Arbeitsbesuch Griechenlands Premierministers in Moskau

7. April 2015 / Aufrufe: 1.609

Erwartungen und Fallen aus dem anstehenden Besuch Griechenlands Premierministers Alexis Tsipras in Moskau.

In einem letzten Versuch, die Karte der signifikanten griechisch-russischen Beziehungen in eine Waffe gegen die Gläubiger umzuwandeln, tritt der griechische Premierminister Alexis Tsipras im kritischsten Moment der Verhandlung am Mittwoch (08 April 2015) einen (im übrigen bereits seit langer bzw. zu noch relativ „unverdächtiger“ Zeit arrangierten) zweitägigen Arbeitsbesuch in Moskau an.

Ein Versuch, der die Gläubiger nicht „einzuschüchtern“ scheint, sondern nur Nervosität und Misstrauen sowohl in Brüssel als auch in Washington gebiert, da die Inhaltslosigkeit der „Drohungen“ über eine Wende nach Moskau offensichtlich ist und in der Verhandlung mit den Gläubigern desorientierend wirkt.

Hoffnungen auf Lockerung des russischen Embargos

Das Zusammenfallen dieses Besuchs mit der äußerst kritischen Sitzung der Euro Working Group in Brüssel und die furchtbare Lage, in der sich das Griechenland befindet, schwächt sogar seine Verhandlungsposition auch gegenüber Moskau. Alexis Tsipras kann Russland mit relativer Leichtigkeit eine starke Unterstützung im Thema der Sanktionen anbieten, da etliche europäische Länder deren Lockerung unterstützen, jedoch ist dies Lichtjahre von einem Veto in der EU oder der NATO entfernt.

Die griechische Regierung hofft, einen Entscheidung oder sei es auch ein Versprechen abringen können zu werden, dass die Aufhebung der Importbeschränkungen für landwirtschaftliche, tierische und Meeresprodukte aus der EU zuerst bei Griechenland, Zypern und Ungarn beginnen wird, wenn auch in der Periode des Hochbetriebs bei den Exporten diese 120 Mio. Euro überstiegen.

Griechenlands Position im Thema Turkish Stream

Es wird erwartet, dass der griechische Premierminister die Unterstützung Griechenlands für den neuen großen Energieplan des Vladimir Putin und der Gazprom zum Ausdruck bringen wird, also den Bau der Erdgas-Pipeline Turkish Stream, die das Schwarze Meer durchqueren und in der Türkei und an der Grenze zu Griechenland angelangen wird. Von diesem Plan ist vorgesehen, dass die Leitung an der Grenze Griechenland-Skopje und danach durch die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Makedonien und Serbien höchstwahrscheinlich in Ungarn angelangen wird.

Der Bau der Gasleitung würde für Griechenland signifikante wirtschaftliche (sowohl aus den Durchleitungsgebühren als auch aus den von der Gazprom gewährten Preisnachlässen), aber auch geopolitische Vorteile haben, da Turkish Stream und TAP, die über griechischen Boden verlaufen, praktisch die Südtrasse für den Transport von Erdgas nach Südost- und Zentraleuropa und Italien darstellen werden.

Jedoch wird auch diesem russischen Plan mit Misstrauen und negativer Stimmung aus Brüssel und Washington begegnet, die meinen, er habe „politische“ Charakteristika, da er bei dem Prozess des Transports russischen Erdgases nach Europa auf die Umgehung der Ukraine und die Fortsetzung der Abhängigkeit von Moskau mittels neuer noch mehr kontrollierter „Trassen“ abziele. Herr Putin sucht nach unterstützenden Stimmen innerhalb der EU für dieses Projekt, damit es nicht das Schicksaal des South Stream haben wird, und die ersten, derer er sich versichert hat, sind die Ungarns und nun Griechenlands.

Trotz der großen Töne des Ministers für  Neuorganisation der Produktion, Umwelt und Energie, Panagiotis Lafazanis wird die Pipeline ohne die Unterstützung Griechenlands auf dem Papier bleiben, da die 64 bcm (Mrd. Kubikmeter) Erdgas, die sie befördern wird, ohne die Erstellung neuer Infrastrukturen (die der Genehmigung und Finanzierung Brüssels bedürfen) ohne Käufer an der Türkisch-Griechischen Grenze bleiben werden.

Tsipras steht ein Eiertanz bevor

Die Mission des Herrn Tsipras ist nicht leicht, da er sich auf einer dünnen Linie zu bewegen hat, um die griechisch-russischen Beziehungen vor dem Schaden zu bewahren, der daraus droht, sie mit der Verhandlung mit den Gläubigern in Verbindung zu setzen.

Anderenfalls wird die Möglichkeit gegeben werden, dass Griechenland als Putins „Trojanisches Pferd“ gebrandmarkt wird, die Grundlagen der griechisch-russischen Beziehungen untergraben werden und jeglicher geopolitischer Vorteil verschwendet wird, den das Land hat.

Was die „alternative Finanzierungsquelle“ betrifft, die sich manche in der Regierung einbilden, sei in Erinnerung gerufen, dass sogar auch, wenn Herr Putin sich dazu entschließen sollte, die Kredite auf inflationäre Rubel lauten würden.

(Quelle: thetoc.gr)

KategorienPolitik
Tags: , ,
Kommentare sind geschlossen