Griechenland blufft nicht mit Grexit

25. April 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.312

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis vertritt, es sei kein Bluff, aus dem Euro auszuscheiden, falls das Land zu noch mehr Austerität gezwungen werden sollte.

Im Gespräch mit einer französischen philosophischen Zeitschrift vertrat Finanzminister Yanis Varoufakis, die Gefahr, dass Griechenland aus dem Euro ausscheidet, wenn es gezwungen wird, noch mehr Austerität zu akzeptieren, sei kein Bluff.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis betonte, niemand vermöge vorauszusehen, welche die Folgen eines solchen Ausscheidens (Grexit) seien würden.

Niemand vermag die Folgen eines Grexit’s vorauszusehen

In einer gegen Ende März 2015 stattgefundenen und in der französischen Zeitschrift „Philosophie Magazin“ publizierten Unterhaltung mit dem norwegischen Philosophen Jon Elster unterstrich Yanis Varoufakis, es sei nicht an der Zeit, hinsichtlich der Gespräche über die griechische Verschuldung zu bluffen, und merkte an: „Wir können nicht mehr bluffen. Wenn ich sage, wir werden bei einem Ausscheiden aus dem Euro angelangen, wenn wir noch mehr – nicht tragfähige – Austerität akzeptieren müssen, ist die kein Bluff.“

Auf die Frage, was geschehen würde, wenn Griechenland aus dem Euro ausscheiden würde, verwies Yanis Varoufakis auf Kommentare, die europäische Gestalter der Politik abgegeben hatten, die vertreten, eine Weitergabe der Krise könne vermieden werden. Er fügte jedoch an, dass er dagegen glaube, die Folgen würden unvorhersehbar sein, und betonte: „Wer zu wissen behauptet, was an dem Tag geschehen würde, an dem sie uns in den Abgrund stürzen würden, sagt Unsinn und agiert gegen Europa.

(Quelle: Imerisia)

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  1. Jorgo
    25. April 2015, 12:06 | #1

    Die Einführung des euro war ein Experiment, das gegen den Rat aller Experten von den Politikern gewagt wurde. Wir wissen inzwischen, dass dieses Experiment gescheitert ist. Jetzt sollte man das Experiment wagen, dass einzelne Staaten, so sie es denn selbst wollen, wieder zu ihrer eigenen Währung zurückkehren, um wieder Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Klar, niemand kann die Zukunft voraussehen, wie dieses neue Experiment ausgehen wird und mit welchen Folgen positiver und negativer Art. Klar ist nur, dass es mit dem Euro so nicht weitergehen kann, weil der Euro nur die starken Länder begünstigt und die schwachen Länder schädigt oder sogar ruiniert.

  2. filo
    25. April 2015, 12:30 | #2

    Das schlimme ist nur, das der Begriff „Grexit“ mittlerweile jede Angst davor verloren hat. Aber wenn Weltweit dann von Armut in Griechenland gesprochen wird muss ja was dran sein.Ich bin der Meinung, man muss einem souveränen Staat zugestehen sein Schicksal selbst zu-bestimmen

  3. os
    25. April 2015, 13:43 | #3

    Varoufakis spielt mir dem Feuer. Auch nit einem Ausscheiden GL aus dem Euro bleiben die griechischen Schulden erhalten. Die Rückzahlung wird nur unendlich schwer. Je nachdem wie schwer ein Grexit die anderen 18 EU Staaten belastet, werden deren Bürger nicht auf einen Verzicht auf die Schulden und weiteren Hilfen für Griechenland zustimmen. Wie es ist vollständig isoliert zu sein hat der Prof. in Riga erlebt. Ihm macht dies nichts aus. Für Ihn ist die Ökonomie Griechenlands eine akademischen Spielweise. Motto: „Geht das Spiel verloren, was soll’s. Auch daraus lässt sich ein Paper machen.“ Die Verlierer in diesen Spiel werden die Griechen sein, während sich unser Prof. In seinen neuen akademischen Ruhm sonnt.

  4. cashca
    25. April 2015, 14:28 | #4

    Man kann den Griechen nur raten, sich frei zu machen von den Zwängen der EU. Griechenland existierte schon Jahrtausende ohne EU, sie wird auch weithin existieren. nach einem Ende mit Schrecken, geht es weiter, schlechter als jetzt wird es nihnen auch nicht ergehen. Von unabsehbaren Folgen u.s.w. Panik zu verbreiten ist kompletter Unsinn. Wieviele Staaten leben denn auf der Welt ohne EU? Sind die alle schon tot? Glaubt denn die EU allen ernstes, sie sei die einzig seligmachende Organisation?

  5. h.kuebler
    25. April 2015, 15:56 | #5

    Bei Herrn Varoufakis weiß man zwar nie, was die Wahrheit ist und was nur Show, aber wenn er es ernst meint: Ja, Griechenland sollte den Grexit vorbereiten. 1. weil Griechenland auf neuen Füßen neue Chancen hat. Es wird billiger, wettbewerbsfähiger, für Touristen und Investoren attraktiver. Also: Zukunftsaussichten sind besser als die Gegenwart. 2. weil Griechenland nur verliert bei diesem jämmerlichen Spiel. Das Image des Landes ist im Keller. Und was macht das mit dem Stolz und der Würde von Menschen, wenn das Land nur als Bettler und Almosenempfänger am Leben bleibt? 3. Der Euroraum in dieser Form ist gescheitert. Er hat nicht Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Ländern bewirkt, sondern vielfach Feindschaft, Ablehnung und sogar Hass. Deshalb: Grexit ja. Und in den anderen EU-Ländern wird er ohnehin schon in aller Gelassenheit erwartet.

