Griechenland: das Geschäft mit dem Tod

4. November 2014 / Aufrufe: 1.171

Die ablehnende Haltung der Kirche in Griechenland gegenüber der Einäscherung hat nicht nur theologische, sondern auch wirtschaftliche Dimensionen.

Die Mitglieder des Verbands der Freunde der Einäscherung in Griechenland – ja, so einen Verband gibt es und er hat sogar 10.000 Mitglieder – lasen am Freitag das Rundschreiben, das an alle Erzbistümer verschickt wurde und die Informierung der Gläubigen betrifft.

[…] Die Kirche akzeptiert für ihre Mitglieder nicht die Einäscherung des Körpers, weil dieser der Tempel des Heiligen Geistes ist (1. Kor. 6, 19), ein Element des Bestands des nach dem Bild und der Gottesgleichheit geformten Menschen (Gen. 1,24), und umgibt diesen (Körper) mit Respekt und Ehre als Ausdruck der Liebe an ihr entschlafenes Mitglied und als Äußerung des Glaubens an die gemeinsame Auferstehung für alle. […] Wer nachweislich freiwillig den Wunsch auf Einäscherung seines Körpers erklärte, erklärt seine Separation, und daher wird für ihn keine Totenmesse und kein Seelenamt zelebriert […].

Gestorben wird immer – krisensicheres Geschäft, garantierte Kundschaft

In Griechenland hat man nicht das Recht, nach seinem Tod kein Wurmfutter zu werden. Auch wenn der Staat – mit großer Verzögerung – die erforderlichen gesetzgeberischen Schritte in die Richtung der Einäscherung gemacht hat, ist seine Umarmung mit der Kirche dermaßen eng, dass er nicht zur Realisierung seiner Pläne schreiten kann. Macht und Einfluss des Klerus in allen Strukturen des Staatsmechanismus sind effektivere Waffen als selbiges Feuer, das im Ofen des Einäscherungszentrums brennen würde.

Die Realität ist jedoch etwas anders. Das Thema ist nicht nur theologisch. Es ist hauptsächlich wirtschaftlich und hat mit den seit Jahrzehnten agierenden Kreisen zu tun, die das inflexibelste Gut kommerzialisieren. Den Tod. Leute werden immer sterben, und hinsichtlich der Kundschaft ist es das sicherste Business. Die nützlichste Connection, die stärkste Bekanntschaft, ist weder irgendein Oberst (wenn man beim Militär ist), noch ein Professor (wenn es bei der Prüfungen hapert) und auch nicht irgendein Abgeordneter. Die werden einem bestenfalls in einem konkreten Moment helfen, bei einer einzigen Sache. Der beste Deal erfolgt zwischen den Krankenhäusern und den Bestattungsunternehmen.

Ich kenne Geschichten – und bin sicher, auch alle anderen, die einen nahestehenden Menschen im Krankenhaus verloren -, wo Pfleger und Ärzte unmittelbar nach dem letzten Atemzug des Patienten bei den Bestattungsinstituten anrufen. Noch bevor die Verwandten im Krankenzimmer anzukommen schaffen, ist die … Krähe bereits dort. Im weiteren Verlauf gibt es auch bei der Beisetzung „Deals“. Zu Hause, wenn das Leichengebet gesprochen wird, in der Kirche bei der Zeremonie, auf dem Friedhof, bei dem Seelenamt. Es ist zu viel Geld, um es verloren gehen zu lassen. In Griechenland gibt man für eine Beerdigung ab 2.000 – 3.000 € und mehr aus. Die Einäscherung in Bulgarien und Slowenien (wohin die Griechen gebracht werden, die sich einäschern lassen wollen) kostet dagegen bei 1.500 €. (Und in Bulgarien wird die Totenmesse regulär von orthodoxen Geistlichen zelebriert.)

Die persönliche Freiheit ist das allererste und grundsätzlichste persönliche Recht und impliziert, dass es keine Beschränkung hinsichtlich unserer physischen und psychosomatischen Existenz gibt. Wenn jedoch Geld im Spiel ist, können wir dieses Recht in den Ofen stecken. Wie den Körper des Toten.

Einäscherung wurde in Griechenland erst 2006 gesetzlich gestattet

In Griechenland wurde das Thema der Einäscherung erstmalig 1987 gestellt, als der damalige Oberbürgermeister von Athen, Miltiadis Evert, ein diesbezüglich Schreiben an den Heiligen Synod der Griechischen Kirche richtete. Etwa 20 Jahre später, im Jahr 2006, wurde mit der Verabschiedung eines einschlägigen Gesetzes (3448/2006, Art. 35) auch in Griechenland die Einäscherung für all jene gestattet, denen es ihre Religion erlaubt. Die Realisierung dieser gesetzlichen Regelung schritt jedoch nicht voran, da das Standort-Thema anhängig blieb..

Im Juli 2008 wurde bei der 5. Kammer der Obersten Verwaltungsgerichtshofs der Entwurf eines Präsidialdekret (PD) zur gesetzvorbereitenden Bearbeitung eingereicht, mit dem die Orte für die Schaffung von Einäscherungszentren, die Bedingungen und die Voraussetzungen einer Einäscherung bestimmt wurden. Gemäß dem PD werden Einäscherungszentren für Leichen (Krematorien) nur von den Trägern der lokalen Selbstverwaltung ersten Grades innerhalb ihres Verwaltungsbezirks gegründet und es ist eine vorherige Genehmigung einer Studie über Auswirkungen auf die Umwelt erforderlich.

Im Ausland ist auch die Einäscherung der Toten ein reichlich lukratives Unternehmen. Ein aufmerksamer Blick auf das Video wird Sie überzeugen. Achten Sie auf das Marketing und die Produktion. In den USA erstellen die Krematorien sogar auch Gegenstände aus der gepressten Asche der Toten und verschenken sie an die Verwandten. Sie kommerzialisieren praktisch den Tod. Einfach nur auf unterschiedliche Weise. Eine im vergangenen Jahr in der Times veröffentlichte Studie prognostiziert, dass sich 2017 einer von zwei Amerikanern für die Einäscherung anstatt der Beerdigung entscheiden werden.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Takis Karagiannis)

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