Griechenland erstickt in Müll und Plastik

4. Oktober 2014 / Aufrufe: 4.177

In ganz Griechenland und speziell in den Gewässern finden sich hohe Konzentrationen an Mikro-Plastikfasern, die in die Ökosysteme und die Nahrungskette gelangen.

Das Institut für Meeresschutz „Archipelagos“ schlägt Alarm, da es die übermäßige Kumulation von Müll und hauptsächlich Kunststoffen in den griechischen Seegewässern und letztendlich in der Nahrungskette feststellt.

Viele Monate lang gab es von Seite der lokalen Selbstverwaltung nicht einmal die elementare Mobilisierung, damit der Müll beseitigt wird, was zum Ergebnis hat, dass viele Gebiete des Landes in eine endlose Müllkippe verwandelt worden sind„, erklärt gegenüber der Athener Nachrichtenagentur ANA-MPA der Leiter des Instituts, Theodoris Tsimpidis.

Der Mythos der Jahrhunderte benötigenden Zersetzung

Weiter fügt Herr Tsimpidis an, die provisorischen Maßnahmen zur Reinigung der Strände kurz vor dem Sommer reichen nicht aus, da der zunehmende touristische Betrieb zu einer neuen Ansammlung von Müll führe. Diese Müllkippe wird mit den ersten Regenfällen in das maritime Ökosystem transportiert, da die stürmischen Wasserflüsse den Müll in das Meer mitreißen. Das größte Problem bleiben die Kunststoffe, die sich zersetzen und deren Fasern auf unseren Tellern landen. „Bis vor kurzem herrschte die Ansicht, für die Zersetzung der Kunststoffe bedürfe es hunderter Jahre – mit dem Ergebnis, dass wir uns damit begnügten, die Last der Bewältigung des Problems den kommenden Generationen aufzubürden„, bemerkt die Forschungsleiterin des Instituts, Anastasia Miliou.

Eine seit Juli 2014 im Gang befindliche Untersuchung des Instituts „Archipelagos“ zielt auf die Erforschung der tatsächlichen Zersetzungsdauer des Plastiks unter realen Ökosystem-Bedingungen ab. Die Untersuchung wird in Seegebieten, in Flüssen und an Küsten durchgeführt und vermutlich bis Ende des Jahres dauern. Gemäß ihren ersten Resultaten scheint der Mythos der langsamen Zersetzung der Kunststoffe widerlegt zu werden, da der Rhythmus ihrer Zersetzung im Meer schneller ist. „Unter der Einwirkung der UV-Strahlung, des Salzes und des Wellengangs beginnt die Zersetzung der Kunststoffe bereits ab dem ersten Monat, speziell bei den sogenannten abbaubaren Tüten„, erklärt Frau Miliou. Wie sie anfügt, ist diese Zersetzung innerhalb weniger Monate vollendet, mit dem Ergebnis, dass die Plastikfasern schnell in das maritime Ökosystem und letztendlich in die Nahrungskette gelangen.

Hohe Konzentrationen von Plastikfasern in ganz Griechenland

Das Experiment wird an verschiedenen Plastiktypen – hauptsächlich Flaschen und Tüten – mit dem Ziel ausgeführt, den Rhythmus ihrer Zersetzung zu vergleichen. Erste abgeschlossene Ergebnisse werden nach Vollendung der Untersuchung gegen Ende des Jahres verfügbar sein.

Aus anderen Untersuchungen, die von dem „Achipelagos“ über die Verteilung der Mikro-Kunststoffe an Küsten, in Fischen und im Wasser durchgeführt worden sind, ist jedoch festgestellt worden, dass diese sich in ganz Griechenland finden und sogar auch in unbewohnten Gebieten der Ägäis hohe Konzentrationen gefunden wurden. Bei drei populären Fischarten – Sardellen, Thunfisch und Makrelen – wurden die Mageninhalte untersucht und bei 89% Mikroplastikfasern gefunden.

Das Beunruhigende ist, dass diese Fasern als ‚Schwamm‘ fungieren und gefährliche chemische Bestandteile aus Herbiziden aufnehmen„, ergänzt Herr Tsimpidis und endet, die einzigen Lösungen zur Bewältigung des Problems seien die Einschränkung der Verwendung von Plastik und die Verstärkung der Maßnahme des Recyclings.

