Fiskus in Griechenland legt Wirtschaft trocken

27. Dezember 2014 / Aufrufe: 866

Zur Deckung seiner enormen Finanzierungsbedürfnisse entzieht der Fiskus in Griechenland Banken und Wirtschaft systematisch die dringend benötigte Liquidität.

In Griechenland lässt der Staat inzwischen auf systematische Weise die Kassenbestände der öffentlichen Träger und die Liquidität der Banken „zur Ader“, um sich wenigstens bis Ende Februar 2014 finanziell aufrecht zu halten.

Quellen des Wirtschaftsstabs der Regierung unterstreichen, dass die beiden obigen Liquiditätsquellen in Kombination mit den Steuereinnahmen die einzigen Liquiditäts-Rettungsringe des griechischen Fiskus darstellen.

Erschöpfung der Träger und Banken

Was die öffentlichen Unternehmen und Träger betrifft, hat der Wirtschaftsstab bereits 7,7 Mrd. Euro „gezogen“, und zuverlässigen Informationen zufolge wird dieser Betrag im Januar 2014 rund 9 Mrd. Euro erreichen. „Von da an haben wir nicht mehr das Werkzeug der Repos und die einzige Quelle werden – abgesehen von den Einnahmen des Staates – die Emissionen von Schatzbriefen sein„, betont ein Funktionär des Wirtschaftsstabs.

Probleme bei der Liquidität schafft jedoch auch die Emission von Schatzbriefen, da diesbezüglich erneut die griechischen Banken in die Pflicht genommen werden, die Auktionen vollständig zu zeichnen. Damit pumpen sie Kapital in die Staatskasse, das sie eigentlich – wenn auch zögerlich – in die Finanzierung der griechischen Wirtschaft fließen zu lassen planten.

Seit April 2014, als der Fiskus an die Finanzmärkte ging, stellten sich zu den Auktionen der Schatzbriefe ausländische Banken ein. Dies war eine Entwicklung, die den griechischen Banken Erleichterung verschaffte, da frisches Geld in die Staatskasse gelangte„, betonen Bankquellen und fügen an: „Die Ausländer haben sich erneut zurückgezogen, und dies wird anhalten, bis sich die Lage geklärt haben wird. Wir gerieten praktisch erneut in den Teufelskreis, wo der Fiskus Schatzbriefe ausgibt und Käufer nur die griechischen Banken sind … .“ Folge dieser sich selbst speisenden Finanzierung – und um nichts anderes handelt es sich – ist, dass den Banken und im weiteren Sinn den Unternehmen die Liquidität entzogen wird.

„Gelackmeiert“ ist das Banksystem aber auch hinsichtlich des Vorteils der 7 Mrd. Euro, der sich aus dem Beschluss des Präsidenten der Europäischen Zentralbank ergab, die „Beschneidung“ der von den griechischen Banken hinterlegten Sicherheiten von 70% auf 30% zu akzeptieren. Bankquellen zufolge „verflog“ der Vorteil wegen des steilen Anstiegs der Zinssätze bei den griechischen Anleihen (und dem damit einhergehenden Verfall ihres Wertes), der wohl bemerkt seit Oktober 2014 begonnen hat, als die griechische Regierung meinte, sich von dem Internationalen Währungsfonds loslösen zu wollen.

Anstehende Zahlungen im 1. Quartal 2015

Und während die Liquidität beschränkt wird, da sie den … unvorteilhaften Weg zwischen den griechischen Banken und dem Träger für die Verwaltung der öffentlichen Verschuldung nimmt, wird dem System „Luft“ verschafft, da es bis Ende Februar 2015 keine signifikanten Zahlungen (für auslaufende Anleihen u. a.) an das Ausland gibt. Im Januar 2015 schuldet Griechenland allerdings (wie jeden Monat), 415 Mio. Euro plus Zinsen an den Internationalen Währungsfonds zu zahlen, und im Februar 2015 steigt dieser Betrag auf 690 Mio. Euro, ebenfalls plus Zinsen.

Quellen des Wirtschaftsstabs zufolge wird es in diesen beiden Monaten kein Problem geben. Im März 2015 beginnen jedoch die großen Kopfschmerzen, da das Land allein an den IWF 1,5 Mrd. Euro tilgen muss. Charakteristisch ist die Warnung des Finanzministers Gikas Chardouvelis Anfang der Woche im Parlament. Wie er sagte, „müssen in den kommenden 3 Monaten insgesamt ungefähr 4,5 Mrd. Euro gezahlt werden„. Weiter ist die Deckung der Schatzbriefe nötig, die in diesem Zeitraum auslaufen. Deswegen – merkte er bezeichnend an – muss die Verhandlung (mit der Troika) zum Abschluss gebracht werden, damit die Tranchen von EU (1,8 Mrd. Euro) und IWF (insgesamt 3,6 Mrd. Euro) in die staatlichen Kassen fließen.

Der schwierige Part des Jahres 2015 ist jedenfalls in den Sommermonaten angesiedelt, in denen große Anleihen fällig werden, während der Betrag (für Tilgungen und Zinsen) für das ganze Jahr 2015 auf insgesamt 12 Mrd. Euro veranschlagt wird.

(Quelle: euro2day.gr, Autorin: Anastasia Papaioannou)

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