenziert, indem selbst aus dem wöchentlichen „Milchgeld“ für den Kindergarten ein „Einkommensindiz“ konstruiert und gegebenenfalls eine steuerliche Belastung von bis zu über 50% abgeleitet wird … .

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die – im Lauf der Jahre natürlich modifizierten – Bestimmungen prinzipiell schon seit Ende der 90er Jahre gelten. Das Thema ist also eigentlich ein „alter Hut“, andererseits in Kombination mit den letzten Änderungen bei der Einkommenbesteuerung jedoch auch wieder aktueller denn je.

(Quelle: Imerisia, diverse Medienberichte)

Relevante Beiträge:

  1. rafael
    6. April 2015, 09:12 | #1

    Mal wieder einer der üblichen Schnellschüße, die dann wieder relativiert angewendet werden, oder zurückgenommen werden… Mit einem Wort gesagt: Schwachsinn! Natürlich geht es bei diesem Gesetz in erster Linie um diejenigen, die mittels Schenkungen an ihre Kinder die Steuer umgehen wollen, aber das Taschengeld zu besteuern ist wie gesagt Schwachsinn!

  2. Lydia
    6. April 2015, 09:43 | #2

    Wann hoert dieser griechische Wahnsinn endlich auf?

  3. jörg
    6. April 2015, 09:59 | #3

    so wie gehabt, von den kleinen nimmt man es , die grossen lässt man ungeschoren

  4. ChrAu
    6. April 2015, 12:48 | #4

    So langsam entwickelt sich die griechische Regierung zu einem Witz Kabinett. Vielleicht sollten die griechischen sich mal über eine vernünftige Regierung Gedanken machen. So ist das Land nicht mehr zu retten. Auch wenn ich bezweifle, dass Griechenland von irgendwem in den nächsten 20 Jahren gerettet werden kann.

  5. Omnipraesent
    6. April 2015, 12:59 | #5

    Der Baum des Wahnsinns zeigt seine ersten Blueten.

  6. Petroulla
    6. April 2015, 14:31 | #6

    Aber an die wirklich Reichen, z.B. die Reeder oder auch …Politiker, wo es um Millionen und Milliarden geht, wagt man sich nach wie vor nicht heran. Vor allem, weil die doch auch wirklich was beisteuern könnten. Und da das Geld ja irgendwo herkommen muß, besteuert man jetzt das Milchgeld für den Kindergarten?! Hat diese neue Regierung die Zeit, sich mit so einem unsäglichen Unfug zu beschäftigen? Oder ist das ein verspäteter Aprilscherz?

  7. BravoZulu
    6. April 2015, 14:39 | #7

    Meines Erachten sitzen im griechischen Finanzministerium Leute, die man schleunigst in die Klappsmühle stecken sollte, damit diese keine weiteren Schäden an der griechischen Bevölkerung anrichten können.

  8. LiFe
    6. April 2015, 22:17 | #8

    In Deutschland gefährdeten Geldzuwendungen von Oma Sozialleistungen.

  9. Frank-Uwe Albrecht
    7. April 2015, 00:24 | #9

    Bitte den Artikel mal bis zum Ende durchlesen, ehe auf die neue griechische Regierung aus vollen Rohren geschossen wird. „Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die – im Lauf der Jahre natürlich modifizierten – Bestimmungen prinzipiell schon seit Ende der 90er Jahre gelten. Das Thema ist also eigentlich ein ‚alter Hut‘, andererseits in Kombination mit den letzten Änderungen bei der Einkommenbesteuerung jedoch auch wieder aktueller denn je.“ Demzufolge also wieder ein Erbe der ND- oder PASOK-geführten Ex-Regierungen.

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