  6. GR-Block
    25. April 2015, 17:20 | #6

    Das Experiment „EURO“ war erfolgreich. Es hat die Schwächen des Binnenmarktes (1993) aufgezeigt, die leider fast zehn Jahre lang durch Abwertungen kaschiert wurden. Jetzt muss man die richtigen Schlüsse aus den Ergebnissen des Experimentes ziehen. Ein quasi nationaler Absatzmarkt für Waren und Dienstleistungen aber konkurrierende lokale Märkte für Arbeit. Diese Kombination ist tödlich für lokale Unternehmen, damit für Erwerbstätige und damit für lokale Produzenten. Es überleben nur Großkonzerne, und die produzieren im Ausland. Nämlich da, wo Staatssubventionen am üppigsten sind, den „Industriestaaten“. Der Versuch den Standort GR durch Lohndumping zu verbessern ist somit aussichtslos.
    Kein griechischer Mensch hatte „Angst“ vor einem GREXIT. Im Gegenteil, die Frage lag gleich zu Beginn der Krise auf der Hand. Erst durch den „konsequenten“ seelischen Beistand der EUler (in Athen und Brüssel): „nein nein, Ihr braucht nicht austreten“ und „wehe, Ihr wollt austreten“ konnte man die Griechen (ob angestellt, ob selbständig) desorientieren. Nach den aufgedrückten „EU-Zwangskrediten“ hat man die finanzielle Unabhängigkeit des Griechen merklich geschwächt. Wie eh und je gibt es einen erbitterten Kampf um die griechischen Märkte. Die EU hat sich festgebissen und will nicht mehr loslassen, während die griechischen „Eliten“ um jeden Meter Boden kämpfen. Weil der Herr Professor das weiß, tut er gut daran, die GREXIT-Karte drohend hoch zu halten, damit jeder glaubt, er blufft. Im richtigen Moment aber muss er sie messerscharf einsetzen und den Maastrichtvertrag kündigen.

  7. Onyx13
    25. April 2015, 18:16 | #7

    Es ist für die meisten Griechen nicht von Belang ob Grexit oder nicht. Denen geht es darum wie sie Satt werden sollen und wie die Kinder Möglichkeiten bekommen. Das machen die ganzen Spökenkieker von Syriza nichts. Keine soziale Emanzipation, keine Sicherung der Grundnahrungsmittel durch anbau im Land. Nur heres Gewäsch. Sollen sie doch aus dem Euro austreten und somit Bankrott anmelden und beginnen das Volk in die Lage zu versetzen sich selbst um ihre Belange zu kümmern, nicht immer nach den Schulden andere zu schauen.

  8. Ceres
    25. April 2015, 19:27 | #8

    Für uns alle wäre es besser, wieder eigenständige Staaten zu werden, ohne Bevormundung der EU/USA, das gilt in 1. Linie für DE. Griechenland will man hauptsächlich deshalb nicht ziehen lassen, weil die Nato dann ihre Südostflanke gefährdet sieht. Deshalb wäre es klug, Vorbereitungen zu treffen, um noch am Tag des Austritts eine Beistandsvereinbarung mit RU oder der Eurasischen Union zu treffen. Damit die Nato nicht austickt.
    Es mag große finanzielle Verwerfungen geben, aber das alte System wird sowieso gehen müssen. Je länger die europäischen Staaten warten mit dem Austritt, umso größer wird die finanzielle Fallhöhe.

  9. LiFe
    25. April 2015, 20:06 | #9

    Wozu Grexit? Die Europartner wussten schon lange, dass Griechenland pleite war. Trotzdem wurden weiter Rettungspakete geschnürt und abgeschickt. Sollen die Bürger umsonst Kürzungen und Austerität gelitten haben? Das wäre schlimm. Nehmen wir USA als Beispiel. da können Unternehmen eine chapter 11 Insolvenz durchführen, in der sie vor Gläubigern geschützt wieder konkurrenzfähig werden können. langfristig hat das schon einige Firmen gerettet.

  10. Marie
    26. April 2015, 22:40 | #10

    Nun, auch Deutschland ist pleite, ebenso wie andere Länder. Hoffen wir, dass Griechenland aussteigt aus diesem Wahnsinn der EU-Diktatur (die sich selbst ermächtigt, jedoch NIE vom Volk gewählt wurde, wie man es von demokratischen Staaten erwarten MUSS).
    Sicherlich werden viele EU-Europäer gerne und mit Freuden nach Griechenland umsiedeln, dort in Souveränität und Freiheit LEBEN und gemeinsam mit den Griechen Wohlstand und Wohlsein erschaffen. Mutig voran, liebe Griechen – Ihr seid die Wiege des Freien Europas der Nationen!

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