Wer 2015 in Griechenland mehr Steuern zahlen wird

15. Oktober 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 5.098

Der Haushaltsplan 2015 in Griechenland sieht Steuermehreinnahmen von fast 2 Milliarden Euro vor, die speziell Steuerpflichtige mit geringen Einkommen belasten werden.

Der Haushaltsplan für 2015 mag keine neuen Steuerbeitreibungsmaßnahmen vorsehen und die ersten Steuerentlastungen bringen, hunderttausende Steuerpflichtige – hauptsächlich solche mit niedrigen Einkommen – werden jedoch aufgefordert sein, im kommenden Jahr mit der Bereinigung ihrer Steuererklärung mehr Steuern zu zahlen.

Arbeitnehmer, die ihr monatliches Einkommen mit Einkommen aus (meistens in einer unverhohlenen Scheinselbständigkeit ausgeübten) „freien“ Nebentätigkeiten (in Griechenland als Einkommen aus einem „Blokaki“ = „Quittungsblöckchen“ bezeichnet), Arbeitnehmer, die Sachleistungen erhalten, aber auch alle, die – wie beispielsweise Studenten – geringfügige Einkommen aus Gelegenheitsarbeit verdienen, werden sich 2015 mit einer höheren und nicht selten buchstäblich horrenden steuerlichen Belastung konfrontiert sehen.

Steuererhöhungen werden dreist als Steuersenkungen propagiert

Auf der Gegenseite werden Steuerpflichtige, die in diesem Jahr Einkommen aus Mieteinnahmen haben, eine Reduzierung ihrer steuerlichen Belastung feststellen, da zwar der Steuersatz für die (Miet-) Einkommen bis 12.000 Euro von 10% auf 11% angehoben werden mag, gleichzeitig jedoch die Zusatzsteuer von 1,5% – 3% auf diese Einkommen sowie auch die 55%ige Steuervorauszahlung gestrichen wurden. (Anmerkung: Unter dem Strich werden speziell zahlreiche Steuerpflichtige mit Einkommen ausschließlich aus Immobilien trotzdem mehr Steuern zahlen, da die Erhöhung der Mietbesteuerung von 10% auf 11% sich ggf. auch auf die Gesamtveranlagung auswirkt!)

Das Puzzle der im kommenden Jahr zur Aktivierung kommenden steuerlichen „Umstürze“ ergänzen die Änderungen bei der Maßnahme bezüglich der (Konsum-) Quittungen, aber auch die Senkung der Solidaritätssonderabgabe um 30% für die Steuerpflichtigen mit Einkommen von über 12.000 Euro, welche Maßnahme noch nicht gesetzlich umgesetzt wurde, jedoch in dem Entwurf des neuen Haushaltsplans vorgesehen ist.

(Zu letzterem sei angemerkt, dass die außerordentliche Solidaritätsabgabe war zeitlich bis auf die Einkommen des Jahres 2013 beschränkt und hätte demnach völlig wegfallen müssen. Nicht zuletzt auf Druck der Troika wurde die Abgabe jedoch rechtswidrig beibehalten, was die Regierung Samaras wiederum mit der in Rede stehenden „Senkung“ zu kaschieren versuchte und nun dreist als „Steuersenkung“ propagiert … .)

„Aufgeblähte“ Steuerbescheide

„Aufgeblähte“ Steuerbescheide werden 2015 konkreter sehen:

1. Alle Steuerpflichtigen, die in einem abhängigen Arbeitsverhältnis stehen und ihr Monatseinkommen mit Einkommen aus „Quittungsblöckchen“ (sprich meistens einer nebenberuflichen Scheinselbständigkeit) aufbessern. Die Einkommen, welche die konkreten Steuerpflichtigen in diesem Jahr mit „Blöckchen“ verdienen, werden im kommenden Jahr obligatorisch ab dem ersten Euro mit einem Satz von 26% besteuert werden, während sie parallel aufgefordert sein werden, auch eine erhöhte Gewerbeabgabe von 650 Euro zu zahlen, gegenüber 500 Euro in diesem Jahr.

Für die Einkommen des Jahres 2013 hatten die Arbeitnehmer mit Einnahmen aus „Quittungsblöcken“ die Möglichkeit, für diese Einkommen zu wählen, entweder unter bestimmten Voraussetzungen (bei bis zu drei Arbeitgeber mit einem Vertrag über eine weisungsgebundene Beschäftigung oder auch mehr Arbeitgebern, sofern wenigstens 75% der Vergütungen von nur einem einzigen Arbeitgeber herrühren) mit der Steuerskala der Arbeitnehmer oder mit der Steuerskala für Selbständige besteuert zu werden.

Unterschiedliche Besteuerung für Arbeitnehmer, Landwirte, Selbständige

Eine Besteuerung mit der Steuerskala für Arbeitnehmer bedeutet praktisch, dass auf Einkommen von bis zu 9.550 Euro keine Steuer erhoben wird, während die erste Stufe der Skala 22% ist. Die in Rede stehenden Steuerpflichtigen hatten jedoch nicht die Möglichkeit, von dem Bruttoeinkommen Aufwendungen außer den Sozialversicherungsbeiträgen abzusetzen.

Was für die Einkommen des Jahres 2014 gilt? Sofern jemand Arbeitnehmer ist und sein Einkommen ergänzt, indem er auch eine „selbständige“ Tätigkeit ausübt, wird das „Quittungsblock-Einkommen“ auf jeden Fall mit einem Satz von 26% ab dem ersten Euro besteuert und er gleichzeitig mit einer Gewerbeabgabe von 650 Euro belastet. Das selbe geschieht, wenn jemand, der bei einem Arbeitgeber mit „Quittungsblock“ beschäftigt ist, jedoch nicht seine Wohnung als … Gewerbesitz deklariert hat. Dieser Fehler führt automatisch die Strafe der Besteuerung des Einkommens ab dem ersten Euro mit einem Satz von 26% herbei.

