Griechenland gewann eine Schlacht, jedoch nicht den Krieg

22. Februar 2015 / Aufrufe: 2.205

In seiner Ansprache nach der Eurogruppe des 20 Februar 2015 erklärte Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras, dem Volk immer die Wahrheit sagen zu werden.

Gestern wahrten wir die Würde des Landes und hielten es aufrecht und wendeten die Pläne der blinden konservativen Kräfte ab, Griechenland am 28 Februar 2015 zu ersticken, erklärte der griechische Premierminister Alexis Tsipras in einer im Fernsehen übertragenen öffentlichen Ansprache, in der er sich auf die Ergebnisse der Eurogruppe des 20 Februars 2015 bezog, die Athen eine viermonatige Verlängerung gewährte.

Lesen Sie nachstehend Alexis Tsipras‘ Botschaft an das griechische Volk in Zusammenhang mit dem Beschluss der Eurogruppe in deutscher Übersetzung.

Zum ersten Mal eine wirkliche Verhandlung

Griechenland erzielte gestern (20 Februars 2015) in Europa einen signifikanten Verhandlungserfolg. In einer harten und schwierigen, vielleicht zum ersten Mal wirklichen Verhandlung setzen wird Ziele, waren vereint, zeigten Entschlossenheit, aber auch Flexibilität, erreichten zum Schluss unser grundsätzliches Ziel.

Ich danke von Herzen all Ihnen, der überwältigenden Mehrheit der Griechinnen und Griechen, die der griechischen Regierung zur Seite standen. Die war der maßgeblichste Beitrag, unsere stärkste Verhandlungswaffe. Mit dieser maßgeblichen Unterstützung gewannen wir gestern eine Schlacht, jedoch nicht auch den Krieg. Die Schwierigkeiten, die wirklichen Schwierigkeiten, nicht nur jene, die sich auf die Verhandlung und die Beziehung zu den Partnern beziehen, liegen noch vor uns.

Vor ungefähr zwanzig Tagen übernahmen wir ein Land am Rand des Abgrunds, mit leeren Kassen und einem Mangel an Liquidität. Und gleichzeitig gefangen in einem absichtlich erstickenden Zeitplan, weil gewisse Kreise das Szenarium des anti-memorandischen Intermezzos planten und sich dabei nicht um die Auswirkungen dieser Pläne auf die bereits strapazierte Wirtschaft und das durch Memoranden geplünderte Vaterland kümmernd.

Gestern annullierten wir Ihre Pläne. Wir wendeten den Plan der blinden, konservativen Kräfte innerhalb und außerhalb des Landes ab, Griechenland am 28 Februar zum Ersticken zu bringen. Wir hielten Griechenland würdevoll und aufrecht. Und wir bewiesen, dass Europa eine Ebene der Verhandlung und einvernehmlichen tragbaren Kompromisse und nicht eine Ebene der Eliminierung, Unterwerfung und blinden Bestrafung darstellt. Und in diesem Sinn ist vielleicht der gestrige Tag für Europa bedeutender als für Griechenland selbst.

Die gestrige gemeinsame Bekanntmachung der Eurogruppe stellt eine Grundsatz-Rahmenvereinbarung dar, die den Zeitraum zwischen dem Memorandum und unserem eigenen Konjunkturplan überbrückt. Es ist eine Vereinbarung, die in der Praxis die Zusagen der vorherigen Regierung über Kürzungen bei Löhnen und Renten, Entlassungen öffentlicher Bediensteter, Erhöhungen der Mehrwertsteuer bei Lebensmitteln, Medikamenten und touristischen Infrastrukturen annulliert. Sie annulliert in der Praxis die Austerität und die Mechanismen, die diese aufzwingen, wie es die utopischen und rezessiven Primärüberschüsse sind. Sie schafft einen institutionellen Rahmen für die Umsetzung der notwendigen, progressiven Reformen, die sich auf die Bekämpfung der Korruption und der Steuerhinterziehung, die Umstrukturierung des Staates, aber auch die Dämpfung der humanitären beziehen, was eine allererste Aufgabe darstellt.

