Präsidentenwahl und Abgeordnetenbestechung in Griechenland

22. Dezember 2014 / Aktualisiert: 04. November 2016 / Aufrufe: 1.485

Das Tagesgeschehen in Griechenland beherrscht derzeit der behauptete Versuch, Stimmen für die Wahl des neuen Staatspräsidenten zu kaufen.

Nachdem gegen Ende der vergangenen Woche die Behauptung des ANEL-Abgeordneten Pavlos Chaikalis (der bereits Anfang Dezember die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hatte) publik wurde, es sei versucht worden, ihn zu „schmieren“, damit er für den kandidierenden neuen Staatspräsidenten Stavros Dimas stimmt, beherrscht dieses Thema nicht nur die Meldungen und Sendungen der Massenmedien, sondern auch die politische Bühne.

Der in dem behaupteten Bestechungsversuch schließlich als „Vermittler“ benannte Giorgos Apostolopoulos dementierte anfänglich am 19 Dezember 2014 in einer schriftlichen Bekanntmachung jede Verwicklung in die Sache und erklärte unter anderem, „Überrascht und wütend verfolge ich in den Medien, in von arglistigen parteilichen Interessen angestiftete politische ‚Vendetten‘ verwickelt zu werden … „, ließ sich dann jedoch anders ein.

Sollte Pavlos Chaikalis in eine Falle gelockt werden?

Sein Statement abschließend erklärte Giorgos Apostolopoulos seine Bereitschaft, sich „zur Widerherstellung der Wahrheit und Realität“ unmittelbar der Justiz zur Verfügung zu stellen … – was im übrigen so wie so nicht mehr abzuwenden war. Bei seiner Aussage am 20 Dezember 2014 vor dem zuständigen Staatsanwalt kehrte Giorgos Apostolopoulos im Widerspruch zu seiner anfänglichen Entrüstung, überhaupt in die Sache verwickelt zu sein, allerdings den Spieß um und behauptete nun, dem Abgeordneten Pavlos Chaikalis eine Falle gestellt haben zu wollen, um dessen Bestechlichkeit zu dokumentieren: „Wir hatten vor, ihn anzuzeigen, nur war er uns zuvorgekommen.

Informationen der Zeitung „To Vima“ zufolge soll – der als äußerst „dubiose“ Person charakterisierte – Giorgos Apostolopoulos ebenfalls ausgesagt haben:

  • Ich bin immer ANEL„, während er betonte, „Chaikalis habe sich ihm genähert und Geld verlangt, um sein finanzielles Problem zu lösen„. Er sagte zu mir: „… was geschieht denn nun auch mit dem Staatspräsidenten …
  • Weiter beschrieb er, auch selbst seine Gespräche mit Pavlos Chaikalis aufgezeichnet zu haben und letzterer ihn anzeigte, um ihm zuvorzukommen. Wie er betonte, verfüge er sogar über authentisches und keiner Montage unterzogenes Material.
  • Auf die Frage, warum er überhaupt an der ganzen Sache teilgenommen habe, erklärte er „um die ANEL zu schützen„.
  • Weiter erklärte er, Autor des Konjunkturprogramms 2012 und bis jüngst Wirtschaftsberater des Panos Kammenos gewesen zu sein.
  • Ich werde auch andere Fakten an die Öffentlichkeit geben, welche die fragwürdige Moral des Chaikalis belegen werden„, vertrat der 55-Jährige, der behauptet, Berater wenigstens dreier Premierminister, Minister und Bankiers gewesen zu sein.

Anderen Quellen zufolge soll Giorgos Apostolopoulos erklärt haben, die ganze Sache sei von ihm inszeniert worden, um dem Parteivorsitzenden der ANEL, Panos Kammenos, die Bestechlichkeit des Abgeordneten Pavlos Chaikalis vor Augen zu führen … .

