Grexit könnte Deutschland 150000 Arbeitsplätze kosten

12. Februar 2015 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 2.212

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone würde Deutschland den Verlust von bis zu 150000 Arbeitsplätzen kosten.

Zu einer Stunde, wo die Diskussion über ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone wieder angeheizt worden ist, warnen nicht wenige Analysten vor den Gefahren, die ein „Grexit“ impliziert. Dieser könnte zu einem signifikanten Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland führen, schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ein.

Die deutsche Wirtschaft würde in einem Zeitraum von zwei Jahren ungefähr 80.000 bis 150.000 Arbeitsplätze verlieren„, erklärte aus Genf gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur Ekkehard Ernst, Experte in Arbeitsmarkt-Themen.

Schlag für die deutschen Exporte

Ein solcher Verlust würde einem prozentualen Anstieg des Arbeitslosigkeits-Indexes um 02,% bis 0,3% bedeuten. „In diesem Fall sprechen wir nur von einem möglichen Szenarium„, stellte der deutsche Volkswirt klar. Wie er persönlich einschätzt, würde ein eventuelles Ausscheiden Griechenlands aus der gemeinsamen Währung eindeutige Ungewissheiten hervorrufen, unter anderem auch in Deutschland. Daher würde dies die Möglichkeiten der deutschen Unternehmen erschweren, sich Gelder zu leihen, die für neue Investitionen bestimmt sind.

Zusätzlich könnten Länder wie Italien und Frankreich unter einem eventuellen Grexit leiden„, fügte Herr Ernst an. Dies hätte zum Resultat, dass die ausländischen Staaten nicht in der Lage sein werden, das heute Niveau der Importe aus Deutschland beizubehalten. „Folglich besteht weniger eine direkte Beziehung zu Griechenland, sondern es geht hauptsächlich um indirekte Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt„, erklärte der Experte der ILO.

Schwierigkeiten würde Deutschland laut Ekkehard Ernst möglicherweise auch als Gläubiger-Land begegnen, da im Fall des Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro die Tilgung der Kredite schwierig werden würde. „Griechenland hätte wieder die Drachme als Währung, würde jedoch einen großen Teil der Schulden in Euro tilgen müssen„, unterstrich der deutsche Volkswirt und schätz ein, dass ein wirtschaftlich schwacher griechischer Staat schnell an die Grenzen seiner Belastbarkeit gelangen würde.

(Quelle: Imerisia, Autor: Aris Kaltirimtzis – Deutsche Welle)

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  1. Mark
    12. Februar 2015, 23:58 | #1

    „Back to Drachme“ wird es bestimmt nicht gehen, das wird erstens Europa (und indirekt die USA) nicht zulassen, aber auch ist das kein Ziel der griechischen Regierung. Tsipras, obwohl jung für sein Amt, ist nicht dumm. Er weiß ganz genau, dass Griechenland – zumindest nicht jetzt – finaziell in der Lage ist, sich so etwas zu leisten, denn es gibt immer noch zu viele Wirtschaftsprobleme bei uns, sind also noch kein so starker Staat. Kurzzeitig würden wir ein paar gute Dinge erzielen und generell wäre solch ein Szenario von Vorteilen geprägt. Doch nach einiger Zeit würde es ernste Probleme geben, und zwar wahrscheinlich schlimmere als jetzt … .
    Und noch etwas zu guterletzt, falls es ein Trost ist für die Deutschen, falls, sagen wir mal, so etwas passieren würde: Ihr würdet 150.000 Arbeitslose bekommen, in einem Zeitraum von nur 2 Jahren, und das in einem Industrieland mit 82 Mio. Menschen … . Griechenland anderseits, ein Land mit 11 Mio. Menschen, hat in nur 5 Jahren mit dieser Sparpolitik 1 MILLION neue Arbeitslose dazu bekommen, 7.000 Selbstmorde und über 200.000 größtenteils gut gebildete Menschen sind ausgewandert!

  2. Ernesto
    15. Februar 2015, 12:17 | #2

    Griechenland kommt gar nicht darum herum, aus dem Euro auszusteigen. Ein Staat kann nicht auf dauer von „Hartz IV“ leben. Er muss schon etwas selbst erwirtschaften und das kann man nur, wenn man wettbewerbsfähige Strukturen aufbaut. Das geht aber nur, wenn man aus dem Euro aussteigt. Erstens wird dadurch das Schuldenmachen weniger attraktiv, zweitens werden die Produktionskosten niedriger, drittens müssen die Unternehmen lernen, sparsamer und effektiver zu werden, viertens nimmt die Korruption ab, weil generell weniger Gelder fließen. Im Grunde genommen müssen sich die Griechen vom europäischen Lebensstandard verabschieden, um wieder auf die Füße zu kommen. Vor allem sollten sie einen Tourismus aufbauen, der unabhängig von ausländischen Geldgebern ist. Was einem nicht wirklich gehört, wird auch nicht geachtet.

  3. george
    11. März 2015, 13:37 | #3

    Das Problem ist nach wie vor die Konsolidierung der griechischen Staatsfinanzen. Darauf sollten sich alle Griechen konzentrieren. Das fängt an mit Ehrlichkeit bei den Steuern und daß man diese auch tatsächlich bezahlt. Ob Deutschland 150000 Arbeitslose durch einen Grexit bekommt ist eigentlich für Griechenland unerheblich und nicht zielführend. (->Konsolidierung Staatsfinanzen), das ist ein Problem, das Deutschland lösen muss und auch lösen wird. Nachdem Griechenland seine Probleme seit Jahren kennt, geht es jetzt darum, die vielen Pläne in der Praxis umzusetzen. Der schönste Plan nützt nichts, wenn der Wille (?) fehlt, in auszuführen.

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