(Quelle: in.gr)

  1. LiFe
    4. Oktober 2014, 15:48 | #1

    Das stimmt allerdings. Besonders im Naturschutzgebiet bei Kavala wurden jede Menge Plastikfolien in Sumpfgebiete abgelegt. Alle Versuche die Folien zu entfernen, mit der Bitte, dass diese für Mensch und Tier schädlich sind wurde völlig ignoriert. Nächstes Jahr, ich bin sicher, da liegen sie noch dort.

  2. Ingrid
    4. Oktober 2014, 19:53 | #2

    Auf dem Weg in unser Dorf ist ein grosses Feld voll mit Folien von den Spargelfeldern aus der Umgebung. Sie lassen Kuehe, Pferde und Schafe dort grasen. Touristen und Besucher faellt das besonders ins Auge, vor allem wenn sie nach 3 Jahren wieder kommen. Man schaemt sich direkt, wenn man Leute vom nahen Touristikort zu uns ins Dorf bringt. Auch am Strand bleibt alles liegen. Nicht nur, dass illegale Huetten und Wohnwagenbauten aufgebaut werden. Nein, jetzt im Herbst wird abgebaut, aber der Muell bleibt. Wir haben Storchennester, die mit Plastiktueten gepolstert sind. Die Jungen sterben, da sich das Wasser in den Nestern staut. Versucht man beim Buergermeister auf das Problem aufmerksam zu machen, passiert NICHTS. Traurig!

  3. laurent
    4. Oktober 2014, 21:22 | #3

    Tja liebe leut, dann werdet doch mal aktiv?! Nicht immer nur zuschauen und endlose Romane verfassen,sondern einfach mal die aermel hochkrempeln und sich dagegen stemmen.

  4. Ronald
    5. Oktober 2014, 01:21 | #4

    Die Abfallentsorgung in Griechenland ist bestenfalls auf dem Niveau der 1970er Jahre, wenn man sie mit dem Rest Europas vergleicht. Wenn der Plastikmüll nicht in der Landschaft rumläge würde er durch die öffentlichen Entsorger auf Deponien verbuddelt, was nicht viel besser ist. Meiner Meinung nach würden in Griechenland 2 Dinge Sinn machen:
    1. Ein Pfandsystem für Kunststoffflaschen
    2. Ein Müllkraftwerk in der Region Attika; annähernd 4 Millionen Einwohner, ein ungelöstes Entsorgungsproblem, mangels Mülltrennung (was auch nicht gehen würde) hochkalorischer Abfall mit unglaublichen Heizwerten und eine chronisch energetisch unterversorgte Region. Das wäre auf jeden Fall besser als den Müll am Stadtrand von Athen zu verbudeln (sie tun das, ich war da)
    Es wäre so einfach …

  5. Panhellene
    5. Oktober 2014, 10:22 | #5

    Ein großes Problem stellen auch die Einkaufstüten dar, die es so gut wie überall umsonst gibt. Kaufst du ein Päckchen Streichhölzer bekommst du eine Plastiktüte gratis dazu. Diese Tüten müßten mindestens 10 Cent kosten, dann würde der „Verbrauch“ drastisch sinken. Doch die Lobbyisten der Kunststoffhersteller beeinflussen die zuständigen Politiker nach wie vor sehr erfolgreich, auf Kosten einer sauberen und gesunden Umwelt.

  6. Mini
    5. Oktober 2014, 12:12 | #6

    Wie immer scheitert es an der Sturheit der Bürokraten und der vollkommen ineffizienten Verwaltungsorgane. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie man in Griechenland überhaupt noch eine gewisse Ordnung verwirklichen will, wenn es quasi schon Identität geworden ist, seinen Müll in die Landschaft zu kippen. Soll sich doch der Nachbar drum kümmern, hauptsache mein Grundstück ist sauber…
    Mülltrennung existiert nicht und oftmals landet der Müll neben den vollkommen überfüllten und viel zu kleinen Mülltonnen, wo er dann von Wildhunden, Katzen und vom Wind in alle Richtungen getragen wird.
    Was mich vor allem stört, ist die Verschandelung von Stränden, Straßenrändern und Gewässern mit Plastikflaschen und Plastiktüten! Das Zeug ist wie die Pest, liegt Monate, Jahre herum und es kümmert niemanden, wenn es Meer landet oder damit Pflanzen “gedüngt“ und Tiere “gefüttert“ werden. Es gibt viel zu viel von dem Zeug und m.E. würde ein radikales Verbot von Plastikflaschen und der Aufbau eines Leergut-Systems am besten wirken. Ebenso gehören diese Plastiktüten verbannt und durch die guten alten biologisch abbaubaren Papiertüten ersetzt. Insbesondere auf den Wochenmärkten werden einem die Plastiktüten fast schon rollenweise hinterhergeworfen. Und wo landet das Zeug dann?

