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Steuerschock für Vermieter, Arbeitslose und Studenten in Griechenland

31. Dezember 2014 / Aufrufe: 5.173

Gemäß der neuen Steuerordnung in Griechenland werden werden Steuerpflichtige mit minimalen Einkünften auf Basis fiktiver Einkommen als Unternehmer besteuert.

Zehntausende Eigentümer vermieteter Immobilien und Arbeitnehmer mit „Quittungsblock“, die in diesem Jahr sehr geringe Einkommen erzielten, sowie ebenfalls auch zigtausende Studenten und nicht bei dem Arbeitsamt (OAED) registrierte Arbeitslose, die 2014 gelegentlich mit irgend einer Aktivität beschäftigt waren und ärmliche Vergütungsbeträge bezogen, werden dafür im Jahr 2015 utopische Steuerbeträge zu zahlen aufgefordert sein. Ihre Einnahmen werden als Einkommen aus einer unternehmerischen Tätigkeit eingestuft und entsprechend besteuert werden.

Die neue Einkommensteuerordnung (Gesetz N. 4172/2013) sieht für alle diese Kategorien Steuerpflichtiger ein unglaublich belastendes Besteuerungssystem vor, gemäß dem die Einkommensteuer mit vernichtenden Steuersätzen von 26% bis 40,3% auf fiktiv veranschlagte Einkommen aus einer imaginären unternehmerischen Tätigkeit erhoben wird. So wird beispielsweise ein Student, der sich mit Schreibarbeiten ein kleines Taschengeld von monatlich 50 Euro erarbeitet, höher besteuert als sein Dozent, der diesen Betrag an einem Tag verdient.

Schleichende Enteignung der Kleineigentümer

Spezieller gelten mit der (für die Einkommen des Jahres 2014 und nachfolgend zur Anwendung kommenden) neuen Einkommensteuerordnung die folgenden belastenden Regelungen:

1) Steuerpflichtige mit Einkommen aus Mieten: In jedem Fall eines Steuerpflichtigen, der während der Dauer des laufenden Jahres 2014 geringfügige Mietbeträge eingenommen und kein Einkommen aus anderen Quellen hat, wird, sofern der Gesamtbetrag der Mieteinnahmen – also sein reales Einkommen – geringer als das sich auf Basis der sogenannten Lebensführungskriterien ergebende fiktive Einkommen ist, die Einkommensteuer auf das fiktive und nicht das reale Einkommen erhoben.

In diesem Fall wird die Feststellung der Steuer mit einem Satz von 11% bis zu der Höhe des realen Einkommens und mit einem Satz von 26% auf den Differenzbetrag bis zu dem Einkommen erfolgen, der sich auf Basis der Lebensführungskriterien ergibt. Und dies, weil diese zusätzliche fiktive (!) Differenz als „Einkommen aus einer unternehmerischen Handelstätigkeit“ eingestuft und mit dem für diese Einkommenskategorie vorgesehenen Steuersatz von 26% besteuert wird. Zusätzlich werden diese Steuerpflichtigen verpflichtet sein, auf diese bereits vernichtende Einkommens-Hauptsteuer noch einen Zuschlag (Steuervorauszahlung für das nächste Jahr) von 55% der Hauptsteuer zu entrichten. Insgesamt werden sie also aufgefordert sein, bis zu 40,3% Steuern auf ein fiktives und völlig utopisches „Einkommen“ zu zahlen, das in Wirklichkeit niemals existierte!

