Glezos mischt Regierung in Griechenland auf

23. Februar 2015 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.335

Manolis Glezos bittet in einem Artikel das griechische Volk um Entschuldigung wegen seiner Mitwirkung in der Illusion der Befreiung von Troika und Austerität.

Manolis Glezos, der heftig auf die am vergangenen Freitag (20 Februar 2015) zwischen der Eurogruppe und Griechenland getroffene Vereinbarung reagiert, attackiert hart die Regierung und Alexis Tsipras. Wir tauften das Fleisch in Fisch um, meint der historische Funktionär der Linken in einem harten Text, der in der Partei intensive Reaktionen hervorrufen wird.

Ich bitte um Entschuldigung„, schreibt Manolis Glezos in Großbuchstaben, weil – wie er anführt – „ich in dieser Illusion mitwirkte„, also der Abschaffung der Troika. „Zwischen Unterdrücker und Unterdrücktem kann es grundsätzlich keinen Kompromiss geben, wie genau auch nicht zwischen dem Sklaven und dem Eroberer, Lösung ist nur die Freiheit. Aber auch wenn wir diese Absurdität akzeptieren, die von den vorherigen Memorandums-Regierungen bereits gemachten Zugeständnisse mit der Arbeitslosigkeit, der Austerität, der Armut, den Freitoden übersteigen jede Grenze des Nachgebens.

Der gesamte von Manolis Glezos veröffentlichte Text

Die Umbenennung der Troika in Institutionen, des Memorandums in Vereinbarung und der Gläubiger in Partner, so wie man auch das Fleisch in Fisch umtauft, ändert nicht die vorherige Lage. Und sie ändert natürlich auch nicht die Stimme des griechischen Volkes bei den Wahlen des 25 Januars.

Es wählte das, was die SYRIZA versprach: wir schaffen das System der Austerität ab, das allein eine Strategie der Oligarchie Deutschlands und der anderen Gläubigerländer der EU, aber auch der griechischen Oligarchie ist. Wir schaffen die Memoranden und die Troika ab, wir schaffen alle Austeritäts-Gesetze ab. Am Folgetag der Wahlen schaffen wir mit einem Gesetz die Troika und ihre Folgen ab.

Es ist ein Monat verstrichen und die Ankündigung ist immer noch nicht in die Praxis umgesetzt worden. Schade, und wieder schade. Meinerseits BITTE ICH das griechische Volk UM ENTSCHULDIGUNG, weil ich bei dieser Illusion mitgewirkt habe.

Bevor jedoch das Unglück voranschreitet, lassen wir uns reagieren, bevor es zu spät ist. Allem voran sollen die Mitglieder, Freunde und Anhänger der SYRIZA in außerordentlichen Versammlungen aller Stufen der Organisation beschließen, ob sie diese Situation akzeptieren. Manch vertreten, bei einer Vereinbarung müsse man auch selbst Zugeständnisse machen.

Zwischen Unterdrücker und Unterdrücktem kann es grundsätzlich keinen Kompromiss geben, wie genau auch nicht zwischen dem Sklaven und dem Eroberer, Lösung ist nur die Freiheit. Aber auch wenn wir diese Absurdität akzeptieren, die von den vorherigen Memorandums-Regierungen bereits gemachten Zugeständnisse mit der Arbeitslosigkeit, der Austerität, der Armut, den Selbstmördern übersteigen jede Grenze des Nachgebens.

Antwort aus Regierungskreisen

In Zusammenhang mit dem Artikel des EU-Abgeordneten der SYRIZA kommentieren Regierungsquellen, „es ist wahrscheinlich, dass Manolis Glezos über die harte und schmerzhafte Verhandlung, die weitergeht, nicht gut informiert. Wir verhandeln für die Zurückgewinnung der Würde des griechischen Volkes.

(Quelle: Imerisia)

  1. Stipsi Fan
    23. Februar 2015, 12:18 | #1

    Es ist ein wenig schade, wenn Herr Glezos Herrn Tsipras jetzt „in den Rücken fällt“. Man sollte mal die Bilanz von Tsipras und Varoufakis anschauen: Jeder ist jetzt über die Verelendung der Griechen informiert, es wurde bekannter, dass das Geld nicht Menschen, sondern Banken zugute kam, die Diskussion über Demokratieverlust durch die Aktivität von Gläubigerbanken hat vor den Augen der Öffentlichkeit begonnen, die Verlogenheit der europäischen Politiker und Medien ist durch die Veröffentlichung der Texte durch Varoufakis aufgedeckt… Wenn es Tsipras jetzt gelingt, innerhalb der Flexibilität durch Einnahmen, die vorher nie generiert wurden (Korruption, Schmuggel etc) einen Freiraum für soziale Abfederung zu schaffen, hat er was Großartiges vollbracht. Man muss denen auch einfach mal eine Chance geben. Das wichtigste aber ist, dass eine Entscheidung die Griechen fallen zu lassen, nun vor den Augen der Weltöffentlichkeit getroffen werden müsste. Ich glaube nicht, dass sich das jemand traut.
    Man kann nur sagen: Herzlichen Glückwunsch Herr Tsipras und Herr Varoufakis: Alles richtig gemacht. Das sagen auch immer mehr Kommentare sogar in der mehr konservativen Presse!

  2. h.kuebler
    23. Februar 2015, 13:29 | #2

    Tja, da hat sich wohl jemand verzockt. Vielleicht wäre Diplomatie eine besssere Strategie gewesen. Wenn ich bei meiner Bank eine günstigere Kreditverlängerung erreichen möchte, dann würde ich sicher nicht vorab den Bankdirektor beschimpfen.

