Berlin holt Plan Z für Griechenland aus der Schublade

21. Dezember 2014 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 2.434

Berlin zeigt sich entschlossen, Griechenland aus der Eurozone hinauszuwerfen, falls die erwartete SYRIZA-Regierung sich gegen das Memorandum sträuben sollte.

Zu einer Stunde, wo sich in Griechenland die politischen Entwicklungen beschleunigen, mit dem sich abzeichnenden Misslingen der Wahl eines Staatspräsidenten, was mit mathematischer Sicherheit zu vorgezogenen Neuwahlen zu führen scheint, soll Berlin bereit sein, den geheimen Plan „Z“ für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone umzusetzen.

Die „spärliche“ Ausbeute an Stimmen für Stavros Dimas bei der ersten Abstimmung am 17 Dezember 2014 über die Präsidentenwahl verstärkt die Prognosen bezüglich vorgezogener Neuwahlen am 25 Januar oder 01 Februar 2014. Die Regierung ging mit nur 160 positiven Stimmen für Stavros Dimas und einem starken Block 135 negativer Stimmen in das „Rennen“ der Präsidentschaftswahl. Obwohl sich hinter den Kulissen die „Konzeptualisierungen“ zur Überwindung der Sackgasse in vollem Gang befinden, nehmen somit die meisten politischen Beobachter das Misslingen der Wahl eines Präsidenten vorweg.

Troika plante schon 2012 den „Grexit“

Für den Fall, dass aus den Neuwahlen eine anti-memorandische Regierung unter der SYRIZA hervorgehen sollte, warnt Berlin, diesmal nicht zögern zu werden, den geheimen Plan für den Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone mit dem Code-Namen „Plan Z“ zu aktivieren (nach dem letzten Buchstaben des lateinischen Alphabets, was andeutet, der letzte Zufluchtsplan für den Fall zu sein, dass Griechenland sich von dem Memorandum lossagt).

Wie Funktionäre des deutschen Finanzministeriums gegenüber der Zeitung „Die Welt“ erklärten, wird – falls die SYRIZA ihre Politik umsetzt – der ältere Plan zur Isolierung der griechischen Wirtschaft zur Umsetzung kommen, damit die Gefahren für die Eurozone eingeschränkt werden. „Wir brauchen keine neuen Pläne, wir haben bereits die alten in der Schublade, die von einer Isolierung des griechischen Wirtschaftssystems sprechen„, meinten die Berliner Quellen.

Wie die Financial Times (FT) im Mai enthüllte, hatten den Plan „Z“ im Jahr 2012 Amtsträger der Troika unter Umständen absoluter Geheimhaltung ausgearbeitet. Es wurde vorgeschlagen, ihn umzusetzen, falls nach den zweiten Parlamentswahlen (2012) in Griechenland eine SYRIZA-Regierung an die Macht gelangen sollte, die das Memorandum „zerreißen“ würde. Der selbe Plan wurde sogar dann umzusetzen vorgeschlagen, falls eine Regierung unter Antonis Samaras auf der Neuverhandlung der Bedingungen des Memorandums beharrt hätte.

Letztendlich war es nicht nötig, den Plan zu aktivieren, weil Antonis Samaras im August 2012 von seinen Plänen bezüglich einer Neuverhandlung abließ und beschloss, das Memorandum umzusetzen. Angela Merkel stellte sich damals jedoch so wie so darauf ein, den Plan zu verwerfen, weil es unmöglich war, die Konsequenzen vorauszusehen, die das Ausscheiden eines Landes aus der Eurozone für das Gebäude der Währungsunion haben würde. Wolfgang Schäuble und viel Amtsträger des deutschen Finanzministeriums waren dagegen schon in jener Epoche davon überzeugt, es sei vorzuziehen, ein Glied zu amputieren anstatt dass die Vergiftung auf den Körper der Eurozone übergeht.

Schäuble: ohne Memorandum kein Verbleib in der Eurozone

Heute haben sich die Umstände geändert. Die deutschen Amtsträger, aber auch allgemein die europäische Elite ist der Auffassung, der Fall Griechenlands stelle keine ernsthafte Bedrohung für die übrige Eurozone dar, weil die griechische Verschuldung inzwischen zu ihrem größten Teil außerhalb der Märkte gestellt wurde, während die Eurozone starke Abwehrinstitutionen erwarb und die Europäische Zentralbank – wie es Mario Draghi formulierte – entschlossen ist, „alles Nötige“ zu unternehmen, um den Euro zu retten.

