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Millionen Haushalte in Griechenland in der Schuldenfalle

8. Januar 2015 / Aufrufe: 1.463

Millionen private Haushalte in Griechenland werden sich für viele Jahre oder sogar auch Jahrzehnte in einem Geisel-Status befinden.

Gleich ob die Memoranden enden oder nicht, eins ist sicher: Millionen Haushalte in Griechenland werden für viele Jahre oder sogar auch Jahrzehnte in einem Geisel-Status verbleiben, da die Verschuldung, die sich inmitten einer Rezession auf ihren Schultern ansammelte, als alles andere als tragbar betrachtet werden kann.

Die Bombe an den Fundamenten der griechischen Wirtschaft tickt, bezeichnenderweise möchte jedoch niemand darüber sprechen.

Die Anzahl der Schuldner steigt anstatt zu sinken

In den fünf Jahren der Memoranden und nachdem Milliardenmaßnahmen durchgesetzt wurden, gelang in Griechenland das Unglaubliche: Die öffentliche Verschuldung verbleibt trotz „Schnitt“ und PSI auf den selben Niveaus mit denen des Jahres 2009, während die private Verschuldung die höchste in der Geschichte dieses Landes ist. 2015 wird die private Verschuldung sogar größer als die öffentliche sein.

  • Die Schulden an das Finanzamt schwellen weiterhin mit neuen fälligen Verbindlichkeiten der Größenordnung von 1,5 Mrd. pro Monat an. Selbst auch die 100-Raten-Regelung brachte nicht den … Unterschied, da die Akzeptanz / Beteiligung – im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Schuldner – als außerordentlich beschränkt beurteilt wird.
    Entsprechend ist das Bild auch bezüglich der Regulierung der Verbindlichkeiten an die (Sozial-) Versicherungskassen.
  • Die Schuldner mit den „roten“ Verbindlichkeiten werden immer mehr. Ab Anfang 2015 werden die Banken den Ethik-Kodex aktivieren und die Schuldner zur Regulierung auffordern.

Die Schulden an das Finanzamt und die Versicherungskassen steigen anstatt zu sinken. Die „roten“ Schuldner werden mehr anstatt weniger. Diese beiden Fakten zeigen, dass der private Sektor in Griechenland seine laufenden Verbindlichkeiten nicht zu bedienen vermag, geschweige denn konsequent den Regulierungen vergangener Jahre zu entsprechen.

Die bisher sowohl von dem Fiskus als auch den Banken vorgeschlagenen Lösungen lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: Prolongierung – die bis zu acht Jahre für die Schulden an Kassen und Finanzamt oder sogar auch bis zu zwei Jahrzehnte für die Schulden an die Banken erreicht, sofern es die biologische Belastbarkeit der Schuldner gestattet. Der Schaden ist jedoch bereits angerichtet worden und unermesslich: die Hälfte – und mehr – der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung des Landes wird sich für sehr viele Jahre in einem Geisel-Status befinden.

Die Addition

Eine simple Addition zeigt, dass die Verschuldung des privaten Sektors in Griechenland sehr bald die öffentliche Verschuldung übersteigen wird. Und es stellt sich die berechtigte Frage: Wenn die Tragfähigkeit der öffentlichen Verschuldung – welche die Bürger bedienen oder zu bedienen versuchen, indem sie Steuern zahlen – bezweifelt wird, als was genau gilt dann die private Verschuldung, die sogar niemals „beschnitten“ wurde, wie es mit der öffentlichen Verschuldung geschah? Die Zahlen schockieren:

  1. Die Verbindlichkeiten allein des privaten Sektors an die Banken beliefen sich im Oktober 2014 auf 212,125 Mrd. Euro. Davon sind 101,58 Mrd. Euro Verbindlichkeiten der Unternehmen, ungefähr 13,248 Mrd. Euro Verbindlichkeiten der Freiberufler / Selbständigen und 97,3 Mrd. Euro Verbindlichkeiten der privaten Haushalte, entweder in Form von Baukrediten oder in Form von Verbraucherkrediten.
  2. Die Verbindlichkeiten an das Finanzamt überstiegen im November 74 Mrd. Euro, womit der November 2014 vielleicht der schlimmste Monat auch in der gesamten Periode nach dem Regimewechsel (sprich nach dem Niedergang der Diktatur) ist: weil innerhalb von 30 Tagen „frische“ Schulden in Höhe von 1,6 Mrd. Euro hinzu kamen.
  3. Die Verbindlichkeiten an die Versicherungskassen übersteigen 20 Mrd. Euro. Die Angaben der Zentrale für die Beitreibung von Versicherungsschulden (KEAO) mögen zeigen, dass die Summe der Verbindlichkeiten sich auf 13,5 Mrd. Euro beschränkt, jedoch gibt dies nicht die ganze Realität wieder, da die KEAO noch nicht die Daten über die Kleinschuldner mit fälligen Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu 5.000 Euro zusammengetragen hat.

