Steuerhinterziehung ist nicht nur Griechenlands Problem

28. Februar 2015 / Aktualisiert: 03. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.175

Laut dem Leiter des Bruegel-Instituts ist die Steuerhinterziehung nicht nur ein griechisches, sondern auch ein europäisches Problem.

Guntram Wolff, Leiter der „Denkfabrik“ Bruegel in Brüssel, gab dem deutschen Programm der Deutschen Welle ein Interview bezüglich der Entwicklungen im Thema Griechenland.

Die erste ihm gestellte Frage bezog sich darauf, dass die Liste der von der neuen griechischen Regierung zugesagten Reformen die Bekämpfung der Steuerhinterziehung und Korruption als erste Priorität setzt. Ist so etwas jedoch nicht selbstverständlich?

Die vorherige Regierung ging nur halbherzig vor

Natürlich ist es selbstverständlich, und es ist gut, dass die neue Regierung es betont. Die Steuerhinterziehung ist ein großes Problem. Ebenfalls ein großes Problem ist, dass das Steueraufkommen hauptsächlich die Mittelschicht und nicht die Starken belastet. Aus diesem Grund ist es ein richtiger Entschluss. Die Frage ist natürlich: Was können wir tun?„, antwortete Guntram Wolff und fuhr fort:

Die vorherige Regierung versuchte halbherzig, es zu erreichen, war jedoch stets erfolglos, weil der Druck von den Starken sehr groß war, aber auch, weil sie zum Teil von den Oligarchen finanziert wurde. Mit der neuen Regierung sind die Dinge anders, weil sie über eine breite Zustimmung verfügt, so etwas zu tun. Es ist ein schwieriges Thema. Es ist jedoch wichtig, dass wir auf europäischer Ebene zusammenarbeiten. Die Steuerhinterziehung ist nicht nur ein griechisches Problem, sie ist auch ein europäisches.

Bedeutet dies, dass die übrigen Europäer Athen helfen könnten, die reichen Griechen ausfindig zu machen, die Steuern hinterziehen?

Ja, ich denke, etwas solches müsste Teil des Pakets sein. Teilweise befinden die Konten sich natürlich in der Schweiz. Aber auch dort könnte die EU das Thema in seiner Gesamtheit anders angehen als Griechenland allein.

Griechenland braucht eine Chance

Griechenland stütz sich wirtschaftlich seit Jahren auf die Partner. Im Land fehlen jedoch immer noch diverse Basisstrukturen, wie beispielsweise das Nationale Grundbuch. Warum beharren Gläubiger / Troika nicht darauf?

Ich denke, sie haben darauf beharrt. Es muss jedoch klar sein, dass es schwer ist, einen Staat von außen zu reformieren. Etwas solches fordert eine Sisyphos-Anstrengung. Unter dem Strich hängt es davon ab, was die Regierungen unternehmen wollen. Und Griechenland verwendete in den letzten Jahren seine Energie darauf, das Defizit einschränken zu können. Und sie haben tatsächlich viel erreicht. Es gab nicht mehr die politische Kraft und den politischen Willen, auch andere Themen zu lösen. Wir müssen Realisten sein: wir können Griechenland nicht über Nacht zu Schweden machen.

Was schließlich den Vergleich Griechenlands mit Irland betrifft, betont Guntram Wolff, dass Irland eine konsolidierte wirtschaftliche Struktur hatte. Im Gegensatz zu Griechenland beruhte Irlands Krise auf der Immobilienblase und nicht auf ernsthaften strukturellen Problemen.

Schließlich glaubt Guntram Wolff, diese Krise sei nicht leicht zu überwinden, weil die Verschuldung riesig ist. Es wird sich das Szenarium wiederholen, gemäß dem die Griechen eine signifikante Entlastung wollen, und auf der anderen Seite werden strukturelle Änderungen verlangt, die zeitraubend sind. Jedenfalls meint er, die Dinge befinden sich derzeit auf einem guten Weg und es sei richtig, Griechenland eine Chance zu geben.

(Quelle: Imerisia, basierend auf einer Publikation der DW)

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  1. gr-klaus
    28. Februar 2015, 16:31 | #1

    „Die vorige Regierung ging nur halbherzig vor“ im Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung. Die beiden Alt-Parteien ND + Pasok der vorigen Regierung haben den „Staat als Beute“ betrachtet (Prof. Heinz A. Richter) und durch die abwechselnden Regierungen das Klientel-System ihrer Parteien mit den Kredit-Verträgen/Staatsschulden finanziert. Die sind in diesem Kampf nicht „halbherzig vorgegangen“, die haben das System verstärkt fortgeführt. Die linken Politiker der neuen Regierung war von diesem System ausgeschlossen und bei deren Integrität besteht jetzt endlich Hoffnung auf einen echten
    Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung.

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