Unter diesen Umständen signalisieren die Deutschen, nicht zögern zu werden, den Plan „Z“ zu aktivieren, falls eine SYRIZA-Regierung beschließen sollte, sich in eine Kollision mit den offiziellen Gläubigern zu begeben. Es ist kein Zufall, dass Merkel inzwischen jegliche Einmischung in die Handhabung des griechischen Problems vermeidet und die erste Rolle Wolfgang Schäuble überlässt, der nicht zu vertreten aufgehört hat, Griechenland könne nur im Euro verbleiben, wenn es das Programm des Memorandums umsetzt.

Außer dem, was die „FT“ enthüllte, sind über den Plan „Z“ nicht viele Details bekannt geworden. Wie in dem einschlägigen Artikel des Korrespondenten der britischen Zeitung in Brüssel, Peter Spiegel, berichtet wurde:

Schließung der ATMs und Grenzkontrollen

Obwohl die F. T. keinen Zugang zu den Dateien des Plans ‚Z‘ erlangte, kommentierten Amtsträger, die diese sahen, er entspräche einem detaillierten Szenarium dafür, wie von Null an ein neues Finanzsystem aufgebaut wird. In Washington bereiteten Faktoren des IWF eine 20-seitige Simulation der Aktion. Aus ihrer Erfahrung mit Bankzusammenbrüchen und Währungskrisen schöpfend sagten sie, der detaillierte Plan des IWF umfasse dramatische Züge, wie die Schließung aller Bankautomaten (ATM) und die Verhängung von Kontrollen an den Grenzen zur Abwendung einer massenhaften Kapitalflucht.

Bei der EZB studierten die Amtsträger die Erfahrung Argentiniens mit der Ausgabe sogenannter IOUs (von dem englischen ‚I owe you‘, was ‚ich schulde Dir‘ bedeutet), also inoffizieller Titel über die Übernahme einer Zahlungsverpflichtung in Substituierung der Banknoten während der Dauer der Währungskrise 2001, da die Banknoten, die in Griechenland in Umlauf sein würden, keinerlei gesetzliche Geltung mehr haben würden. Unter den Optionen befand sich die Ausgabe griechischer Schuldversprechungs-IOU in ungefähr dem halben Wert der existierenden Euro, da die Ausgabe neuer Banknoten in Griechenland ein verfahrenstechnischer Albtraum gewesen wäre.

Die Amtsträger der EZB studierten ebenfalls die Einführung neuer Dinare im Irak durch das amerikanische Militär im Jahr 2003, jedoch fürchteten sie wieder die technische Herausforderung. Die USA brauchten für das Projekt drei Monate, hatten aber den größten Militärapparat der Welt und dessen Werkzeuge hinter sich. Griechenland hatte sehr beschränkte Druckmöglichkeiten und druckte nach der Einführung des Euro fast ausschließlich 10-Euro-Scheine.

Entsprechend komplex war die ‚Basis-Installation‘ der griechischen Wirtschaft gestrickt. Wie jedes Land der Eurozone ist Griechenland mittels des Netzwerks Target 2 eingebunden, einem kolossalen internen System elektronischer Rechner, das die EZB und die nationalen Zentralbanken betreiben und die meisten Handelsabläufe gestattet. Würde Griechenland von Target 2 abgekoppelt werden, könnten die Abrechnungen von Geschäftsvorgängen nicht erfolgen und die Wirtschaft würde eingefroren bleiben. Außerdem müsste das gesamte System neu eingerichtet werden.

Ein entsprechendes Arbeitsvolumen fiele in Brüssel an. Einige Parts gelangten wegen der EU-Gesetzgebung in eine Sackgasse: Wie wird eine ‚eingezäunte‘ Wirtschaft ein voll integriertes Mitglied des EU-Binnenmarkts bleiben können, der einen freien Warenverkehr erfordert? Welche gesetzlichen Behörden würden die Kapitalkontrolle übernehmen? Andere Vorbereitungen waren sehr viel praxisbezogener, wie beispielsweise, welche Amtsträger vor die Leute treten werden um den neuen Status Griechenlands bekannt zu geben.