Addiert man diese Beträge addiert, ergibt sich, dass die gesamten Verbindlichkeiten des privaten Sektors 300 Mrd. Euro übersteigen, wovon ungefähr 200 Mrd. Euro bereits fällig sind oder nicht bedient werden. Werden auch die Verbindlichkeiten zwischen Privatleuten und Unternehmen hinzugerechnet, nähert sich die private Verschuldung der öffentlichen Verschuldung, die sich bei 318 Mrd. Euro bewegt. Und so wie sich die Dinge bewegen, wird sie diese 2015 sogar übersteigen.

Der Betrag sagt von sich aus viel, jedoch sagt er nicht alles. Die Existenz der fälligen Verbindlichkeiten impliziert:

  1. Die Drohung der Ergreifung von Zwangsmaßnahmen von Seite des Finanzamts und der Banken. Bankkonten droht die Pfändung, Löhnen und Renten (von über 1.500 Euro) ebenfalls, und selbst auch die Immobilien können blockiert werden, damit die Forderungen gedeckt werden.
  2. Die Drohung der Pfändung sogar auch der Erstwohnung, da der schützende Rahmen ab dem 01 Januar 2015 nicht mehr in Kraft steht. Das Parlament wurde aufgelöst und ab Neujahr werden die Schuldner nicht einmal die Möglichkeit haben, sich unter das schützende Gesetz zu flüchten, das sich zusammen mit dem Jahr 2014 verabschiedet. Ob eine Wohnung unter den Hammer kommt, hängt fortan von zwei Dingen ab: von der Stimmung der Bank und davon, ob der Schuldner sich zu der „Lex Katselli“ flüchten wird oder nicht (Anmerkung: die Regierung hatte nicht mehr geschafft, die Pläne für dessen Änderung zu realisieren.)
  3. Das Unvermögen, neue Kredite aufzunehmen. Man hört immer und immer wieder, die Banken werden 2015 die Kredithähne aufdrehen. Die Frage „für wen?“ wird nicht beantwortet. Und sie wird nicht beantwortet, weil sich offensichtlich diejenigen Geld leihen können werden, welche die Bankkriterien und die Kreditscores erfüllen, denen die Kreditinstitute ihre . neuen und bestehenden – Kunden unterziehen.

Schulden an Banken

Die Gesamtschulden an die Banken sind gesunken. Und das ist logisch, weil sich ab dem Moment, wo die Banken die Kredithähne völlig zudrehten, jede von den Gläubigern geleistete Zahlung als Reduzierung der Verbindlichkeiten darstellte.

  • Im Dezember 2009 beliefen sich die Kredite, die den privaten Sektor belasteten, auf 249,3 Mrd. Euro.
  • Im Oktober 2014 betrugen sie 212,12 Mrd. Euro.

Innerhalb von fünf Jahren sanken die Verbindlichkeiten also um 37 Mrd. Euro. Jedoch Achtung: Einen Rückgang gab es nur bei der Gesamthöhe der Verbindlichkeiten, während die „roten“ Kredite sowohl prozentual als auch als absolute Zahl zunahmen. Die Verbindlichkeiten an die Banken analysieren sich folgendermaßen:

1. Haushalte: Im Dezember 2009 schuldeten sie 119 Mrd. Euro. Im Oktober 2014 hatten sie ihre Schulden auf 97,29 Mrd. Euro beschränkt. Der Rückgang rührte hauptsächlich aus den Bau- / Wohnungskrediten her, deren Salden auf 69,3 Mrd. Euro sanken, gegenüber 80,22 Mrd. Euro vor fünf Jahren. Die Verbraucherkredite – von denen viele als Baukredite getauft wurden, da die Schuldner Voreintragungen abtraten, um die Laufzeit zu verlängern und den Zinssatz zu senken – sanken von 36,13 Mrd. Euro auf 26,55 Mrd. Euro.

Auf die Hälfte sanken auch die aus Kreditkarten herrührenden Verbindlichkeiten, die von ungefähr 10 Mrd. Euro bei 5 Mrd. Euro angelangten.

2. Unternehmen: Die Schulden der Unternehmen – unabhängig von der Branche – gestalten sich derzeit auf 101,58 Mrd. Euro, gegenüber 130,042 Mrd. Euro im Dezember 2009.

