7 von 10 Griechen wollen Einigung mit Europa

27. April 2015 / Aufrufe: 1.622

Sieben von zehn Bürgern in Griechenland wollen eine sofortige Einigung mit Europa.

Laut einer für die Zeitung „Vima tis Kyriakis“ durchgeführte landesweite Demoskopie der Kapa Research  sprechen sich die Griechen mit einem klaren „ja“ für den Verbleib Griechenlands in der EU und in der NATO und eine neue Vereinbarung mit den Gläubigern aus.

71,9% der Befragten erklären, eine Einigung mit den europäischen Partnern sei für das Land besser, gegenüber 23,2%, die einen Bruch für besser halten. 72,9% möchten, dass das Land im Euro bleibt, während 20,3% eine Rückkehr zur Drachme wünschen.

SYRIZA würde hypothetische Neuwahlen wieder gewinnen

Ebenfalls wollen 79,4% der Befragten, dass Griechenland in der EU bleibt, und 73,7% möchten, dass Griechenland in der NATO bleibt. Dagegen wünschen 17,2% bzw. 22% nicht, dass Griechenland in der EU bzw. in der NATO bleibt.

Eine existente Gefahr des Ausscheidens aus dem Euro „sehen“ 68,8%, während 24,1% erklären, die Gefahr sei überwunden. Ebenfalls meinen 36,1%, das Land befinde sich am Rand des Bankrotts, während 32,7% dem nicht zustimmen.  Zusätzlich nimmt das der Gefühl der in die Regierung gesetzten Hoffnung ab (43,3% im April, gegenüber 62,5% im Februar) und an seine Stelle treten Beunruhigung (52,9% im April, gegenüber 34% im Februar) und Wut (32,6% im April, gegenüber 2,7% im Februar).

Schließlich gefragt, wie sie wählen würden, wenn heute Parlamentswahlen wären, würden 36,9% die SYRIZA wählen, gefolgt von Nea Dimokratia (21,7%), Potami (7,3%), Chrysi Avgi (5,7%), KKE (5%), ANEL (4,6%) und PASOK (3,9%).

(Quelle: in.gr)

  1. LiFe
    27. April 2015, 12:09 | #1

    Wäre ich ein griechischer Bürger, ich würde auch unbedingt in der EU verbleiben wollen. Irgendwie würde man sich mit einer Regierung alleine völlig verloren und isoliert vorkommen.

  2. Europäer
    27. April 2015, 21:26 | #2

    Die griechischen Bürger sind weiter als ihre Regierung. Eine Einigung wäre möglich, wenn die griechische Regierung einlenken würde und die vereinbarten Bedingungen mit der Troika erfüllt.

  3. os
    28. April 2015, 00:16 | #3

    Einige griechisch Bürger haben den „Aufstand“ (gegen Europa) gewählt, aber nicht den „Krieg“. Beim Militär heisst das: show of wapons. Eigentlich möchte man ja prinzipiell nichts am Status Griechlands ändern und nur dahin zurück, wo man vor 2009 schon war. Was aber werden die griechischen Bürger tun, wenn Sie merken, dass Ihr Weg in die Krise weiter geht, selbst wenn man das zweite Hilfsprogramm gemäss den Vorgaben der Gläubiger abschließt?
    Kein Europäer wird Griechenland das Geld geben, das es braucht um aus der Krise zu kommen. Wenn es ums Geld geht sind alle Europäer Hyänen. Die schwachen bekommen bei der Verteilung der Beute immer am wenigsten. Griechenland hat seine Zukunft nicht mehr in der Hand. Daher hilft der griechische Regierung die Zustimmung ihrer Bürger für Ihre Politik im intereuropäischen Konzert nichts.