Beschuldigungen und Strafanzeigen …

Wie zu erwarten war, „hagelte“ es Erklärungen, Dementis und Strafanzeigen. Allen voran sputete sich die Regierungssprecherin Sofia Voultepsi, die SYRIZA bzw. Alexis Tsipras persönlich der „Inszenierung dieses peinlichen Marionettentheaters“ zu bezichtigen, und wenig später wurde auch von Seite des Büros des Premierministers bekannt gegeben, Antonis Samaras werde Strafanzeige gegen Pavlos Chaikalis erstatten – obwohl letzterer wiederholt betonte, er selbst habe niemals von einer Einmischung des Premierministers gesprochen.

Während der „öffentliche“ (sprich vorrangig in den Medien ausgetragene) Disput ausufert und bezeichnenderweise nicht das Geschehen als solches, sondern die Rechtmäßigkeit und Verwendung der strittigen Aufzeichnungen in den Vordergrund gerückt wurde, gelangte trotz aller einschlägigen Drohungen und strafrechtlichen Konsequenzen eine Aufzeichnung der strittigen Unterredung zwischen Pavlos Chaikalis und Giorgos Apostolopoulos an die Öffentlichkeit, aus der sich Jeder ein eigenes Bild verschaffen mag:

https://www.youtube.com/watch?v=aH8mdpaEw9Q

Wie aus dem Mitschnitt unmissverständlich hervorgeht, dreht das Gespräch („… ein Angebot und die Sache steht, ein zweites gibt es nicht …„) sich um einen Kredit (des Abgeordneten Chaikalis), der mittels einer praktisch unbefristeten Aussetzung der Tilgung „unter den Teppich gekehrt“ werden soll, die Vergabe eines Werbeauftrags sowie „6 – 7 Hunderter“ (also 600.000 – 700.000 Euro) in bar („Das Geld habe ich jetzt, ich gebe es Dir, buchstäblich jetzt.„).

Schützt Giorgos Apostolopoulos die Hintermänner?

Den an die Öffentlichkeit gelangten Informationen zufolge nimmt Giorgos Apostolopoulos die gesamte Verantwortung für die Sache auf sich und soll unter anderem vor dem Staatsanwalt Panagiotis Panagiotopoulos ausgesagt haben:

  • Was ich getan habe, tat ich aus eigener Initiative.
  • Chaikalis näherte sich mir, auch ich habe Beweise.
  • Ich unterhielt mich mit Chaikalis um zu sehen, worauf er aus ist.
  • Chaikalis hat mir gegenüber zuerst eine Anspielung auf Geld gemacht.
  • Wir waren befreundet und er bat mich stetig um Geld.
  • Ich tat es, um Panos Kammenos zu beweisen, dass Chaikalis unredlich und politisch unmoralisch ist.
  • Ich habe Beweise für meine Behauptungen (er deutet an, Zeugen zu haben).
  • Ich bin Unternehmensberater, ich agiere für Niemandes Rechnung.
  • Ich bin immer ANEL
  • In seiner zweieinhalbstündigen Aussage äußerte Giorgos Apostolopoulos Informationen zufolge, Chaikalis habe sich ihm genähert und von ihm Geld gewollt, um sein finanzielles Problem zu lösen.
  • Weiter beschrieb er, auch er habe die Gespräche mit Chaikalis aufgezeichnet und letzterer zeigte ihn an, um ihm zuvor zu kommen.
  • Auf die Frage, warum er bei der ganzen Farce mitgemacht habe, antwortete er „um die ANEL zu schützen„.
  • Er behauptete auch, Autor des Konjunkturprogramms 2012 und bis neulich Wirtschaftsberater des Panos Kammenos gewesen zu sein.
  • Ich werde auch andere Fakten übergeben, welche die verminderte Moral des Chaikalis beweisen„, vertrat der 55-jährige Giorgos Apostolopoulos, der sich als Berater wenigstens dreier Premierminister, aber auch Minister und Bankiers ausgibt.

