Wer 2015 in Griechenland mehr Steuern zahlen wird

15. Oktober 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 5.452

Besteuerung von Mieteinnahmen

Geringere Steuern zu entrichten werden die Steuerpflichtigen aufgerufen sein, die ausschließlich Einkommen aus Immobilien haben. Der Steuersatz für die ersten 12.000 Euro des Einkommens aus Mieten mag von 10% auf 11% angehoben worden sein, parallel entfällt jedoch die Zusatzsteuer von 1,5% oder 3%, die bisher erhoben wurde, wenn die Fläche einer Wohnung 300 qm übersteigt oder es sich um eine gewerbliche Vermietung handelt. Ebenfalls wird auf Einkommen aus Immobilien (sprich Mieteinnahmen) fortan nicht mehr die Steuervorauszahlung von 55% erhoben.

Wie bereits vorstehend erwähnt wurde, werden von der augenscheinlich resultierenden Steuersenkung jedoch praktisch hauptsächlich Steuerpflichtige mit hohen Einkommen aus Mieteinnahmen profitieren, während speziell die Steuerpflichtigen, die nur geringfügige Mieteinnahmen haben, sich infolge ihrer „fiktiven“ Veranlagung mit Steuerforderungen konfrontiert sehen werden, die in etlichen Fällen die (realen) Mieteinnahmen um bis zu einem Vielfachen übersteigen werden!

Besteuerung als … „Selbständige“

Beispiel: Ein Steuerpflichtiger mit einem jährlichen Einkommen aus abhängiger Lohnarbeit von 7.000 Euro und einem „Quittungsblock-Einkommen“ von 4.000 Euro, das er von einem einzigen (anderen) Arbeitgeber erhielt. Gesamteinkommen: 11.000 Euro. In diesem Jahr wählte und wurde er für die Summe seines Einkommens mit der Steuerskala für Arbeitnehmer besteuert und die von ihm entrichtete Steuer erreichte 320 Euro, während er mit einer Gewerbeabgabe von 500 Euro belastet wurde. Seine Gesamtbelastung für das 2013 erworbene Einkommen betrug folglich 320 Euro.

2015 wird das aus abhängiger Lohnarbeit herrührende Einkommen von 7.000 Euro mit der Steuerskala für Arbeitnehmer und das Einkommen von 4.000 Euro mit der Steuerskala für Selbständige besteuert werden, also:

  • Steuer für das Einkommen aus abhängiger Lohnarbeit: 0
  • Steuer für das Einkommen aus „Quittungsblock“: 1.040 Euro
  • Gewerbeabgabe: 650 Euro.
  • Steuerliche Gesamtbelastung: 1.690 Euro.
  • Anstieg der steuerlichen Belastung: 106%!

Steuerpflichtige Sachleistungen

Sachleistungen, die besteuert werden, sofern ihr Wert insgesamt 300 Euro im Jahr übersteigt:

  • Einkaufgutscheine und Coupons.
  • Gutschriften (über 6 Euro pro Tag), die gratis für den Kauf von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen von angeschlossenen Geschäften ausgegeben werden.
  • Firmenkreditkarten. Nur für die Aufwendungen, die sich auf persönliche oder familiäre Ausgaben beziehen.
  • Ermäßigungen bei elektrischem Strom, Wasser, Telefon.
  • Zahlungen von Arbeitgebern direkt an Dritte. Nachhilfeschulen, Schulen, Kindergärten, Feriencamps, Beiträge an Fitnesszentren, Clubs, Übernahme von Arztkosten (check up).
  • Ausgaben für Tagungen und Konferenzen, die sich nicht auf den Gegenstand ihrer Arbeit oder das Niveau der Position bezieht, die sie inne haben.
  • Der Vorteil, der sich für das Personal privater Bildungseinrichtungen dadurch ergibt, dass ihre Kinder diese kostenlos oder gegen reduzierte Schulgelder besuchen. Ausgenommen sind die Stipendien.
  • Mobiltelefone. Die Kosten der von den Firmen gebuchten Nutzungsprogramme werden übernommen und nicht besteuert. Die darüber hinausgehenden Kosten können von der Buchhaltung des Unternehmens in private und persönliche aufgeteilt werden. Wird geurteilt, dass ein Teil des darüber hinausgehenden Betrags oder die Gesamtheit sich auf persönliche Telefonate bezieht, werden – sofern der Arbeitgeber die gesamte Rechnung bezahlt – die Kosten der privaten Telefonate nebst MwSt. und den anteiligen Grundgebühren als Sachleistung betrachtet und versteuert. Falls die Differenzierung nicht möglich ist oder der Arbeitgeber aus irgendeinem Grund nicht zu dieser Differenzierung schreitet und keine einschlägige Bescheinigung erteilt, gilt der über die Grundkosten des Nutzungsprogramms hinausgehende Betrag als Sachleistung.