Was dies in der Praxis bedeutet, veranschaulicht das reale Beispiel eines alleinstehenden Ehepaars: Der Mann ist als Facharbeiter beschäftigt und sein Netto-Jahreseinkommen von rund 9.000 Euro liegt knapp unterhalb des Steuerfreibetrags für Arbeitnehmer und Rentner in Höhe von 9.950 Euro. Die Frau ist nicht berufstätig, hat jedoch als Mitgift eine ihr gehörende Wohnung von 75 qm in die Ehe eingebracht und außerdem einen Acker geerbt, den sie für jährlich 500 Euro verpachtet. Diesen Betrag deklariert und versteuert sie regulär als „Mieteinnahme“. Aufgrund dieses realen Einkommens von 500 Euro brutto (sprich vor Steuern) kommen jedoch die sogenannten Lebenshaltungsindizien zur Anwendung, nämlich die „Kopfpauschale“ von 2.500 Euro für verheiratete Personen plus das „Einkommensindiz“ der genutzten Wohnung von (75 x 40 Euro =) 3.000 Euro. Da dieses fiktiv bestimmte Einkommen in Höhe von insgesamt 5.500 Euro das reale Einkommen um 5.000 Euro übersteigt, wird dieser Differenzbetrag als „Einkommen aus einer unternehmerischen Tätigkeit“ ohne jeglichen Steuerfreibetrag in voller Höhe besteuert und eine Steuerschuld (26% Einkommensteuer + 55% Steuervorauszahlung) in Höhe von insgesamt rund 2.000 Euro festgestellt!

Eigentümern mit größerem Immobilienvermögen und entsprechend höheren Mieteinnahmen wird dagegen für die Mieteinnahmen des Jahres 2014 eine geringfügige Steuersenkung beschert, da zwar einerseits der pauschale Einkommensteuersatz für Mieteinnahmen bis zu 12.000 Euro jährlich von 10% auf 11% angehoben, parallel jedoch die bisher mit einem Satz von 1,5% bzw. 3% (im Fall gewerblicher Mietungen und Wohnungen mit über 300 qm) erhobene Zusatzsteuer gestrichen wurde. Die eigentlichen Profiteure der Streichung besagter Zusatzsteuer sind allerding die Eigentümer mit Mieteinnahmen von über 12.000 Euro, da in diesem Segment der Einkommensteuersatz von 33% unverändert bleibt und der Wegfall der Zusatzsteuer voll zum Tragen kommt.

Weiter ist noch anzumerken, dass für die im Jahr 2014 erworbenen Einkommen aus Immobilien auch die Steuervorauszahlung von 55% (als Anzahlung auf die Steuer des nächsten Jahres) nicht mehr erhoben wird.

Nebeneinkünfte werden als unternehmerische Gewinne „wegbesteuert“

2) Arbeitnehmer mit geringfügigen Nebenverdiensten aus „eigenständigen“ Tätigkeiten. Für alle Steuerpflichtigen, die Arbeitnehmer sind und parallel ihr Monatseinkommen auch mit sogenannten „Einnahmen aus Quittungsblöcken“ aufbessern, werden die Einkommen, die sie 2014 aus den „Blöcken“ erzielen, obligatorisch ab dem ersten Euro mit einem Satz von 26% besteuert werden. Parallel sind diese Steuerpflichtigen aufgefordert sein, auch eine – von 500 auf 650 Euro angehobene – Gewerbeabgabe zu zahlen. (Anmerkung: Als „Einnahmen bzw. Einkommen aus Quittungsblock“ werden allgemein Vergütungen eingestuft, die einem nicht in einem regulären abhängigen Arbeitsverhältnis beschäftigten Arbeitnehmer gegen Quittung gezahlt werden. Private und öffentliche Arbeitgeber umgehen damit feste Anstellungen, obwohl häufig auf diese Weise beschäftigte „freie Mitarbeiter“ praktisch dennoch in einem abhängigen Arbeitsverhältnis stehen.)

Für die Einkommen des Jahres 2013 hatten Arbeitnehmer mit Einnahmen auch aus „Quittungsblöcken“ die Möglichkeit, für diese Einkommen zu wählen, entweder unter bestimmten Voraussetzungen mit der Steuerskala der Arbeitnehmer oder mit der Steuerskala für Selbständige besteuert zu werden. Sich für die Besteuerung mit der Skala der Arbeitnehmer entscheiden, entgingen sie der Besteuerung, sofern der Gesamtbetrag ihrer Einkommen aus Löhnen und „Blöckchen“ 9.550 Euro im Jahr nicht überstieg. Jedoch sogar auch wenn das Gesamteinkommen aus Löhnen und „Blöcken“ bis zu 25.000 Euro erreichte, zahlten sie weniger Steuern, sofern sie die Besteuerung der Vergütungen aus den „Blöcken“ mit der Skala der Arbeitnehmer wählten. Dies rührt daher, dass bis zu dem Einkommensniveau von 25.000 Euro der Steuersatz in der Skala der Arbeitnehmer 22% betrug, während in der Steuerskala für Einkommen aus einer unternehmerischen Tätigkeit jeder noch so niedrige Betrag ab dem ersten Euro mit 26% besteuert und zusätzlich eine Vorauszahlung von 55% für das Folgejahr erhoben wurde.

