Regierung in Griechenland versucht Opposition mundtot zu machen

16. September 2014 / Aufrufe: 1.741

Premierminister Antonis Samaras soll persönlich Druck auf die Medien ausgeübt haben, um die Übertragung der Rede des Alexis Tsipras in Thessaloniki zu verhindern.

Die Polarisierung zwischen Nea Dimokratia (ND) und SYRIZA wird an die Grenzen geführt, während die Kollision zwischen Premierminister Antonis Samaras und Oppositionsführer Alexis Tsipras auch persönliche Elemente bekommt.

Auf dem Weg zu den – wann immer erfolgenden – Parlamentswahlen wird sich die Polemik von Seite des Megaro Maximou (Anmerkung: gemeint ist die Regierungszentrale) gegen die Führung der SYRIZA verstärken, was sich klar aus all dem zeigte, das sich anlässlich der Rede des SYRIZA-Vorsitzenden Alexis Tsipras am vergangenen Samstag (13 September 2014) auf der 79. Internationalen Messe in Thessaloniki hinter den Kulissen abspielte.

Telefonate von Samaras auch an private Fernsehsender

Es blieb sogar nicht nur bei dem Druck und der Anweisung des Büros des Premierministers an die Leitung der (neuen) öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt NERIT, nicht die Rede des SYRIZA-Vorsitzenden am Samstagabend im Kongresszentrum Vellidio zu übertragen, wo auch das Regierungsprogramm der Opposition präsentiert wurde, sondern es erfolgten ebenfalls persönliche Interventionen des Premierministers. Laut absolut zuverlässigen Quellen telefonierte Antonis Samaras mit Schlüsselpersonen in den Unternehmensleitungen zentraler Massenmedien, damit Alexis Tsipras‘ Rede von den privaten Kanälen nicht übertragen wird.

Der Druck, der Stress und für andere die Panik im Megaro Maximou, über dem in letzter Zeit viele dunkle Wolken aufgezogen sind, ist offenkundig. Erst am vergangenen Donnerstag ertrug das Büro des Premierministers auch nicht die Satire der Wochenzeitschrift Pontiki und schritt zur Bekanntgabe einer Beschwerde mit verschwörungstheoretischem Aroma und Deklarationen, dass die Regierung sich nicht beugen wird. Alexis Tsipras und seine Mitarbeiter betrachteten dagegen all das, was die Regierung zur Verhinderung der Übertragung seiner Rede unternommen hatte, als großes Geschenk. Der SYRIZA-Vorsitzende charakterisierte den Entschluss der NERIT, die Übertragung seiner Rede am vergangenen Samstags zu verbieten, sogar als „Sponserung“ von Seite des Premierministers.

Viele – aus etlichen politischen Räumen, sogar auch aus dem Inneren der ND und hauptsächlich gemäßigte Personen der Zentrumsrechten – sahen eine grobe zensierende Intervention des Premierministers persönlich bei der NERIT in einem Versuch, die SYRIZA zu knebeln. Der konkrete Zug folgte auf die am vergangenen Donnerstag erfolgte Intervention bei der bis damalige Leitung der NERIT bzw. Antonis Makrydimitris (Vorsitzender) und Rodolfos Moronis (stellvertretender Vorsitz), damit die Rede des Alexis Tsipras nicht übertragen wird, sondern nur die Pressekonferenz des Sonntags. Trotz der Tatsache, dass das Megaro Maximou darauf beharrt, es habe keinerlei Intervention gegeben, griff sicheren Informationen zufolge der Premierminister persönlich ein, aber die beiden damaligen Leiter der NERIT hielten es nicht aus und traten zurück.

Zeitungen wurden zu aggressiver Haltung aufgefordert

Ebenfalls gab es auch Telefonate höherer Regierungsfunktionäre an Zeitungen, damit es in den Montagsausgaben eine aggressive Haltung gegenüber der Rede des Alexis Tsipras gibt. Die vorgegebene Linie war, das von dem Oppositionsführer präsentierte Programm vollständig zu entkräften, während derweilen sogar mittels des Internets und der Sozialen Medien auch Journalisten in Aktion traten, die in ständiger Kommunikation mit dem Umfeld des Premierministers stehen.

Die Sache mit der NERIT und alles, was mit dem hinter den Kulissen ausgeübten Druck des Megaro Maximou geschah, damit nicht die Rede übertragen wird, die im übrigen eine beispiellose Projektion durch alle peripheren Kanäle und das Internet erfuhr, während die zentralen Massenmedien es in ihrer Gesamtheit vermieden, das premierministerliche Begehren zu befriedigen, steckt auch das Niveau der zukünftigen politischen Kollision ab.

Die Kollision auf dem Weg zu den Wahlurnen wird gnadenlos sein und Antonis Samaras hat es persönlich genommen, auch wenn die Wiederwahl für ihn eine sehr schwierige Angelegenheit ist … . Er selbst beharrt, „ich werde nicht gegen Tsipras verlieren„, aber das Leben verläuft in Zyklen: für manche beginnt ein Zyklus und für andere endet er!

(Quelle: thetoc.gr, Autor: Stefanos Lignos)

Relevante Beiträge:

  1. Kleoni
    16. September 2014, 10:52 | #1

    klar und deutlich für jedermann verständlich: der öffentlich rechtliche Fernsehsender ERT wurde nicht auf Druck der von der EU verordneten Sparmassnahmen geschlossen, sondern um daraus den Schwarzsender sprich staatlich kontrollierten Sender NERIT zu schaffen. Kritische Journalisten blieben aussen vor, dafür die linientreuen rein. Und die Privaten werden mit Werbung zugemüllt, Nerit übrigens auch. Griechisches Fernsehen, nein danke – back zum Radio.

