Griechenland begegnet einem Banken-Putsch

24. April 2015 / Aktualisiert: 04. Oktober 2017 / Aufrufe: 6.138

Laut Finanzminister Yanis Varoufakis ist Griechenland mit einem Putsch konfrontiert, und zwar diesmal nicht mit Panzern, sondern mittels der Banken.

Als „ermüdend“ charakterisierte der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis die Verhandlungen mit den Institutionen in einer Mitteilung an eine am vergangenen Dienstag (21 April 2015) in Melbourne durchgeführte Veranstaltung zur Bezeugung der Solidarität mit der griechischen Regierung und dem griechische Volk.

Weiter führte Herr Varoufakis an, sogar auch ein zehnjähriges Kind verstehe inzwischen, dass der riesige Kredit nicht unter strengen Austeritäts-Maßnahmen bedient werden kann, zumal in einem Moment, wo das nationale Produkt Griechenlands um 25% gesunken ist. „Wenn man eine kranke Kuh hat und kontinuierlich auf sie einprügelt, damit sie mehr Milch gibt, ist letztendlich das einzige, was man erzielt, dass man sie noch mehr schwächt und sie überhaupt keine Milch mehr gibt„, merkt er charakteristisch an.

Katastrophale Politik des IWF und der nordeuropäischen Partner

Der griechische Finanzminister sagte, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die nordeuropäischen Partner weigern sich, eine Realität zu akzeptieren, und „ihre Politik ist sowohl für Griechenland als auch für selbige Europa gleichermaßen katastrophal„, wozu er anfügte, die Verhandlungen seien hart und die Regierung habe einem neuen Typ von Putsch zu begegnen, „nicht mit Panzern, sondern mittels der Banken„.

Wir werden darin fortfahren, die Wahrheit zu sagen, und ich hoffe, dass wir zu einer Einigung gelangen. Wir werden Kompromisse eingehen, jedoch können wir nicht ungeordnet nachgeben„, betonte Yanis Varoufakis und charakterisierte die Kundgebung der Solidarität mit der griechischen Regierung und dem griechischen Volk als „nationale Bemühung, die Griechenlands Grenzen überschreitet und eine Brücke nach Australien schlägt„.

Herr Varoufakis betonte die Tatsache, dass in der schwierigen Periode der Verhandlungen mit den Partnern „eine nationale Front gegenüber der Lüge, der sich selbst speisenden Krise und der Selbstuntergrabung entstanden ist„, und unterstrich: „Auch Ihren Beistand, der keine parteilichen Etiketten und Überschriften trägt, betrachten wird als eine nationale Bemühung, welche die Grenzen Griechenlands überschreitet und eine Brücke bis nach Australien schlägt.

In seiner zehn Minuten dauernden aufgezeichneten Videobotschaft analysierte der griechische Finanzminister Herr Varoufakis zusammenfassen, wie Griechenland in die Krise geführt wurde und wie ihr zu begegnen ist. Parallel übermittelte er an den Hellenismus in Melbourne die Grüße und die Sympathie seiner Mitarbeiter, des Premierministers Alexis Tsipras, des Ministerrats sowie des gesamten griechischen Parlaments „für die Solidarität in diesen schwierigen Momenten“. „Ich hoffe, Ihnen bald in Melbourne zu begegnen„, endet er.

Was für Deutschland galt, muss auch für Griechenland gelten

Die Mitteilung des Herrn Varoufakis wurde bei der Veranstaltung vorgeführt, die im Rahmen der Kampagne „Lasst Griechenland zu Atem kommen“ unter der Ägide der australisch-griechischen Solidaritätskampagne (Australia-Greece Solidarity Campaign) im Arbeiterzentrum (Trade Hall) in Melbourne stattfand. Mitteilungen an die selbe Veranstaltung schickten der griechische Vize-Minister für internationale Wirtschaftbeziehungen, Evklidis Tsakalotos, und der neue Direktor des Generalsekretariats für den Hellenismus im Ausland, Michalis Kokkinos.