Wir haben viel erreicht, innerhalb der Eurozone

Griechinnen, Griechen. Innerhalb weniger Tage haben wir viel erreicht. Wir haben jedoch noch einen langen und schwierigen Weg vor uns. Das griechische Volk weiß es. Es hat im übrigen eine Regierung, die ihm immer die Wahrheit sagen wird. Weil unsere einzige Macht seine Unterstützung und sein Vertrauen sind. Gestern machten wir also einen entschlossenen Schritt und ließen die Austerität, die Memoranden und die Troika hinter uns. Einen entschlossenen Schritt zur Kursänderung innerhalb der Eurozone.

Die Verhandlung endete jedoch gestern nicht. Die Verhandlung tritt jetzt in ein neues, essentielleres Stadium bis zur finalen Vereinbarung über den Übergang von der Politik der Memoranden der Zerstörung zur Politik des Aufschwungs, der Beschäftigung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. In diesen stetigen und schwierigen Kampf.

In dieser substantiellen Verhandlung mit Horizont den kommenden Juni wird die griechische Regierung mit noch größerer Entschlossenheit voranschreiten. Mit Leitfaden immer die Rehabilitation unser nationalen und Volkssouveränität. Und mit einzigem Mitstreiter, Beistand, aber auch strengem Kritiker das griechische Volk. Mitstreiter, aber auch aktiven Teilhaber in der großen Bemühung um die politische Wende und die gesellschaftliche Rettung. Unser gemeinsamer Kampf geht weiter.

(Quelle: Büchse der Pandora)

  1. Ronald
    22. Februar 2015, 01:37 | #1

    Eine wirklich objektive Analyse der Verhandlungsergebnisse …

  2. Naja
    22. Februar 2015, 04:58 | #2

    Tsipras redet das Ergebnis ziemlich schön. Das Memorandum läuft quasi weiter, nur die Troika heißt nicht mehr Troika und die Abgabe vom Haushaltsüberschuss ist nicht mehr festgelegt. Und? GR muss nun wegen jeder geplanten Reform in Brüssel und Berlin vorsprechen und betteln. Von Syrizas Wahlversprechungen werden die Kapitalisten wenn überhaupt nur die belanglosen Dinge durchgehen lassen. Wenn es ans Eingemachte geht, nämlich die Privatisierungen oder den Mindestlohn, wird Syriza die geballte Macht des Kapitals zu spüren bekommen!

    PS: Ich war vor den Verhandlungen strickt gegen den Grexit, aber jetzt sehe ich, dass es innerhalb der Eurozone für Griechenland unmöglich sein wird, eine alternative Politik zu machen. Also sollte sich Syriza langsam aber sicher auf den Euro-Ausstieg vorbereiten. Ich denke das haben auch Varoufakis und Tsipras in der letzten Woche gelernt.

  3. Ego
    22. Februar 2015, 09:13 | #3

    Tsipras ist in einer prekären Zwickmühle. Auf der einen Seite der sich ständig erhöhende Druck der EU, auf der anderen Seite das hoffnungsfrohe griechische Volk, das jetzt erwartet, daß die Wahlversprechen rasch umgesetzt werden. Ein halbes Jahr ist da schnell vorüber.

  4. Gunni
    22. Februar 2015, 09:59 | #4

    Es wird sich zeigen, ob Tsipras nur ein populistischer Schwätzer ist oder ob er mit nachhaltigen Reformen mit sozialen Aspekten Griechenland reformieren kann. Von theatralischem Getöse und Fantastereien wird niemand satt!

  5. verena wald
    22. Februar 2015, 12:34 | #5

    danke für die Übersetzung dieser rede. sie läßt hoffen, daß mit der neuen griechischen Regierung ein anderer Menschenschlag die politische macht übernommen hat. ich hoffe, daß sich das bei der Wahl in Spanien mit podemos fortsetzen wird. und die politischen Machthaber endlich wieder die Interessen der menschen und nicht die der „märkte“ im Focus ihrer handlungen haben.

  6. wahain
    22. Februar 2015, 17:12 | #6

    Alexis Tsipras wird Wort halten – muss es auch, sonst wird er vom Volk verjagt und das Chaos geht weiter. Bürgerunruhen, Aufstände, Terror usw. wären die Folgen. Er und Yanis Varoufakis sind die neuen Helden Griechenlands. Sie werden sich nicht den EU-Diktatoren beugen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand und haben nichts zu verlieren. Sie möchten mit Europa die unsägliche Schuldenpolitik und die immense Geldverschwendung durch sogenannte Hilfspakete beenden und einen neuen Weg gehen. Europa wäre gut beraten, dabei mitzumachen.

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