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Hintergründe der Verhandlungen Griechenlands

21. April 2015 / Aktualisiert: 12. Oktober 2018 / Aufrufe: 5.763

Kostas Vaxevanis, international bekannter Investigativ-Journalist und Herausgeber der Zeitschrift HotDoc, prangert die Verlogenheit der sogenannten Partner Griechenlands an.

Alles, was in Zusammenhang mit den Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern bzw. sogenannten „Partnern“ geschieht und hauptsächlich geschrieben wird, hat eine Dimension, die einer einfachen Rationalisierung bedarf.

Mittels dieser Rationalisierung ergibt sich, dass der König nackt ist und es keinen feuerspeienden Drachen gibt. Begeben wir uns also in einfachen Schritten zur Logik.

1. Warum so viel Härte?

Die bei jeder Verhandlung erfolgende Bemühung ist, dass jeder für sich den maximalen Nutzen und die geringstmöglichen Verluste sicherstellt. Dies geschieht nicht in einem Verfahren der Euphorie und Komplimente, sondern unter Druck, Forderungen und oft genug Erpressungen.

Ebenfalls verläuft das Spiel der Verhandlung nicht an einem „Runden Tisch“, sondern auf allen Ebenen. Hauptsächlich auf jener der Kommunikation. Die Verhandlungsparteien versuchen also mit Erklärungen oder Verlautbarungen, für den „Gegner“ ein Klima vollendeter Tatsachen und hauptsächlich der Angst zu schaffen. In vielen Fällen sehen wir auch die Funktion „guter Polizist – böser Polizist“ der klassischen amerikanischen Filme: der eine zeigt sich drohend und der andere versöhnlich und freundlich. Dies geschieht bei allen Verhandlungen, sogar auch bei denen, die sich nur auf den Kauf eines Gebrauchtwagens beziehen.

2. Schäubles Klone

Es ist also wohl offensichtlich, dass – damit das Spiel der Verhandlung richtig gespielt wird – es von jeder Seite möglichst eine Front „unerschütterlicher Positionen“ gibt, damit das als gegeben geltende Abrücken von diesen Positionen, um eine Einigung zu erzielen, so vorteilhaft wie möglich ist. Jede Verhandlungspartei versucht Allianzen einzugehen und bei der Gegenseite Risse sicherzustellen. In diesem Thema hat Griechenland tatsächlich ein Problem. Große politische Gruppierungen, die in der Vergangenheit regierten, schaffen vorab das Bild der „Unverhandelbarkeit“ und des Misslingens. Sie schließen sich nicht der nationalen Forderung an, sondern prophezeien die Katastrophe und schaffen Angst.

Auf eine solche Weise wird das Recycling des Klimas aufgebaut. Also irgendein Schäuble im Ausland oder irgend eine Zeitung macht eine Einschätzung oder schafft eine Angst bezüglich der Verhandlung. Diese Erklärung, die jedoch wie gesagt eine Erklärung ist, die nicht obligatorisch die Realität ausdrückt, sondern eine Realität zu schaffen versucht, wird von den einheimischen Medien und Schäubles Klonen in Griechenland reproduziert. Im weiteren Verlauf wird das auf diese Weise von Schäuble und seinen Klonen im Land geschaffene Klima von ausländischen Medien als „Reportage“ aufgegriffen und schafft nunmehr eine Realität, die sich auf ein Gerücht stützen mag, jedoch eine Realität ist.

Ein Beispiel dafür sind die vielfachen Gerüchte über einen Bank Run. Zu Anfang gab es Befürchtungen  über den Abfluss von Kapital ins Ausland. Danach schufen diverse Banken durch „Informationen“ diesen Abfluss. Die ausländischen Medien griffen die geschaffene Realität auf und zeigten sogar Fotos von Schlangen von Rentnern, die (Anmerkung: wie in Griechenland nach wie vor allmonatlich üblich) bei den Banken für ihre Rente anstanden, und schufen so das Bild, es gebe eine Kapitalflucht. All dies wurde von den Kanälen recycelt und die Kapitalflucht schließlich erreicht.

3. Warum ziehen nicht alle am selben Strick?

Dies ist eine naive und freundliche Frage, die es gut meinende oder nicht politisierte Menschen stellen. Wie bei allen großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Phänomenen gibt es auch gegenüber dieser Krise verschiedene Interessen, aber auch Interpretationen.

Kann sich die (SYRIZA-) Regierung oder sonst jemand, der glaubt, Griechenland und Europa können so nicht weitermachen, mit Evangelos Venizelos, der Abzocken verhängte, und Antonis Samaras, der Löhne kürzte, aber gleichzeitig die Bankiers reicher machte, und der wirtschaftlichen Elite zusammentun? Die eine Seite meint, die Lösung für den Aufschwung sei, dass die Menschen mit humanen Löhnen leben, damit das Land sich entwickelt, und die andere, dass die Löhne noch weiter sinken müssen, damit das Heer der Menschen billig ist, die für (Krösusse und Moguln wie) Latsis arbeiten werden.