Herr Tsakalos führte in seiner Botschaft an: „Alle zusammen können wir ein besseres Morgen in Europa aufbauen und Griechenland ist der Anfang.“ Er dankte der griechisch-australischen Solidaritätsbewegung und wünschte dem Hellenismus in Melbourne alle Gute. Er bedankte sich für die Solidarität aus und merkte an, „das griechische Volk hat sehr viele Schwierigkeiten durchgemacht und viele Male überwanden wir diese auch mit Hilfe der Griechen im Ausland„.

Auf die Griechenland heimsuchende Krise, aber auch die Solidarität der im Ausland lebenden Griechen und des australischen Volks ging ausführlich der Politökonom und Leiter der australisch-griechischen Solidaritätskampagne Diamantis Rorris ein, der anmerkte, „dutzende australische Ökonomen stimmen zu, dass die griechische Verschuldung nicht getilgt werden kann und ein Teil von dieser gestrichen werden muss„.

Ged Kearney, Vorsitzende des „Konzils der australischen Gewerkschaften“ (Australian Council of Trade Unions – ACTU), verlangte einen „Schnitt der griechischen Verschuldung“ und betonte, „es wurden einmal die Schulden Deutschlands gestrichen, und was für Deutschland galt, muss auch für Griechenland gelten„.

Sowohl Ged Kearney als auch andere Redner wie Andrew Dettmer, ehemaliger Vorsitzender der Arbeiterpartei Queenslands (Queensland Labor Party – QLP) und derzeitiger Vorsitzender der australischen Metallarbeiter-Gewerkschaft, aber auch Adam Bandt, stellvertretender Vorsitzender der australischen Partei der Grünen (Australian Greens) und Bundesabgeordneter des Wahlbezirks Melbourne, äußerten, der Wahlsieg der SYRIZA, aber auch ihre Positionen „inspirieren“ auch die progressiven Kräfte Australiens.

Spezielleren Eindruck verursachte die Rede der preisgekrönten Regisseurin Anna Kokkinou, die ihren Vortrag auf die humanitäre Krise fokussierte.

(Quelle: Imerisia)

  1. Protagoras
    24. April 2015, 08:55 | #1

    Im Jahr 2013 (!) hat der Deutschlandfunk eine Reihe mit dem Titel „Ökonomie des glücklichen Lebens“ gesendet. In der dreiteiligen Serie kommen D. Graebner, St. Fuchs und Y. Varoufakis zu Wort. Wer verstehen will, dass die aktuelle Auseinandersetzung eine Dimension hat, die weit über das Verhaltnis von Griechenland und Deutschland/EU hinausgehen, sollte sich diese Reihe noch ein mal im Abstand von zwei Jahren vergegenwärtigen. Grexit – ja oder nein, ist nicht die Frage, die Verschuldung des griechischen Staates ist nur vordergründig der Deckmantel zur Durchsetzung viel umfassenderer „Reformen“. Ein Putsch findet weit über Griechenland hinaus statt. Wer die einzelnen europäischen Staaten gegeneinander ausspielt, hat andere Absichten. Mit Schäuble und seinen „Klonen“, wie andernorts argumentiert wird, geraten nur die Strohmänner ins Visier, während die einflussreicheren Strippenzieher ungeschoren bleiben.

  2. jeanette
    24. April 2015, 12:00 | #2

    ich bete, dass das arme von us und dann von eu ueber den tisch gezogene volk ihre jetzigen anfuehrer erfolgreich sein laesst und aus dem joch befreit. leider ist es ein kampf david gegen goliath, weil von langer hand vor langer zeit geplant. diese macht wird es nicht zulassen, dass ein sklave aus den ketten springt. wir voelker wollen nicht, was sie mit uns machen, uns gegeneinander aufhetzen und kriege gegeneinander fuehren. ich hoffe sie wachen bald alle auf und handeln, weil auch sie das spiel durchschauen und sich verweigern.

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