Griechenland: USA gehen, Grexit kommt

24. März 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 4.061

Während Europa noch die letzten Vorwände aufrecht erhält, zieht die amerikanische Capital Group sich klammheimlich aus Griechenland zurück.

Am späten Donnerstagabend (19 März 2015) endete eine weitere Episode in der Serie der Absurditäten, die wir in den letzten 2 Monaten verfolgen und das berühmte … Game of Throns einer Kindersendung gleichen lässt.

Eine formlose „Begegnung der 7“ kam zu den selben Folgerungen, zu denen auch die Vereinbarung des 20 Februar 2015 gelangt war, die schriftlich auf Papier wiedergab, was die Europäer seit dem Folgetag der griechischen Parlamentswahlen des 25 Januar 2015 sagen: Erst Maßnahmen, dann Geld …

Zeit um zu retten, was noch zu retten ist

Wozu also die ganze Verzögerung und die kontinuierlichen Diskussionen, während der Kurs vorgezeichnet ist? Warum eine solche Untätigkeit im Parlament? Warum sitzen die Abgeordneten herum und widmen sich nicht ihrem Gesetzgebungswerk?

Die Erklärung ist sehr simpel und gleichzeitig dual: Europa wahrt die letzten Vorwände um zu retten, was von dem europäischen Ideal geblieben ist, bevor es Griechenland wohl oder übel hinauswirft, und gleichzeitig verschafft es den immer noch ein großes Engagement auf dem griechischen Markt habenden amerikanischen Firmen Zeit, um sich zurückzuziehen und zu retten, was noch zu retten ist.

Das Flaggschiff dieser Firmen verabschiedet sich klammheimlich von den Aktien der Eurobank und Piräus-Bank, aber auch der Jumbo. Obamas Telefonat erfolgte praktisch, damit den amerikanischen Interessen noch etwas Zeit gegeben wird, vor dem großen Krach zu retten, was sie können …

Griechenland wird letztendlich aus dem Euro ausscheiden, weil:

  1. Ein System mit 3 Mio. Rentnern und 2,5 Mio. Beschäftigten auf dem privaten Sektor ist nicht überlebensfähig. Selbst wenn die Arbeitslosen auf magische Weise Arbeit finden und wir 1,3 Beschäftigte je 1 Rentner haben sollten, wird das Problem nicht gelöst. Es bedarf wenigstens 3 – 4 Beschäftigter je Rentner.
  2. Die Guthabenflucht wegen der politischen und wirtschaftlichen Ungewissheit, welche die Verlängerung des Zeitraums für eine neue Memorandums-Vereinbarung durch die Regierung schafft. Der ELA-Mechanismus ist teurer und er ist nicht unendlich. Wenn es in dieser Woche keine klare Vereinbarung gibt, wird dieses Problem vielleicht explodieren.
  3. Die Zunahme der „roten Kredite“ entweder wegen des Umstands, dass viele von der neuen Regierung eine Art Schuldenerlass erwarteten, oder wegen der Verschlechterung des wirtschaftlichen Klimas vor und nach den Wahlen. Der Anstieg der „roten Kredite“ entzieht der Wirtschaft Liquidität und spannt das Zusammenbruchs-Klima an, macht aber für die Banken auch einen neuen Zyklus der Rekapitalisierungen erforderlich. Die neuen Rekapitalisierungen werden diesmal schwierig den griechischen oder europäischen Steuerzahlern aufgebürdet werden können …
  4. Der Rückgang der staatlichen Einnahmen und Versicherungsbeiträge wegen allen Vorstehendens. Im März wurde diesem Rückgang mit der Aufschiebung der Zahlung von Verpflichtungen des Staates an den privaten Sektor und dem Aderlass der Kassen der Versicherungsträger und anderer öffentlichen Organismen begegnet. Solange sich die Misere der Wirtschaft fortsetzt, werden die meisten Züge der neuen Regierung wohl eher zu ihrer Verschlimmerung als Verbesserung helfen.
  5. Das jüngste Ergebnis der dänischen Parlamentswahlen macht die Genehmigung jeder neuen Vereinbarung Griechenland – EU durch das Parlament dieses Landes außerordentlich zweifelhaft.