  4. GR-Block
    28. April 2015, 14:38 | #4

    Da ich ein griechischer Bürger bin, will ich wie jeder andere nicht unbedingt in der (alten) EU bleiben. Leider stand die Alte wie auf Kommando auf und drohte mit Fäusten, als wir Griechen auch nur darüber nachdachten auszutreten. Dieser geballten (greisen) Macht gegenüber, hatten wir seinerzeit sogar das Angebot unseres destabilisierten Ministerpräsidenten abgelehnt, selbst über einen Verbleib in der Währungsgemeinschaft zu entscheiden. Ein Tiefpunkt der Demokratie in der EU.
    Natürlich sind manche Bürger weiter als ihre jetzige Regierung. Diese muss schließlich versuchen, in der Mitte der Gesellschaft zu bleiben, um nach außen Durchschlagskraft zu demonstrieren. Wenn jemand mit Format aufstehen und den Griechen den Weg aus der EU aufzeigen würde, dann würden sie ihn mit großer Erleichterung unterstützen. Denn die Einschüchterung durch die EU-„Partner“ zieht heute nicht mehr.
    Die Griechen hatten sich gegen den Sultan erhoben, gegen die Italiener und die Deutschen. Nie kämen sie auf die Idee gegen „Europa“ den Aufstand zu proben. Wozu auch, sie gehören zum Kontinent und gaben ihm sogar den Namen. Nein, ihr Kampf gilt lediglich einer Organisation namens EU, die sich an den Europäern vorbei unkontrolliert breit macht.
    Denn es scheint kaum jemanden klar zu sein, dass die „Europäer“ nicht Mitglieder der EU sind, allenfalls assoziiert. Die EU hat als Mitglieder lediglich 28 nationale Regierungen, zu denen auch Herr Tsipras zählt. ER (u.a.) ist die EU. In jeder größeren Organisation zeichnen sich „Mitglieder“ dadurch aus, dass sie eine Legislative wählen dürfen, die wiederum aus ihrer Mitte die Exekutive bestimmt. Von den fünf EU-Institutionen aber wählt der Bürger nur das „EU-Parlament“, das weitgehend beratende Funktionen hat. Stattdessen wählen die wahren Mitglieder der EU (die 28 Regierungen) die Exekutive (die EU-Kommission), ohne das Volk zu fragen. Hier wäre es durchaus hilfreich den Außenstehenden ab und an durch eine Volksabstimmung mit einzubeziehen. Solange, bis sich die „alte EU“ à la Gorbatschow selbst auflöst und alle Macht ihrem Parlament überlässt.

  5. Gert
    28. April 2015, 16:28 | #5

    Griechenland erhält jedes Jahr Geld aus den Struktur-Fonds, Agrar-Fonds, Sozial-Fonds, Kohäsions-Fonds. Das ist dazu gedacht, die Wirtschaft und Beschäftigung aufzubauen. Nach Angaben der EU-Kommission hat Griechenland seit Eintritt insgesamt ca. 150 Mrd. Euro erhalten, die EU tut also schon einiges.

  6. Fred
    28. April 2015, 22:50 | #6

    Vielen Griechen ist nicht klar, was eine „Einigung mit der EU“ für das Land bedeutet. Es wäre eine Einigung mit der kapitalistischen Elite zum Ausverkauf des Landes und zur Aufgabe der Autonomie. Sollte es also nur die Wahl zwischen einer solchen Einigung oder dem Euro-Austritt geben, so wie es zur Zeit aussieht, dann wäre Letzteres das kleinere Übel. Griechenland könnte allerdings auch seinen Bankrott und die Zahlungsunfähigkeit erklären und trotzdem im Euro bleiben, rauswerfen kann die EU das Land nicht, höchstens den Geldhahn zudrehen. Es gibt aber genung europäische Privatbanken, die den Markt gerne übernehmen. Syriza muss halt jetzt strategisch gut handeln und das versuchen die Kapitalisten natürlich auch. Möglicherweise plant Tsipras ein Referendum zu einem Einlenken gegenüber dem EU-Programm und holt sich dafür die Genehmigung des Volkes, versaut es sich aber bei der linken Parteibasis womit ein Auseinanderbrechen der Syriza nur noch eine Frage von wenigen Monaten wäre, außerdem würde sich die wirtschaftliche Lage im Land keineswegs verbessern sondern das Dahinsiechen nur weiter hinausgezögert. Meiner Meinung nach wäre der klügste Schachzug, wenn Tsipras der Bevölkerung die Unmöglichkeit eines Kompromisses verdeutlicht und sich per Referendum die Genehmigung für den einiseitig erklärten Staatsbankrott bei gleichzeitiger Ablehnung weiterer Austeritätsmaßnahmen einholt. Damit wäre Griechenland erstmal die Zins- und Kreditrückzahlungen los und könnte einen vernünftigen Haushalt planen und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

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