Unsichtbare Pfade in Athen

13. September 2014 / Aktualisiert: 11. August 2020 / Aufrufe: 1.299

Alternative Stadtführungen in Griechenlands Hauptstadt Athen sollen den Teilnehmern ein Bild der Stadt aus der Sicht Obdachloser vermitteln.

Wer kennt sie nicht, die schönen Eckchen der Stadt, die Plätze um einen Drink zu genießen, die Betriebsamkeit auf den Straßen. Wie erscheint Athen jedoch aus der Sicht eines Obdachlosen?

Das für die griechischen Gegebenheiten pionierische Programm „Unsichtbare Pfade“, das ab dem 20 September 2014 die Straßenzeitschrift „Schedia“ (Σχεδία = Floß) umzusetzen beginnen wird, bietet die Möglichkeit, Athen mit obdachlosen Mitbürgern als Führer zu erkunden.

Ich glaube noch an die Menschen, weil auch sie Teil der Straße sind

Wie auch bei den entsprechenden von Straßenzeitschriften des Auslands organisierten Stadtführungen werden die „Unsichtbaren Pfade“ Stopps bei öffentlichen Tafeln, Schlafunterkünften, Entziehungszentren usw. umfassen. Während der Dauer des Rundgangs werden die – derzeitig oder vormals obdachlosen – Führer Informationen über die von jeder Einrichtung gebotenen Leistungen, aber auch darüber geben, wie sie selbst das Leben auf der Straße erlebt haben oder erleben. Ziel des Programms ist offensichtlich die Aktivierung des Obdachlosen selbst, aber auch die Sensibilisierung der Bürger rund um das – inzwischen auch in Griechenland – gesellschaftliche Problem No. 1, sprich die Obdachlosigkeit.

Die ersten Führungen werden ab den Büros der „Schedia“ im Bezirk Agios Pavlos beginnend einer Route folgen, die über den Vathi-Platz, die Straßen Sokratous, Piräos, Menandrou, Zinonas, Deligiorgi, Sofokleous Athinas, das Wohnviertel Psyrri und Monastiraki führt. Die ersten drei Führer werden Giannis, Lampros und Christos sein, die in dem Netzwerk der Menschen mitarbeiten, welche die Straßenzeitschrift „Schedia“ verkaufen.

Straße bedeutet für mich schwere und eher elende Jahre. Am Rand der Straße gibt es jedoch immer Hoffnung. Deswegen glaube ich noch an die Menschen. Weil auch die Menschen Teil der Straße sind„, meint Giannis. Alle drei sind auf diesen neuen Start gespannt. „Ich sorge mich darum, das korrekt zu übermitteln, was ich sagen möchte„, erklärt Christos. „Ich glaube jedoch, dass es den anderen auf die eine oder andere Weise erreichen wird, wenn man die Sprache der Wahrheit spricht und das sagt, was man fühlt„, meint er, während Lampros anfügt: „Grundsätzlich ist es die Freude, die ich verspüre, aktiv und nützlich zu sein. Ich glaube, dass viele der Menschen, die zu den Führungen kommen werden, die Stadt aus Angst nicht erkundet haben. Der Umstand, dass sie wegen meiner Anwesenheit eine gewisse Sicherheit fühlen werden, ist für sich allein eine große persönliche Befriedigung.

Die Führungen werden jeweils um 11 Uhr morgens beginnen und 2 Stunden dauern. Die Teilnahmekosten betragen 6 Euro (3 Euro für Schüler, für Arbeitslose und Rentner gratis), wovon 50% eine direkte Einnahme für den jeweiligen Führer darstellen.

(Quellen: Kathimerini, in.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Kleoni
    13. September 2014, 15:35 | #1

    eine gute Idee – Hilfe zur Selbsthilfe, aber auch ein Weg, das Trauma Obdachlosigkeit aufzuarbeiten.

  2. Kate Dawson
    26. Oktober 2014, 14:31 | #2

    Ich bin im Dezember in Athen und würde gerne so eine Stadtführung machen. Ob die wohl auch im Winter angeboten werden? Und wo erfahre ich, an welche Tagen die Führung stattfinden?

    Beste Grüße

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