  7. Moppel
    6. Oktober 2014, 04:49 | #7

    Zu den Hauptursachen des Müllproblems zählen Bequemlichkeit, Dummheit, Ignoranz. In diesem Sinn sollte sich erst einmal jeder an die eigene Nase fassen, bevor auf andere gezeigt wird. Die einzige Lösung, das Müllproblem in den Griff zu bekommen, besteht darin, Müll konsequent zu vermeiden!

  8. Peter Adam
    6. Oktober 2014, 09:48 | #8

    Ich bin vor gut 4 Jahren durch Thrakien und Makedonien getrampt und habe mich geschämt für den Dreck und Müll an den Straßenrändern unseres Heimatlandes … . Wie können Menschen, die von sich behaupten stolz auf ihre Nationalität zu sein, ihr Heimatland so verwahrlosen lassen? Griechenland ist so schön und doch so dreckig … . Ich verstehe die Gleichgültigkeit der Menschen nicht. Denken die denn nicht daran das ihre Kinder irgendwann dieses Land ihr eigen nennen werden? Ist das wirklich alles was die Griechen ihren Nachkommen hinterlassen wollen? Es ist eine Schande für jeden Christenmenschen, wenn er die Schöpfung Gottes so vergewaltigt.

  9. V 99%
    6. Oktober 2014, 23:51 | #9

    Ich werde des oefteren komisch angesehen, wenn ich auf dem Laiki (Markt) oder gar im Supermarkt, eine gebrauchte Plastiktuete auspacke und die gekauften Dinge darin einpacke. Was mich schon in den 90ern gestoert hat, man faehrt durch ein schoenes Stueck Natur und denkt an nichts schlimmes und steht poetzlich in einer privaten Muellkippe. Oder man faehrt auf der Stadtautobahn und wird dann einfach von dem vorher fahrendem Fahrzeug mit Muell aus dem Fenster beworfen. Das schlimmste Erlebnis war aber ein schwimmen und tauchen bei Vravrona. Der gesamte Meeresboden war mit Plastikmuell uebersaet. Das kann ich natuerlich nicht nur den nahe wohnenden Mitbuergern ankreiden, es ist dennoch erschreckend, in Anbetracht dass Wissenschaftler mal sagten, wenn die Phthalate in der Nahrungskette der Fische angelangt sind, der Mensch, der sich dann davon weiterhin ernaehrt, in der Annahme, das sei die gesuendeste Nahrung, bald ausgestorben sein wird. Nothing in the world is more dangerous than sincere ignorance and conscientious stupidity. (Martin Luther King) Daran aendern auch Pfandflaschen nicht viel.

  10. Götterbote
    7. Oktober 2014, 12:24 | #10

    Wir sollten uns nichts vormachen und so tun, als ob das ein griechisches Problem wäre. In Deutschland ist es genauso schlimm, nur gibt es einen großen Unterschied: der Müll wird in der Regel regelmäßig von den entsprechenden Stellen (Ordnungsämter, Müllabfuhr usw.) eingesammelt und „ordnungsgemäß“ (daran darf man auch ab und zu zweifeln) entsorgt. Ich kenne alleine in meinem Wohnumfeld (und das ist sicher kein schlechtes) zig Stellen, die regelmäßig zugemüllt werden. Angefangen von der naheliegenden Autobahnausfahrt, die so unglaublich von den Autofahrern mit Müll bombardiert wird, dass sie alle paar Wochen gereinigt werden muss, bis hin zu Waldstücken, in denen die Leute alte Autoreifen, Sperrmüll oder sonstigen kostenpflichtigen zu entsorgenden Müll abladen. Hier ruft aber dann der nächste aufmerksame Bürger das Ordnungsamt an und die schicken jemanden vorbei. Das alles kostet aber einen Haufen Geld, das vor der Krise für solche Zwecke nicht locker gemacht wurde und jetzt in der Krise wohl erst recht nicht.

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