Griechenland: Die Kollision, die erfolgen musste

2. Februar 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2019 / Aufrufe: 1.637

Die SYRIZA-Regierung in Griechenland wagte endlich die Kollision bezüglich der Entfernung der Troika, die schon viel früher hätte erfolgen müssen.

Die Kollision der neuen Regierung in Griechenland unter Alexis Tsipras wegen der Entfernung der Troika war unvermeidlich. Noch viel mehr, sie musste erfolgen – und zwar sehr viel früher.

Eine Troika wollte auch die Regierung Samaras nicht (Anmerkung: Samaras hatte im Juni 2012 die Wahlen nicht zuletzt aufgrund seines Versprechens gewonnen, das Memorandum neu verhandeln zu werden …), und dies war eins ihrer Hauptanliegen an die Gläubiger. In einem der hoffnungslosen Versuche seiner Regierung strebte Samaras gegen Ende 2014 sogar an, das Ende der Troika anzukündigen.

Samaras vergeudete sein politisches Kapital

Ein weiteres Ziel der Regierung Samaras war die Durchführung einer politischen Verhandlung und die obligatorische Bedingung, dass sich die Troika „vom Acker“ macht, die nicht nur politisch nicht zuständig ist, sondern mittels technischer Argumente kontinuierlich das Waffenarsenal Deutschlands bereicherte, das wiederum seinerseits die technische Hilfe der Troika ausnutzte, um sich der politischen Diskussion mit Griechenland zu entziehen.

Somit hatten wir auf der einen Seite den Teufelskreis der Austerität und auf der anderen Seite den Teufelskreis der stetigen Schwächung der griechischen Positionen, während die Wandlung Griechenlands in eine „Schuldenkolonie“ sich kontinuierlich vertiefte. Beide diese Zyklen hätten sich fortgesetzt, solange Griechenland sich nicht zur Kollision entschließen würde.

Die Regierung Samaras – die ihre Amtszeit mit frommen Ersuchen und verzweifelten Bitten vertat, die niemals erhört wurden – versuchte ihre Position bezüglich der Entfernung der Troika hinauszuposaunen, als sie bereits ihr gesamtes politisches Kapital verbraucht hatte und innerhalb und außerhalb des Landes „abgeschrieben“ war.

Schlechte Nachricht für Spekulanten, gute Nachricht für Griechenland

Sobald ihre Stunde kam, beschloss die Regierung Tsipras – einen starken Auftrag des Volkes in den Händen habend – umgehend, der beste Augenblick für die Entfernung der Troika sei jetzt, also vor der (anhängigen) Verhandlung mit den Europäern und bevor sie – wie die Regierung Samaras – jede Spur der Seriosität verpfändet. Und sie hat Recht.

Wäre die „technische“ Verhandlung vorausgegangen, wie es die Deutschen wollten, wäre Griechenland der erste Zügel angelegt worden, noch bevor es am Tisch der politischen Verhandlung angelangt, und das Spiel wäre mit dem „Guten Morgen“ verloren gewesen. Natürlich hat die Schlacht gerade erst einmal begonnen und in der kommenden Woche werden wir ihren ersten Höhepunkt sehen. Und sie ist nicht nur nicht verloren, sondern sammelt bereits große Wahrscheinlichkeiten eines griechischen Erfolgs.

Die große Sache ist auf jeden Fall, dass Tsipras beschloss, nicht zu einem Samaras zu werden. Dies mag eine sehr schlechte Nachricht für all jene sein, die zynisch in das Scheitern investieren, ist jedoch eine sehr gute Nachricht für das Land. Die Regierung Tsipras muss in dieser nationalen Bemühung unterstützt werden, ohne Misere und Halbherzigkeiten …

(Quelle: To Pontiki, Autor: Stavros Christakopoulos)

Relevante Beiträge:

KategorienMeinungen, Politik
Tags: , ,
  1. windjob
    2. Februar 2015, 13:17 | #1

    Ich wünsche Herrn Tsipras, dass er dieses Tempo und die Konsequenz durchhält. Dass er Merkel erst mal ignoriert finde ich toll. Wenn ich die Töne von Kauder und Konsorten höre merke ich schon wie weh ihnen die Brüskierung tut. Wie heisst es so schön: Hochmut kommt vor dem Fall. Herr Tsipras, weiter so und viel Erfolg.

  2. Ronald
    2. Februar 2015, 22:35 | #2

    Die einzige Kollision die ich sehe, ist die Kollision der griechischen Regierung (bzw. des griechischen Wahlvolkes) mit der Realität. Und die erfolgt in Zeitlupe …

  3. Michael
    3. Februar 2015, 13:50 | #3

    Entweder Griechenland oder Deutschland und andere verlassen den Euro wieder.

Kommentare sind geschlossen