Die Wahrheit hinter den Stresstest der Banken in Griechenland

30. Oktober 2014 / Aktualisiert: 10. Oktober 2018 / Aufrufe: 2.082

Der Fall der Alpha Bank

Die ebenfalls „gesunde“ Alpha Bank, die – als einzige „systemische“ Bank Griechenlands – den Stresstest der EZB erfolgreich bestand, befindet sich derzeit wegen eines Falls legaler Steuervermeidung und Spekulation (auch) zu Lasten ahnungsloser Kunden in einem Rechtstreit mit Investoren.

Zwischen den Jahren 2003 – 2007 gab die Alpha Bank eine Reihe strukturierter Anleihen aus, welche die Charakterisierung „perpetual“ führen. Eins der hauptsächlichen Charakteristika in ihrem „Kurztitel“ sind die lateinischen Großbuchstaben „XS“. Diese Papiere werden auch als „hybridisch“ charakterisiert und haben nichts mit den – allen bekannten – traditionellen Anleihen zu tun. Diese Produkte sind üblicherweise Obligationen mit unbefristeter Laufzeit. Beispielsweise können einige von diesen nach 40 oder sogar 50 Jahren auslaufen. Ein grundsätzlicher Unterschied dieser Titel zu den üblichen Anleihen ist jedoch, dass sie nicht die Rückzahlung des Betrags des anfänglich entrichteten Wertes garantieren. Und zusätzlich kann die Bank die Anleihe jederzeit stornieren, und zwar sogar auch, wenn sie sich bei 50%, 60% oder sogar auch 70% des anfänglich gezahlten Wertes befindet. Einfacher gesagt, wer auch immer in ein solches Produkt investiert, kann in jedem Moment und Augenblick sein anfängliches Kapital verlieren.

Um den Kurs dieser Obligationen zu verfolgen, benötigt man qualifizierte finanztechnische Kenntnisse. Für die Ausgabe dieser Titel bediente die Alpha Bank sich einer Tochtergesellschaft von ihr, der „Alpha Jersey“ mit Sitz auf der Jersey-Insel. Danach vertrieb sie diese Produkte über verschiedene Wege an die Investoren. Entweder über Filialen oder mittels der Abteilung für Private Banking an Privatleute oder sogar auch an Versicherungskassen. Etlichen der Kunden war jedoch die Gefährlichkeit der konkreten Investition nicht bekannt. Diese Obligationen hatten die folgenden Charakteristika: Sie waren unbefristet, Emittent war nicht die Bank selbst, sondern eine Tochtergesellschaft von ihr mit Sitz in einem „Steuerparadies“, die Dividenden konnten ausgesetzt werden, wenn die Bank einem Kapitalproblem begegnete, während die Besitzer solcher Titel im Fall eine Liquidation sich am Schluss der Gläubiger befanden, ohne jegliches Vorrecht.

Kapitalschöpfung auf Kosten „dummer“ Kunden

Die Weise, auf welche die Bank zur Ausgabe solcher Obligationen agierte, war simpel, jedoch ziemlich genial. Eine Gesellschaft der „Alpha Jersey“ mit einem Aktienkapital von 10.000 GBP (also 15.000 Euro) gab Anleihen über 1 Mrd. Euro aus. Für diese Aktivität entrichtete sie absolut keine Steuer, da sie mit einem Satz von 0% besteuert wurde. Sie beschränkte sich jedoch nicht nur darauf. 2010 Schritt die Bank zum Aufkauf der Anleihen der Tochtergesellschaft der „Alpha Jersey“. Der Wert dieser Obligationen belief sich auf ungefähr 300 Mio. Euro. Der Kauf erfolgte zu ihrem Ausgabenennwert, also 100% ihres Wertes, und nicht zu dem laufenden Marktwert, der damals 50% nicht überstieg. Dieser Zug hatte die Minderung der Kapitalgesundheit der Bank zum Resultat, ohne dass jedoch das Geringste geschah.

Wenige Monate später gab die „Alpha Jersey“ bekannt, „wegen der Belastung ihrer finanziellen Lage keine Dividende zahlen zu werden„. Einfacher gesagt, zuerst bezahlte sie mit dem vollen Preis die Anleihen, die sie selbst inne hatte und 1/3 der Gesamtheit der Anleihen darstellten, die sie selbst ausgegeben hatte, und gab danach ihr Unvermögen bekannt, den anderen eine Dividende zu zahlen. Zwei Jahre später, im Jahr 2012, unterbreitete die „Alpha Jersey“ der Alpha Bank ein Angebot zum Aufkauf zu 40% des Wertes der Titel, die sie ausgegeben hatte. 2013 war die Alpha Bank an der Reihe, erneut ein Angebot zum Aufkauf dieser Titel für 35% ihres anfänglichen Wertes zu machen.

Damit es verständlicher wird: Die Tochtergesellschaft „Alpha Jersey“ verkauft mit den bekannten Steuervorteilen ihre Obligationen, die zu 35% ihres (Nenn-) Wertes von der Muttergesellschaft Alpha Bank zurückgekauft werden – was eine Emission der anfänglichen Nennemission impliziert. Dies bedeutet, dass die Bank sich mit der einen Hand zu 100% Geld leiht, für die Provision des Verkaufs an den dummen Kunden legal Steuern vermeidet, und nachdem sie den privaten Kreditgeber nicht mehr braucht und fortan in der Finanzierung – Rekapitalisierung über die Finanzstabilitätsfazilität (FSF) Zuflucht sucht, zahlt sie dem privaten Kreditgeber gerade einmal – wenn überhaupt – 35% zurück. Und diese Züge werden von der Griechischen Bank als „erfolgreiche Passiva-Verwaltung“ beklatscht.

Ständige Taktik der Banken

Zu entsprechenden Zügen sind in der Vergangenheit alle heutzutage „systemisch“ genannten Banken geschritten. In der Periode 2002 – 2008 nutzten sie die Möglichkeit, die ihnen von der Griechischen Bank per Beschluss ihres Leiters persönlich gegeben wurde, zwecks Stärkung ihres Eigenkapitals zur Ausgabe „hybridischer“ Anleihen zu schreiten. Die Banken schufen somit über Tochtergesellschaften von ihnen die Produkte und „hebelten“ praktisch Fakten ihrer Aktiva, ohne dass jedoch ihre Kunden jemals über die Gefährlichkeit ihrer Investitionen informiert werden.

(Quelle: Büchse der Pandora)

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  1. Friedrich Rousfeti
    30. Oktober 2014, 18:01 | #1

    Vielen, vielen Dank für diese exzellente Analyse, die zeigt, dass griechische Banker in der Premier League des internationalen Finanzsystems allemal mithalten können. kali nichta, EZB!

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