2015 (also für Einkommen des Jahres 2014) werden die Dinge sich jedoch ändern. In jedem Fall eines Steuerpflichtigen, der Löhne, aber auch Vergütungen per „Quittungsblock“ bezogen hat, werden die Einkommen aus den „Blöcken“ eigenständig mit einem Satz von 26% ab dem ersten Euro besteuert werden, und gleichzeitig werden sie auch mit einer Gewerbeabgabe von 650 Euro belastet werden. Das selbe wird auch jedem passieren, der bei einem Arbeitgeber mit „Quittungsblock“ beschäftigt ist, jedoch nicht seine Wohnung als … Gewerbesitz deklariert hat. Dieser Fehler wird automatisch die „Sanktion“ der Besteuerung des Einkommens ab dem ersten Euro mit einem Satz von 26% herbeiführen. Speziell für Steuerpflichtige mit niedrigen Einkommen (Summe aus Lohn und „Quittungsblock“ in einer Größenordnung von 8.000 – 12.000 Euro) kann die auf dem Steuerbescheid des Jahres 2015 ausgewiesene Steuer im Verhältnis zu dem diesjährigen Steuerbescheid sogar um bis zu einem Vielfachen höher ausfallen.

0,50 Euro Zinsen führen zu Steuerforderung von minimal 1.200 Euro

3) Steuerpflichtige mit geringfügigen Einkommen aus Gelegenheitsarbeiten (Studenten, nicht beim OAED registrierte Arbeitslose usw.) oder Zinsen. Tausende Steuerpflichtige, die 2014 Studenten oder nicht bei dem Arbeitsamt (OAED) registrierte Arbeitslose waren und sehr niedrige Einkommen hatten, die aus Gelegenheitsarbeiten wie z. B. einer sich auf die Verteilung auszufüllender Fragebögen beziehenden Beschäftigung oder einem Praktikum herrühren, sowie auch alle, die 2014 sehr geringe Einkommen aus Guthabenzinsen erzielten, werden für utopische fiktive Einkommen besteuert werden, die von den Dienststellen des Finanzministeriums auf Basis der berüchtigten Lebensführungsindizien festgestellt werden. Die von ihnen zu entrichtenden Steuern werden erhoben werden:

  • Mit 26% ab dem ersten Euro der fiktiven Einkommen für all jene, die Einkommen aus Gelegenheitsarbeiten erzielten.
  • Mit 26% auf die zusätzliche Differenz zu dem aus den Lebenshaltungskriterien bestimmten Einkommen für all jene, die nur Einkommen aus Zinsen deklarieren.
  • Zusätzlich werden diese Steuerpflichtigen auch mit einer Steuervorauszahlung belastet werden, womit sich die auf Basis der Veranlagungsindizien ergebene utopische Einkommens-Hauptsteuer um weitere 55% erhöht.

In diesem Jahr (also für die Einkommen des Jahres 2013) entgingen diese Steuerpflichtigen den Einkommensindizien und überdimensionalen Steuern, da sie mit einer – jedoch nur für die Einkommen des Jahres 2013 (Fiskaljahr 2014) angewendeten – Regelung als Arbeitnehmer besteuert wurden und einen Steuerfreibetrag von 9.550 Euro hatten. Voraussetzung war allerdings, dass ihr reales Jahreseinkommen nicht über 5.000 Euro und das fiktive Einkommen nicht über 9.500 Euro lag und sie parallel keine Einkommen aus einer unternehmerischen Tätigkeit oder aus Immobilien hatten.