Das Bild des den Täter umarmenden Opfers mag die „sturmgepeitschten Gipfel“ an Romantik erinnern, ist jedoch nicht Realität. Wichtig ist, dass die Allianzen in der Gesellschaft stark sind, welche die Wende fordern werden, und nicht, dass diejenigen das Schicksal des Landes bestimmen, die es zerstörten. Sogar auch die nationalen Überlieferungen, welche die Griechen in der Vergangenheit vereint Großes leistend präsentieren, sind Mythen. In Griechenland und auf der ganzen Welt gab es immer Albträume und Menschen wie Leonidas, Velouchiotis und Ralli, verrückte Griechen und Anhänger der Nachgiebigkeit.

4. Wo stocken die Verhandlungen und warum?

Die (heutige SYRIZA-) Regierung erklärte vor den Wahlen und wurde deswegen von den Bürgern gestützt, keine rezessiven Maßnahmen ergreifen zu werden. Also die griechische Gesellschaft nicht mit Entlassungen, Kürzung der Löhne und Renten, Ausverkauf des öffentlichen Vermögens nach unten zu drücken. Als die Verhandlungen begannen, brachte die griechische Regierung diese Feststellung auf den Tisch und schaffte es, die Vereinbarung vom 20 Februar 2015 zu erreichen.

Im weiteren Verlauf wurde Deutschland und den Partnern jedoch klar, die interne griechische Front schrittweise demontieren zu können. So bedienten sie sich der Klone Schäubles und der Medien in Griechenland, um Verhältnisse zu ihren Gunsten oder sei es auch ein Klima der Angst zu schaffen. Derzeit stockt die Verhandlung an den griechischen „roten Linien“. Die Regierung gibt also nicht in ihrem Beschluss nach, dass es keine Entlassungen gibt, die Renten und Löhne nicht gekürzt werden, die Mehrwertsteuer nicht erhöht wird und das öffentliche Vermögen nicht zu jedem Preis verramscht wird. Dagegen hat sie zum ersten Mal Maßnahmen zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung und des „schwarzen“ Reichtums angekündigt.

Die Partner wollen jedoch kein Griechenland, das gerettet werden kann, sondern ein Griechenland, das ihre Maßnahmen umsetzen wird. Also die Austeritäts-Maßnahmen, welche die „fiskalische Ordnung“ gewährleisten werden. Gleich ob es sich um ein deutsches Syndrom oder eine Ansicht über die Wirtschaft handelt, dieses Modell ist sogar auch im Deutschland der Millionen Armen und Unterbeschäftigten und der immer reicheren Finanzelite gescheitert. Dieses Modell wurde politisch in ganz Europa und hauptsächlich im Süden in Frage gestellt. Spanien, Italien, Irland sprechen offen von der Notwendigkeit einer anderen Politik in Europa. Thema sind folglich nicht die Austeritäts-Entscheidungen, sondern die Neugestaltung des Europas, das strukturelle Fehler hat und ungerecht ist.

Für die merkelsche Sichtweise gilt es also, die Wette zu gewinnen, dass sich nicht der griechische Widerstand durchsetzt, der sich in Europa als politisches Klima verallgemeinern wird. Deswegen eine solche Offensive, deswegen so viel Beharren und Angstmache.

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  1. Obba
    21. April 2015, 11:01 | #1

    Holprige Übersetzung, der Inhalt trifft den Kern aber zu 100 Prozent.

  2. 21. April 2015, 13:19 | #2

    Danke für diesen großartigen Artikel! Ich stimme Herrn Vaxevanis voll und ganz zu!

  3. Kleoni
    21. April 2015, 17:02 | #3

    Messerscharf analysiert – ich hoffe und wünsche der griechischen Regierung, dass sie durchhält! Für das griechische Volk wäre das endlich ein Lichtstrahl am Horizont

  4. LiFe
    21. April 2015, 19:24 | #4

    Sehr gut die Anmerkung: „Die ausländischen Medien griffen die geschaffene Realität auf und zeigten sogar Fotos von Schlangen von Rentnern, die (Anmerkung: wie in Griechenland nach wie vor allmonatlich üblich) bei den Banken für ihre Rente anstanden, und schufen so das Bild, es gebe eine Kapitalflucht.“ Viele Bankkunden kommen von weitem aus Dörfern angereist, dann kommen halt so viele.

  5. rafael
    22. April 2015, 10:24 | #5

    lieber Übersetzer, bitte nicht in langen Schachtelsätzen übersetzen…, kurze Sätze mit Kommata lesen sich leichter…, ansonsten sehr guter Artikel, den ich auch fleißig in den social networks gepostet habe. Der Artikel sagt das, was ich irgend wie empfunden habe, es aber nicht verbalisieren konnte!

  6. Andrea
    23. April 2015, 16:33 | #6

    Sehr gute Beobachtungen von Vaxevanis, aber leider sehr holprig zu lesen … vielleicht das nächste Mal die Übersetzung kurz korrigieren lassen – stehe gern zur Verfügung 🙂

  7. Matze
    1. Juli 2015, 00:14 | #7

    Ich hoffe das die Griechen stark sind und den Geldeliten die Stirn bieten. Es wird Zeit das auf Unserm Kontinent die Vernunft und die Völker Regieren und Agieren und nicht die geldgierige faule Schicht. Gerechtigkeit sollte immer Recht sein, ein Recht vor allem Recht was sich irgend welche psychopathischen Menschen aus denken und als Gesetze den Völker aufdrücken. Glück, Liebe und Achtung beruht nicht auf Reichtum. Ich wünsche und HOFFE daß, das Griechische Volk uns erlöst von der Euro- amerikanischen Geisel. Danke für euren Mut.

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