Der trügerische Traum vom neuen Pony aus Griechenland

6. Oktober 2014 / Aufrufe: 2.679

Trotz aller Euphorie bleibt ungewiss, ob der Fahrzeughersteller Namco in Griechenland die Produktion einer modernen Variante des legendären Pony aufnehmen können wird.

Der legendäre Pony der NAMCO SA in Griechenland
Der legendäre „alte“ Pony der NAMCO SA in Griechenland (Foto: Christos Vittoratos)

Bis auf weiteres verkehrt in Griechenland nur die alte Variante des legendären Pony auf den Straßen, und nur zu … ausgewählte Auftritten. Die Aufnahme der Produktion des neuen Pony begegnet etlichen Hindernissen und es ist immer noch unbekannt, ob und wann das neue Fahrzeug es schaffen wird, auf den Asphalt zu kommen.

Produktionsanlagen der Namco liegen weiterhin still

Auch dies war eine Fertigungsstrecke: Das erste Stadium waren die Reportagen mit den Informationen über den Neubeginn der Fabrik der Namco und die Produktion des neuen Pony. Das zweite waren die Anfragen im Parlament bezüglich der „Bürokratie“ rund um die einschlägigen Genehmigungen. Im dritten wurde die Regierung tätig, wobei die Informationen über eine „Deblockierung“ der Verfahrensabläufe an die Medien durchsickerten. Zum Schluss gab es Auftritte von Amtsträgern in Sendungen, Besuche der Fabrik und feierliche Erklärungen über die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die Extrovertiertheit usw. Wir waren dermaßen mit dem Traum von dem Herauskommen des Landes aus der Krise auf vier Rädern beschäftigt, dass niemand bemerkte, dass die Produktionsstraße selbiger Fabrik inaktiv bleibt.

Internen Quellen der Namco SA zufolge sind für den Neustart der Fahrzeugfabrik und die Produktion des ersten „neuen“ Pony wenigstens 10 Mio. Euro für weitere Forschung, Produktionsstudien, Anlernung von Fachkräften usw. erforderlich. „Dieses Geld existiert nicht.“ Herr Kefalogiannis besuchte die Fabrik, er sah ein Auto, aber man sagte ihm nicht, dass derzeit zwei Fertigungsstraßen für die Montage fehlen, berichten Leute der Firma charakteristisch.

Ungünstiges Klima für die Entwicklung einer Fahrzeugindustrie

Wie sie sagen, begünstigt das Klima in Griechenland allgemein nicht die Entwicklung der Fahrzeugindustrie. Der Reingewinn einer solchen Investition liegt nicht über 3% – 6%, während die erforderlichen finanziellen Betriebsmittel ungefähr 80% des Umsatzes entsprechen. Laut den erfolgten Bekanntmachungen ist die Produktion von täglich 24 Fahrzeugen geplant. Wenn sich der Preis bei 7.000 Euro bewegt, erreicht der Umsatz 42 Mio. Euro im Jahr. Das bedeutet finanzielle Betriebsmittel in Höhe von 34 Mio. Euro, weil alle Teile, die nicht in Griechenland hergestellt werden können, im Ausland eingekauft werden müssen.

Die Motoren beispielsweise werden sie von Volkswagen – Ford kaufen. „In Griechenland haben wir keine Gießereien für Motorblöcke, wir haben nicht das Know-how für die Produktion von Bremsen. Alles kaufen wir im Ausland ein. Auch VW ist praktisch eine Montagefabrik, aber den kritischsten Teil, nämlich den Motor und das Getriebe, stellt VW selbst her.“ Wie die selben Quellen anführen, muss die Namco für die 6.000 Fahrzeuge, die sie im Jahr zu verkaufen plant, vorab 2.000 – 2.500 Motoren einkaufen.

Es fehlen technisches Know-how und Facharbeiter

Ein großes Hindernis stellt parallel auch das mangelnde technische Know-how dar. Das Personal der goldenen Epoche der Automobilindustrie in Griechenland (1964 – 1985) befindet sich inzwischen im Ruhestand. „Es werden Mechaniker für alle Stadien benötigt, von den Schweißarbeiten, der Lackierung bis hin zur Qualitätskontrolle. Wir haben keine auf die Fahrzeugindustrie spezialisierten Arbeitskräfte. Möglicherweise wird es nötig sein, dass wir den Verband der pensionierten Fahrzeugindustrie-Facharbeiter für die Ausbildung ihrer griechischen Kollegen anrufen. Und das braucht Zeit und Geld,“ merken charakteristisch Leute der Firma an.

Alls das Vorstehende wird von dem allgemeinen Klima ergänzt, dass in den letzten Jahren in Griechenland herrscht. „Es gibt keinen Grund, dass heutzutage jemand in Griechenland investiert, wenn 26% Steuer auf die Gewinne gefordert werden und zusätzlich eine Vorauszahlung von 55% zu leisten ist. Zusätzlich betragen die Lohnkosten das 1,9-Fache des Gehalts eines Facharbeiters, hauptsächlich wegen der Versicherungsbeiträge. Das Umfeld ist für solche Investitionen nicht gut.

Praktische und wirtschaftliche Aspekte

Die Familie Kontogouris hatte schon immer den Traum, das perfekte Auto zu bauen. Ein Fahrzeug, das sich keinen Kompromissen beugt, ein Werkzeug ist, sich von der Masse absetzt. Der neue Pony ist beliebt, praktisch, hart im Nehmen und vor allem preiswert. Wie sollte man nicht von einem griechischen Produkt bezaubert sein, das neue Arbeitsplätze schaffen wird, und zwar nicht nur in Nea Redestos / Thessaloniki, wo sich die Fabrik befindet, sondern mittels der Lieferanten auch in mehr als 200 Manufakturen und Industriebetrieben des Landes.

Dieser Traum wird jedoch vielleicht nicht zur Wirklichkeit werden können. Genauer gesagt könnte er sich sogar zu einem Albtraum entwickeln, mit unbezahlten Rechnungen, enttäuschten Kunden, Entlassungen und gerichtlichen Prozessen mit Banken, Gläubigern und dem Fiskus.

(Quelle: Kathimerini)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    6. Oktober 2014, 13:28 | #1

    Ich habe den Traum vom Pony mitgeträumt; aber nüchtern betrachtet: Es ist illusorisch, innerhalb des Euroraumes ein Fahrzeug, das alle EU-Vorgaben erfüllt, in Handarbeit für 7.000 € herzustellen.

  2. John Carter
    7. Oktober 2014, 09:59 | #2

    Dass war mir von Anfang an klar. 1000 Gründe warum es nicht geht. In der Türkei wäre das nicht passiert, dort würde das Fahrzeug bereits vom Band rollen.

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