Von den insgesamt 212 Mrd. Euro des privaten Sektors werden die sogenannten „roten“ Kredite auf über 80 Mrd. Euro geschätzt. Die Zahl kann auch größer sein, da sie von der „Definition“ abhängt. Ein „roter“ Kredit ist ein Kredit, der für einen Zeitraum von über 90 Tagen nicht bedient wird. Ein „roter“ Kredit im „Ruhestatus“ kann aber auch ein Kredit sein, der vorläufig reguliert worden ist, damit der Kreditnehmer sechs Monate lang weder Tilgungen leistet noch Zinsen zahlt. Mit dem Verstreichen der sechs Monate wird der Kreditnehmer mit der Unfähigkeit zur Tilgung konfrontiert.

Schulden an das Finanzamt

Die letzte „Bilanz“ zeigt, dass die Anzahl der Schuldner des Finanzamts 3,6 Millionen überstiegen hat. Insgesamt schuldeten sie bis Ende November 2014 mehr als 72 Mrd. Euro. Davon ergaben sich über 24 Mrd. Euro in den beiden letzten Jahren, während ab dem Eintritt in die Memoranden die neuen Verbindlichkeiten an das Finanzamt 35 Mrd. Euro überstiegen, und zwar trotz der seitdem erfolgten drei Regelungen / Regulierungen (Regulierung der letzten Chance, beständige Regulierung und Regulierung der 72 oder 100 Raten).

Kurz gesagt, auf der einen Seite tilgten die Privatleute mit tausend Mühen Verbindlichkeiten bei den Banken, und auf der anderen Seite sprossen Verbindlichkeiten in gleicher Höhe oder noch mehr beim Finanzamt hervor. Der Betrag der neuen fälligen Verbindlichkeiten der Monate November und Dezember 2014 waren für die Situation enthüllend: über 2,8 Mrd. Euro neue Schulden innerhalb von zwei Monaten.

Warum diese beiden Monate signifikant sind? Ganz einfach, weil jemand, der nach Oktober 2014 fällige Verbindlichkeiten hat, die bis einschließlich Ende September 2014 aufgelaufenen (und fällig gestellten) Verbindlichkeiten nicht in die 100-Raten-Regelung aufnehmen kann.

Die Regelung als solche warf nicht das Erwartete ab. Nach Ablauf eines Monats ab der Aktivierung der Regelung waren unter diese nicht mehr als 110.000 Schuldner aufgenommen worden und die regulierten Verbindlichkeiten überstiegen mit Ach und Krach gerade einmal knapp 1,2 Mrd. Euro. Praktisch erfolgte das ganze Theater, damit innerhalb eines Zeitraums von einem Monat aufgelaufene Verbindlichkeiten mit bis zu 100 Raten reguliert werden.

Dies werden gemäß allen Anzeichen auch die Daten für Dezember 2014 zeigen. Die neuen fälligen Verbindlichkeiten werden 1,2 – 1,3 Mrd. Euro übersteigen.

Was es bedeutet, dass es mehr als 3,5 Millionen Bürger mit fälligen Verbindlichkeiten an das Finanzamt gibt? Ganz einfach, einen weiterer Klotz für den Aufschwung. Welche unternehmerische Aktivität, welches neue „Business“, welcher Kredit und welche Idee kann ohne steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung realisiert werden?

Schulden an die Versicherungskassen

Das selbe Bild auch bei den Versicherungskassen. Auch hier hatte die Regulierung der fälligen Verbindlichkeiten nicht das erwartete Ergebnis. Nicht nur wegen der beschränkten Beteiligung, sondern auch aus einem zusätzlichen Grund: die Schuldner fanden die Gelegenheit, einfach nur Verbindlichkeiten aus den alten Regulierungen mit wenigen Raten zu der neuen Regelung mit den vielen Raten zu verschieben.

Was die Akzeptanz bzw. Beteiligung betrifft? Einige wenige tausende Versicherte entsprachen ihr –  und zwar zu einer zeit, wo die Gesamtzahl der Schuldner viele hunderttausende erreicht.

(Quelle: To Pontiki)

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  1. H.U.Ellenberger
    27. Januar 2015, 16:01 | #1

    Wer glaubt ernsthaft daran, dass Deutschland oder irgend ein anderes Land dieser Erde die Möglichkeit oder gar Absicht hat, seine Staatsschulden je zu begleichen? Wie kommen die Finanzminister der Eurozone auf die Idee, von Griechenland zu verlangen, dass es das tun sollte?
    Die Schulden der Länder der Eurozone (Ende 2013): € 9.021 Billionen = 28’289 €/Einwohner
    Davon Deutschland: € 2.159 Billionen (24,33% der Eurozone) = 26’572 €/Einwohner (6.4% weniger als der Durchschnitt der Eurozone)
    Davon Griechenland; € 0,319 Billionen (3,54% der Eurozone) = 28’818 €/Einwohner (0.25% mehr als der Durchschnitt der Eurozone)

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