Die Ereignisse haben nicht die dargestellte Dimension

Wie der Rechtsanwalt des Giorgos Apostolopoulos erklärte: „Auf Bestellung der Staatsanwältin des Berufungsgerichts wurde Herr Apostolopoulos vorgeladen, um im Rahmen der nach den Behauptungen des Herrn Chaikalis erfolgenden Untersuchung Erklärungen zu geben. Wir verlangten keinen Aufschub und stellten die Wirklichkeit klar. Es ergibt sich keinerlei Strafbestand und es existiert auch keinerlei politisches Thema, wie es Herr Chaikalis darstellt. Die Wirklichkeit verhält sich, wie sie Herr Apostolopoulos ohne Montagen darlegte. Die Videoaufnahmen sind montiert worden. Die vorhandenen Gespräche erfolgten, damit der moralische Hintergrund des Herrn Chaikalis enthüllt wird. Die Ereignisse haben nicht die dargestellte Dimension. Das strafrechtliche und politische Thema bezieht sich auf die andere Seite.

Chaikalis erklärte sich für eine mögliche Bestechung offen

„Herr Apostolopoulos und Chaikalis hatten eine langjährige Freundschaft und Erster half dem Zweiten eine Reihe finanzieller Probleme zu lösen, denen er begegnete. Bei den in Rede stehenden Unterhaltungen gab es eine allgemeine Erörterung der früheren Behauptungen der ANEL-Funktionärin Stavroula Xoulidou (über Bestechungsversuche) und dass Herr Chaikalis selbst sich gegenüber einer solchen Möglichkeit … offen zeigte.

Dies erklärten im Gespräch mit der Zeitung „To Vima“ enge Mitarbeiter des Herrn Apostolopoulos in Zusammenhang mit seiner angezeigten Verwicklung in den gemeldeten „Versuch der Bestechung“ des Herrn Chaikalis mit 3 Mio. Euro, damit er für den Präsidentschaftskandidaten Stavros Dimas stimmt.

Laut den selben Behauptungen „brachte Herr Chaikalis das Gespräch auf das Geld und die Präsidentenwahl und der Unternehmensberater (Apostolopoulos) führte genau wegen seines freundschaftlichen Verhältnisses zu dem ANEL-Abgeordneten einfach eine lockere Unterhaltung“. Weiter wird ergänzt, „das (laut Chaikalis zur Geldübergabe) vereinbarte Rendezvous, zu dem er (Apostolopoulos) sich nicht einfand, hatte einen völlig anderen Inhalt und Grund als den dargestellten„, dass „niemals das Thema der Übergabe eines solchen Betrags gestellt wurde, über den er niemals verfügte„, sowie auch, dass „das präsentierte einschlägige Material Produkt einer Montage ist„.

(Quellen: in.gr, iefimerida.gr, diverse Medienberichte)

  1. jute
    22. Dezember 2014, 10:23 | #1

    Beiden die Gelder einfrieren und beide wegsperren! Affentheater hier.

  2. GR-Block
    22. Dezember 2014, 12:11 | #2

    Chaikalis erklärte sich für eine mögliche Bestechung offen“ Wie schändlich für einen Abgeordneten und – oh Wunder – “Das Geld habe ich jetzt, ich gebe es Dir, buchstäblich jetzt.“ – Welch ein Zufall! Die Presse fragt, wie zur Ablenkung: Wer ist die Henne, wer das Ei? Viel interessanter wäre doch, wo das Geld herkommt. Egal, nach den Wahlen kommen sie beide in die Suppe und werden als „Hühnersuppe mit Zitronen-Eischaum“ (hhmmm … lecker) verspeist.
    Der Abgeordneten-Stresstest ist wohl damit schief gegangen: ein Herr Apostolopoulos, der jederzeit große Summen für notleidende Abgeordnete bereit hält, ein Fäkalis, der Geldsorgen hat und nur mit Aufzeichnungsgerät in eine „Finanzberatung“ mit einem „Freund“ geht. Eine offensichtlich schlüpfrige Beratung, bei der beide den anderen nur verführen wollten.
    Wer war zuerst da, die Hure oder Freier? Das ist eine uralte, gesellschaftliche Frage, die natürlich nur mit „ja“ beantwortet werden kann. Und was spielt es für eine Rolle, wenn die Dame nach dem schlüpfrigen tête-à-tête aussagt, ich wollte ja auch kommen, aber mein Freund ist mir zuvorgekommen.

  3. LiFe
    22. Dezember 2014, 22:14 | #3

    Wir hatten vor, ihn anzuzeigen, nur war er uns zuvorgekommen.“ Allein diese Aussage klingt unglaubwürdig.

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