  3. Calimero
    23. Februar 2015, 13:56 | #3

    Ist da in der Übersetzung nicht ein kleiner Lapsus unterlaufen? Es muß bestimmt heißen: „Zwischen Unterdrücker und Unterdrücktem kann es grundsätzlich keinen Kompromiss geben„.

    Ansonsten teile ich Glezos Einwände. Es besteht die Gefahr, dass die neue Regierung systematisch weichgeklopft wird. Daher muß der Druck vom Volk massiv und unnachgiebig sein. Wenn es in Griechenland eine Veränderung zum Positiven geben kann, dann nur mit dieser neuen Regierung. Sie ist die einzige Chance uns sie braucht Rückhalt und Kontrolle! Eine Rückkehr zu den alten Parteikadern oder gar eine Faschistenregierung unter der Chrysi Avgi wären die Katastrophe und die endgültige Abwicklung des Landes, seiner Geschichte und seiner Menschen!

  4. Team
    23. Februar 2015, 15:20 | #4

    @ Calimero
    Danke für den Hinweis, stimmt natürlich.

  5. Ronald
    24. Februar 2015, 00:36 | #5

    Manolis Glezos handelte in seinem Leben nach der Maxime „Freiheit oder Tod“. Das kann man zu seiner persönlichen Lebensphilosophie machen, darf es aber nicht anderen und schon gar nicht ganzen Nationen auferlegen. Vielleicht taugt auch der Mensch (nicht nur „der Grieche“) des dritten Jahrtausends einfach nicht mehr zum Helden.
    Die Syriza hat mehr versprochen, als sich weiter aus den EU-Töpfen zu bedienen. Sie hat versprochen, das Land innenpolitisch zu reformieren und neu aufzustellen. Das war nicht Plan B, sondern Teil B des Plans A. Gelingt ihr dies, wird nicht nur sie, sondern auch Griechenland den bisher versagten Respekt Europas erwarten können.

  6. Omorfos
    24. Februar 2015, 02:37 | #6

    Wirklich schade was Glezos da macht. Es prasselt von allen Seite auf Tsipras und Varoufakis ein und da braucht es nicht zusätzlich ein Stich in den Rücken,. Die Verhandlungen sind noch lange nicht abgeschlossen also ist sein Urteil zu schnell gefällt. Vorallem Varoufakis der aus den USA zurück kam um das griechische Volk zu retten der eigentlich kein Politiker ist jettet von einem Ort zum anderen und tut alles was in seiner Macht steht um überhaupt etwas zu erreichen. An die Redakteure hier in sofern sie das bisher noch nicht getan haben bitte einen Artikel dazu suchen der besagt das die „Troika“ im Dezember das Hilfspaket für die nächsten 6 Monate verlängern wollte, Samaras aber auf nur Zwei Monate bestanden haben soll, wohlwissend das Ende Januar Wahlen anstanden und eine eventuell neue Regierung sofort in den Sog gezogen wird und droht zu scheitern weil sie überhaupt keine Zeit hat etwas Umzusetzen weil sie ihre Energie in die Verlängerung der Tranchen stecken muss. Gelinde gesagt wäre das für mich Hochverat am griechischen Volk

  7. GR-Block
    24. Februar 2015, 02:44 | #7

    Üblicherweise ist es die Jugend, die ungeduldig ist und sofort Veränderungen will. Allerdings haben wir hier einen Sonderfall. Mit 92 würde ich auch keine zweite Legislaturperiode abwarten wollen. Also Alexi, dann halte dich mal ran. Und Manoli, dir wünschen wir alle: „Να τα εκατοστήσεις!“

  8. Steppi
    24. Februar 2015, 04:35 | #8

    Die Griechen könnten viel höher pokern, die EU blufft nur, nichts fürchten die mehr als das 1 Land die Euro-Zone verlässt, es würde ein Mechanismus gestartet der die EU völlig zerfallen lässt und man will Europa mit dem EU-Tool noch gerne länger ausplündern – Dazu ist es geopolitisch sehr wichtig, Nato etc. – Griechenland näher an Russland, das wäre für die Bande der Horror, mein Tipp: Viel viel höher pokern und Zypern würde mitziehen, das würde das Leiden der ganzen EU nicht noch verlängern, auch hier ist es nur noch beschissen … die EU ist schon tot, man sollte sie endlich beerdigen und den Europäern wieder Luft zum durchatmen geben

  9. GR-Block
    24. Februar 2015, 19:30 | #9

    Das mit dem Pokern ist so ’ne Sache. Wenn Varoufakis seinen Amtskollegen Schäuble zu sehr über den Tisch zieht, könnte dessen Regierung im eigenen Lande ins Wanken kommen. Denn die Deutschen erwarten von ihren Politikern Strenge gegen die „Schweine“. Da ist die Anregung des griechischen Verteidigungsministers, Kredite auch von Russland oder China ins Land zu lassen, natürlich hilfreich. Denn vor dieser „Gefahr“ fürchten sich deutsche Wähler so sehr wie der Teufel vor dem Weihwasser. Sie würden fast alles akzeptieren, um nicht den Lebensraum im Süden mit dem Osten zu teilen.

  10. pyramis
    24. Februar 2015, 19:52 | #10

    Die Entschuldigung von Manolis Glezos nehme ich mit grossem Mitgefühl an und wünsche ihm alles Gute und viel Kraft um diese Enttäuschung zu verdauen und rauszuscheissen (sorry – geht mir nichts anderes durchs Gehirn). Er hat viel erlebt, als dass er jetzt mit dieser Trauer leben müsste, Kopf hoch und Staub abwischen – mit der Hoffnung dass der Kampf „Wir verhandeln für die Zurückgewinnung der Würde des griechischen Volkes“ erst begonnen hat!

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