5 Mythen der Deutschen über Griechenland

13. Februar 2015 / Aufrufe: 4.293

Die deutsche Zeitung Die Zeit demontiert 5 Mythen über Griechenland, die in Deutschland vorsätzlich gehegt und geschürt werden um die öffentliche Meinung irre zu leiten.

Warum wir die Griechen falsch verstehen (wollen)“ lautet der Titel eines Artikels in der elektronischen Ausgabe der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, in dem eine Richtigstellung von „Mythen“ angestrebt wird, die seit Beginn der Krise in der deutschen öffentlichen Meinung in Zusammenhang mit Griechenland vorgeherrscht haben.

Der griechischen Regierung ist häufig Unrecht getan worden: Erklärungen sind verzerrt worden, Daten sind falsch interpretiert worden (…). Erklärungen und Gesten griechischer Minister werden entweder überinterpretiert oder schnell falsch ausgelegt„, führt der Redakteur an und zitiert fünf derartige Ansichten:

1. Die griechischen Reeder zahlen keine Steuern

Die griechische Steuerverwaltung ist schwach und ineffizient – unbestritten„, wird in dem Artikel angeführt und unterstrichen, dass dieses Argument häufig in der deutschen Presse verwendet wird, zusammen mit Fotos reicher Griechen, die ihr Geld auf Partys oder bei Pferderennen ausgeben.

In der Tat zahlen die Reeder in Griechenland keine besonders hohen Steuern und ein Grund dafür ist, dass sie nicht auf Basis ihrer Gewinne, sondern – wie erklärt wird – gemäß einem seit 1957 geltenden Gesetz einfach nach der Größe ihrer Schiffe oder Tonnage besteuert werden. Dabei wird betont, dass üblicherweise übersehen wird, dass diese Regelung in fast allen Staaten mit Seefahrt gilt. Selbige deutsche Reeder senkten ihre Besteuerung Ende des Jahrzehnts der 90er Jahre.

2. Die Griechen sind faul und geben das Geld der anderen Länder aus

Es handelt sich um eine unerhörte Kampagne, die von der Bild-Zeitung gestützt und hauptsächlich durch Erklärungen der Christlichen Sozialdemokraten (CSU) geschürt wird, schreibt die Zeit und stellt klar, dass gemäß den Daten der OECD in Wirklichkeit kein Volk in Europa so viel arbeitet wie mit 2.000 Stunden jährlich die Griechen, während die Deutschen mit 1.400 Stunden die Vorletzten in der Aufstellung sind. In dem Artikel wird jedoch betont, dass die Deutschen produktiver sind. Zusätzlich wird angeführt, dass von den 226 Milliarden Euro der Griechenland gewährten Hilfe nur 15 Milliarden Euro für den Betrieb des Staates verwendet worden sind, während mehr als die Hälfte der gesamten Hilfe für die Bedienung der Verschuldung verwendet wird.

3. Tsipras‘ Besuch der Widerstands-Gedenkstätte stellte für Deutschland eine Provokation dar

Sicherlich berücksichtigte die Regierung dabei auch ein Signal in die Richtung Deutschlands, schätzt der Redakteur ein, zitiert jedoch einen Auszug aus dem jüngsten Interview des Finanzministers Yanis Varoufakis an die Zeitung, in dem er dies resolut dementiert und erklärt, es habe sich um ein Signal an die Chrysi Avgi bzw. Goldene Morgenröte gehandelt.

4. „Was auch immer die Deutschen sagen, sie werden zahlen

Eine aus ihrem Zusammenhang gerissene Phrase des Yanis Varoufakis, wogegen der Finanzminister sich auf die Tatsache bezogen hatte, dass seines Erachtens die Gelder der Gläubiger in ein „schwarzes Loch“ fließen und folglich die Deutschen weiterhin zahlen werden – „ein tragischer Fehler“, hatte Herr Varoufakis gesagt.

5. In Griechenland wird nicht genug reformiert

Für die Deutschen stellt dies eine ernsthafte Beschuldigung dar, da ihr Land mit Gerhard Schröders „Agenda 2010“ für viele Länder als Reformmodell galt. Seitdem hat Deutschland laut den Daten der OECD keine Reformen durchgeführt. Griechenland dagegen – wird betont – befindet sich an der Spitze der Liste, wenn auch mit abnehmender Tendenz, während es wahr ist, dass viele Reformen vernachlässigt werden.

[Quelle: To Pontiki. Hinweis: Obiger Text basiert auf der griechischen Quelle, der „Zeit“-Artikel kann hier nachgelesen werden: Warum wir die Griechen falsch verstehen (wollen)]

KategorienAllgemein
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  1. Kleoni
    13. Februar 2015, 09:22 | #1

    Eine der wenigen Zeitungen, die nach der Wahl von Alexis Tsipras objektiv berichtet hat. Zu wissen, dass einer der Chefredakteure Helmut Schmidt war und noch ist, der diese Zeitung geprägt hat.

  2. windjob
    13. Februar 2015, 11:23 | #2

    Ich möchte nur ein Mythos aufgreifen. Die Griechen seien faul. Dies ist der grösste Unsinn aller Zeiten. Wir gehen jeden Tag hier unsere Runde (inzwischen mit Hund). Hier wird, gerade jetzt in der Vorbereitung auf die neue Saison, geackert wie verrückt. Und Herrgott nochmal, dass es im Hochsommer hier langsamer geht ist doch normal. Holt doch mal ein paar deutsche Arbeiter und lasst sie im Sommer bei 30-40 Grad arbeiten. Wir selbst haben uns inzwischen angewöhnt am Mittag ein Schläfchen zu halten. Abends geht es dann wieder weiter. Da machen die Deutschen Feierabend und sitzen auf dem Balkon oder der Terasse.
    Ich hasse diese Vorurteile die hauptsächlich von der deutschen Presse lanziert werden. Dasselbe war ja mit der angeblichen deutschfeindlichkeit der Griechen. Und wenn Herr Tsipras am Mahnmal für die Widerstandskämpfer eine Rose niederlegt. Wo legen denn deutsche Politiker Blumen und Kränze nieder? Da wird es glorifiziert. Jeder einzelne dieser Mythen ist widerlegbar, wenn man nur will. Damit kann man aber leider keine Auflagen steigern.

  3. Volker
    3. März 2015, 15:03 | #3

    Das Wort „faul“ sollte man durch „ineffizient“ oder „unproduktiv“ ersetzen, dann paßt es. Fehlende seriöse staatliche Strukturen, Korruption, unfähige Politiker, Klientelismus etc. hindern Investitionen und Produktivität. Das ist übrigens kein Vorurteil, sondern kann bei Transparency International nachgelesen werden. Da liegt Griechenland teilweise auf Dritte-Welt Niveau. Problem ist, daß die griechischen Politiker zu stolz sind (oder Ihre eigenen Verwandten schützen wollen) das Thema anzupacken.

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