Diese Regelung war jedenfalls explizit auf die Einkommen des Jahres 2013 befristet. Folglich wird beispielsweise ein Student, dessen einziges reales Einkommen 2014 aus einem „Zinsertrag“ von 0,50 Euro aus seinem Girokonto besteht, für ein fiktives Einkommen von minimal 3.000 Euro (= „Kopfpauschale“) veranlagt und mit einer Einkommensteuer nebst Steuervorauszahlung in Höhe von insgesamt rund 1.200 Euro zur Kasse gebeten werden! Noch irrwitzigere Steuerforderungen ergeben sich, falls eine (sei es auch von den Eltern finanzierte) „Studentenbude“ oder gar ein eigenes Fahrzeug hinzukommt.

(Quellen: money-money.gr, diverse Medienberichte und Publikationen)

Relevante Beiträge:

  1. Christina
    31. Dezember 2014, 03:59 | #1

    In Griechenland hat die EU via Troika so deutlich wie nie gezeigt, dass sie im Kern nur eine Union für den freien Verkehr der Waren und Finanzprodukte ist, keine EU der Bürgerinnen und Bürger. Sonst könnte sie nicht so blind gegenüber sozialen und ökologischen Anliegen agieren.
    Dieser unverantwortliche Steuerirrsinn allerdings kann nur in den Hirnen der amtierenden Regierung entstanden sein, denn so tief dringt die Troika nicht ein. Sie macht die Vorgaben, und zeigt dann ihrerseits hinsichtlich Umsetzung mit dem Finger nach Athen. Die dortige Regierung wiederum setzt in ihrem Sinne um und zeigt mit dem Finger auf Brüssel und Berlin. Beide gehören vom Hof gejagt. Ob die Syriza das schafft?

  2. Jorgo
    31. Dezember 2014, 09:39 | #2

    Diesen steuerlichen Irrsinn können sich nur Bürokraten ausdenken, die völlig inkompetent sind, die Widersinnigkeit der Regelung nicht erkennen und nicht merken, wie dadurch die Betroffenen dazu gezwungen werden, ihre Minieinkommen zu verschweigen. Niemand kann behaupten, dass all dieser Unfug auf die Troika zurückgeht. Immerhin haben die Staaten, die ihren Bilanzen Ordnung haben, besonders Deutschland ein perfekt durchgestyltes Steuersystem, das zwar auch auf maximale Steuerabschöpfung ausgelegt ist, aber in seiner Konzeption schlüssig ist (wenn man mal von der sog. kalten Progression abieht). In Griechenland sieht man, was dabei herauskommt, wenn Funktionen nicht nach Qualifikation sondern aufgrund Nepotismus (d.h. Vetterleswirtschaft) vergeben werden. Die einen tun gar nichts, die anderen produzieren – wie man sieht – nur Blödsinn.

  3. windjob
    31. Dezember 2014, 10:37 | #3

    Wenn man dieselbe „Kreativität“ auf die Abschöpfung der Reichen ansetzen würde, wäre Griechenland sehr geholfen. Aber leider haben die Kleinen weder eine Lobby noch irgendwelche Vettern in diesem Verein. Deshalb gilt wie immer, die Kleinen hängt man die Grossen lässt man laufen. Der Glaube die Syriza würde hier was ändern ist ein Irrglaube. Dies sind auch nur Politiker und die lügen vor der Wahl dass sich die Balken biegen. Siehe Merkel und die PKW Maut. Nach der Wahl wollen sie von allen Wahlversprechungen nichts mehr wissen.

  4. sturmappell
    1. Januar 2015, 10:00 | #4

    Solche Tributsysteme schaffen sich selber ab! Die können auch noch einen in der Öffentlichkeit herumliegenden Penner besteuern. Schliesslich atmet er Luft und erhält Geschenke wie Fressen und Alk und dann kommt eine Vollzugsperson, dann wird er sagen, mmh lecker Zaziki und ein Dach überm Kopf, komme mit.

  5. Team
  6. LiFe
    2. Januar 2015, 00:16 | #6

    Solche Tributsysteme sind äußerst kontraproduktiv. Mit der Besteuerung greifen sie unerbittlich in die persönliche Freiheit des Menschen ein. Sie entscheiden für ihn und womöglich gegen seinen Willen, was mit seinem Geld zu tun ist. Wer in Bildung seiner Kinder investieren will, bleibt auf der Strecke. Wer Geschäftsideen entwickelt, muss schlußfolgern, dass ein Staat gegen ihn arbeitet? Das ist bitter.

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