  2. BravoZulu
    16. September 2014, 15:21 | #2

    Ich wünsche mir, dass die SYRIZA mit ihrem Vorsitzenden Alexis Tsipras die nächste Wahl gewinnt. Alexis Tsipras weiß, dass ihn Antonis Samaras mit allen Mitteln demontieren will. Das macht ihn aber in den Augen der Bevölkerung nur noch stärker. Denn die hat nunmehr erkannt wie der Hase in Griechenland läuft.

  3. GR-Block
    16. September 2014, 16:14 | #3

    “ich werde nicht gegen Tsipras verlieren“ Das klingt ja wie das Pfeifen im Walde. Klar versucht ein Politiker, dem der Arsch auf Grundeis geht, seinen Gegner mundtot zu machen. Das geht aber nicht indem man Schwäche zeigt. Denn nichts anderes ist der vergebliche Druck auf die Medien. So etwas schafft dort nur Feinde und ungewollte Aufmerksamkeit für die eingeleitete Selbstdemontage. Die NERITen kassiert Samaras Gegner, ohne dass er wirklich etwas leistet, verkauft sich aber gut als künftiger Samariter.

  4. HJM
    16. September 2014, 23:51 | #4

    Hoffe sehr, dass die Syriza bzw. Tsipras die nächsten Wahlen gewinnt. Wenn auch nur mit Sitz-Bonus. Denn dann schlägt die bekannte Stunde der (leider nur internen) Wahrheit …

  5. Hermann
    17. September 2014, 04:43 | #5

    Tsipras muss gewinnen, es muss vorgezogene Neuwahlen geben. Diesmal kann man wirklich sagen, auch als nicht Linker: Es gibt keine Alternative!

  6. V 99%
    17. September 2014, 14:30 | #6

    Zumindest mit folgender Aussage hatte Samaras dieser Tage recht: „In Anbetracht dessen, was Alexis Tsipras in Thessaloniki sagte, also wenn Wahlen abgehalten worden waeren und er diese gewinnen wuerde, gaebe es am naechsten Tag keinen einzigen Euro mehr auf den Banken“. Ich bin mal gespannt, ob die EZB dann wieder, mit Unterstuetzung der italienischen und oesterreichischen Notenbanken und der griechischen Luftwaffe, wie in den Jahren 2010-2012 geschehen, palettenweise 50€ und 100€ Scheine, einfliegen wird, um einen Bankrun und den damit verbundenen Zusammenbruch zu verhindern. Es wurden, unmittelbar vor den letzten Parlamentswaheln, geschaetzte 3,5 Milliarden Euro abgehoben. Wie dann wohl die „Stunde der Wahrheit “ aussieht?

  7. VD
    17. September 2014, 20:36 | #7

    Leider ist die Partei TO POTAMI (Der Fluß) noch nicht lange in der Opposition und in der politischen Landschaft in GRC. Dort sitzen wenigstens Leute, die Ahnung von dem haben, was Sie tun; also Technokraten (Professoren, Wissenschaftler etc.). Die Partei müsste die nächste Regierung stellen, nicht die SYRIZA. Tsipras ist leider auch nur ein „Dummschwätzer“, der den grc Bürger auch nur belügt. Wie will er denn die ganzen Versprechungen (s. Auftritt bei der IMT in Thessaloniki) an den grc Bürger bezahlen. In GRC markiert er den starken Mann mit dem Versprechen der Aufkündigung der Memoranden. Ist er aber im Ausland unterwegs, kommen ganz andere Töne von ihm. Aber wenigstens wäre er besser als die jetzige Regierung in GRC. Da sollen die Politiker, die den Wagen in den Dreck gefahren haben wieder herausziehen. Paradox.

  8. Moppel
    18. September 2014, 00:23 | #8

    Viele – mehr oder weniger – geistreiche Kommentare, von denen bisher jedoch nur ein einziger (!) zu dem in Rede stehenden Thema, nämlich der immer unverhohlenere Ausmaße annehmenden Knebelung und Zensur der Medien in Griechenland relevant ist.
    Unter jedem halbwegs rechtstaatlichen Regime wären nach den spontanen (…) Amtsniederlegungen bei der NERIT und dem damit entfachten Wirbel prompt Köpfe gerollt bzw. Bauernopfer angeordnet worden, um wenigstens formal den Schein zu wahren. Stattdessen wurden noch ein paar „Briketts nachgelegt“ und auch private Medien unter Druck gesetzt. Die panische Anstrengung, die Übertragung der Rede des SYRIZA-Vorsitzenden durch die NERIT zu verhindern (warum eigentlich? – der durchschnittliche TV-Konsument „zappt“ eh nur während der Werbeblocks der privaten Kanäle zur NERIT), bewirkte letztendlich genau das Gegenteil: In ostentativer Demonstration ihrer „Unabhängigkeit“ übertrugen sogar auch „Pusemuckel-TV“ & Co vollumfänglich – und natürlich „live“ – Tsipras‘ Rede in Thessaloniki.
    Fazit: Die Marionettenregierung unter Antonis Samaras wird sich in ihrem verzweifelten Überlebenskampf an jeden noch so dünnen Strohhalm klammern und nicht davor zurückschrecken, skrupellos aller wie auch immer gearteten „unkonventionellen“ Strategien zu bedienen!

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