Speziell für Steuerpflichtige mit niedrigen Jahreseinkommen (Summe aus Lohn und „Quittungsblock“ in einer Größenordnung von 8.000 – 12.000 Euro) kann die auf dem Steuerbescheid des Jahres 2015 ausgewiesene Steuer im Verhältnis zu dem diesjährigen Steuerbescheid sogar auch um mehr als 50% höher liegen. Die Steuerpflichtigen haben natürlich die Möglichkeit, von ihrem Bruttoeinnahmen Aufwendungen abzusetzen und das steuerpflichtige Nettoeinkommen zu senken (was allerdings in den zahllosen Fällen einer offenen Verhöhnung gleichkommt, wo den Löwenanteil der tätigkeitsbedingten Aufwendungen die „Gewerbeabgabe“ ausmacht, die jedoch wiederum nicht absetzbar ist, sondern als Einkommen versteuert wird!).

2. Die Landwirte. 2015 wird sich auf den Steuerbescheiden der neue Modus der Besteuerung der Landwirte zeigen. Ihre Nettogewinne werden mit einem Satz von 13% ab dem ersten Euro besteuert werden, wogegen sie in diesem Jahr mit der Steuerskala für Arbeitnehmer besteuert wurden, also einen Steuerfreibetrag von 9.550 Euro hatten und ihr Einkommen gemäß dem sogenannten „objektbezogenen System“ bestimmt wurde. Die Landwirte laufen sogar in Gefahr, in die Falle der sogenannten „Einkommensindizien“ zu geraten und ab dem ersten Euro mit 26% besteuert zu werden, wenn:

  • Ihr deklariertes Einkommen ist geringer als das sich unter Anwendung der Lebenshaltungsindizien (Wohnungen, Fahrzeuge, fiktive Mindestlebenshaltungskosten) ergebende (fiktive) Einkommen. Die Differenz zwischen dem realen und dem imaginären Einkommen wird mit einem Satz von 26% ab dem ersten Euro besteuert und zusätzlich eine Steuervorauszahlung von 55% gefordert werden.
  • Sie deklarieren einen Verlust oder bei Null liegende Einkommen. In diesem Fall werden sie für den gesamten Betrag des fiktiven Einkommens mit einem Satz von 26% ab dem ersten Euro besteuert und zusätzlich wird eine Steuervorauszahlung von 55% (auf definitiv nicht existente Einkommen!) verlangt werden.

3. Arbeitnehmer, die von den Unternehmen, bei denen sie beschäftigt sind, Sachleistungen erhalten (Fahrzeug, Kreditkarten usw.). Die sogenannten Sachleistungen werden in Einkommen umgerechnet und auf Basis der Steuerskala besteuert. Weil jedoch für dieses zum ersten Mal in einer Steuererklärung erscheinende Einkommen keinerlei Steuer einbehalten worden ist, wird der Steuerpflichtige aufgefordert sein, Steuern auf den gesamten Wert der Sachleistungen zu entrichten. Die Steuer wird analog zu der Höhe des Einkommens, aber auch der Sachleistung mit einem Satz von 22%, 32% oder 42% erhoben werden.

4. Steuerpflichtige mit geringfügigen Einkommen, wie beispielsweise Studenten, die in diesem Jahr sehr geringe Einkommen aus Zinsen oder Gelegenheitsarbeiten oder subventionierten Programmen oder Bildungsseminaren haben werden. Diesen Steuerpflichtigen drohen wieder die Lebenshaltungsindizien, da sogar dann, wenn sie auch nur einen einzigen Euro aus Guthabenzinsen oder einen sehr geringen Verdienst der Größenordnung von 500 Euro haben, für ein fiktives Einkommen von minimal 3.000 Euro ab dem ersten Euro mit einem Steuersatz von 10% oder 26% besteuert werden. Noch krassere Steuerforderungen ergeben sich für Personen (wie z. B. Haufrauen) ohne jegliches reales Einkommen, die aus welchen Gründen auch immer als Kontoinhaber bzw. -mitinhaber und parallel als (Gemeinschafts-) Eigentümer von Immobilien, Fahrzeugen usw. erscheinen.

In diesem Jahr entgingen diese Steuerpflichtigen den Einkommensindizien und den überdimensionalen Steuern, da sie mit einer – jedoch nur für die Einkommen des Jahres 2013 (bzw. Fiskaljahres 2014) angewendeten – Regelung als Arbeitnehmer besteuert wurden und praktisch einen Steuerfreibetrag von 9.550 Euro hatten, allerdings unter der Voraussetzung, dass ihr reales Einkommen nicht über 5.000 Euro und das fiktive Einkommen nicht über 9.500 Euro lag und sie parallel keine Einkommen aus einer „unternehmerischen“ Tätigkeit oder aus Immobilien hatten. Damit es für die konkreten Steuerpflichtigen nicht zu einer überdimensionalen Besteuerung kommt, muss eine entsprechende gesetzliche Regelung erfolgen, wie sie auch für die im Jahr 2013 erworbenen Einkommen galt.

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  1. Antonios Vassiliadis
    15. Oktober 2014, 16:59 | #1

    Ist diese Gewerbeabgabe für die „Quittungsblockschreiber“ (z. B. Selbstständige oder Freiberufler) mit 650,- Euro pro Jahr oder pro Monat zu verstehen?

  2. Team
    15. Oktober 2014, 17:18 | #2
  3. Antonios Vassiliadis
    15. Oktober 2014, 17:42 | #3

    @Team
    Danke

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