Besteuerung von Sachleistungen unabhängig von ihrem Wert

Zu den Sachleistungen, die unabhängig von ihrem Wert besteuert werden, zählen:

  • Firmenwagen: 30% der Abschreibungskosten, Kfz-Steuern, Reparatur- und Wartungskosten sowie auch der Kosten der Kauffinanzierung oder des Leasings werden als Einkommen aus abhängiger Lohnarbeit besteuert.
  • Kredite. Die Vorauszahlung des Lohns von mehr als drei Monaten gilt als Kredit. Als Einkommen wird die Differenz zwischen den auf Basis des durchschnittlichen Marktzinssatzes veranschlagten und den Zinsen angerechnet, die der Arbeitnehmer ggf. gezahlt hat.
  • Vorzugsrechte für den Erwerb von Aktien. Die sogenannten „stock options“ werden als Einkommen aus abhängiger Lohnarbeit betrachtet, jedoch nicht in ihrem Gesamtwert. Als Einkommen gilt der Gewinn, den der Arbeitnehmer bei Erwerb der Aktien macht.
  • Wohnungen. Die von dem Arbeitgeber für eine Arbeitnehmermietwohnung gezahlte Miete gilt als Einkommen des Arbeitnehmers. Wenn die Wohnung dem Arbeitgeber gehört, macht das Einkommen 3% des Einheitswerts der Immobilie aus.

Obligatorische Beibringung von Quittungen über Konsumausgaben

Änderungen sind für die diesjährigen Einkommen auch bei der Maßnahme bezüglich der Quittungen eingetreten. Um die (ausschließlich Arbeitnehmern und Rentnern!) eingeräumte Steuerermäßigung von 2.100 Euro (sprich den sich daraus praktisch ergebenden Steuerfreibetrag von bis zu 9.550 Euro ergebenden) sicherzustellen, müssen Arbeitnehmer und Rentner Quittungen über Konsumausgaben sammeln, die 10% des deklarierten und steuerpflichtigen Einkommens entsprechen und sich – je nach Einkommen – auf einen Gesamtbetrag von bis zu 10.500 Euro belaufen. In diesem Zusammenhang müssen die Steuerpflichtigen wissen:

1. Die Verpflichtung zur Sammlung von Quittungen über Konsumausgaben gilt nur für die aus abhängiger Lohnarbeit herrührenden Einkommen. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmer oder Rentner, die Einkommen auch aus anderen Quellen – wie beispielsweise aus Mieten – haben, Quittungen nur für den Teil des Einkommens brauchen, der aus abhängiger Lohnarbeit herrührt. Wenn beispielsweise ein Rentner 6.000 Euro aus der Rente und 3.600 Euro aus Mieten hat, müssen die zu deklarierenden Quittungen auf (6.000 x 10%) 600 Euro lauten.

2. Sammeln sie mehr Quittungen, haben sie keinerlei Vorteil. Wenn dagegen der Betrag der beigebrachten bzw. deklarierten Quittungen über Ausgaben des Steuerpflichtigen niedriger als der geforderte Gesamtbetrag ist, wird auf die Differenz eine Steuer von 22% erhoben. Beispielsweise sind für ein Einkommen von 40.000 Euro Quittungen über 4.000 Euro erforderlich. Reicht der Steuerpflichtige Quittungen über nur 2.000 Euro – also 2.000 Euro zu wenig – ein, wird er abgesehen von der zu entrichtenden Steuer (für den Teil des Einkommens, für den er den Steuerfreibetrag verliert!) mit einer zusätzlichen Steuer von weiteren 2.000 Euro x 22% = 440 Euro belastet werden.

3. Die beigebrachten Quittungen müssen sich auf bestimmte Güter und Dienstleistungen beziehen, und zwar konkret (Achtung, die Auflistung ist nicht vollständig!):

  • Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke.
  • Alkoholische Getränke und Tabakprodukte.
  • Kleidung und Schuhwerk.
  • Behausung (nur die Dienstleistungen und Artikel für Wohnungsreparaturen und Instandhaltung).
  • Dauergüter, Haushaltsartikel und Dienstleistungen.
  • Beförderung (nur Sachtransporte, Wartung und Reparatur von Autos / Motorrädern, Ersatzteile, Treibstoff, Schmiermittel, Frostschutzmittel und Taxikosten).
  • Freizeit, kulturelle Aktivitäten (nicht berücksichtigt werden die öffentlichen Fernseh- und Rundfunkgebühren und Beiträge an Mitgliederkanäle).
  • Bildung (nur Schulgelder für Nachhilfe und Fremdsprachenschulen).
  • Hotels, Cafés, Restaurants.
  • Sonstige Güter und Dienstleistungen (nicht berücksichtigt werden die Ausgaben für jede Art von Versicherungen).

Ergänzend sei angemerkt, dass „Steuerausländern“ der (Einkommens-) Steuerfreibetrag für Arbeitnehmer / Rentner grundsätzlich nicht zugestanden wird und sie somit in diesem Zusammenhang auch keine Belege über Konsumausgaben sammeln müssen, zumal sie von den „Einkommensindizien“ zumindest so lange ausgenommen sind, wie sie in Griechenland keinerlei „reale“ Einkommen (also auch nicht aus Mieteinnahmen, Kapitalerträgen / Zinsen usw.) haben.

(Quelle: Imerisia)

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  1. Antonios Vassiliadis
    15. Oktober 2014, 16:59 | #1

    Ist diese Gewerbeabgabe für die „Quittungsblockschreiber“ (z. B. Selbstständige oder Freiberufler) mit 650,- Euro pro Jahr oder pro Monat zu verstehen?

  2. Team
    15. Oktober 2014, 17:18 | #2
  3. Antonios Vassiliadis
    15. Oktober 2014, 17:42 | #3

    @Team
    Danke

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