Warum der Euro für Griechenland tabu sein muss

7. Januar 2015 / Aufrufe: 1.323

Die schwarzen Plastiktüten des jüngeren Balkanhandels und die Gefahr der Nationalen Münzanstalt, sprich Rückkehr zur Drachme.

Alle mit einem realen und substantiellen Kontakt zum Balkan wissen, dass seit den Jahren des Kalten Krieges – noch mehr nach 1990, als man die Regimes des realen Sozialismus zum Zusammenbruch brachte – die Länder der Regionen (wie im übrigen auch die Türkei) zwei oder drei Währungen haben. Eine offizielle, die Dinar, Lew, Pfund usw. heißt, und zwei andere mit einem realen Wert, sprich den Dollar und den Euro bzw. früher die D-Mark.

Es gibt sogar ein Land – Montenegro unter Djukanovic -, das heute als offizielle Währung den Euro hat, der auf „natürliche“ Weise die D-Mark ablöste, welche die vorherige offizielle Währung war. Obwohl der internationale Status des Landes relativ unklar ist – Montenegro erfährt keine breitere Anerkennung als staatliches Gebilde, ist kein Mitglieder der Europäischen Union und auch nicht der Eurozone -, ist das Gebiet eine Zone des Euro. Es ist in weiteres der vielen Paradoxe des Balkans, das ein Anzeichen für die Relativität gewisser Dinge ist.

Menschen leben nicht nur, sie sterben auch

Die Existenz zweier oder dreier Währungen ist natürlich kein Zeichen der Gesundheit für die Wirtschaft, sondern deckt ein konkretes Bedürfnis. Die lokale Währung ist schwach und instabil, „floatet“ kontinuierlich – buchstäblich jeden Tag – im Verhältnis zu den starken Währungen des Planeten und reflektiert die Schwäche der Wirtschaft. Die Menschen verwenden sie nur für ihre unmittelbaren Geschäftsvorgänge, und natürlich kann keinerlei – legaler oder illegaler – Import in lokaler Währung bezahlt werden.

Fragen sie die Pioniere des jüngeren balkanischen Handels der Jahrzehnte 1990 und 2000 aus Thessaloniki, die Lastwagen mit Orangen oder Gemüse in die nördlichen Nachbarländer begleiteten, in welcher Währung sie bezahlt wurden … . Was für Banknoten enthielten die schwarzen Plastiktüten, mit denen sie keuchend, jedoch überglücklich zurückkehrten? Außerdem sind die Einwohner von Belgrad, Sofia und Konstantinopel es gewöhnt, ab und zu abends auf dem Schwarzmarkt nach Devisen zu suchen. Dollar und Euro, die sie in Matratzen und Truhen verstecken oder tief und geheim in der Erde vergraben.

Es bedarf keiner speziellen wirtschaftlichen Kenntnisse und unternehmerischen Erfahrungen um zu verstehen, dass das Wechselkursrisiko eins der ernsthaftesten ist, das eine in eine starke Währung – wie es der Euro ist – eingegliederte Wirtschaft vermeidet. Oder um zu begreifen, dass die niedrigen Zinssätze, die es rentabel machen, sich Geld zu leihen um ein „Business“ mit einem „vernünftigen“ Gewinn zu machen, für Griechenland das Resultat der Mitgliedschaft in der Eurozone sind.

Unter allen Vorbehalten, mit denen man jeder absoluten Ansicht zu begegnen schuldet, ist in diesem Sinn der Euro tabu. Alles andere – also dass von Bedeutung sei, wie die Menschen leben – sind billige Rechtfertigungen für all jene, die trotz der historischen Lehren auf „leichte“ – angeblich politische – Lösungen schielen, wie es die Drachme und die Nationale Münzanstalt sind. Weil – leider – die Menschen nicht nur leben, sondern auch sterben.

(Quelle: voria.gr, Autor: Giorgos Mitrakis)

  1. HJM
    7. Januar 2015, 19:28 | #1

    Tja … in der Tat, „so“ war es. Soll es wieder „so“ werden? Deutsche, Holländer, Franzosen, Engländer, Belgier, aber auch Italiener werden einen deutlichen Rumpler verspüren, aber die „anderen“?

  2. Ronald
    7. Januar 2015, 22:39 | #2

    Ich finde, die griechische Presse sollte auf diese Diskussion gar nicht eingehen. Es hat mich schon fuchsteufelswild gemacht, dass der Spiegel aus der Aussage, ein „Grexit“ habe für die Bundesregierung seinen Schrecken verloren (was Phillip „Fipsi“ Rösler bereits im „Interview der Woche“ im August 2012 immerhin als amtierender Wirtschaftsminister verkündete), eine neue Schlagzeile (ohne eine Quelle zu nennen) generieren musste und alle anderen Medien nach dem Motto „wo ’s beim Spiegel raucht ist auch ein Feuer“ eingestiegen sind.
    Gleiches gilt auch für die heute aufgekeimte „Schlagzeile“, die Bundesregierung spiele Grexitszenarien durch; dies hatten wir auch schon 2012 (Finanzministerium gründet Arbeitsgruppe „Grexit“). Die Griechischen Bürger sollen ihre Wahlentscheidung treffen. Und dann soll die neue griechische Regierung ihre Entscheidungen treffen. Dass diese Entscheidungen in der Realpolitik wenig mit den im Wahlkampf getätigten Aussagen gemein hat, werden wir so oder so erleben (wie jedesmal). Und dann wird man weitersehen

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