(Quelle: sofokleous10.gr)

Relevante Beiträge:

  1. swen
    21. Dezember 2014, 04:54 | #1

    Was für ein Unsinn. Griechenland kann gar nicht von Deutschland oder irgendwem aus dem Euro „geworfen“ werden, das verstößt gegen EU-Recht. Auch die EZB kann sowas nicht beschließen oder durchsetzen, sie ist genauso an das europäische Recht gebunden. Die europäischen Politiker werden sich auch in der aktuellen politischen Lage vor einer Isolation Griechenlandes hüten, denn Ruckzuck sind die Russen und Chinesen am Zug und das würde der EU ernsthafte und nachhaltige Probleme verschaffen. Also, cool bleiben, Tsipras wird das schon schauken und danach geht es ein kleines bißchen gerechter und „sozialer“ zu, nicht mehr und nicht weniger.

  2. bub
    21. Dezember 2014, 13:25 | #2

    Die allgemeine Panikmache ausgehend aus der BRD hat begonnen! Go Syriza go!!

  3. g.purer
    22. Dezember 2014, 11:48 | #3

    Sagenhafte Arroganz! Wie sagte Berlusconi in einem seiner hellen Momente: „Wir brauchen kein deutsches Europa, wir brauchen ein europäisches Deutschland

  4. h.kuebler
    22. Dezember 2014, 12:44 | #4

    Keine Macht der Welt kann ein Land reformieren, wenn es das Land selbst nicht will. Nicht die Troika, nicht Deutschland, nicht die EU, niemand. Also ist es am besten, Griechenland macht einfach selbst sein Ding. Nach eigenen Vorstellungen, mit eigener Währung, mit Syriza oder mit wem auch immer. Ich wünsche von Herzen gutes Gelingen.

  5. LiFe
    22. Dezember 2014, 19:33 | #5

    Ich denke um Griechenland zu verstehen, da muss man ihre gesamte Geschichte studieren. M. E. werden zu hohe Erwartungen gestellt und es wird nicht berücksichtigt, dass Griechenland lange daran gehindert war sich industriel zu entwickeln. Griechenland ist ein anderes europäisches Land. Ebenso die Balkanländer. Da können die Franzosen, Deutschen, Engländer, Italiener und Niederländer sich glücklich schätzen. Waren sie frei!

  6. GR-Block
    23. Dezember 2014, 00:40 | #6

    Was wird da herum philosophiert. Was analysiert man die Gene des anderen. Was gräbt man in der Geschichte. Und das alles nur um zu“verstehen“, warum der Andere anders ist. Dabei wäre eher das Gegenteil unverständlich. Warum sollten verschiedene Völker gleich sein? So oder so… auf keinen Fall erklärt das die Finanzkrise.
    Eine Wippschaukel bleibt nicht im Gleichgewicht, nicht einmal wenn Zwillinge darauf sitzen. Der gemeinsame Markt ist eine solche Wippschaukel und dessen Gleichgewicht deshalb ein labiles. Einer hat einen Aufschwung, nur wenn ein anderer einen Abschwung hat, selbst wenn beide es nicht wollen. Für ein Gleichgewicht müssten die beiden zusammenarbeiten, nicht konkurrieren.
    Wollte die EU wirklich, dass GR seine Finanzprobleme löst und dabei keine Kredite braucht, dann hätte sie das Ungleichgewicht der Arbeitsplätze beseitigt. Heute arbeitet nur jeder dritte in GR. Der Wipppartner dagegen hat 52% Beschäftigung und beharrt verbissen darauf, noch mehr zu arbeiten. Die zusätzlichen Gewinne möchte er als lukratives Darlehen ins bankrotte GR investieren. Das bringt Prozente, die von den Völkern der EU garantiert werden, gegen deren Wunsch.
    Nein, vor der Finanzkrise sind wir EUler alle gleich. Wir sind am Binnenmarkt angekettet und die Geier fressen an unserer ständig nachwachsenden Leber.

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