Capital Group verlor allein mit der Eurobank 150 Mio. Euro

Marktinformationen zufolge reduziert der amerikanische Investment-Koloss seine Positionen bei griechischen Gesellschaften aus Angst vor dem hohen Risiko, das sich sowohl aus den wirtschaftlichen als auch politischen Entwicklungen ergibt. Die Capital schritt in der vergangenen Woche zu massenweisen Verkäufen griechischer Aktien, sogar auch mit Verlust. Konkret scheint sie zu Verkäufen von Beteiligungen an Eurobank und Jumbo geschritten sein und hat es höchstwahrscheinlich auch bei OTE und OPAP getan.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass die Capital Group ein Haus ist, das Joerg Sponer gehört, der nach den Kontakten von Funktionären der SYRIZA in London die bekannte E-Mail schickte. Damals hatte er geschrieben, das Programm der SYRIZA sei schlimmer als das der Kommunisten. Es hatte Wirbel gegeben, wobei die SYRIZA natürlich erklärte, besagter Funktionär sei nicht zu den Begegnungen mit den Herren Stathakis und Milios gekommen.

Wie die alten Börsenmakler zu sagen pflegten, brachte die amerikanische Capital Group ganze „Wagenladungen“ (ihrer Beteiligung an) der Eurobank zum Verkauf. Jüngst wurde bekannt gegeben, dass die Beteiligung der amerikanischen Investment-Gesellschaft an der Eurobank auf Basis der Gesamtzahl der Stimmen außer jener der Finanzstabilitätsfazilität (FSF) nunmehr 11,53% beträgt (1.094.820.982 Aktien). Erst Anfang vergangenen Dezembers (12/12/2014) betrug der Anteil der Capital 19,37% (1.840.118.315 Aktien), innerhalb eines Vierteljahrs verkaufte sie also 7,85% der Bank.

Dieser Anteil entspricht ungefähr 745 Millionen Stück (die Gesamtzahl der gehandelten Aktien der Gesellschaft) beträgt 14,7 Millionen Stück. Als Resultat ist die Aktie der Eurobank auf historische Tiefstwerte von 0,085 Euro gesunken, wobei ihre Kapitalisierung bei 1,2 Mrd. Euro angelangt ist. Es sei angemerkt, dass die Capital Group, die an der letzten – bei 0,31 Euro erfolgten – Aktienkapitalerhöhung der Eurobank teilnahm, seit Ende 2014 ihre Positionen auch bei anderen griechischen Aktien konstant reduziert, da sich das Landesrisiko und die politische Ungewissheit verstärken.

Stellen Sie sich also vor: Der amerikanische Investor verlor seit Anfang Dezember 2015 allein aus der Aktie der Eurobank (0,31 – 0,085 x 745 Mio.) ungefähr 150 Mio. Euro, während der Präsident seines Landes, des mächtigsten der Welt, mit Merkel telefonierte, angeblich um eine neue Vereinbarung zu erleichtern …

Warum sank die Nacht herab und die Barbaren kamen nicht. Und es trafen Einige von den Grenzen ein und sagten, es gebe keine Barbaren mehr …

(Quelle: sofokleous10)

  1. Edgar Etz
    24. März 2015, 10:00 | #1

    Wieso sollte das „jüngste Ergebnis“ der dänischen Wahlen Auswirkungen auf eine „neue Vereinbarung Griechenland – EU“ haben? Auf welche Vereinbarung?

  2. LiFe
    24. März 2015, 12:53 | #2

    USA hat sich neu orientiert. Neidvoll kann Griechenland auf Kuba blicken. Die Entspannungspolitik hat Kuba gut getan. Der Tourismus boomt und in absehbare Zeit wird das Land wirtschaftlich wachsen. Entspannungspolitik könnte Griechenland gut gebrauchen. Es waren zu viele negative Schlagzeilen, die dem Land geschadet hat.

  3. george
    24. März 2015, 13:00 | #3

    Hoffentlich liest diesen Kommentar auch Tsipras und sein Spieletheoretiker!

  4. horu
    28. März 2015, 08:16 | #4

    Und während die EU, Griechenland und die USA ihre taktischen Spielchen treiben, passiert Folgendes:
    1. Wieder mal können die Spekulanten und Heuschrecken ihre Schärfchen ins Trockene bringen.
    2. GR wird die letzten Mrd.einsacken über ELA, T-Bills, Umleitung von Subventionen
    3. Der „Kleine Grieche“ hebt seine Euros ab oder transferriert sie ins Ausland
    4. Und die griechische Regierung plündert die dortigen öffentlichen und Sozialkassen.
    Fazit: der ohnehin grosse Verlust der EUSteuerzahler wird maximiert, die Griechen werden bei Eintritt des Grexit so im Eimer sein, dass sie ins Mittelalter zurückgeworfen werden und das Grosskapital kann sich mit dem geretteten Geld den nächsten Kandidaten herauspicken, der fertiggemacht wird. Prima gemacht, geradezu alternativlos – danke, Europa!

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