Griechenland: Abtreibung oder Kündigung und Menstruations-Urlaub

23. November 2014 / Aktualisiert: 11. August 2020 / Aufrufe: 1.299

Ein schwangere Arbeitnehmerin in Griechenland zeigte an, von ihrem Arbeitgeber vor die Wahl gestellt worden zu sein, entweder abzutreiben oder gekündigt zu werden.

Aufsehen erregte in Griechenland die Meldung des Berufsverbands der abhängig beschäftigten Techniker, dass in Heraklion / Kreta ein Arbeitgeber eine schwangere Beschäftigten unter Druck setzte, zu einer Abtreibung zu schreiten um ihre Arbeit zu behalten.

Laut der Meldung „wurde die Arbeitnehmerin als Bürokraft mit 615 Euro brutto eingestellt, ist jedoch mit Ingenieurs-Aufgaben betreut, während ihr Arbeitsplatz aus dem ‚Nationalen Strategischen Rahmenplan‘ (NSRP) subventioniert wird. Trotz allem ist sie seit Juni 2014 nicht bezahlt worden und ihr Arbeitgeber setzt sie unter Druck, zu einer Abtreibung zu schreiten, wenn sie ihre Arbeit behalten wolle, oder anderenfalls ihre Kündigung zu unterschreiben um auch ihre fälligen Lohnzahlungen zu erhalten„.

Verbale und körperliche Bedrohungen

All dies geschieht, weil auf Basis der Gesetzgebung der – in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stehenden – Arbeitnehmerin über einen Zeitraum von 18 Monaten ab der Geburt nicht gekündigt werden kann. Entlässt der Arbeitnehmer sie trotzdem, hat er alle Lohnzahlungen für diesen Zeitraum und zusätzlich eine Geldstrafe zu zahlen.

Von Seite des Arbeitnehmerverbands wird angeführt, die Frau, die bereits Mutter zweier Kinder ist, fühle wegen des entstandenen gegen sie gerichteten Klimas sogar ihre Schwangerschaft bedroht. Wie Medienberichten zufolge die Schwangere selbst berichtete, wurde sie mit Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft von einem Vertreter der Firma nicht nur verbal attackiert, sondern auch in ihrer körperlichen Unversehrtheit bedroht. Weiter erklärte sie, ihr Arbeitgeber habe sie seit Juni 2014 nicht mehr bezahlt und schulde ihr außerdem auch Zulagen der Jahre 2013 und 2014.

Die Anzeige ist inzwischen bei der Arbeitsaufsichtsbehörde angelangt.

Unbezahlter Menstruations-Zwangsurlaub

Zu schockierenden Enthüllungen gegenüber patrastimes.gr schritten die Vorsitzende des gewerkschaftlichen Verbands der im Handel beschäftigten Arbeitnehmer, Giota Panagopoulou, und das Vorstandsmitglied Vasilios Papasimakopoulos.

Frau Panagopoulou enthüllte, in der Stadt Patras gebe es Arbeitgeber, die weibliche Beschäftigte bei der Einstellung eine Erklärung zu unterschreiben verpflichten, in der sie verbindlich zusagen, im Fall einer Schwangerschaft freiwillig zu kündigen und keinerlei Forderung zu erheben. In anderen Fällen verlangten Arbeitgeber von einzustellenden Frauen, zu unterschreiben, dass sie sich nicht verloben und, falls sie es trotzdem tun, ihr Arbeitsverhältnis von allein kündigen werden.

Die Geschehnisse im „Königreich“ der Arbeitgeberwillkür in Patras betrifft auch die Enthüllung des Herrn Papasimakopoulos, wonach in einer Niederlassung einer europäischen Kette der Leiter von weiblichen Beschäftigten verlangte, während ihrer Monatsregel unbezahlten Urlaub zu nehmen, weil die Menstruation ihre Arbeitsleistung sinken lässt.

Eine Spitze des Eisbergs wurde am Sonntag, dem 02 November 2014 verzeichnet, an dem die Geschäfte geöffnet waren und eine weibliche Beschäftigte sich hinter einem Vorhang versteckte, um ihr – von einem Verwandten vorbeigebrachtes – Kind zu stillen.

(Quelle: in.gr, patrastimes.gr, Medienberichte)

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